Zum einen freuten sich Anhänger der Band auf das zu erwartende Stimmungsspektakel, für welches ein Auftritt der vier sympathischen Osnabrücker gemeinhin garantiert.

Zum Anderen war der Anlass eher betrüblicher Natur, schließlich firmierte der Gig unter dem Titel „Future-Felix – Abschlussgig“. Der Mensch selbigen Namens, Eingeweihten als Bassist von 30 cm Neuschnee bekannt, gab damit sein letztes Konzert als Mitglied der Band, welche er aus persönlichen Gründen verließ..

Es gibt ja bekanntlich zwei Arten von Abschieden: Entweder diejenigen, wenn die betreffende Person noch da ist. Oder die, wenn sie endlich weg ist. Wobei erstere bei zeitlicher Ausdehnung den Vorteil haben, dass man letztere hinauszögern kann.

Und damit dies gelang, war die Bremer Punkrock – Combo Local Stunning angereist, um als Vorband schon ein wenig gute Laune zu verbreiten.

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Dazu brachten sie ein 16 Stück umfassendes Set mit. Und obwohl der Konzertraum erst halb gefüllt war und die Stimmung im Publikum sich in einem bescheidenen Rahmen hielt, brachten die Hansestädter ein lohnendes Set an die Hase. Absolut eingängige Punkstücke mit reflektierten Texten und in bestem rockigem Bühnensound. Mehr war es nicht, aber auch keinesfalls weniger. Und die engagierte musikalische Darbietung wäre auch bestens geeignet gewesen, um sich warm zu tanzen, wenn das steife Osnabrücker Publikum nicht wie üblich eine gewisse Warmlaufphase gebraucht hätte. So verließen die Bremer zwar mit viel verdienter Sympathie, aber recht wenig Ermunterung schließlich die Bühne.

Trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen war der Ziegenbrink restlos gefüllt, als 30 cm Neuschnee mit ihrer Show begannen. Und wie erwartet gab es eine brillante Mischung aus Rock und Punk von The Clash und Die Toten Hosen bis hin zu Linkin Park, der berüchtigen Frog Bog Dosenband und der Bloodhound Gang. Dies alles selbstverständlich garniert mit allerhand markigen Ansagen und Blödeleien vom Band wie auch live.

Dass gute Laune und Party pur die Attitüde der Band darstellen, dürfte schon längst kein Geheimnis mehr sein. Und so gab es auch dieses Mal in einem Medley zusammengefasst Ausschnitte so berühmter Charterfolge wie die wortgewaltigen Grup Tekan und die Klingeltonmelodie eines äußerst beliebten pubertierenden Hühnervogels vor dem Stimmbruch. So war auch die Stimmung vor der Bühne dementsprechend euphorisch, und mit Gepoge, Getanze und begeistertem Mitsingen feierte das Publikum mit, dass die vorhergehende Warmlaufphase bereits wieder entschuldigt ist.

Schlechte Laune rief die Band nur einmal hervor, als Gerüchte, die bis dahin herumgingen, bestätigt wurden. Die Zusage für den von Kritikern schon längst prognostizierten und geforderten Auftritt auf der Maiwoche wurde der Band von einem der Veranstalter wieder entzogen, das sie „ein Publikum“ anzögen, welches „auf der Maiwoche nicht erwünscht ist“. Immerhin würde ja Punk gecovert. Gute Laune erregten dann jedoch wieder die Zuschriften von Fans, welche diese unsinnige Begründung kritisierten und die etwa mit den Worten, „30 cm Neuschnee seien etwa so viel Punk wie eine Panflöte“ auf ein „Armutszeugnis für die Maiwochen–Orga“ hinwiesen. Unter lautem Gejohle fingen die überaus punkigen Randalierer vor der Bühne daraufhin an, zu den bösen, bösen NOFX zu tanzen.

Nach 24 Stücken war das Set denn vorerst beendet und unter Trauermusik packte Bassist Felix theatralisch seinen Bass in seinen Koffer und zog nach einer herzzereißenden Abschiedszeremonie mit seinen Bandkollegen von dannen.

Kurz daraufhin zollte die Band den Forderungen der Zuschauer Tribut und gab eine Zugabe, welche zugleich die Premiere für den Nachfolgebassisten Sebastian war. So gab es nach der „Opelgang“ und „Die my darling“ im Stile von Metallica als krönenden Abschluss „Schrei nach Liebe“.

Und die Zusammenfassung des Abends: Die Maiwoche ist um eine Attraktion ärmer, 30 cm Neuschnee ebenso. Tokio Hotel wurde entgegen meiner Hoffnungen leider nicht gecovert (vielleicht nächstes Mal?). Auch Besucher, welche die Band vorher nicht kannten, waren restlos zufrieden. Und obwohl mit brachialer Urgewalt das gesamte Jugendzentrum Ziegenbrink vom Publikum zertrümmert wurde :-), treten 30 cm Neuschnee am kommenden Donnerstag (27. April) auf dem Terrassenfest der FH in Haste auf, wo bereits letztes Jahr eines der großartigsten Konzerte der Bandgeschichte stattfand – dieses allerdings Open-air! (und, wie auch in diesem Jahr, vollkommen kostenfrei)

Und trotz eines weinenden Auges ob des Abgangs von Felix wird auch die erste Show nach dessen Abschied sicherlich eine Riesenparty. Womit beide Arten des Abschiedfeierns irgendwie ihre Berechtigung haben…

Setlist Local Stunning:

01 Wake up

02 Imagination

03 Cut tha straight line

04 Sunny day

05 Rock tha beach

06 Teenage pop-punk song

07 If tomorrow never comes

08 Cheese, toast, ham & eggs

09 Everyday loosaz

10 Alternative love song

11 Dependency

12 Tell me

13 LSD

14 Beautiful time

15 Just skatepunk

16 Joanna

Setlist 30 cm Neuschnee:

01 Radio brennt

02 Along comes Mary

03 OK

04 Holiday

05 The guns of Brixton

06 You’ve got to die for your government

07 Unbelievable

08 In the end

09 By the way

10 Dare devil song

11 Morgens läuft mir immer die Nase

12 Foxtrott Uniform Charlie Kilo

13 Should I stay or should I go

14 Blitzkrieg Bop

15 Kill all the white men

16 Song 2

17 Hand in hand

18 Zu spät

19 Self Esteem

20 Zehn

21 Basket Case

22 Du willst immer nur ficken

23 Lords of the boards

24 Medley

25 Bro Hymn

26 Opelgang

27 Die die my darling

28 Schrei nach Liebe