Quizfrage: Was passiert, wenn man John Beck, John Mitchell, Chris Maitland und Pete Trewavas – alle vier gestandene Musiker mit reichlich Bühnenerfahrung – in einen Topf steckt? Richtig, heraus kommt ganz großes Kino! Die Band “Kino“ um genau zu sein.

Kino - Picture

Kino – Picture

Also bitte Platz nehmen, das Popcorn hervorkramen und die Vorstellung genießen! Und halten sie bitte die Augen und Ohren offen; schließlich kann es ihnen durchaus passieren, dass ihnen wohlbekannte Musikergrößen wie Police, Genesis, Asia, Queen oder sogar den Beatles während der Vorstellung über den Weg laufen werden.

Denn was die Jungs hier auf die Beine gestellt haben ist eine regelrechte Reunion aus Bands der Rockgeschichte, indem sie Einflüsse von diesen und anderen Künstlern in ihr Debütalbum “Picture“ mit einbinden und ihnen so ihre Art von Respekt und Ehrfurcht zollen.

Was damit gemeint sein kann zeigt schon der Opener “Losers’ Day Parade“ mit seinen neun Minuten – einer Tracklänge, die man sonst eigentlich nur von Bands wie Tool oder Metallica kennt. In diesen neun Minuten, die mal ruhig mal brachial daher kommen, wird eine eindrucksvolle Symbiose vollzogen, indem “Kino“ Stile von Queen, den Beatles und Canterbury zu einem zusammenhängenden Werk verbindet und so keine Langeweile aufkommen lassen. Und so kommen von Song zu Song immer wieder neue Eindrücke von bereits erfolgreichen Rockbands des 20. Jahrhunderts auf, wie in “People“ mit seinen markanten Bass- und Orgelelementen, welches stark an Bekanntes von Genesis erinnert.

Dabei schafft es “Kino“ dennoch seinen eigenen Stil zu wahren und folglich nicht wie ein Abklatsch zu klingen, nicht zuletzt durch die beeindruckend ausbalancierte Stimme des Sängers John Mitchell, dem es trotz vieler hoher Gesangselemente gelingt eine natürliche – nicht gekünstelte Atmosphäre daher zu zaubern.

So wirken alle Songs im Großen und Ganzen recht fröhlich und harmonisch, obwohl man vorwiegend auf ruhigere – mit Klavier- oder Orgelklängen untersetzte Passagen gebaut hat. Versucht man dann doch mal mit verzerrten Gitarrenriffs etwas Unruhe in das Geschehen einzubinden, nicht zuletzt um etwas mehr Abwechslung in die Handlung zu bringen, verstummt es leider nur all zu schnell wieder und gibt der Harmonie nach.

So hält sich der Einfallsreichtum der Rocker leider in Grenzen und viele Songs klingen relativ ähnlich und irgendwie hat man dann doch alles schon mal gehört.

Dennoch kann einen der Longplayer fesseln, gerade wenn man die oben genannten Bands mag und sich allgemein gerne in diesem Teil der Rockmusik aufhält.

Letztendlich also kein Album für Jedermann aber für Liebhaber des guten alten Rock auf jeden Fall eine Bereicherung.

Zusätzlich zur regulären CD-Ausgabe hat man noch die Möglichkeit eine Digipak-Version zu ergattern, in der dann noch eine DVD mit Livemitschnitten vom WDR-Rockpalast beigefügt ist. Leider gibt diese aber nicht das her, was sie sollte; sind die Mitschnitte doch recht einfältig bearbeitet worden und zudem wird einem schon nach kurzem klar, dass es sich nur um die Songs in CD-Qualität mit bewegten Bildern handelt.

Weshalb man bei der Produktion der DVD darauf verzichtet hat, den Originalton des Liveauftrittes bei zu behalten wird aber wohl vorerst ein Geheimnis bleiben.

Letztendlich also, zumindest was die DVD betrifft, nicht so großes Kino wie erwartet…

Progressive Rock
Inside Out Music
28.02.2005
http://www.kinomusic.com/

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Autor: Marcus


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