Unzucht haben im Sommer ihr Debütalbum „Todsünde 8“ veröffentlicht und sind seitdem fast pausenlos unterwegs: Mit Mono Inc., Megaherz und ab Januar mit Lord Of The Lost. Wie es ihnen damit geht und was sie noch alles vorhaben, hat uns Drummer Toby Fuhrmann verraten.


OM: Hallo Fuhrmann, vielen Dank für deine Zeit und dein Interesse, mit mir einen kleinen Plausch zu halten. Viele werden es nicht sein, aber für die, die euch tatsächlich noch nicht wirklich kennen: Wer und was ist Unzucht?

Fuhrmann: Haha – ich denke, die Leute, die Unzucht noch nicht kennen, sind noch immer die dramatische Mehrheit – egal in welchem Magazin, auf welchem Festival oder auf welcher Plattform auch immer. Die Unzucht ist jedenfalls eine vierköpfige Rockband aus Niedersachsen. Wir paaren dunkle Gesangsmelodien mit Metalgitarren und arschtretenden Rhythmen und deutschen Texten. Alter, klingt das beliebig und allgemein. Ich sag mal so: Wenn dein Musikgeschmack Gothicrock oder sämtliche Spielarten von Metal bis hin zu Industrial zumindest streift, zieh dir Unzucht rein! Das hab nicht ich mir ausgedacht, sondern unsere Fans kommen nun mal aus allen möglichen Ecken.

OM: Ihr kommt gerade zurück von der Tour mit Mono Inc. Wie war’s?

Fuhrmann: Unfassbar gut! Wir wurden vom Publikum mit Liebe überschüttet! Das hat sich für uns bei allen elf Shows gar nicht nach Vorgruppe angefühlt, so warm wurden wir von den Mono-Fans in Empfang genommen. Und mit der Band haben wir uns ja schon seit unserer ersten Begegnung im Frühjahr 2011 super verstanden, was sich durch die gemeinsame Tour auf jeden Fall noch mehr bestätigt und gefestigt hat. Und nicht zu vergessen: Eine absolute Spitzen-Crew war mit an Bord!

OM: Habt ihr neue Eindrücke gesammelt?

Fuhrmann: In so vielen deutschen Städten und natürlich den meisten europäischen Ländern waren wir noch nie mit der Unzucht – zum Beispiel waren wir bei der Nürnberg-Show das erste Mal in Bayern und auch Österreich und die Schweiz haben auf der Mono-Tour ihre erste Dosis Unzucht abbekommen. Ich kann sagen: Wir haben durch die neuen Eindrücke noch mehr Blut geleckt, viele tolle Leute getroffen und werden so schnell wie möglich alle Städte erneut besuchen. In Nürnberg, um bei diesem Beispiel zu bleiben, werden wir bereits bei unserer „Darkness Kills“-Co-Headliner-Tour mit Lord Of The Lost wieder gastieren, also schon Anfang nächsten Jahres.

OM: Vor knapp einem Monat erschien euer erstes Studioalbum „Todsünde 8“. War die Zeit endlich reif dafür?

Fuhrmann: Auf jeden Fall! Vielen unserer Fans kam es so vor, als wenn wir dafür ewig gebraucht hätten, dabei ging es recht schnell im Vergleich zu vielen anderen Bands: 2009 das erste Demo, 2010 die ersten positiven Reviews und ersten Auftritte (darunter schon große Festivals wie Rockharz und M’era Luna), 2011 Plattenvertrag unterschrieben und erste Support-Tour, 2012 erste offizielle EP, Debütalbum und größere Support-Touren. War eine Menge Arbeit, ging aber relativ straight voran. Wir sind jedenfalls sehr erleichtert, dass unser Debüt jetzt draußen ist, und sehr stolz, dass es auf Gegenliebe stößt.

OM: Viele Songs kannten die Fans von euren Konzerten oder von der EP „Deine Zeit läuft ab“ bzw. der Digital Single „Engel der Vernichtung“. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, hauptsächlich Altbekanntes auf das Album zu packen, das kurz zuvor schon anderweitig veröffentlicht wurde?

Fuhrmann: Das Album ist unser erstes großes Lebenszeichen, darauf sollte natürlich auch eine repräsentative Songauswahl sein. Alle Songs auf dem Album sind neue Aufnahmen, von den insgesamt 17 Tracks gab es gerade mal drei auf der EP bzw. der Single. Das finde ich nicht besonders viel. Das alte Demo von 2009 würde ich da übrigens nicht als „vorher schon mal veröffentlicht“ mitzählen. Wir hatten natürlich im Vorfeld beratschlagt, ob wir alle vier Songs des Demos nochmal neu aufnehmen und mit aufs Debütalbum packen sollten, und uns dann einstimmig dafür entschieden. Schließlich sind die Sachen jetzt amtlich aufgenommen und gemischt und mit Live-Bass und Live-Drums – was sie vorher nicht waren. Alle Fans, die unsere mittlerweile vergriffene Demo-CD ihr eigen nennen (und das sind definitiv nicht so viele wie manch einer denkt), können sich jetzt über ein cooles Sammlerstück freuen, das garantiert nicht nochmal aufgelegt werden wird. Und klar, von den Auftritten kannte man schon die meisten Songs, zum Beispiel auch „Todsünde 8“ und „Wie alles anfing“, aber z. B. diese beiden gab es vorher nie als Studioaufnahme zu hören und es kursierten nicht einmal die Demoaufnahmen im Netz, weil wir die unter Verschluss gehalten haben. Aber natürlich ist der Durst unserer winzigen Gemeinde an Fans der ersten Stunde, die uns schon über zwei Jahre kennen, verständlich. Seid beruhigt: Jetzt sind ja alle von den bekannten Songs raus, als nächstes müssen also zwangsweise ganz neue Songs kommen, das liegt in der Natur der Sache. Hehe.

OM: Eure Musik wird als eine Mischung aus Gothic, Industrial und Rock beschrieben. Was überwiegt eurer Meinung nach? Kann man das überhaupt trennen?

Fuhrmann: Ganz klar ist Rock die größte der drei Komponenten. Trennen kann man die drei Aspekte bei Unzucht allerdings nicht, da wir ja nicht mit einer bestimmten Rezeptur an die Musik herangehen, sondern sie sich ziemlich organisch ergibt.

OM: Wäre dennoch Unzucht unplugged möglich und auch etwas, worauf ihr Lust hättet?

Fuhrmann: Möglich wäre das sicher nicht bei allen Songs, aber bei manchen durchaus. Wir haben auch schon mal drüber gesprochen, aber im Moment fehlt uns auf jeden Fall die Zeit für so ein Projekt. Die Antwort ist also: Sag niemals nie. Momentan gibt es in der Richtung aber, wie gesagt allein schon aus Zeitgründen, gar keine Pläne.

OM: „Todsünde 8“ rockt ziemlich. Achtet man auf die Melodien ist viel Power und stellenweise beinahe Wut dahinter. Warum hat es keine Ballade auf das Album geschafft, die wirklich nur aus ruhigen Tönen besteht, schließlich wird selbst „Wie alles anfing“ gegen Ende härter?

Fuhrmann: Das liegt ja im Ohr des Hörers, einigen sind bestimmt „Während wir uns verlieren“ oder auch „Wie alles anfing“ nicht hart genug, haha. Es gibt keinen speziellen Grund dafür, keine „richtige“ Ballade auf dem Album einzuschließen, außer, dass wir bisher mit Unzucht keine geschrieben haben, haha. Vielleicht passiert das ja schon bald, aber das kann und sollte man nicht forcieren, nur „um halt einen ganz ruhigen Song auf dem Album zu haben“.

OM: Die Texte sind mal zart, mal hart. Ihr singt über Leben, Liebe, Tod – soweit noch recht klassische Themen. Aber ihr habt auch viel Kritik am System und an der Gesellschaft im Gepäck. Was wollt ihr mit eurer Musik bewegen und wen erreichen?

Fuhrmann: Auch wenn man zu unserer Musik gut tanzen oder headbangen kann (je nachdem, welchen Song man gerade erwischt hat), bauen wir textlich gerne mal ein paar Nuancen ein, über die man auch alleine in seiner Bude bei einem Glas Wein mal nachdenken kann. Ob man damit etwas bewegt an der Gesellschaft? Nichts Epochales, aber das ist auch nicht nötig. Die Unzucht-Texte sollen hauptsächlich zusammen mit dem jeweiligen Song funktionieren und jeder einzelne Hörer, der etwas für sich persönlich daraus ziehen kann, ist der, den wir damit erreichen wollen.

OM: Wer schreibt denn die Songs hauptsächlich?

Fuhrmann: Generell tragen alle ihren Input dazu. Das Resultat ist dann Unzucht. Das Mastermind ist aber auf jeden Fall De Clercq. Er hat so viele gute Ideen, dass von denen massenweise ihren Weg in unsere Songs finden.

OM: Wenn ich richtig informiert bin, hat Chris „The Lord“ Harms am Album mitgearbeitet. Wie war die Zusammenarbeit?

Fuhrmann: Das stimmt, Chris war sowohl bei den Gitarren als auch den Schlagzeugaufnahmen in Hamburg mit im Studio, hat mit Rat und Tat zur Seite gestanden und die Spuren für die restlichen Recordings und den Mix in Hannover vorbereitet.

OM: Er spielt ja selbst bei Lord Of The Lost und ihr kennt euch gut. Ist es was anderes, wenn man Input von jemandem bekommt, der selbst auf der Bühne steht und Musik macht gegenüber jemandem, der nur im Studio arbeitet, abmischt, produziert etc.?

Fuhrmann: Ich konnte da jetzt keinen krassen Unterschied erkennen, da Chris ja beides in sich vereint. Er hat ja viel an der School of Audio Engineering und auch in der Studiopraxis mit Lord Of The Lost gelernt, kann also sowohl studiomäßig als auch bandmäßig viele gute Tipps geben. Er konnte mir zum Beispiel erklären, welche Parts man als Drummer im Studio anders spielen könnte, damit es auf der CD gut klingt, und umgekehrt. Wenn man manche Parts hingegen live spielen würde wie im Studio, würde es nicht rocken. Macht Sinn, oder?

OM: Ab Januar geht es auf Co-Headliner-Tour mit Lord Of The Lost. Ihr arbeitet viel zusammen, tretet gemeinsam auf. Die Hamburger selbst bezeichneten euch unlängst in einem Interview als „Brüder“, weil ihr euch sehr fair verhaltet und für den Erfolg der anderen mitfreut. Empfindet ihr das auch so?

Fuhrmann: Na klar, Lord Of The Lost sind unsere Brüder! Wir haben ja schon 2010, als wir ganz am Anfang standen, mit ihnen Pläne für gemeinsame Shows geschmiedet. Schön, dass Anfang 2013 nach zahlreichen Shows eine ganze gemeinsame Tour folgt: „Darkness Kills“ im Januar und Februar. Die Tatsache, dass beide Bands das als Co-Headliner-Tour machen, verdeutlicht unser familiäres Verhältnis doch perfekt: Wir teilen da einfach alles! Und auch zu den Dark End Festivals werden wir uns einen Bus teilen. Jeder, der schon mal im Nightliner unterwegs war, wird verstehen, dass man nicht mit Jedermann auf so engem Raum Zeit verbringen will. Aber zwischen Lord Of The Lost und Unzucht wird das kein Ding sein. Um JD und Turk zu zitieren: „It’s guy love – in a totally manly way!“.

OM: Dazwischen kommt noch die Tour mit Megaherz. Ihr seid fast ein halbes Jahr pausenlos unterwegs. Macht das Tourleben nicht irgendwann müde?

Fuhrmann: Nein! Alle anderen Berufe sind für uns tausendmal ermüdender! Wir haben gerade an Halloween unsere erste Show mit Megaherz gespielt und freuen uns total auf die Tour! Alles anders als auf der Tour mit Mono Inc. – andere Städte (allerdings kommen wir wieder nach Frankfurt und Dresden, yay!), andere Clubs, anderes Publikum. Aber erneut: Tolle Hauptband, tolle Crew! Das wird super!

OM: Wie sieht es mit neuen Projekten aus, einer EP, einem Video oder gar einem zweiten Album? Was plant ihr?

Fuhrmann: Es gibt schon bald etwas ganz Neues von Unzucht, etwas, das wir vorher noch nie gemacht haben! Das wird eine Überraschung! Ansonsten heißt es fleißig Songs schreiben und touren, die Sommerfestivals sind ja gar nicht mehr so lange hin. Wir sind nächstes Jahr schon fürs M’era Luna bestätigt. Und das zweite Album – tja, erst mal müssen wir mit den Songs zufrieden sein, aber ich bin da sehr guter Dinge, da momentan alle noch hochmotivierter als vorher sind. Zumal sich gerade vor kurzem der erste Unzucht-Fanclub namens Das Kommando gegründet hat – wie geil ist das denn? Danke! Macht uns ziemlich stolz!

OM: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Eine erfolgreiche Tour mit Megaherz und alles Gute für euch! Eure letzten Worte sind…?

Fuhrmann: Danke, Kyra! Cheers an alle Unzüchtigen da draußen! Für die kommenden Monate möchte ich gerne aus einem Unzucht-Song zitieren: „Die Zeichen stehen auf Sturm!“.

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