Da in diesem „Projekt“ Vertreter der beiden erstgenannten Kombos zu finden sind, sollte man sich schon fast direkt darüber im Klaren sein, dass es sich hier erneut um ein Ausnahmewerk handelt. Einige, die von „Ahnenwerk“ bereits irgendwo gelesen haben, werden bereits bei der Stil Bezeichnung aufschreien, es handele sich doch um „Pagan Black Metal“. Und in der Tat orientieren sich Kermania hier labeluntypisch und vor allem lyrisch an paganistischen Inhalten. Auch die stets naturmystische Atmosphäre, vergleichbar mit frühen Ulver oder eben mit dem „Hühnengrab im Herbst“ Album von Nagelfar, lassen eine diesbezügliche Einordnung rechtfertigen. Was mich jedoch dazu bewegt das Album lediglich unter Black Metal laufen zu lassen, ist die Musik an sich. Und die ist eben nichts für den modischen Neoheiden. Hier finden sich keine Trinkhorn-Mitgröhl-Passagen á la Riger, XIV Dark Centuries und co.Minimalistisch tragische Akustikgitarren, qualvolle Chöre und langgezogene, epische Gitarrenlinien prallen hier immer wieder auf emotionales Gekeife, das wie aus heiterem Himmel von treibendem Trommelspiel unterlegt für einen emotionalen Ausbruch nach dem anderen sorgt. Das „Ebbe und Flut“ – Prinzip wird hier nahe der Perfektion vorgetragen. Dem Hörer wird einiges abverlangt, er muss sich regelrecht in die Musik vertiefen, alles um sich herum vergessen, um die Wirkung spüren zu können. Nein, das ist keine Partymusik, nein, auch im Auto kling das alles eher öde. Ist das erste Stück nach 24 Minuten emotionaler Achterbahnfahrt (wobei es hier keine undurchsichtigen, übermäßig sperrigen Passagen gibt) erst einmal vorbei, folgt mit „.Veitersberg 1487“ ein eher flotteres Lied. Hier erinnern die Westfalen mehr denn je an die genialen Nagelfar, bleiben dabei aber stets variabel und mitreißend.Man merkt, dass es mir dieses Album angetan hat, doch wenn es ein Album nach unzähligen Hördurchgängen immer noch schafft, mir eine Gänsehaut einzujagen, mich wütend, nostalgisch und verzweifelt zu machen, dann kann ich es an dieser Stelle nicht anders formulieren.

Winselnd und am Boden kauernd erwarte ich also das dritte Stück „Heimatferne Rast“ , das erneut die 20-Minuten-Marke sprengt. Von akustischen Klängen eingeleitet führt mich erneut ein kriechender Gitarrenriff der Marke Epik in die Tiefen westfälischer Wälder. Klingt irgendwie pathetisch? Ja, aber das tun Beschreibungen von großartigen Alben eigentlich immer. Es spricht nur für den Künstler, wenn es ein Rezensent nicht schafft, die passenden Worte zu finden. Und das muss ich hier selbstkritisch eingestehen, denn nur wer dieses Album hört, kann das Geschriebene auch nachvollziehen. Ich will nicht zu viel Worte über das dritte Stück verlieren, es ist wieder mal ein einziges Erlebnis. Der Grund dafür, hier nicht die volle Punktzahl zu geben, ist das letzte titelgebende Stück „Ahnenwerk“. Auch hier bleiben Kermania zwar eigenständig, „irgendwie anders“ und stets auf überdurchschnittlichem Niveau, die sehr eingängige eher pagan-typische Melodie zerstört jedoch ein wenig die vorher aufgebaute Stimmung. Ich persönlich bin eher für Alben, die den Hörer verdutzt und verängstigt im Regen stehen lassen, anstatt ihm erneut den rechten Weg aufzeigen, aus der Misere, aus der fehlenden Hoffnung. Diese Aufbruchstimmung stört einfach im Gesamten, ist jedoch eher eine persönliche Ansicht meinerseits.

Zusammenfassend ist dies also ein herausstechendes Album, das vor allem für Schätzer des schwarzmetallischen Untergrundes interessant sein dürfte. Es sei hier noch mal gesagt, dass man sich wirklich auf dieses Album einlassen muss, es als Ganzes und am besten ohne störende Nebengeräusche abzuspielen hat, um die volle Qualität dieser Veröffentlichung zu erkennen. Ein weiterer Knaller von Ván!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen