Wertung: 8 von 10

Johnboy – State of the artWie viele sind eine Band? Das ist eine Frage die man sich als Musikinteressierter und als Musiker selbst oft stellt. Ist der Kauz in der Fußgängerzone mit umhängender Gitarre, Bassdrum auf den Rücken geschnallt und Mundharmonika vor dem Bart, welcher schon länger wuchert als es Hipster gibt, eine Band? Für manche ja, aber grundsätzlich muss sich in einer Band jedes Mitglied nur um ein Instrument kümmern und auch bei den Saarländern JOHNBOY reicht das völlig aus.

Das Trio selbst wirbt deshalb im vorliegenden Promoblatt mit dem Slogan „minimale Besetzung, maximaler Sound“ und damit haben sie recht. Erneut in Eigenregie entstand „State of the art“ als Nachfolger von „Custom“, das im April 2013 vom Rockhard zur „Demo des Monats“ gekürt wurde, zwischenzeitlich hat man sich die Club- und Festivalbühnen mit Bands wie Zodiac, Nitrogods oder auch New Model Army geteilt. Geliefert wird nun abermals vielseitiger Heavy Rock in 11 abwechslungsreichen Ausfertigungen.

Mit „Black Horizon“ wird man gleich amtlich und catchy in „State of the art“ eingegroovt, hier hört man, dass die Gitarren auf dem Album gedoppelt sind, was ja keine Schande ist, wenn die Live-Umsetzung klappt und selbst Ein-Gitarren-Bands wie Pantera haben das so gemacht…

Es folgt mit „My last conceit“ ein echter Pedal-to-the-metal-Song in bester Danko Jones Manier bevor man sich in langsamere und balladeske Gefilde begibt. Exemplarisch hierfür sind „Forsaken“, eine 80er Stadionrockballade, die damals ein super „Endgegner“ bei solchen Konzerten gewesen wäre oder dem emotionalen „Only the sun remains“. Nach der Kategorie „was fürs Herz“ geht es dann wieder straighter nach vorne, „My pain“ könnte musikalisch auf einer Steel Panther-Platte stehen, bei „Sway“ bekommen wir weibliche Gastvocals beigemischt und „Breakdown“ erinnert an neuere Motörhead Songs.

Das finale Songtrio beginnt mit dem Alternative-Rocker (bedeutet: ausbrechender Chorus) „Close to the edge“, der gitarrenmäßig durchaus Slash-Anleihen beinhaltet, gefolgt von „Beyond the sky“, bei dem im Refrain noch mal ein mächtiger und fetter Chor aufgefahren wird, live bestimmt sehr geil, episch, wie es sonst nur von Bands wie etwa Atlantean Kodex kommen kann. Mögen mich sämtliche Oberpfälzer Götter für den Vergleich auf ihre Art strafen (2 Minuten Dialog würden schon reichen)…

Am Ende von „State of the art“ wurde noch ein Rocker in Backyard Babies-Manier auf den Digi gepackt, der die CD angenehm abrundet (wer das Wortspiel findet, darf es behalten…).

Ich schreibe diese Zeilen just am Tag an dem sich die Veröffentlichung von Offsprings „Americana“ das 17. mal jährt. Ihr denkt jetzt wahrscheinlich, was dieser zweite, hoch gegriffene Vergleich in einer Seite Review soll, aber überlegt mal: egal welchem Genre man sonst zugehörig ist oder wie alt man zum Erscheinungsdatum war – das Album hat jeder von euch im Regal stehen, eine Sicherheitskopie auf dem Rechner weil das Original ungehört im Tresor liegt, oder man kennt mindestens drei Songs. Ähnliche ist es, nicht gemessen an den Verkäufen sondern an der musikalischen Zugänglichkeit, mit „State of the art“ von JOHNBOY. Die Platte ist allgemein tauglich, für niemand störend und wer sie auflegt macht nichts verkehrt. So ist sie beispielsweise auf Partys, auf denen noch CDs laufen und nicht per Youtube jeder Larry seinen Wunsch einhackt, bestens als Rausschmeißer geeignet.

Wie viele Punkte? Gute acht, JOHNBOY. (8/10)

 

Tracklist:
1. Black Horizon
2. My last conceit
3. Defy disgrace
4. Forsaken
5. Only the sun remains
6. My pain
7. Sway
8. Breakdown
9. Close to the edge
10. Beyond the sky
11. The hammer

 

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