OM: Ahoi Phil! Schön zu Wissen das du oller Schreihals eine neue Meute gefunden hast die dich als Shouter haben will. Wie kam es dazu und wer sind die Typen, die dir „Asyl“ gewähren?

RHN: Danke, ey! Freut mich, dass es dich freut! Es war so, dass sich hier im Norden nicht nur BONEHOUSE aufgelöst hatten, sondern ungefähr zur selben Zeit die Hardcore/Punk-Band 2ND ENGINE. Bei 2ND ENGINE wollten nun drei Nasen weiterhin zusammen zocken, nämlich die beiden Brüder Zarc (g) und Eric (d) sowie Nils (g). Witzigerweise kannten wir uns zwar alle schon ewig (mit unseren jeweiligen Bands hatten wir schonMitte der Achtziger gemeinsam Konzis bestritten), kamen aber zunächst gar nicht auf die Idee, uns gegenseitig zu fragen. Da die drei eh musikalisch in etwas härtere Richtung mit rauerem Gesang gehen wollten (2ND ENGINE waren deutlich melodischer als z.B. BONEHOUSE), steckte ihnen Matt von dem klasse e-zine www.dremufuesitas.de, dass ich doch theoretisch frei sei. Tscha, sie überlegten dann nur noch, ab wann es nicht mehr pietätlos ist, sich nach dem Tod einer Band bei deren Sänger zu melden. Als der Anruf kam, war ich eigentlich sofort Feuer & Flamme, denn erstmal kenn ich die Typen, zweitens sind die alle musikalisch und menschlich voll auf meiner Wellenlänge und drittens haben die hier im Norden noch eine Hammerreputation als totale Freaks an den Instrumenten, was mich ganz im Ernst irgendwie schon geehrt hat. Zarc und Eric sind zum Beispiel einfach mal zu zweit durch die Republik getourt und haben unter dem Namen SOMEBODIES einen Höllenlärm a la NO MEANS NO veranstaltet. Den Bassisten Andi haben wir dann nach mehreren Monaten rangeholt, da wir den auch vom Feiern, von Konzerten und in seiner Tätigkeit bei verschiedenen Bands wie N.O.M. kannten.

OM: Für alle unwissenden LeserInnen erzähl doch mal wie ihr zu dem Bandnamen gekommen seid und was es damit auf sich hat.

VRHN: Oh Mann, da haben wir echt lange dran geknobelt. Ich sag dir lieber nicht, was für bekloppte Namen wir da schon in der Diskussion hatten. Die guten einsilbigen Dinger wie HATE, KILL oder DESTROY (scheiße, sogar schon zwei Silben) sind halt schon weg… Aber da wir alle viel lesen und z.T. auch gerne Filme sehen, diskutieren wir bei den Proben natürlich manchmal mehr, als dass wir Musik machen. Und so landeten wir unweigerlich bei dem ziemlich empfehlenswerten Roman (eigentlich sogar mehrere Romanzyklen) „Der Wüstenplanet“. Wir sprachen irgendwie über die gelungensten Schurken der Literatur/Filmgeschichte und so wurde na klar der fiese Baron Vladimir Harkonnen genannt. Zum Glück ist gerade keiner auf DOCTOR OCTOPUS gekommen.

OM: Ihr seid jetzt dabei einen Longplayer aufzunehmen, was wird allen HörerInnen dort erwarten? Gibt es den berühmt berüchtigten roten Faden oder wird thematisch alles abgedeckt?

VRHN: Ja, es hat sich jetzt doch alles ganz schön hingezogen. Eigentlich sind die Aufnahmen in Sachen Instrumente und Gesang unheimlich gut geflutscht, aber da wir im Studio unseres Gitarristen Nils aufnehmen und der von dem Studio lebt (Synchronisation, Hörromane, PC-Spiele etc.), mussten wir jetzt recht lange warten, bis es endlich an den Mix gehen konnte. Wir scharren jetzt selbst alle ungeduldig mit den Hufen, denn wir wollen den Scheiß im Gesamtbild ma langsam SELBER hören. Es erwartet die HörerInnen eine Mischung aus Hardcore/Punk mit Thrash, sag ich mal so grob. Es wird recht abwechslungsreich gesungen, da nicht nur mein Geshoute zu hören ist, sondern auch der melodiösere Gesang unseres Gitarristen Zarc und diverse geile Backgroundchöre. Knallt auf jeden Fall ordentlich! Inhaltlich haben wir was voll Originelles gemacht, Alter: Ein Konzeptalbum über Nostradamus! Ist das nicht geil? War noch nie da, glaub ich! Äh, nee: Es gibt völlig unterschiedliche Sachen: Wie schon bei unserem Bandnamen verwursten wir Bücher/Filme („Electric Sheep“ bezieht sich auf auf Philipp K. Dick), ansonsten natürlich politische Themen wie Waffenhandel („Mozambique Shot“) oder auch persönliche Erfahrungen („Divorce Divine“). Unser Hauptsongwriter ist Zarc, der bisher so eifrig war, dass er auch immer Gesangslinien und Texte angeschleppt hat. Ich werde mich bei der nächsten Platte auch einbringen und mehr Texte schreiben, die höchstwahrscheinlich hauptsächlich politische Themen behandeln.

OM: Bist du nach etlichen Jahren Erfahrung noch nervös wie die Leute auf die Platte reagieren?

VRHN: Vielleicht nicht „nervös“, aber gespannt bin ich schon. Da wir natürlich schon viele Resonanzen auf die Songs bei unseren Konzerten erhalten haben, bin aber sehr zuversichtlich, dass sich unser Geschmack mit dem anderer Leute deckt. Ich mein, eigentlich ja scheißegal, wir machen das ja hauptsächlich für uns, weil es uns einfach Spaß macht, Stücke zu schreiben. Aber noch mehr Spaß bringt es uns, live zu zocken und da sind die Resonanzen klasse. Ich denke, dass eher so Berufsmusiker, die von ihrer Musik leben müssen, nervös sein dürften und sich Sorgen um irgendwelche Verkaufszahlen machen. Das ist bezogen auf uns natürlich absurd…

OM: Wie reagieren die Leute bei dir auf der Arbeit eigentlich auf deine musikalischen Ausschweifungen?

VRHN: Insgesamt interessiert! Ich bin Pauker, genauer gesagt Gymnasiallehrer an einer Schule hier in Schleswig-Holstein und ich habe im Kollegium mehrere Leute, die auch Musik machen. Das ist also in der Hinsicht recht cool da! Als wir neulich in Lübeck gespielt haben, waren immerhin sechs KollegInnen da, natürlich auch ein paar Schüler. Andere KollegInnen sind nicht weiter daran interessiert, was völlig normal ist, aber negative Reaktionen habe ich noch nicht bekommen, wobei viele auch gar nicht wissen, was für eine Art Band das ist, he he.

OM: Du hast ja ein markantes Organ, hast du da nicht sorge das es heißt. Das ist wie Bonehouse nur mit anderen Leuten?

VRHN: Der Vergleich kommt natürlich, das ist gerade beim Sänger nicht zu vermeiden. In gewisser Hinsicht ist es schon etwas strange oder vielleicht auch ungerecht, dass ständig der Name „BONEHOUSE“ ins Spiel kommt (z.B. auf Flyern, da steht dann Ex-BONEHOUSE), obwohl die anderen schon so viel gemacht haben. Andererseits sind wir da recht entspannt – wir stehen über so albernen Gefühlen, aufeinander neidisch zu sein o.ä. und nehmen das eher als „Bonus“, denn man muss natürlich auch sehen, dass wir damit gerade hier im Norden nicht bei Null anfangen und gleich ein gewisses Interesse da war. Da war es eine Herausforderung, dieses Interesse zu halten, obwohl wir eben auch große Unterschiede zu Bonehouse haben. Insgesamt sehe ich das natürlich auch als kleines Kompliment – ist doch schön, wenn sich Leute an meine Stimme in positiver Hinsicht erinnern (vielleicht sagen ja auch andere: „Oh Gott, da ist dieser Bonehouse-Schreihals dabei, da geh ich gar nicht erst hin“)…

OM: Wie sieht es eigentlich mit deinen ehemaligen Mitstreitern von Bonehouse aus? Haste da noch Kontakt und weißt vielleicht was die musikalisch so machen(wenn sie denn noch was machen)?

VRHN: Wir haben schon noch Kontakt, auch wenn das seit dem Abschiedsgig deutlich weniger geworden ist, einfach aus Termingründen. Wir haben uns aber mal getroffen und die Aufnahmen vom Abschiedsgig gehört. Am häufigsten seh ich Kalle, der geht genau wie ich häufig auf Punkkonzerte. Die anderen haben fast alle Familie (Pete inzwischen FÜNF Kinder!), in Verbindung mit Beruf bleibt da natürlich nicht viel Zeit. Ich habe da einen „Vorteil“, wenn man so will, denn meine Frau und ich haben uns gegen Kinder entschieden und so kann ich die Band in meinen Terminkalender quetschen. Trotzdem machen Späthi und Pete zusammen auch etwas! Die Band soll wohl BUUMBAKLATSCH heißen und eine Mischung aus Reggae und Hardcore sein. Außerdem spielt Späthi auch bei der Mestizo-Band SEXTO SOL, das hatte er schon länger parallel zu BONEHOUSE gemacht.

OM: Gehst du, obwohl ja ziemlich eingebunden, auch privat gerne noch auf Konzerte oder reichen dir da deine eigenen Gigs? Welches waren so die letzten Konzerte gewesen?

VRHN: Jaaa, auf jeden Fall! Das ist sozusagen mein Lebenselixier… Montag geht es zu PISSCHRIST, das bin ich schon richtig heiß drauf. Ansonsten war ich in letzter Zeit bei MINISTRY (leider scheiße gewesen), BAD RELIGION (richtig ätzend, weil Kieler Woche-Auftritt), ATTACK! VIPERS! (saugeiler HC-Punk), diversen Open Airs (Wilwarin, Rd-Rock, Wacken) oder dem Abschiedsgig der Kieler Deutschpanker ABGELEHNT. Bei eigenen Auftritten sehe ich mir in der Regel auch alle anderen Bands an, nur wenn man mehrere Tage am Stück unterwegs ist, kann einen die ständige Beschallung auch mal auffe Nerven gehen, find ich.

OM: Live habt ihr euch ja relativ rar gemacht, wird sich das zukünftig ändern? Jetzt wo ihr mehr Stoff habt könntet ihr ja Live richtig los legen, ist da schon was geplant? Oder auch mal anders gefragt, was muss eine Konzertgruppe machen um euch in ihre Stadt zu bekommen?

VRHN: Das soll sich ändern, auch deshalb warte ich ganz ungeduldig auf unsere Aufnahmen, denn mit den entsprechenden Songs auf MySpace oder zum Verschicken wird da alles sicher noch fixer gehen. Obwohl ich auch geil finde, dass viele Veranstalter uns bisher einfach mal vertraut haben und uns z.B. nach Verden oder Hamburg eingeladen haben. Als Konzertgruppe muss man uns einfach anhauen – im Grunde reichen uns Kostendeckung, Essen und Pennplatz, wobei der Scheißsprit ja schon teuer genug ist, sodass man bei weiteren Entfernungen möglichst zwei Auftritte spielen sollte.

OM: 10. Überall auf der Welt wurden/werden Squats geräumt, andere sind wie das Köpi durch Verträge gesichert. Ihr kommt aus Kiel, wie sieht es denn momentan dort mit der Meierei aus?

VRHN: Erstaunlicherweise ist das seit längerem entspannt! Wir hatten ja trotz Verträgen eine ganze Serie von Versuchen seitens der Stadt die Meierei mit Auflagen zu drangsalieren, aber eine Offensive von Demos und Aktionen war insofern erfolgreich, dass die Stadt sich damit zufriedengegeben hat, dass die Meieristen einen Schall- und Brandschutz installiert sowie eine Konzession für einen „gaststättenähnlichen Betrieb“ gestellt haben. Letztendlich konnte sich die Meierei über das auferlegte Veranstaltungsverbot hinwegsetzen, was in meinen Augen ein wahnsinniger Erfolg ist und leider eine Ausnahme darstellt, wenn du siehst, was mit anderen AZs passiert (JUZ Verden, Rote Flora, na, lieber gar nicht weiteraufzählen). Demnächst wird daher 25 Jahre Meierei gefeiert, VIER fette Tage lang (28.8. – 31.8.). Aber dennoch sollte man wachsam bleiben, es braucht ja nur irgendein neuer Schweinehund in die lokale Politik zu dringen und sich mit Anti-autonomen Sprüchen zu profilieren suchen. Hier immer das Neueste: www. altemeierei. deVRHN: Erstaunlicherweise ist das seit längerem entspannt! Wir hatten ja trotz Verträgen eine ganze Serie von Versuchen seitens der Stadt die Meierei mit Auflagen zu drangsalieren, aber eine Offensive von Demos und Aktionen war insofern erfolgreich, dass die Stadt sich damit zufriedengegeben hat, dass die Meieristen einen Schall- und Brandschutz installiert sowie eine Konzession für einen „gaststättenähnlichen Betrieb“ gestellt haben. Letztendlich konnte sich die Meierei über das auferlegte Veranstaltungsverbot hinwegsetzen, was in meinen Augen ein wahnsinniger Erfolg ist und leider eine Ausnahme darstellt, wenn du siehst, was mit anderen AZs passiert (JUZ Verden, Rote Flora, na, lieber gar nicht weiteraufzählen). Demnächst wird daher 25 Jahre Meierei gefeiert, VIER fette Tage lang (28.8. – 31.8.). Aber dennoch sollte man wachsam bleiben, es braucht ja nur irgendein neuer Schweinehund in die lokale Politik zu dringen und sich mit Anti-autonomen Sprüchen zu profilieren suchen. Hier immer das Neueste: www.altemeierei.de

OM: Am 24.5.08 waren in Kiel ca. 1500 Menschen auf de Demo gegen Nazis. Vorangegangen waren etliche Angriffe von Nazis. Wie ist da momentan die Situation bei euch?

VRHN: Boah, das war heftig! Es hatte sich hier im Stadtteil Gaarden eine regelrechte Nazi-WG eingerichtet, in der auch nachweislich die NPD-Wahlkandidaten Thomas Krüger und Nils Hollm wohnten. Es kam im April dieses Jahres zu mehreren Angriffen auf unterschiedliche linke Projekte wie dem Kommunikationszentrum Hansastraße, der „Arbeitsloseninitiave“, der Meierei und dem Buchladen „Zapata“. Da wurden zwar immer „nur“ Scheiben eingeworfen, aber gerade in Gaarden fühlten sich viele Bekannte von uns halt nicht mehr sicher. Ist klar – da will nicht unbedingt nachts oder womöglich betrunken allein unterwegs sein und dann plötzlich von so einem Schlägertrupp angegriffen werden. Naja, nach diversen Demos und Aktionen haben die Typen sich dann aber auch schnell verpisst, der Boden wurde ihnen dann wohl doch zu heiß, denn das Haus war dann schnell bekannt und auch die „normalen“ Bewohner fanden es nicht so witzig, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen und haben da wohl Druck ausgeübt.

OM: Kommen wir am Ende zu einer Standardfrage, nämlich der nach deinen momentanen Top5 Platten und dem letzten Buch das du gelesen hast.

VRHN: Ich lese gerade „Briefe an Hitler“, herausgegeben von Henrik Eberle. Das sind authentische Briefe von Deutschen, die jetzt zum ersten Mal aus Moskauer Archiven freigegeben wurden. Sehr interessant, denn das sind natürlich völlig unzensierte und direkte „Momentaufnahmen“ der Stimmung der Menschen, Bittbriefe, Appelle, Treueschwüre etc.

Yeah, und Top 5:

PISSCHRIST – „Nothing Has Changed“

GUIDED CRADLE – „You Will Not Survive“

HAIL OF BULLETS – „…Of Frost And War“

GRAND MAGUS – „Iron Will“

STORMCROW/SANCTUM – Split-Lp

OM: Abschließend hast du nun die Möglichkeit dich über die Fragen und den Fragesteller zu beschweren oder einfach nur irgendwelche schönen Abschlussworte zu finden.

VRHN: Ja, wir sind gekommen um uns zu beschweren! Und zwar: Warum hast du mir nicht stärker in den Arsch getreten, damit ich die Scheißfragen schneller beantworte? Fauler Sack, du!

Jo, nee – vielen Dank für dat Inti, Jens! Ich hoffe, dass wir die Scheibe bald fertig haben und man sehr bald ein paar Songs auf myspace.com/vladimirharkonnen hören kann. Die Scheibe wird „Silence, As Long As A Thought, While The Executioners Are Reloading“ heißen und ’nen schickes Cover von Fritte haben! Auch heiß: www.vladimirharkonnen.de