Wertung: 1 von 10

Die Gruppe Kreuz Ost aus Berlin sind echte Berlinfans. Das sieht man schon am Namen, denn wer sich schon wie einer der am höchsten frequentierten Umsteigebahnhöfe Berlins (Danke, Wikipedia) bezeichnet, der liebt seine Stadt wirklich. Mit „Schönes Anderes Leben“ kommt das Debut dieser Band raus, das sehr jung und sehr nach Berlin klingt.


Kreuz Ost, das sind die Musiker Simon und Ralph, die mit ihrer Sängerin Polly – Achtung, hier verliere ich wohl die Leser – Elektropop für die „paar Minuten Auszeit im Großstadtkarussell“ (O-Ton Website der Band) machen. Ein hehres Ziel. Auch ich habe über diesen Exoten in unserer Promoliste gestutzt, war aber gleichermaßen neugierig über diese Anfrage und konnte es mir nicht nehmen lassen, darauf einzugehen.

Kreuz Ost verspricht nicht zu viel, schon nach dem ersten Durchhören fühlt man sich sehr viel ruhiger. Das Album baut sich weitestgehend aus beruhigenden Synthies auf und die Stimme von Sängerin Polly wirkt tatsächlich wie auf der Bandpage beschrieben, schwerelos und sinnlich. Insofern sind Kreuz Ost perfekt aufeinander abgestimmt, es gibt keinen Kontrast zwischen Café-Lounge-Klängen der Band und dem tröpfelndem Sprechgesang. Stellenweise fühle ich mich an eine sehr softe Variante von Wolfsheim erinnert.

Die Texte sind sehr modern, meistens ohne Reimschema und wirken eher wie ein Gedankenfluss. Dabei bleibt es aber auch. Es sind Wohlstandsprobleme, es sind die typischen Studiprobleme zwischen 20 und 30, die hier präsentiert werden. „Schönes Anderes Leben“ ist geprägt vom Zustand in der Schwebe, dem immer auf der Reise sein, das Leben endlich selbst meistern wollen, aber man weiß nicht wie das alles geht. Der Soundtrack für die Erstsemester – junge Leute, die wenig andere Probleme haben als wie man seine Zeit neben der Uni verbringt.

Dadurch wird der namensgebende Bahnhof zur gelungenen Metapher für das, was dieses Projekt produziert: den Soundtrack des Alleinseins in der Menschenmasse, die Rastlosigkeit und die Reise ins Ungewisse. Wer dabei entspannen kann, durchatmen, wie versprochen wird, den beneide ich. Ich fühlte mich nach anfänglicher Entspannung zunehmend unwohl bei „Schönes Anderes Leben“ durch die unruhigen, wabernden Klänge, und die Stimme von Polly wirkt irgendwann, in ihrer wiederholenden Prosodie und der gewollt geringen Aufregung, ausgesprochen nervig entspannt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich kein Berliner Hipster bin, sondern ein norddeutscher Metalredakteur und den Trend um Berlin für übertrieben halte. Genau, das wird das Problem sein.

Die Produktion ist dafür erste Sahne, das Cover schlicht und ansehnlich, denn Polly ist durchaus was fürs Auge.

Für wen ist dieses Album gemacht? Berlin offensichtlich. Und die Berliner Lounge- und Clubszene vermutlich. Für den durchschnittlichen Osnametal-Leser „leider“ nicht und mit Metal, Gothic, Alternative oder Punk hat das alles rein gar nichts zu tun. Daher auch an dieser Stelle die Minimalbewertung, auch wenn ich sicher bin, dass es für sein eigenes Genre sicher kein schlechtes Album wäre. Aber selbst dort sollte einem klar sein, dass das, was Kreuz Ost hier fabrizieren, woanders besser gemacht wurde, und hier wenig Originalität am Werke ist. Es gibt trotzdem mit Sicherheit schlechtere Debüts. Das dürfen aber gerne andere beurteilen.

Trackliste

  • 01. Hier Bleiben
  • 02. Aufgewacht
  • 03. Berlin
  • 04. Sommer
  • 05. Wann Vergeht Vergangenheit
  • 06. Schönes Anderes Leben
  • 07. Meer Geht Nicht
  • 08. Ich Will Nicht Zurück
  • 09. Um Uns Herum
  • 10. Neues Versteck
  • 11. Grau
  • 12. Wirsowieso
  • 13. Ich Will Tanzen

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