OM: Hallo Shawn, seit gut 3 Jahren sitzt du nun bei Megadeth hinter den Kesseln. Ist es immer noch die Art von Job, die du dir vorgestellt hast als du 2005 zur „Blackmail The Universe“ – Tour dazugestoßen bist?

Shawn Drover: Ja, auf jeden Fall! Für mich hat sich daran nichts geändert und es ist noch immer genau das was ich tun möchte: Abends auf die Bühne steigen, eine gute Show hinlegen und dabei einfach ne Menge Spaß haben. Das ist alles was ich will und Megadeth bietet mir dafür die optimalen Bedingungen.

OM: Mit welchen Worten würdest du die vergangenen 3 Jahre von Megadeth beschreiben?

Shawn Drover: Ich würde die letzten 3 Jahre als wichtig ansehen. Als Dave 2004 die Band wieder ins Leben rief hatte er, glaube ich, nicht vor auf Welttournee zu gehen, aber er stellte fest, dass die Fans Megadeth noch immer wollten und so entschloss er sich ein neues Album zu machen und damit den Globus zu bereisen. Und nun stehen wir hier 4 Jahre später, haben bereits das Nachfolgealbum im Gepäck, erfreuen uns bester Gesundheit und machen das was uns Spaß macht. Einfach cool!

OM: Wie gehst du persönlich mit dem Ausstieg deines Bruders Glen um? Seine Beweggründe, mehr Zeit für seine Familie und sich zu haben, sind nachvollziehbar…

Shawn Drover: Die Sache mit Glen ist im Großen und Ganzen ziemlich einfach. Ich wünschte ich könnte dir jetzt eine dieser großen Rock ’n‘ Roll – Geschichten erzählen, dass er ein Heroinjunkie ist und einfach nur zu fertig war, um weiter zu machen, aber die Wahrheit ist, dass es für ihn in letzter Zeit, speziell die letzten 6 Monate, immer schwieriger wurde lange von zu Hause fort zu bleiben, da er einen kleinen Sohn hat, den er nicht mehr gesehen hat seit er 2 Jahre alt geworden ist. Deswegen waren lange Touren dann auf Dauer auch ein Problem für ihn und er teilte uns mit, dass er nicht mehr mit 100 Prozent dabei ist und deshalb die Reißleine zieht. Wenn man in so einem Business nicht mehr 100 Prozent geben kann, ist es den Fans gegenüber nicht fair, die eine Menge Kohle gezahlt haben, um eine gute Show zu sehen, es ist den anderen Bandmitgliedern gegenüber nicht fair, die sich den Arsch aufreißen und Glen selbst gegenüber wäre es auch nicht fair, da er diese Rückmeldungen zu spüren bekommen hätte. Ich fand es ziemlich cool, dass er das so gemacht hat und damit Platz für jemanden geschaffen hat, der sich voll und ganz auf die Band konzentrieren kann. Jeder in der Band hatte vollstes Verständnis für seine Entscheidung und unterstützte ihn darin. Es gab keine Anfeindungen, nichts. Klar fehlt mir mein Bruder, wenn wir unterwegs sind, aber besser ich weiß ihn glücklich zu Hause bei seiner Familie als unglücklich mit uns auf Tour. Im Rock ’n‘ Roll ist es wichtig, dass du glücklich bist, sonst funktioniert es nicht.

OM: Wie stehts mit seinem Ersatz Chris Broderick? Kommt ihr miteinander klar?

Shawn Drover: Chris kam in die Band als Glen sich entschied zu gehen. Wir setzten uns hin und überlegten, wer seinen Platz wohl am besten einnehmen könnte. Wir hatten eine relativ kurze Liste von entsprechenden Leuten vor uns und Chris stand ganz oben. Glen und ich trafen uns zusammen mit Dave und ihm und innerhalb von gerademal 2 Tagen hatten wir einen neuen Gitarristen! Er ist echt ein netter Typ und passt hervorragend in die Band! Er ist Single und hat keine Kinder, hat noch nie in einer großen Band gespielt, die Platinplatten auf den Markt bringen (wodurch Starallüren nicht vorhanden sein dürften) und er ist natürlich fähig die ganzen zweistimmigen Soli und den anderen Kram nachzuspielen.

OM: Letztes Jahr veröffentlichten Megadeth ihr 11. Studioalbum „United Abominations“. Das war das erste an dem du von Anfang bis Ende mitgewirkt hast. Wurden deine Erwartungen letztendlich erfüllt?

Shawn Drover: Ja, ich denke schon. Natürlich kann man eine Menge Leute fragen und der eine wird sagen es ist das beste Megadethalbum seit 10 Jahren, ein anderer sagt es ist das beste seit 8 Jahren und so weiter… Wie auch immer, alles was ich weiß ist, dass es ein gutes Album ist und nicht scheiße. Für mich ist das wichtig, schließlich möchte man ja schon gerne auf einer gutverkauften Platte spielen. Ich bin jedenfalls stolz auf die Scheibe und gehe davon aus, dass sie im Laufe der Jahre zu einer der besserverkauften Alben in der Megadethgeschichte gehören wird.

OM: Wo siehst du den Unterschied im Gegensatz zu seinem Vorläufer „The System Has Failed“?

Shawn Drover: Ich denke „The System Has Failed“ ist ein wirklich gutes Album, aber ich finde das neue besser. Das hat jetzt nichts damit zu tun, dass ich darauf spiele, sondern es ist einfach stärkeres Material vorhanden gewesen, woraus kraftvollere Songs entstanden sind. Aber hey, dass ist jetzt wieder nur meine Meinung. Fragst du jemanden anderes, dann wird der vielleicht sagen, dass „The System Has Failed“ das beste Album von Megadeth überhaupt ist und ein anderer wiederum sagt „Countdown To Extinction“ ist das beste aller Zeiten. Ich halte beide für sehr gute Produktionen, aber letztendlich gefällt mir „United Abominations“ eben besser, obwohl ich „System“ auch sehr mag.

OM: Dave Mustaine ist als schwieriger Kooperationspartner bekannt. Wie war es? Hat er Vorschläge von anderen Bandmitgliedern berücksichtigt oder hat er euch lediglich gesagt was ihr zu tun habt?

Shawn Drover: Ja, von diesen Sachen haben wir auch schon viel über die Jahre gehört, aber zu einer Unstimmigkeit gehören nunmal auch immer zwei! Ich kenne die Geschichte von Megadeth, bin selbst ein Fan seit 1985 und als ich 2005 dazustieß war mir klar, dass meine Aufgabe darin besteht Schlagzeug zu spielen und meinen Job zu tun. Und mein Job besteht nunmal darin gute Auftritte hinzulegen und ein umgänglicher Typ zu sein und nicht herumzurennen und Termine abzumachen als wäre dies meine Band. Es ist Daves Band. Guck dir z.B. Ozzy Osbourne an! Der hat auch seine Band nennt das Ganze aber trotzdem nur Ozzy Osbourne. Würde die Band Dave Mustaine heißen und nicht Megadeth würde sie trotzdem genauso weiterlaufen wie bisher. Verstehst du? Es ist auch eine Frage der Einstellung und warum sollte ich Probleme verursachen, wenn ich doch eigentlich in der Band bin, um zu trommeln und eine gute Zeit zu haben.

OM: Letztes Jahr, beginnend mit dem dem 11. März, spielten Megadeth 91 Konzerte, veröffentlichten ein Album im Mai (in Deutschland) und 2008 werdet ihr bis zum 22. Mai erneut 57 Konzerte gespielt haben. Ein Jahr in dem ihr die Welt bereist, fremde Kulturen und Menschen kennengelernt habt. Was hat dir in diesem Jahr am besten gefallen?

Shawn Drover: Das ist eine echt gute Frage… Der Start der Tour war ziemlich cool, weil wir da zusammen mit Black Sabbath gespielt haben. Für mich und Glen war das eine der großen Bands mit denen wir aufgewachsen sind u.a. noch Rush und Queen. Wir hätten uns nie träumen lassen, dass wir mal mit Toni Iommi, Geezer Butler, Bill Ward und natürlich Ozzy auf Tour sein würden. Wir reden hier von zwei Kids aus aus einer kleinen Stadt in Montreal, Kanada!!! Es hat Riesenspaß gemacht mit Black Sabbath in Kanada und den USA zu spielen. Wir hatten ungefähr 50 Min. auf der Bühne und danach konnten wir uns jeden Abend Black Sabbath angucken. Für mich war das der Hammer! Zuvor hatten wir zwar auch schon großartige Erlebnisse z.B. auf dem „Download-Festival“ oder bei „Rock am Ring hier in Deutschland“, was es schwer macht da jetzt genau eine Sache auszuwählen, aber letztendlich ist die „Sabbath-Sache“ für mich schon ein ziemlicher Höhepunkt gewesen.

OM: …und was am wenigsten?

Shawn Drover: Es gibt wirklich nichts, was ich dir an dieser Stelle dazu sagen könnte, denn bisher lief für mich alles wie geschmiert. Sorry!

OM: Was wirst du tun, wenn das letzte Konzert der „Gigantour ’08“ in Phoenix gespielt ist?

Shawn Drover: Wahrscheinlich erstmal eine riesengroße Party schmeißen (lacht)! Nein, im Ernst, bis jetzt ist noch gar nicht wirklich klar, ob das überhaupt das Ende der Tournee sein wird, denn ich habe gehört, dass wir vielleicht/ vielleicht auch nicht noch nach Südamerika gehen können, wo wir schon seit 2005 nicht mehr gewesen sind als wir die Live – DVD und – CD aufgenommen haben. Aber das ist alles nur Gerede und nichts konkretes. Kann sein, dass das das Ende der Welttournee sein wird, kann auch sein, dass sie uns kurz vor Ende nochmal wieder für 5 Wochen nach Europa schicken… Wer weiß? Wenn aber nicht, dann schmeiß ich wie gesagt erstmal ne große Party und geh danach nach Hause und erhol mich für eine Zeit. Wenn ich so 3 – 4 Wochen habe reicht mir das. Vor kurzem hatten wir sogar 2 Monate frei über Weihnachten. Das war cool! Schrecklich wäre es, wenn wir für 6 Wochen nach Europa kommen, dann 4 Tage zu Hause hätten und dann wieder irgendwohin los müßten; das wäre hart für mich. Aber wir haben unsere Touren immer so eingerichtet, dass genügend Pausen integriert sind, so dass auch solche Mammutprojekte ohne große Probleme zu bewältigen sind.

OM: Eine Frage zu Eidolon: Wann können wir mit etwas neuem rechnen?

Shawn Drover: Keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob ich da noch was machen werde. Es gibt es eine Menge Gründe dafür, aber einer der Hauptgründe ist, dass nicht viele Leute die CDs, die wir veröffentlichen kaufen. Ich bin wirklich stolz auf die Band und die Musik und schließlich hat mich das ja zu Megadeth gebracht, aber ich weiß nicht, ob ich mit Eidolon noch ein Album machen werde. Du musst dir das wie 10 Schritte rückwärts vorstellen, wenn du ein Album veröffentlichst, das in Europa gerade einmal 10.000 Leute kaufen. Dafür ist es einfach zuviel Arbeit. Wir haben mittlerweile 6 Alben mit der Band veröffentlicht und wollten nach jeder Veröffentlichung auf Tour gehen, um unsere Scheibe zu promoten, doch jedes Mal, wenn wir anfragten „Kommt, schickt uns für 3 Wochen mit Edguy oder Brainstorm auf die Straße“ hieß es „Nein, wir können euch nicht auf Tour schicken“. Wie kann man Platten verkaufen, wenn man nicht auf Tour gehen kann? Die CD bekommen dann größtenteils nur Freunde oder Journalisten zu Hören und sonst niemand. Wir wollen für die Leute spielen, bekommen aber keine Gelegenheit dazu. Wir haben 2 Shows in Deutschland gespielt: Das „Bang Your Head“ – und das „Rockin – Festival“ und das ist einfach nicht genug… Nach den großen Tourneen, die ich jetzt hinter mir habe, weiss ich nicht, ob ich dahin wieder zurück möchte. Natürlich werde ich, wenn Megadeth irgendwann Geschichte sind, wann immer das sein sollte, vielleicht in 10 – 15 Jahren, etwas anderes machen, aber ich weiss nicht, ob ich dann dahin zurückgehe…

OM: Aber ich dachte es war schon immer nur als ein „Just for fun“ – Projekt gedacht, bei dem du dich auslässt und nicht auf Verkaufszahlen schaust…

Shawn Drover: Ja, es war „Just for Fun“, weil nichts anderes zu tun war. Es ist einfach nicht in den richtigen Bahnen gelaufen und wir hatten keine große Wahl. Es war ein Studioprojekt, weil wir keine Möglichkeiten hatten aufzutreten bis auf ein paar Shows, die wir in Kanada an Land ziehen konnten. Es hat einfach keinen gekümmert und das ist der Grund, warum ich mir mit Eidolon nicht mehr so sicher bin. Die Band ist für mich nach wie vor wichtig, weil sie mich hier hineingebracht hat und ich würde auch jederzeit wieder was mit Glen machen, aber ich weiss nicht, ob ich es Eidolon nennen würde. Vielleicht mit ein paar anderen Musikern zusammen… Das Witzige ist ja, dass du auch genau die selbe Truppe nehmen kannst, dir einfach einen anderen Namen verpasst und plötzlich bist du erfolgreich!

OM: Was war die lustigste Situation in der du jemals gesteckt hast?

Shawn Drover: Die lustigste Situation?

Eine gute Frage… Auf Tour?

OM: Jep…

Shawn Drover: Ich habe nach einem Auftritt die Bühne zur falschen Seite verlassen und fand mich plötzlich allein in einem Gewirr von Gängen wieder und irrte da bestimmt für 10 Minuten umher bis mich jemand gefunden hatte. Die anderen haben sich kringelig gelacht. Aber genau das ist es eben! Für mich ist hier alles ein riesengroßer Spaß.

OM: Wird dir nie langweilig?

Shawn Drover: Ich versuche nicht gelangweilt zu werden! Ich gucke Filme, höre Musik, lese Bücher… Es ist einfach bei unserem Alltag schnell gelangweilt zu werden, wenn man im Hotelzimmer sitzt und darauf wartet, dass man Soundcheck machen kann und so’n Zeug. Ich versuche jedenfalls mich beschäftigt zu halten. Das bringt 1. die Zeit schneller rum und 2. bildet einen sogar noch, wenn man das richtige Buch liest oder den richtigen Dokukanal schaut.

OM: Gibt es noch etwas, dass du den Lesern von OsnaMetal.de mitteilen möchtest?

Shawn Drover: Ja klar, ich hoffe, dass einige von euch heute abend mit dabei sein werden, wenn wir in Dortmund spielen, falls nicht danke ich euch trotzdem allen für eure Unterstützung und freue mich, wenn wir uns dann beim nächsten Mal wiedersehen. Wir kommen immer wieder gern hier nach Deutschland und es wird bestimmt nicht das letzte Mal gewesen sein.

Bis dann und „Keep Rockin´“!

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