Wertung: 8 von 10

„What more can we add to this fucking motherfucker?“ fragte sich Sänger und Mitbegründer der allseits bekannten Formation Korn nach beinahe 20 Jahren Bandgeschichte, neun Studioalben und weltweit über 60 Millionen verkauften CDs. Die Antwort darauf folgte mit Skrillex und heraus kam eine experimentelle Zusammenarbeit der besonderen Art.Korn probieren sich auf ihrem neuen Album „The Path of Totality“ selbst aus, integrieren Dubstep Einflüsse und erreichen dabei auch die eigenen Grenzen des Möglichen.


Bereits des Öfteren wurde Korn eine gewisse Stagnation in ihrer Laufbahn vorgeworfen und denkt man an die eigene Jugend zurück, so fallen einem wenige Variationen in der musikalischen Bandgeschichte ein. Dafür solide, die Pubertät begleitende Nu-Metal Alben die besonders durch die sehr persönlichen, meist Jugendtraumata verarbeitende Texte des Herrn Davis in ihren Bann zogen. Dem Vorwurf des immer gleichen Soundgewandts wollten Korn mit ihrem neuesten Werk nun entgehen und luden sich für die Aufnahmen zum neuen Album zahlreiche Dubstep-Größen in ihr Studio ein, unter anderem Skrillex, Noisia, 12th Planet und Excision.

Voraus gegangen war dieser Idee der Song „Get up!“, welcher zusammen mit Skrillex bereits vor ca. einem Jahr entstand und Anfang 2011 als Gratisdownload zur Verfügung gestellt wurde. Nachdem der Song überaus erfolgreich bei Fans und Kritikern angenommen wurde, vertiefte sich die Zusammenarbeit. Die Idee, dass Experiment auf Albumlänge auszuweiten und sich dafür weitere Dubstep-Größen ins Boot zu holen, entstand. An sich kein schlechter Einfall, allerdings konnte man die Qualität der ersten beiden Vorabsingles („Get up!, „Narcissistic Cannibals“) nicht auf die knappen 40 Minuten beibehalten. Darüber hinaus ist auffällig, dass die Zusammenarbeit mit Skrillex die besten Stücke hervor bringen konnte, auch wenn trotz unterschiedlicher Feature ein in sich recht schlüssiges Werk abgeliefert wurde.

Auch sollte man Korn dafür loben, nach dem erfolgreichen „Korn III – Remember who you are“-Album – eine Erinnerung der Band an die eigenen Wurzeln – mit dem Nachfolger völlig andere Wege zu bestreiten. Zwar ist Industrialmetal durch Bands wie Nine Inch Nails und Ministry bereits ein Begriff, doch mit ihrem „Dubstep-Metal“ könnten Korn möglicherweise zum zweiten Mal in ihrer Karriere Genreprägend werden. Zwar hat Korn auch in der Vergangenheit schon mit elektronischen Einflüssen experimentiert, aber es wurde niemals zum Albumkonzept. Das bei den ersten Experimenten auch Schwächen zu verzeichnen sind ist in meinen Augen eine logische Konsequenz. Vielleicht wären diese aber auch vermeidbar gewesen, wäre man mit der selben Kreativität und Power wie bei den Highlights der Platte „Get up!“, „Narcissistic Cannibal“ und dem ersten Song, „Chaos lives in Everything“, an alle Stücke heran gegangen.

Die einzelnen Instrumente leiden unter der Integration des Dubstep doch deutlich: die individuelle Art des Slap-Bass-Spielens von Reginald „Fieldy“ Arvizu ist nur in wenigen Ansätzen noch zu entdecken, das Schlagzeug musste der Dubstep Geschwindigkeit angepasst werden und besonders der Gesang von Jonathan Davis leidet an einer gewissen Leere und Ausdruckslosigkeit in vielen seiner neuen Songs und wirkt generell einfach zu leise abgemischt. Möglicherweise sind diese Aspekte den Kompromissen zu zuschreiben, die man vielleicht bei Experimenten dieser Art eingehen muss – an vielen Stellen scheint aber einfach nur die zündende Idee zu fehlen, um den Songs das gefühlte „fehlende etwas“ zu verleihen.

An diesem Album werden sich wahrscheinlich nicht nur die Kritik-Geister scheiden, sondern vor allem auch die Meinungen der langjährigen Korn-Fans. Auf der anderen Seite könnte es der Band gelingen mit ihrem innovativen Stil so manchen Fan hinzuzugewinnen. Sicherlich, dass einige Zuschauer den Konzertsaal in London beim Debüt der neuen Songs verließen und das Publikum wütend die „echten Kornsongs“ forderte macht deutlich, dass sich die Band fernab ihrer Wurzeln bewegt, doch sollte man Musikern die Möglichkeit zum ausprobieren geben und nicht gleich alles „Neue“ als konsequent schlecht beurteilen. Das Album hat sicherlich seine Schwächen, stellt auf der anderen Seite aber einen soliden Grundstein dar für die Weiterentwicklung sowohl der Band selbst, als auch der Mischung aus brachialen Metalklängen und elektronischen (Dubstep)-Tönen. Wie viel Potential hinter dieser Idee steckt wurde nicht zuletzt in den Vorabsingles bereits mehr als deutlich gemacht.

Tracklist:

  • 01. Chaos Lives in Everything (feat. Skrillex)
  • 02. Kill Mercy Within (feat. Noisia)
  • 03. My Wall (feat. Excision and Downlink)
  • 04. Narcissistic Cannibal (feat. Skrillex)
  • 05. Illuminati (feat. Excision and Downlink)
  • 06. Burn the Obedient (feat. Noisia)
  • 07. Sanctuary (feat. Downlink and J Devil)
  • 08. Let’s Go (feat. Noisia)
  • 09. Get Up! (feat. Skrillex)
  • 10. Way Too Far (feat. 12th Planet, Flinch and Downlink)
  • 11. Bleeding Out (feat. Feed Me)

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