Unser Garten ist der perfekte Ort der Entspannung, der mit seinen duftenden Blumen und Kräutern, seinen Obstbäumen, Sträuchern und verschiedenen Zierstauden immer wieder alle Sinne erfreut. Wer seinen Garten überwiegend als Nutzgarten anlegt, kann sich und seine Familie mit taufrischem Gemüse und Obst selbst versorgen. Doch vor dem üppigen Pflanzenwachstum steht zuerst die Aussaat.

Dabei kann sich der selbstversorgende Gärtner zwischen Saatgut und Setzlingen entscheiden. Besonders im Anbau von Kräutern und Gemüse bewährt sich die Verwendung selbst gewonnenen Samens. Wenn dann im Garten Gemüse und Früchte heranreifen, denkt der clevere Selbstversorger schon an die nächste Gartensaison. Auch dann will er wieder knackiges Gemüse, würzige Kräuter und eine Menge bunter Blumen ziehen. Dazu müssen die verschiedenen Samen gewonnen und eingelagert werden.

Der Sinn der Sache

Angesichts kunterbunter Saatgutkataloge und Onlineangebote sowie der mit Samentütchen prall gefüllter Regale im Gartenmarkt fragt man sich: Lohnt sich die Mühe, von den Pflanzen im Garten Samen abzunehmen, die gewonnenen Samen anschließend sorgsam zu reinigen und einzulagern?

Für den Hobbygärtner mag das zunächst ziemlich überflüssig erscheinen. Aber auch er möchte im nächsten Jahr wieder das Gemüse, das so unvergleichlich gut schmeckt, seine bezaubernden Lieblingsblumen und die Pflanzen, die er von Gartenfreunden bekommen oder auf Tauschbörsen ergattert hat. Auch gibt es von vielen Pflanzen kaum Saatgut zu kaufen.
Dazu gehören Brokkolisamen oder die Samen für bestimmte Bohnensorten und Gemüseraritäten, wie Zitronengurken oder Gemüsemalven. Das trifft auch auf Heilpflanzen wie Johanniskraut, Echtes Labkraut oder Engelwurz zu. Auch Wildblumen können nicht gekauft werden, wie beispielsweise Wiesenflockenblume, Taubenkropf oder Ackerglockenblumen.

So stellt sich der Hobbygärtner der Herausforderung: Er sammelt eigenen Samen im Garten. Und der Selbstversorger? Für ihn und sein Selbstverständnis vom nachhaltigen und autarken Gärtnern gehört die Selbstgewinnung seines Samens zu den selbstverständlichen Gartenarbeiten. Denn Selbstversorger nehmen alles in die eigene Hand – den kompletten Wachstumszyklus der Pflanzen, von der sachkundigen Aussaat und Pflege über die ganze Wachstumsperiode bis zur Ernte und zur Gewinnung neuen Samens. Selbstverständlich spart dies auch eine ganze Menge Geld.

Die Anfänge

Irgendwann fängt alles an. Vor der umfänglichen Samenernte des erfahrenen, selbstversorgenden Gärtners standen oft zaghafte erste Versuche. Von den bunten Sommerblumen wie Sonnenblume, Schmuckkörbchen, Ringelblume, Stockrosen, Kapuzinerkresse, Strohblume, Wicken, Bechermalve, Mohn, Tagetes, Akelei oder Jungfer im Grünen kann man erfolgreich erste eigene Samen gewinnen. Auch Rittersporn, Türkenmohn, Brennende Liebe und verschiedene andere Stauden eigenen sich gut zur Vermehrung mit Samen. Selbst Pfingstrosen sind geeignet, allerdings sollten ihre Samen sofort nach ihrer Ernte ausgebracht werden, denn sie trocknen ziemlich schnell ein. Pfingstrosensamen benötigen Winterkälte zum Keimen.
Leicht lassen sich auch die Samen von Fruchtgemüsen wie Bohnen, Tomaten, Kürbis, Chili oder Erbsen gewinnen. Wenn man Möhren, Rettiche, Rote Bete, Spinat, Kohlgemüse und Salat nicht vollständig aberntet, bilden sich auch hier bei den verbliebenen Exemplaren Blüten und Früchte, von denen man Samen ernten kann.

Recht eindrucksvoll ist beispielsweise in voller Blüte stehender Brokkoli oder hoch aufschießender Endiviensalat, dessen blaue Blüten an die der Wegwarte erinnern.

Über die samenfesten Sorten

Für die erfolgreiche Samengewinnung ist etwas Theorie hilfreich:
Samen sind Nachkommen von Pflanzen, die Erbgut sowohl von einer Vater- als auch von einer Mutterpflanze haben. Von der Mutter erntet man den Samen – aber was ist mit dem Vater? Letztendlich kann niemand wissen, wo der Blütenstaub herkommt. Demzufolge ist unklar, wie die Abkömmlinge aus den Samen aussehen. Oft entsteht eine Kreuzung mit sowohl mütterlichen als auch väterlichen Merkmalen. Beispielsweise können aus den Samen kugelrunder Kürbisse schon mal längliche Vertreter oder aus einer schön tiefrot leuchtenden Ringelblume später leuchtend gelb blühende Sämlinge entstehen.

Aber es gibt auch die sogenannten samenfesten Sorten, bei denen sich das jeweilige Erbgut selbst über Generationen nur kaum merklich verändert. Sie ähneln ihren Eltern ziemlich genau. Samenfeste Sorten sind durch ganz gezielte Züchtungen entstanden. Heute sind sie ein wertvoller Schatz für alle Gärtner.

Bewährte lokale und alte Sorten sowie neue Sorten aus biologischem Anbau gehören in die Kategorie der samenfesten Sorten – so die Stangenbohne „Blauhilde“, der Kopfsalat „Maikönig“ oder die Einlegegurken „Vorgebirgstraube“. Samenfeste Sorten gibt es auch bei den Gartenblumen. Beispiele sind Prachtwinden, Edelwicken und Löwenmäulchen.

Sammlung, Aufbereitung und Lagerung

Die Samen werden gesammelt, wenn sie reif sind. Voraussetzung ist die vollständige Reife und Ausfärbung der Früchte, was man bei Tomaten ziemlich leicht, aber Bei Ringelblumen wohl recht schwer erkennen kann. Gerade ihre Samen sind blitzschnell aus dem Körbchen herausgefallen.

Ursächlich ist wieder einmal der Erfindungsreichtum der Natur, wenn es um die Verbreitung der Samen geht: Die Tomatensamen beispielsweise liegen in der fleischigen, roten Frucht. So werden Vögel angelockt, die die Frucht mit dem Samen fressen, weitertragen und anderenorts wieder ausscheiden.

Ringelblumen dagegen bilden fantasievolle Fruchtformen, nämlich Haken-, Ringel- und Kahnfrüchte. Während sich die Ringelfrüchte mithilfe ihrer Stacheln und Haken im Fell vorbeistreunender Tiere festsetzen können, werden Kahnfrüchte ihrer Luftkammern wegen leicht mit dem Wind davon getragen. Die Hakenfrüchte dagegen sind wurmähnlich und werden meist von Ameisen verbreitet.

Es ist das Wichtigste, für jede Pflanze den optimalen Zeitpunkt herauszufinden, zu dem die reifen Samen noch nicht weiter verbreitet worden sind. Manchmal kann man dem vorzeitigen Ausfallen und Wegfliegen vorbeugen, indem vorsichtig Tütchen, beispielsweise große Teefilterbeutel, über die Früchte gezogen und festgebunden werden.

Geerntet werden die Samen an trockenen, warmen Tagen. So gewinnt man Samen, die trocken sind und später nicht schimmeln. Sie werden ausgeschüttelt oder ausgeklopft, bei Tomaten ausgelöffelt oder aus ihren Hüllen herausgebrochen, wie bei Wicken oder bei Bohnen. Sie müssen einige Tage nachtrocknen. Dazu breitet man sie auf Zeitungspapier oder Küchenkrepp aus. Wenn man ganz behutsam darüber bläst, entfernt man noch Fruchtschalenreste und andere Verunreinigungen.

Die nachgetrockneten Samen werden jeweils einzeln in Briefkuverts, kleine Papiertütchen oder auch Gefrierdöschen eingefüllt. Größere Samenkörner kommen in Schraubgläser. Dabei sollte die Beschriftung mit Pflanzenart und Sorte sowie Erntedatum nicht vergessen werden. Die Samen lagern bis zur Aussaat im nächsten Jahr dunkel und kühl.

Noch ein Tipp:
Trocken bleiben die eingelagerten Samen, wenn Kieselgel oder Silikagel, die in kleinen Beuteln oft diversen Verpackungen beigefügt sind, zu den Samen gelegt werden.


Wie hat Dir der Artikel auf metaller.de gefallen?

Krisenvorsorge: Saatgut bei Selbstversorgung (Prepper): 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne5,00von 5 Punkten, basieren auf 1abgegebenen Stimmen.
Loading...
Dieser Metaller.de Artikel wurde heute bereits 1x gelesen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen