Erlend Erichsen – Nationalsatanist

„Der Lohn der Dunkelheit, Huldigungen, der Klang von Schreien in der Halle, schwarzer Schnee, Musik, Walküren, {…} Trommeln, Dämonen, Flammen – willkommen!“ {…} Vinterblod

Runar und sein Freund Vinterblod schaffen es: Ihre Black Metal-Band beweist sich über die Landesgrenzen hinaus. Doch statt sich des Erfolges zu freuen, zieht sich Vinterblod immer mehr in sich und seine Ideologien zurück. Aggressionen, Lügen, Verbrechen, der Drummer der Band „Stormvold“ handelt und denkt immer drastischer. Und Runar ist fasziniert, verunsichert und um ihre Band besorgt.

In sechs Teilen beschreibt Autor Erlend Erichsen vor allem die innere Entwicklung Runars. Aus der Ich-Perspektive schildernd, verfolgt der Schwarzmetaller interessiert, bewundernd und reflexierend das Auftreten seines Freundes Vinterblod. Vinterblod ist bloß ein Künstlername, den sich der Freund zugelegt hat. Den richtigen Namen erfährt der Leser in diesem Buch nicht. Und eigentlich ist es auch Vinterblod, der hier Protagonist ist. Runar und Vinterblod stehen sich als Held und Anti-Held in „Nationalsatanist“ gegenüber. Bezogen auf die Thematik des Romans ist es allerdings fraglich, wer welche Rolle übernimmt.

„Nationalsatanist“ spielt in Norwegen, das Geburtsland des True Norwegian Black Metal. Vinterblod geht in seiner Lebenseinstellung weit über die des TNBM als Musikstil hinaus. Er stellt sich gegen Gemeinschaft und Menschheit, schreckt vor kriminellen Taten nicht zurück. Erichsen schafft es ganz hervorragend, die Entwicklung Vinterblods darzustellen. Einerseits gibt es die Fremdwahrnehmung seines Handelns aus der Sicht von Runar, der sich nicht wiklich entscheiden kann, ob er von seinem Freund fasziniert oder erschüttert sein soll. Andererseits zeigen die Konsequenzen der Handlungen Vinterblods die gesellschaftliche Auffassung. Und dann gibt es noch die innere Sicht Vinterblods, verdeutlicht auch durch von ihm geschriebene Songtexte.

Der Autor weiß, wovon er schreibt, war er doch selbst einst als Schlagzeuger von Gorgoroth bekannt.

Den Schreibstil zu bewerten ist schwierig. Das Buch lässt sich meist flüssig lesen, die knapp 200 Seiten fliegen nahezu dahin. Allerdings gibt es neben dem Tempuswechsel als Stilmittel auch Änderungen des Tempus‘, die eindeutig nicht richtig sind. Nervig auch die häufigen Tippfehler. Zudem stockt an vielen Stellen der Lesefluss, der Schreibstil, der Ton, ändert sich gänzlich. Vermutlich Fehler des Übersetzers. (Durch Rücksprache mit Übersetzer Uekert wurde bekannt, dass der Verlag ein fehlerhaftes Manuskript veröffentlicht hat. – Anm. d. Red.)

Ein thematisch interessantes Buch, das nicht nur Schwarzmetaller interessieren dürfte. Leider hapert es bei der deutschen Ausgabe etwas. Empfehlung: „Nasjonalsatanisten“ auf Norwegisch lesen!

Amy Plum – Von der Nacht verzaubert

Paris ist eine uralte Metropole und beherbergt ebenso alte Legenden und Wesen.

Kate Mercier lebt nach dem Tod ihrer Eltern mit ihrer Schwester bei den Großeltern in Frankreich. Dort trifft sie auf Vincent und seine Freunde. Kate verliebt sich in Vince, doch scheint er ein Geheimnis zu verbergen. Zudem befindet Kate sich plötzlich in Gefahr mitten im so romantischen Paris.

Zunächst: Niemals den Klappentext des Buches lesen! Spoilergefahr! Der Verlag nimmt mit seiner Beschreibung auf dem Buchrücken schon einen Spannungbogen weg, was sehr ärgerlich ist.

Das Cover ist sehr hübsch gestaltet, wirkt jedoch schnell auch etwas kitschig und lässt auf eine reine Liebesgeschichte schließen. Noch viel klebriger ist aber der Titel, der im Original („Die For Me“) allerdings auch nicht viel schnöder ist. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird mit einer wirklich guten Geschichte belohnt! Zwar geht es hier um die Beziehung zwischen Kate und Vincent. Jedoch schafft Amy Plum es, die Liebe nicht in den Vordergrund zu stellen. Viel mehr geht es um wer oder was Vincent ist und um die dunkle Bedrohung. Die Ich-Perspektive zieht den Leser mitten hinein in ein romantisches und gruseliges Paris.

Die fast 400 Seiten lassen sich schnell und flüssig lesen. Die Geschichte ist niemals langatmig, es gibt immer wieder Passagen des Spannungsaufbaus.

Amy Plum zeigt dem Leser ein Paris, das sowohl romantisch, aber auch bedrohlich wirkt. Denn es geht tief hinab in den Untergrund der Stadt, wo ehemalige Massengräber noch immer mit allerlei Knochen protzen.

Eine Liebesgeschichte mit Fantasyeinschlägen, die sich mehr an jüngere Leser richtet. Wer „Von der Nacht verzaubert“ wird, darf sich auf den 2. Teil freuen, der diesen Winter erscheint.

Nina Blazon – Wolfszeit

Der Herbst ist die Zeit der Geschichten. Erzählungen über geheimnisvolle Bestien, schaurige Orte und Funken der Realität. „Wolfszeit“ liegt einer wahren Begebenheit zugrunde. Gerade das verleiht dem Roman seinen Reiz.

In einem kleinen Dorf Frankreichs sterben zu viele Menschen. Sie werden ermordet. Von einer wolfsähnlichen Bestie, so munkelt man. Nur Isabelle hat einen Angriff des Wesens überleben können. Die Bestie soll erlegt werden. Unter den Jägern ist Thomas, der sich mit Isabelle anfreundet. Doch entgegen aller Mythen hat Thomas eine ganz andere Erklärung für die furchtbare Gestalt. Damit bringt er Isabelle in Gefahr.

Ganz ihrer Manier liefert Nina Blazon mit „Wolfszeit“ einen für sie typischen Roman ab. Ein dicker Wälzer, der sich dank Spannung und ausgearbeiteter Charaktere schnell durchlesen lässt. Die neblige Atmosphäre macht den Roman zu einem echten Herbstbuch. Gerade an dunklen Tagen kann man sich in diese wunderbar mystische und historische Welt sinken lassen. Nicht ganz unblutig ist „Wolfszeit“ auch etwas für erwachsene Leser.

Carlton Mellick III – Die Kannibalen von Candyland

Dies ist die Geschichte von Franklin. Franklin, der Kinder hasst und am liebsten Rot trägt. Und es ist die Geschichte von Jujy, der Candyfrau, die Kinder mag (sie isst sie!) und nach Zuckerwatte duftet.

Franklin Pierce trifft die Candyfrau bereits in seiner Kindheit. Er entdeckt ihre Vorliebe für Kinderfleisch. Doch die Erwachsenen stempeln Franklins Berichte als Fantasie ab. Seither ist Franklin besessen. Er will sich und der Welt beweisen, dass es sie gibt, die Kannibalen von Candyland. Und er trifft auf sie, wird Jujys Sexsklave.

Viel zu schnell lassen sich die Seiten lesen, viel zu schnell ist die Geschichte vorbei. Auf jeder Seite sind Lacher und Schmunzler versteckt. Carlton Mellick der Dritte schreibt locker und parataktisch. So bringt die Geschichte ein angenehmes Lesen mit sich. Etwas anstrengend ist dabei allerdings die schwarze Schrift auf rosa Papier. Ab und an ist ein Absetzen des Buches zu empfehlen. Vielleicht, um schnell mal an Jujy zu riechen? Die verströmt auf dem Cover nämlich einen leckeren Zuckerwattegeruch.

„Die Kannibalen von Candyland“ ist skurril. Zwischen Humor, Horror und Erotik schafft Carlton Mellick III eine einzigartige Atmosphäre. Trotz des stolzen Preises für dieses kleine Büchlein ist „Die Kannibalen von Candyland“ ein wahrer Geheimtipp für alle, die keine Lust auf Mainstream haben.

Oliver Uschmann – Überleben auf Festivals

Jeder weiß, wie es auf Festivals zugeht und jeder kennt die Gruppen, die sich bilden. Oliver Uschmann hat sich mit ihnen ausführlich beschäftigt und einen tollen Survival-Guide für Open Airs verfasst.

Die Besucher. Sie sind wild, zurückhaltend, laut, bemutternd; sie zerlegen die Dixiklos und verschlafen den Auftritt der Lieblingsband. Ein Festival ist so viel mehr, als nur drei Tage lang abrocken vor der Bühne. Die Besucher sind buntgemischt und so unterschiedlich, wie man es nur sein kann. Uschmann hat sich mit Barbaren befasst, die alles kleinschlagen; mit den Kümmerern, die schon Wochen zuvor planen und alles vorbereiten. Er hat sich die Krankenschwestern angesehen, die seltsamerweise für und gegen alles etwas dabei haben, aber auch die Lese-Lara, die immer nur mit einem Buch im Zelt sitzt.

Die Musiker. Hierbei geht es darum, dass Musiker ja auch nur Menschen sind. Sie rauchen auf der Bühne, sie haben immer eine Kappe auf, sie singen von der verlorenen Liebe, die sie niemals vergessen werden. Es gibt da aber auch die Grobiane und den Macho, die sich doch etwas unflätig benehmen. Warum sie das allerdings tun, muss jeder selbst nachlesen.

Das Essen darf auch nicht fehlen: Bier, BiFi, Dosenravioli. Oder das Steak, das auf dem Grill vor sich hinbruzelt. Die Bauten, egal ob Zelt oder Wohnmobil, sie sagen genug über den Bewohner aus und sind daher auch ein paar Kapitel wert. Und was wären Wacken, Summer Breeze und Co ohne ihre Rituale? Ohne Helga und Crowdsurfing, ohne das Bauen von Saufgeräten oder die unflätigen Schilder? Da würde etwas fehlen.

Man erkennt sich wieder in Uschmanns Buch, geht anders über den Campingplatz, nimmt manches differenzierter wahr oder lächelt stumm in sich hinein, wenn man eine beschriebene Gattung live erlebt. Es ist ein Buch, das auf keinen Fall beim nächsten Open Air fehlen darf. Mit viel Charme und Witz und mit einem guten Auge für Menschen hat der Autor ein unvergleichliches Werk geschaffen, das kurzweilig ist und gerne Erinnerungen an die Sommermonate weckt. Nebenbei hat der Musikjournalist auch ein paar CDs, Songs und Bands in petto, die er dem Leser unterschwellig nahelegt. Rundum gelungen mit Amüsement-Garantie.

Oliver Uschmann wurde 1977 in Wesel geboren und arbeitet seit Ende der 1990er Jahre als Musikjournalist, Geisteswissenschaftler, Autor für Jugend- und Erwachsenenromane und Live-Entertainer. Vor allem die „Hui-Welt“ rund um die Reihe „Hartmut und ich“, die er zusammen mit seiner Frau Sylvia Witt schreibt, ist bekannt.

Matthias Mader – New York City Hardcore – The Sound Of The Big Apple Vol. 2

Ist Hardcore wirklich tot? Matthias Mader hat sich in New York auf die Suche nach dieser Bewegung gemacht und dabei einiges entdeckt.

Es war eine Jugendbewegung, die Ende des 20. Jahrhunderts entstand, auflebte und, nach Meinung einiger Kritiker, schnell verstarb: Hardcore. Doch ganz so ist es nicht. Der Autor Matthias Mader hat sich auf eine Suche begeben, die ihn quer durch New York führte. Zu Beginn des Buches – und um es dem Leser zu erleichtern – hat er die wichtigsten Clubs aufgeführt. Wo ist was los, und vor allem: Wer hat hier schon gespielt und Hardcore am Leben erhalten? Auch einige Plattenläden sind dabei, so dass man sich selbst nur anhand dieses Buches auf eine Reise durch den Big Apple begeben kann.

Eigentlich geht es aber gar nicht um die Stadt, sondern um die Musik. Hardcore sei nicht tot, meinen Roger Miret, Sänger von Agnostic Front, oder Ron Rancid, Sänger der Nihilistics, der das Genre heutzutage als anerkannt betrachtet. Jedoch, so Rancid weiter, unterliege das Genre wie alle anderen auch, einem ständigen Wandel und einer unaufhaltsamen Weiterentwicklung (vgl. S. 61f.). In diesem Tenor geht es weiter und man erfährt in vielen kurzen Interviews eine Menge über die New Yorker Hardcore-Szene, die Anfänge einer neuen Musikrichtung, die schnell, laut und hart war, und wie ein Aufstand der eher unteren Schicht gegen Snobs, Regime und die ganze Welt erschien. Hinzu kommt in einem zweiten Teil der Überblick über zahlreiche Hardcorebands: Hardfacts und eine sinnvoll zusammengefasste Bandgeschichte, dazu mehrere Fotos und das Logo, machen aus dem Buch ein interessantes Nachschlagewerk.

Nicht unbedingt dazu geeignet, in einem Rutsch durchgelesen zu werden, kann das Buch im Regal gute Dienste leisten, wenn man einen Überblick über einen Teil der New Yorker Hardcore-Szene bekommen möchte. Aufgepeppt wird das Werk durch die Karikaturen von David Neckenig. Umfassender wird man allerdings informiert, wenn man den ersten Band hinzunimmt.

Andi Lirium – Punkrock Heartland

In seiner ersten Publikation schreibt und zeichnet Andi Lirium als Bass, den es schon früh auf Hamburgs Straßen getrieben hat. Im Vorwort verrät der Autor, dass seine Geschichte, sowie die Charaktere reale Vorbilder haben, was sich spürbar auf die Authentizität auswirkt.

In seiner Jugend lernt Bass seine große Liebe Zottel kennen. Dann baut er Scheiße und landet im Gefängnis. Fünf Jahre später hat er seine Strafe abgesessen und ist in einer recht festen Beziehung, als er wieder Zottel begegnet.

Was sich nach einem herkömmlichen Beziehungsdrama anhört, wird durch das Milieu und die authentischen Charaktere aufgelockert. In Rückblicken, die immer dann eingeschoben werden, um den Background zu den neu auftretenden Nebenfiguren zu erklären, erzählt Bass auch gleichzeitig seine eigene Lebensgeschichte. Daraus resultiert eine lebendige Liebesgeschichte mit absurd komischen und tragischen Momenten, die abseits der bürgerlichen Gesellschaft spielt.

Der dynamische Zeichenstil, die Liebe zum Detail und der düstere, trostlose Look, der erzielt wird, indem lediglich Gelbtöne zum colorieren verwendet wurden, schaffen eine greifbare Atmosphäre.

Nur manchmal verliert der Leser den Überblick, wenn die Panels ineinanderfließen, oder mal wieder in der Zeit gesprungen wird. Auf den zweiten Blick klären sich vermeintliche Ungereimtheiten aber schnell auf.

Schlechtes lässt sich über „Punkrock Heartland“ eigentlich nicht sagen. Wenn man nicht gerade allergisch gegen Punks, homophob oder generell kein Fan des Genres ist, und sich mit dem Zeichenstil anfreunden kann, spricht vieles für den Erwerb der Graphic Novel.

Lev Ac Rosen – Die Erfindung der Violet Adams

Ein Buch, eine junge Erfinderin und unzählige Geheimnisse. Steampunk hat sich in London des 19. Jahrhunderts angesiedelt.

Violet ist begeistert vom technischen Fortschritt im Jahre 1883. Ganz der Wissenschaft verschrieben verkleidet sie sich als Junge und bekommt einen begehrten Platz am Illyria-Institut. Schnell findet sie dort Freunde, macht sich durch ihr Können aber auch Feinde. Zudem findet sie den Grafen Ernest, Vorsitzender des Instituts, sehr attraktiv, während dessen Mündel Violet alias Ashton schöne Augen macht. Doch nicht alles, was in den Laboren der Eliteschule entwickelt wird, hat gute Absichten. So geraten Violet und ihre Freunde schnell in die Fänge von Lügen, Geheimnissen und Gefahren.

Das Buch ist hübsch, ein wahrer Augenfang. Entfernt man den Schutzumschlag, so blickt man in das Herz einer Maschine. Es ist das Cover des Umschlags, jedoch ohne Mädchen und Text. Es sind unglaublich viele Details zu erkennen. Genauso ist auch der Inhalt. Das Buch ist mit über 500 Seiten sehr dick. Und beim Lesen wirkt es auch so. Denn in der Geschichte selbst gibt es unzählige weitere Geschichten. Der Autor lässt die eigentliche Mission zu oft aus den Augen und widmet sich Geschehnissen des Drumherums. Diese sind zwar in sich selbst schlüssig und interessant, treiben den eigentlichen Plot aber kaum voran. Da diese Nebenstorys sich jedoch über etliche Seiten ziehen, sind sie es, die die Dicke ausmachen. Mit der Zeit wird es nervig. Man will das Geheimnis lüften und nichts über die heißen Nächte von Violets dandyhaftem Zwillingsbruder erfahren. So wirkt das Buch schnell ermüdend und langatmig. Ansonsten ist die Geschichte jedoch spannend. Eine Mischung aus Highschool-Roman, Schmonzette und Abenteuergeschichte.

Wer London und Steampunk liebt und sich nicht von zähen Details langweilen lässt ist hier an der richtigen Adresse. Ein dickes Buch, gefüllt mit vielen Geschichten und einer Lösung.

Kristy und Tabita Lee Spencer – Dark Angels‘ Summer – Das Versprechen

Hitchcocks „Die Vögel“ trifft auf Hohlbeins „Azrael“. Ein dicker Wälzer, vollgepackt mit Spannung, Mysterien und Mordfällen.

33 Tage lang sind die Schwestern Dawna und Indie gleichalt. In dieser Zeit kehren sie nach Whistling Wing, die Ranch, die ihrer verstorbenen Großmutter gehörte, zurück. Nun will ihre Mutter dort Engelsseminare abhalten. Zusammen mit ihrem neuen Freund und Guru Shantani lädt sie Anhänger ein, sie nehmen angeblich Kontakt zu den Engeln auf. Dawna und Indie hingegen haben gegen ganz andere Mächte zu kämpfen. Es sind die Vögel, die in diesem Sommer verrückt spielen und Menschen angreifen. Die Schwestern versuchen herauszufinden, was auf Whistling Wing vor sich geht und welchen Part Shantani in diesem Spiel übernimmt.

Das Buch ist abwechselnd aus der Sicht Indies und Dawnas geschrieben. Die Schwestern sind charakterlich sehr verschieden, durch die Erzählweise bekommt der Leser einen guten Einblick in das Innenleben der Protagonisten. Der Verlag selbst bewirbt das Buch mit (…)so romantisch wie „Twilight“. „Dark Angels‘ Summer“ hat jedoch bis auf kurze Stellen wenig Romantik zu bieten. Die Autorinnen setzen mehr auf Spannung, die definitiv nicht zu kurz kommt. Schritt für Schritt baut sich die Geschichte auf. Die fast 500 Seiten merkt man dem Buch dank Schreibstil und Ereignissen kaum an.

Ein fantastisches Buch, gefüllt mit Mysterien und tiefen Charakteren. Einmal angefangen ist es schier unmöglich, vor dem Ende mit dem Lesen aufzuhören. Ist man dann doch auf der letzten Seite angelangt, so hat man das Glück, gleich mit dem zweiten Teil weitermachen zu können.

Gary Hill – The Strange Sound Of Cthulhu

Der brillante Autor H.P. Lovecraft kreierte ein umfassendes Werk aus Horror, Schauergeschichten und Mythen, das bis heute viel gelesen, hoch angesehen und oft adaptiert wird. Doch vielen ist gar nicht bewusst, dass sich auch die Musik ausgiebig bei dem Autor bedient.

Gary Hill, amerikanischer Musikjournalist, hat sich auf eine lange, fantastische Suche nach Spuren Lovecrafts innerhalb der Musik gemacht und darüber ein Buch geschrieben. Das Werk enthält neben einer knappen Einführung zu H.P. Lovecraft 13 Kapitel über verschiedene Musikgenres, inwiefern sie beeinflusst wurden und von welchen Geschichten die hauptsächliche Faszination ausging. Dabei stößt man auf bereits Bekanntes, aber auch auf viel Neues.

Die Band H.P. Lovecraft aus den 1960er Jahren kennen vermutlich einige und es ist unschwer zu erkennen, wer hier Inspirationsquelle war. Auch bei Necromonicon erübrigt sich die Frage, wie man zu dem Bandnamen kam. Dass Größen wie Black Sabbath, Metallica, Gwar oder Hypocrisy von Horrorgeschichten beeinflusst wurden, mag nicht verwundern, aber wenig bekannt sein. Damit sind nur ein paar wenige Beispiele herausgegriffen. Es scheint geradezu normal zu sein, sich der Lektüre seltsamer Geschichten hinzugeben und daraus Songtexte und Melodien zu entwickeln. Hill legt nicht nur dar, welche Band sich für welches Lied bei Lovecraft bediente, er führt sowohl den Songtext an, als auch die dazugehörigen Passagen aus den Geschichten und lässt Musiker erzählen, warum sie Cthulhu und andere Figuren zum Leben erwecken oder schaurig-düstere Beschreibungen übernehmen.

So singen etwa Metallica auf dem Album Master Of Puppets (1989) im Song „ The Thing That Should Not Be“ folgende Verse als Hommage an Cthulhu: „Hybrid children watch the sea / Pray for Father, roaming free.“ (S. 65), und weiterhin zitieren sie Lovecraft fast wörtlich: „Not dead which eternal lie / Stranger aeons Death may die“ (ebd.). In der Geschichte Stadt ohne Namen des Autors heißt es: „That is not dead which can eternal lie / And with strange aeons even Death may die“ (ebd.).

Außerdem erzählen zahlreiche Musiker, warum sie begeistert sind von Lovecrafts Werken und inwiefern sie inspiriert wurden. Bliss Blood von den Pain Teens beschreibt Lovecraft und die Faszination für seine Werke wie folgt: „Lovecraft war ein bizarr genialer Visionär mit unglaublichem Ausdrucksvermögen. In ihm fanden wir einen weisen Propheten, der in dunkler Vorahnung und mit überraschender Weitsicht das vorweggenommen hatte, was uns er später beschäftigen sollte.“ (S. 262)

Ein eigenes Kapitel wurde der Band The Darkest Of The Hillside Thickets gegeben, die das Literaturgenie bereits durch den Bandnamen würdigen. Dieser entspricht der Einleitung der Geschichte Das Grab von 1922. Mitbegründer Toren Atkinson erklärt dies folgendermaßen: „Es war der Ruf … der Ruf Cthulhus, der uns ereilte. Wir sahen es als unsere Pflicht an, seine Worte mittels einfühlsamer Vibrationen hinaus in die Welt zu tragen.“ (S. 199)

Man könnte viel über dieses Buch schreiben und auch über den brillanten H.P. Lovecraft, doch man sollte es selbst lesen. Ein umfassendes Werk über den Autor, seine Texte und seinen Einfluss auf die Musik ist entstanden, das nicht nur Lust auf Musik macht, sondern auch auf die Lektüre der Originalgeschichten. Sehr zu empfehlen und da es sowohl für Literaturbegeisterte als auch für Musikliebhaber gleichermaßen interessant ist, darf es in kaum einem Bücherregal fehlen.

Donald Ray Pollock – Das Handwerk des Teufels

Der erste Roman von Donald Ray Pollock treibt seine Protagonisten durch ein Amerika der Intoleranz, des Fanatismus und des provinziellen Irrsinns. Wann er das nächste Mal den Gottesdienst besucht, wird sich der Leser nach dieser Lektüre zweimal überlegen.

Die Lebens- und Leidensgeschichte von Arvin Russell, der im amerikanischen Hinterland der Fünfziger aufwächst, ist der rote Faden des Romans, der die anderen Handlungsstränge miteinander verbindet. Die verschiedenen Ebenen des Romans werden genutzt, um Naivität sowieso Missbrauch des Glaubens, religiösen Wahnsinn, Korruptheit der Exekutive, den allgegenwärtigen Alkoholismus und generell das Schlechte im Menschen vorzuführen.

Das schillernde Bild des Amerikas der unbeschränkten Möglichkeiten – insofern dies heutzutage überhaupt noch Bestand hat – wird mit Fortschreiten der Geschichte demontiert, bis nur noch das blutige Skelett dieses Traumes bleibt. Blutig ist auch der Inhalt, es ist aber das Unausgesprochene zwischen den Zeilen, was auf den Magen schlägt: Die Gewissheit, dass sich immer wieder Fanatiker, Heuchler und Perverse finden, um Glauben und Unwissenheiit für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Der personale Erzähler wechselt je nach Situation übergangslos die Perspektive, sodass die Szenerie plastisch aus allen Blickwinkeln beschrieben wird. Mit wenigen starken Worten wird Atmosphäre vermittelt, anstatt nur die Umgebung zu beschreiben. Schon auf der ersten Seite kann man die Herbstluft förmlich schmecken und hat bereits eine Ausblick auf den weitern Verlauf der Geschichte, wenn da Adjektive wie ‚trüb‘, ’nass‘, ‚felsig‘, ‚knochig‘, ‚eingefallen‘, ‚verwittert‘, ‚baufällig‘ fallen.

Genauso routiniert wie er Worte wirken lässt, schafft es Pollock, den Leser an der Gefühlswelt seiner Charaktere teilhaben zu lassen; er fühlt die gleiche Verzweiflung, das Leid und den Zorn.

Dass der Roman keine leichte Kost ist, bedarf keinem weiteren Hinweis – gut lesen lässt er sich trotzdem. Wer der Jagd nach dem nächsten bestialischen Serienmörder, der in einer fadenscheinig konstruierten Welt sein Unwesen treibt, noch vor Erscheinen des Titels überdrüssig ist, sollte sich dieses Buch zur Brust nehmen. Auch auf die Gefahr hin, mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend einzuschlafen.

Pulido, Wolfer, Mueller – Lady Death Band 1 – Vertreibung aus der Hölle

Seit den 90ern kämpft sie gegen fiese Dämonen. Und dennoch ist sie keinen Tag gealtert. Sexy wie schon vor zwanzig Jahren erobert Lady Death nun auch wieder den deutschen Comicmarkt.

Lady Death wird aus ihrem Höllenreich vertrieben. Ihre Widersacherin Death Queen, versteckt hinter einer Maske von Lady Death‘ Antlitz, will sie am liebsten tot sehen. Und in der Welt der Menschen hat Lady Death gute Chancen, ihr Leben zu verlieren. Ohne Erinnerungen an ihre Vergangenheit verdingt sie sich als Diebin Illadra. Doch die schwarzen Mächte verfolgen Lady Death auch auf der Erde.

Dominant, kämpferisch und erotisch ist die Lady aus der Unterwelt. Zeichner Mueller zeigt das Fräulein stets von seiner besten Seite (meist von hinten oder mit tiefen Einblicken). Lady Death‘ weiße Haut ist von wenig Lack und Leder bedeckt, üppiger fällt da ihre Waffensammlung aus. Ebenso detailreich ist die Geschichte ausgestattet. Spannend und sexy kommt dieser Comic daher. Wer die Kurven der Lady ganzseitig betrachten möchte, der schaut einfach in der Cover-Gallerie nach.

Heiße Action für starke Männer und sexy Frauen!

Gregory, Miller, Embury, – Grimm Fairy Tales: Mythen & Legenden 1

Märchen sind langweilig? Falsch! Hier werden die alten Mythen und Legenden zum blutigen Splatter-Spaß.

Der erste Teil der Serie „Grimm Fairy Tales: Mythen & Legenden“ nimmt sich einer neuen Version des „Rotkäppchens“ an. Eine werwolfartige Kreatur treibt sein Unwesen in einer Klinik für verhaltensauffällige Jugendliche. War es früher die Oma, so wird nun das Pflegepersonal auf brutale Weise zerstümmelt. Die junge Therapeutin Britney jedoch stellt sich dem Monster in den Weg. Dieser Comic ist nichts für schwache Nerven. Der Verlag empfiehlt ihn ab 16 Jahren. Doch wer auf viel Blut und noch mehr nackte Haut steht, wird hier seinen Spaß finden. Blutige Action tropft aus jedem Panel. Die Story ist rasant und mitreißend. Und wer der hübschen Britney schon auf den ersten Seiten verfallen ist, der findet zum Abschluss noch eine Cover-Gallerie mit sexy Zeichnungen.

Blut, Märchen und Erotik müssen nicht immer eine kitschige Kombination abgeben. „Grimm Fairy Tales: Mythen & Legenden“ beweist, dass es auch anders geht.

Till Burgwächter – Die Wahrheit über Wacken

Was? Wacken ist schon wieder vorbei? Nicht mit diesem Buch! Hier wird jede Zeile zum Festival.

Es gibt keinen Anfang in diesem Buch, besser wäre es, bliebe das Ende ebenfalls aus. Wer mit Till Burgwächters Erinnerungen an sein erstes Wacken auf Seite 70 beginnt, sollte das vorangegangene Wacken-Abc jedoch nicht missen. Von A bis Z wird alles erläutert, womit der Metaller auf dem Festival konfrontiert wird. So gibt es neben „Bier,mehr“ und „Girls, nackige“ natürlich auch „Dixis,die“ (nachzulesen auf den Seiten 14f., 26f. und 18). Überhaupt scheint das stille Örtchen dank Wacken zu einem heiligen Örtchen zu mutieren, Till Burgwächter klärt über die Zustände der Sanitäranlagen auf. Im Kapitel „Ein Lied für Wacken“ huldigt Herr Burgwächter dem Festival auf eine musikalische Weise. Jegliche bekannten, aber nicht gern gehörten Wahrheiten werden hier durch die künstlerische Freiheit in ihrem Bestehen abgesichert. Und wer nach dem Auspacken seines Full Metal Bags noch immer nicht genug Wacken mit sich herum trägt, der erfährt dann ab Seite 87 sein ganz persönliches Wacken-Horoskop.

Die Wahrheit über Wacken kennt jeder. Till Burgwächter hat sie manifestiert. Lesen, lachen und langsam wiederkehrende Erinnerungen aus dem biergetränkten Gehirn zusammenkratzen. Wer „Die Wahrheit über Wacken“ dann noch immer nicht versteht, der ist kein Metaller.

Fritz Steinbock – Das Heilige Fest

Auch heute ist traditionelles germanisches Heidentum kein theoretischer Glaube, sondern eine Religion, die vielfach praktiziert wird. Fritz Steinbock liefert in „Das Heilige Fest“ einen Einblick in die Rituale und Praxis des Glaubens.

Das Buch ist in drei große Bereiche aufgeteilt. Zunächst werden dem Leser die Grundlagen des Glaubens vermittelt. Es wird erläutert, was der Sinn der Rituale ist, was für die Durchführung gebraucht wird und welche Formen es gibt. Dann geht es in die Praxis. In diesem Teil werden verschiedene Rituale ausführlich besprochen, es gibt Anleitungen und Gebete für viele Lebensbereiche. Außerdem wird aufgeführt, welche Feste wann im Jahr gefeiert werden. Zum Schluss stellt Steinbock die germanische Gemeinschaft vor, wie sie heute existiert. Als ehemaliger Vorstand des Vereins für Germanisches Heidentum e.V. (VfGH) gibt er Einblicke in jene Gesellschaft.

Das Buch ist durchaus verständlich aufgebaut und ansprechend geschrieben. Jedoch muss man schon großes Interesse an der Thematik haben, ansonsten wirkt der Stoff schnell trocken und an ein Schulbuch erinnernd. Leider fehlen zumeist Grafiken. Fotos und Zeichungen hätten den Text auflockern und unterstreichen können. Sehr passend ist aber die im Anhang auffindbare Runentabelle, sowie eine Anleitung zur richtigen Aussprache. Denn Gebete werden durchaus auch in ihrer überlieferten Sprache aufgeführt. Heavy Metal News und Literaturreviews auf Metaller.de!

Ein empfehlenswertes Buch, um sich den germanischen Glauben anzueignen.

André Schönfelder – Metal, Bier und Wurstsalat

Wacken-Zeit und das Festival ist längst ausverkauft? Wer dennoch etwas W:O:A-Feeling erleben möchte, der greift diesen Sommer zu Metal, Bier und Wurstsalat.

Simon ist 19 und will nur eines: Mit seiner Band berühmt werden. Und der deftige Thrash-Metal schafft es zumindest auf die kleineren Bühnen. Um die größeren Locations auszukundschaften machen sich Simon und seine Kumpanen auf zum Wacken-Festival.

DAS Buch für alle Metaller des Nordens. Denn „Society of Skeletons“ kommen aus Oldenburg. Und dass Wacken im oberen Teil Deutschlands liegt, beweist Autor André Schönfelder durch allzu detailreichste Beschreibungen der Autobahnen Niedersachsens und Schleswigs. Die Geschichte protzt mit Klischees. Der versiffte Metaller, ständig kotzend und niveaulos, „Wackööön“ grölend, pinkelnd am Straßenrand. Witz geht meist verloren, erstickt durch langatmige Handlungsbeschreibungen. Der gutgemeinte Rat der Deutschlehrer -„Kürzen, kürzen, kürzen“- wurde hier nicht befolgt. Anstandslosigkeit, wie man sie nur auf Wacken antreffen kann, haben sich die Protagonisten einverleibt. Doch Schönfelder hat es geschafft, dass man eigene Bekannte in Simon, Kulle und Arne wiedererkennen kann.

Ein Buch mit echter W:O:A-Zeltatmosphäre. Niveaulos und erschreckend real.

Everett True – Hey Ho Let’s Go. Die Geschichte der Ramones

Sie waren Legenden und prägten die Musikgeschichte.

Kaum eine Band hat so viel Einfluss auf Musiker gehabt wie die Ramones – und sie haben ihn immer noch. Mit ihren kurzen, prägnanten Songs und der „Alles egal“-Haltung faszinierte die Band über Jahre hinweg. Everett True hat eine umfassende Biografie geschrieben, die genauso schonungslos ist wie die bekannten Songs der Formation. Dabei legt er seine Finger in die Wunden der Bandgeschichte: Kleine Lügen in den Geschichten von Johnny, Joey, Tommy und vor allem Dee Dee werden aufgedeckt. Die Wahrheit über Drogen- und Alkoholexzesse berichtet und erklärt, warum Tommy bereits 1978 die Band verließ. Neben zahlreichen Anekdoten finden sich harte Fakten und Streitereien auf der Bühne. True hat viele Wegbegleiter interviewt und nach ihren Erfahrungen und Eindrücken gefragt. Dadurch ist ein sehr lebendiger Bericht entstanden, der die Legende von verschiedenen Seiten beleuchtet und kein Detail auslässt. Auch die zweifelhafte Nähe zur Nazisymbolik wird begründet und räumt endlich falsche Anschuldigungen aus der Welt. Heavy Metal News und Literaturreviews auf Metaller.de!

Fazit: Solides und informatives Buch über eine Band, die Musikgeschichte schrieb.

TOPSCORE!

Joel McIver – Justice For All: Die Wahrheit über Metallica

In der Bandbiografie setzt sich McIver kritisch mit dem Werdegang seiner Lieblingsband auseinander. Autorisiert ist diese von Metallica nicht. Man könne so besser über die Schattenseiten der Bandgeschichte berichten, begründet es der Autor. Und das tut er auch, sich aus dem Werkzeugkasten des plakativen Enthüllungsjournalismus bedienend. Was vor allem hängenbleibt ist der Overkill an Zitaten.

„Dies ist das umfassendste Buch, das bisher über Metallica geschrieben wurde(…)“ bekennt McIver schon in der Einleitung. Das ist auch das größte Problem des Buches: In jeder Hinsicht versucht es umfassend zu sein. Leider nicht nur inhaltlich.

In den Danksagungen wird erwähnt, dass über 70 Interviews der Biografie zugrunde liegen. Joel McIver war hier wirklich fleißig und kennt sich gut aus in der Szene. Dass er diese Interviews selbst geführt hat, glaubt man ihm gerne, denn er macht den Fehler, sich in sie zu verlieben. Seiten füllende Zitate, nur um eine Aussage zu untermauern, hemmen den Lesefluss.

Der Verdacht kommt auf, das Buch sei eine bloße Aneinandereihung von Interviews, die hie und da mit Einleitungen und Überschriften versehen werden. Oft fehlt der rote Faden. Der Erzähler kommt immer wieder auf die Geschichte Metallicas zurück, lässt den Leser jedoch in einem Labyrinth aus allgemeinen Beschreibungen der Szene, der Musikrichtung, anderer prägender Bands und den Einfluss der verschiedenen Städte auf die Musik, alleine.

Die Sprache ist meist in einem bemüht lässigen Plauderton gehalten. Die Art, wie der Leser direkt angesprochen wird, wirkt vorallem in Kombination mit den distanzierten Kommentaren zwischen den Interviews unpassend.

Die Stärken des Buches sind die Analysen der einzelnen Lieder und deren Entstehung, bis hin zu den Alben. Dass er musikalisch versiert ist, versucht der Autor nicht zu verheimlichen. Doch auch als Laie kann man mit den Beschreibungen etwas anfangen und entdeckt so manchen Song, den man unzählige Male gehört hat, völlig neu.

Zum eigentlichen Inhalt bleibt zu sagen, dass McIver alles über Metallica zusammengetragen hat, um die Bandgeschichte detailliert wiederzugeben. Vielen Gerüchte, die sich seit Bestehen der Band gehäuft haben, wird in den sogenannten „Wahrheit-Kapiteln“ auf den Grund gegangen.

Zum Nachschlagen und Blättern für eingefleischte Metallica-Fans eignet sich das Buch hervorragend. Beim Durchlesen stören die ständigen Abschweifungen, so dass selten Spannung erzeugt wird.

Marc Halupczok – Die Biografie von HIM

Die echte, inoffizielle, geheime Biografie von HIM!

Marc Halupczok, vielen Metalheads besser bekannt unter dem Pseudonym Till Burgwächter, legt eine kurze, kleine, nette Biografie über HIM vor. Doch es ist mehr Ville Valo, der im Fokus dieses Buches steht. Auch im Fototeil finden sich nur Bilder des finnischen Rocksängers, seine Bandkumpels sind nicht zu sehen. Gut leserlich und appetitlich in kurzen Abschnitten portioniert wird Ville Valos Lebensweg von Geburt an geschildert. Natürlich steht hier der musikalische Werdegang im Mittelpunkt. Doch wahre Neuigkeiten wird der Fan über seinen Lieblingsfinnen hier nicht erfahren. Die Biografie ist zu großen Teilen eine bloße Wiedergabe von Zeitschrifteninterviews. Dennoch schreibt Halupczok angenehm und auf den Punkt bringend. Wer jedoch eine fundierte Biografie der kompletten Band haben will, wird hier nicht bedient. Auch die musikalischen Werke der Band werden im Entstehungsprozess und ihren Eigenheiten zwar angeschnitten, bleiben jedoch im Rahmen von Internetwissen. Bei einer inoffiziellen Biografie darf man da aber auch nicht zu viel erwarten.

Fazit:
Ein nettes Verbundprodukt für HIM-Fans, ein Must-have für Valo-Anbeter.

Toby Fuhrmann – Ich trag ein Massengrab im Herzen

Exfreundin überfahren, Groupie in Erdspalte gestürzt, aktuelle Freundin ist ein Vergewaltigungsopfer, der Vergewaltiger ist aber eigentlich recht nett. Bauschaum im Kopf? Massengrab im Herzen!

Anthony berichtet. Sein Leben bietet viele Kuriositäten, um sich popliteraturmäßig darüber auslassen zu können. Nur erlebt Anthony eben die falschen, zu harten Sachen. Was sind Drogenprobleme schon gegen den ständigen Schwund fester Freundinnen und Sexaffären, die nach und nach (teils sogar wortwörtlich) in der Versenkung verschwinden? Popliteratur war gestern, Anti-Pop regiert die moderne Literaturwelt! Was zunächst irrsinnig und witzig scheint, ödet beim letzten Drittel des Buches allerdings an. Anthony erlebt immer wieder dieselbe Scheiße mit anderen Beteiligten, Toby Fuhrmann hat seinem Protagonisten dabei auch noch ein sehr begrenztes Vokabular in den Mund gelegt. Die immer absurder werdenden Ereignisse scheinen erzwungen, immer auf der Suche nach einer neuen Klimax, die allerdings schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück saust. Irgendwo zwischen surrealistischer Wirklichkeit und schlechter Schreibkunst liegt dieses Buch.

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Das waren einige Literatur-Kurzreviews, die für Metaller interessant sein könnten. Hast Du noch nicht genug, dann findest Du hier Teil 3 mit weiteren Kurzvorstellungen.


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