„Korova“ litten von Beginn an unter chronischer Erfolglosigkeit, konnte der metrische Irrsinn, welcher die altertümlich anmutende, martialische Adoleszenzlyrik auf „A Kiss In The Charnal Fields“ untermalte, der menetekelnde Cyber-Hybride „Dead Like An Angel“, doch nur mit einiger Feinheit in den Nüstern genossen werden. Nicht zuletzt sorgte auch die miserable Produktion für Unmut. Nach der Reduzierung auf ein Trio und Umbenennung in „KorovaKill“, nahmen sie ihr drittes Werk „Waterhells“ in Angriff und vermachten der Welt ihren bisher homogensten und eingängigsten Opus.

Für eine diesmal herausragende Produktion sorgte Markus Stock. Das Ergebnis ist eine 12-teilige Unterwasserwalze aus donnernden Wellen, betörenden Nymphen, keifenden Meeresbiestern und voll flammender Leidenschaft, bei der nichts dem Zufall überlassen wird. 12 Kompositionen, 12 Mondzyklen, 12 Monate, 12 Tierkreiszeichen. Alles Teil eines großen Ganzen. Neptun: der von der Sonne aus 8. Planet; der römische Meeresgott. Astrologie und Mythologie. Die zwölf Altare des doppelgesichtigen Janus. Ein komplexes, vielschichtiges Konzept, kongenial mit der Tonkunst vereint.

Ist die Musik, auch für den ungeübten Hörer, weitaus nachvollziehbarer geworden, so ist auch die Dichtkunst dank bildreicher Sprache, trotz seiner ganzheitlichen Komplexität, ohne Sekundärliteratur erschließbar. Ein Mann erwacht auf dem offenen Meer treibend, ohne Erinnerung, ohne Wissen über die eigene Person. Ringsumher nichts als Wasser und der blaue Horizont. Den bezaubernden Stimmen jungfräulicher Wassergeister, die seinen Namen rufen, nachgebend, sinkt er langsam hinab in das kühle Nass, zu einer Irrfahrt ins Unbewusste. Dort unten ist, dem Titel „Waterhells“ gemäß, natürlich die Hölle los.

Die Auseinandersetzung mit dem Manuskript wertet die Hörerfahrung enorm auf und lässt bewusst eigene Interpretationen zu. Man kann das Ganze ohne weiteres auch einfach als Metal-Album hören, in dem Thrash- und Black Metal (auf sehr eigene Weise), wie geschickt, partiell gesetzte Elektronikuntermalung, sich mit Ostinati für die Ewigkeit paaren.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Releases ist der Wahnwitz subtiler eingeflochten. Dennoch setzt die gesangliche Interpretation Niederwiesers (banausige Konsumenten rümpfen die Nase) wiederum expressive Maßstäbe.

Wassermassen wuchten sich über das Auditorium, der Strudelsog lässt die Sinne für Augenblicke lahmen, um in den tiefsten Tiefen des Meeres ein noch lebhafteres Lautspiel unexistent geglaubter Untergrundgestalten anzupreisen, ein tiefgehendes Faszinosum, abartig bezirzend, salziges Lebenselexier. Wer will dem Ozean das Wasser reichen?

Slow rot all earthly Shells

Embrace a thousand Hells

Tracklist:

  • 01. Birth
  • 02. WaterHells
  • 03. Drown Symphony
  • 04. Into The Underwhirls
  • 05. The Bleeding Lap Of Undines
  • 06. Blue Thrones
  • 07. All Statues Leave Their Stones
  • 08. The ShadowHordes
  • 09. It’s A Fools World
  • 10. Lord Golden Blizzard
  • 11. Within The Sunstorm
  • 12. Through Neptunes Broken Nets

TOPSCORE