Wertung: 10 von 10

Vier Jahre brauchten Kromlek, um den Nachfolger zu “Strange Rumors… Distant Tremors” (2007) und ihr damit drittes Album einzuspielen. Viele große Worte sind im Vorfeld gefallen – so versprachen Kromlek das Ende der Welt “mit der geballten Wucht einer rasenden, 13-köpfigen Hydra” – doch oft halten solche Worte nicht das, was sie versprechen.


Anders Kromlek mit “Finis Terrae”! Eines ist schon beim Intro klar: dieses Album polarisiert. Entweder man liebt es oder man hasst es, etwas dazwischen wird es nicht geben! “Iron Age Prelude” zeigt, wo hier die Prioritäten liegen, das Überschreiten von Genregrenzen ist Trumpf. Erinnert das Intro fast schon eher an eine Symphonic Metal Band, wird auch im weiteren Verlauf munter gemischt. So sind neben dem zu erwartenden Pagan Metal insbesondere Technobeats zu finden.

Dies wird auch der Grund für den starken Hang zur Polarisation sein, den dieses Album ausübt. “Echte” Paganmetaller werden daran vermutlich keinen Gefallen finden. Dieses Album setzt eine stilistische Offenheit beim Hörer voraus, ja fordert sie quasi ein, wie sie in vielen Fällen vermutlich nicht aufzufinden ist.

Wer sich allerdings darauf einlässt bekommt etwas geboten, was so mit Sicherheit nur selten zu finden ist. Nicht nur Kenner werden feststellen, dass hier eine Band am Werke ist, von der noch großes zu erwarten ist. Feinsinnig komponierte Gitarrenlinien, sowohl im Rhythmusbereich als auch unglaublich stimmungsvolle Soli, mal ruhig, mal technisch ausgefuchst, treffen auf wunderbar passende Keyboardlinien, die immer präsent, aber niemals aufdringlich sind und ein Schlagzeugspiel, dass so manchem etablierten Profi gut zu Gesicht stünde. Und auch Sänger Mr. Alphavarg präsentiert sich zwar nicht besonders abwechslungsreich, aber dafür immer passend und technisch einwandfrei.

Als besonderen Bonus präsentieren Kromlek eine Weltprämiere, Mark und Joris von Heidevolk singen zum ersten Mal auf deutsch und auch Equilibrium– Mastermind René Berthiaume gibt sein Stelldichein. Nettes Gimmick, hätte es aber ob der ohnehin schon hohen Qualität des Albums und der Fähigkeiten des Sextetts nicht gebraucht. Schadet aber auch nicht.

Die Songs untereinander könnten, wie eingangs erwähnt, unterschiedlicher kaum sein. Klassische Pagan Metal Nummern wie “Moritvrvs Immortalis” stehen neben sehr elektronisch beeinflussten Songs wie „Nekropolis Fall“ und sorgen so für einen Mix mit enormem Tiefgang und spielerischer Finesse.

Und auch textlich geben sich Kromlek keine Blöße. Rund um das Thema vom Weltenende fahren sie alleine im 15-Minütigen (!) Titeltrack über 30 verschiedene Sprachen (!!) auf. Man mag nun sagen Qualität vor Quantität, aber auch da kann ich nur schwerlich ein schlechtes Haar an “Finis Terrae” lassen, die Texte punkten ebenfalls mit inhaltlichem Tiefgang.

Der Sound ist druckvoll, aber klar und differenziert, einzig die Gitarren könnten an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas gewaltiger um die Ecke kommen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Insgesamt präsentieren Kromlek hier ein absolutes Meisterwerk. Ein hohes Maß an stilistischer Flexibilität wird zwar dem Hörer abverlangt, aber dafür wird er mit 68 Minuten erstklassiger, aber extravaganter Musik belohnt.

Wer gerne einmal unverbindlich in dieses Album herein hören möchte, dem sei der Song “Creation’s Crowning Glory” ans Herz gelegt, bietet er doch einen guten Gesamtüberblick über das Album in all seinen stilistischen Facetten.

Bleibt nur, auf den Nachfolger von “Finis Terrae” zu warten und zu hoffen, dass Kromlek an diese Meisterleistung anknüpfen können.

Tracklist:

  • 01. Iron age prelude
  • 02. Nekropolis’ fall
  • 03. Angrlióð
  • 04. The cocoon
  • 05. Mantikor
  • 06. Manjushri aus mir
  • 07. Moritvrvs immortalis
  • 08. Ad rvbiconem
  • 09. Bastion
  • 10. Creation’s crowning glory
  • 11. Metropolitan roots
  • 12. Egophaneia
  • 13. Finis terræ

TOPSCORE

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