Wertung: 10 von 10

Die ersten sieben Studioalben sind alles Klassiker und der ’85 erschienene Livemittschnitt „Live After Death“ ist das beste Metal-Livealbum aller Zeiten! Es sind daher nur Nuancen, die bei der persönlichen Favorisierung den Ausschlag geben können. In meinem Fall fällt dieser Ausschlag auf das Opus Magnum „Somewhere In Time“…


Iron Maiden hatten im Jahr zuvor das schon angesprochene “Live After Death”-Album veröffentlicht und meldeten sich im Spätsommer 1986 mit Ihrer sechsten Studioplatte zurück.

Unter den Supportern hatten die Berichte über den Einsatz von Gitarrensynthies im Vorfeld für panikartige Zustände gesorgt, aber nachdem man sich dann das vorliegende Album ein paar Mal angehört hatte, konnte diesbezüglich schnell Entwarnung gegeben werden. Zwar sind die Synthie-Effekte deutlich raus zuhören, aber der Störfaktor ist gleich Null; im Gegenteil: der typische Maiden-Sound wurde hierdurch um eine neue Klangfarbe erweitert!

Warum ich denke, dass grade „Somewhere In Time“ DAS Meisterwerk im Iron Maiden-Backkatalog ist?

Nun, da wäre zum einen das grandiose Album-Klappcover, dass das Beste in der an guten Covern (Derek Riggs!) wahrlich nicht armen Iron Maiden-Diskographie ist: Der Space-Eddie mit Knarre inner Hand und Zielvorrichtung am Kopp montiert; der großartige Hintergrund, auf dem eine Stadt der Zukunft (inspiriert von Ridley Scotts „Blade Runner“) zu sehen ist sowie die Bandmitglieder selbst. Man kann das Cover Stundenlang betrachten und nach den dort versteckten Hinweisen auf die Maiden-Historie suchen: die Uhr steht auf „Two Minutes To Midnight“ (23:58), es gibt eine „Aces High“-Bar, das Fisch Restaurant trägt den schönen Namen „Ancient Mariner“ usw. usf. etc. pp..

Aber die tollste Verpackung nützt ja nix, wenn darin nur ein brauner Haufen Kacke enthalten ist. In diesem Fall gehen aber die Verpackung und der Inhalt Hand in Hand! Denn anstatt der erwähnten Kotsubstanz enthält das beiliegende Album acht Songs für die verdammte Ewigkeit!!!

Gibt es einen Ausfall zu verzeichnen? Naja, allerhöchsten einen halben Ausfall, nämlich das nicht ganz so geniale „Heaven Can Wait“. Aber abgesehen davon kann man seine Daumen gar nicht so weit nach oben strecken, wie es anhand der Qualität der Musik angemessen wäre.

Bevor ich auf die Songs näher eingehe, muss ich aber natürlich noch den wie immer einzigartig warmen Sound, der so typisch für alle Birch-Produktionen ist, loben: Solche hochklassigen Produktionen bekommt man heute weder für Geld noch warme Worte geboten.

Nun mal ran an die Buletten und Butter bei die Fische: „Songs?“ „JA!“ „Welche insbesondere?“ „Nun, alle!“ Wenn man jetzt aber nach Syrien in den Urlaub fahren würde und hätte auf seiner Mixkassette für den Walkman nur noch Platz für zwei weitere Lieder? Für diesen abgefuckt unwahrscheinlichen Fall würde ich die Mitnahme von „Wasted Years“ sowie „Alexander The Great“ nahelegen.

„Wasted Years“ ist ein Hitsong! Die Singleauskopplung hätte eigentlich rund um den Globus auf #1 der Charts schießen müssen. Leider war diese Position aber schon belegt durch den besoffenen Obersympath Chris de Burgh (checkt mal „Don’t Pay The Ferryman“ von ihm aus: absolut fette Metalriffs!) und der schönen „Lady In Red“. Iron Maiden haben es danach nur noch mal mit “Moonchild” geschafft, eine ähnlich geniale, kompakte Hitnummer zu schreiben. Das Tolle an „Wasted Years“ ist, dass der Song sofort ins Ohr geht, aber selbst nach dem 250. Hördurchgang immer noch keine Abnutzungserscheinungen aufweist (das Selbe gilt übrigens auch für „Don’t Pay The Ferryman“!). Komponiert wurde diese Bewusstseinsspaltung von Adrian Smith mal eben so im Alleingang und es ist auch nicht zuletzt sein Background-Gesang im Refrain, der zur Klasse des Songs beiträgt.

Und dann der letzte Song der Scheibe: „Alexander The Great“: Komplett von Steve Harris geschrieben und getextet, befasst sich dieses fast neunminütige Stück mit Alexander dem Großen, der ca. 300 vor Christus (was für eine beschissene Zeitrechnung haben wir eigentlich? Orientiert sich an einer fiktiven Märchenfigur, der Quatsch…) der Herrscher der Welt und nebenbei auch noch der GröFaZ in Person war! Weder jemals zuvor oder jemals danach hat mich ein einzelnes Lied dazu veranlasst, ein ganzes Buch zu lesen: Nur in diesem Fall musste ich mir nach mehrmaligen „Alexander…“-hören unbedingt die Biografie eben jenes Makedoniers zulegen (das 700-seitige Standardwerk von Robin Lane Fox kann ich nur jedem Geschichtsinteressierten wärmstens empfehlen!) Der Song wird ja immer wieder mal als „kleiner Bruder“ des ebenfalls genialen „Rime Of The Ancient Mariner“ abgetan, was aber definitiv nicht richtig ist: „Alexander…“ ist der reifere, bessere Song! Alleine schon das gesprochene Intro erzeugt Gänsehaut pur und wenn dann das Akustikgitarren-Riff einsetzt, ist man schon mitten drin im Song und von seiner Intensität gefangen. Für mich DER Maiden-Übersong schlechthin!

So, nach der ganzen Schwärmerei dürfte meine Punktzahl für dieses Meisterwerk wohl nicht allzu schwer zu erraten sein. Lasst Euch noch gesagt sein, dass eine Anschaffung am Besten in Vinyl zu tätigen ist, alleine schon um alle Details des Covers erkennen zu können. Als Ergänzung empfiehlt sich dann die schöne remastered-CD von „Somewhere In Time“ mit vielen lustigen Fotos (Stichpunkt: Mode der Achtziger) und allen Songtexten.

Tracklist:

  • 01. Somewhere In Time
  • 02. Wasted Years
  • 03. Sea Of Madness
  • 04. Heaven Can Wait
  • 05. The Loneliness of the Long Distance Runner
  • 06. Stranger In A Strange Land
  • 07. Déjà Vu
  • 08. Alexander The Great

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