Dafür braucht es schon ein wenig mehr Zeit. Denn es handelt sich hier um ein äußerst vielschichtiges Projekt, das sich nicht nur aufs musikalische

beschränkt. Zu Loom Light gehört auch eine Geschichte. Zugegebenermaßen ist der ewige

Kampf zwischen Gut und Böse nicht gerade die einfallsreichste aller möglichen Stories. Allerdings wird diese in ein düster gothisches Gewand gepackt, was zusammen mit einem gelungenen Internetauftritt und zahlreichen Informationen und Gimmicks um die Musik herum für einen äußerst stimmigen Gesamteindruck sorgt.Von der musikalischen Seite gesehen haben die Österreicher allerdings auch einiges zu bieten. Auf dem Silberling findet sich Dark Wave in fast perfekter Ausführung. Eine klassische Band Besetzung sucht man hier allerdings vergeblich. Lediglich die Posten Gesang, Gitarre und Synthesizer sind bei dieser Combo besetzt. Die Rythmussektion wird folglich komplett von unserem elektronischen Freund ersetzt, was bei diesem Stil aber auch durchaus erwünscht ist. Denn so erzeugt man einen düster sterilen Klang, der nicht selten absichtlich von elektronischen Spielereien durchzogen ist.Technisch kann man den Musikern dabei absolut keinen Vorwurf machen. Wenn das Ganze für den Durchschnitts Metaller jedoch stark gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Die Gitarre steht arg im Hintergrund und macht so Platz für die bereits erwähnten elektronischen Elemente, die mit den Synthie-Klängen zu einer düsteren Melange verschmelzen. Auch der Gesang von Marie Luise ist kein solcher im klassischen Sinne, sondern steht irgendwo zwischen Singen und Sprechen. Das ist allerdings keineswegs negative Kritik, passt es doch wunderbar zur musikalischen Grundausrichtung und der wie ein Märchen anmutenden Geschichte. Dark Romeo, der sie gesanglich hin und wieder unterstützt und das Konzept entworfen hat, sollte das mit dem Singen – oder besser gesagt sprechen – allerdings besser sein lassen. Bei ihm ist doch deutlich zu hören, dass die Band aus Österreich stammt. Und so sehr sein Stil und sein Akzent auch Erinnerungen an Falco wach werden lassen mögen, zerstören sie doch eher den ansonsten gelungenen Eindruck, den die Scheibe zu wecken vermag.Zu diesem tragen ohne Zweifel auch die Songtexte bei. Man ist schon fast versucht, sie mit dem Begriff Lyrik zu umschreiben. Sie malen kraftvolle dunkle Bilder, die einen ohne Umschweife in die düstere Fantasiewelt der Musiker reißen. Der Griff in die Klischeekiste ist hierbei keineswegs obligatorisch und langweilig, sonder erfolgt, gerade auch wenn man sich eingängiger mit der Geschichte beschäftigt, mit einem feixenden Augenzwinkern, dass einen Kontrast zur ansonsten düster schmachtenden Ausrichtung der Musik darstellt.Wer also auch einmal gerne in elektronischen Gefilden wildert sollte sich jetzt in den dunklen Monaten ruhig einmal Zeit nehmen und sich mit dem Projekt Loom Light beschäftigen. Dazu ist es allerdings unabdingbar, sich auch mit dem erste Album „The Secret Of The Silver Blades“ zu beschäftigen. Schließlich handelt es sich beim „Loom Full Of Light“ um eine Geschichte, die in einer musikalischen Trilogie erzählt wird. Dabei werden im vorliegenden zweiten Album „Ein Märchen das es nicht mehr gibt“ vor Allem die verschiedenen Charaktere näher beleuchtet. Wenn man sich mit dem Material beschäftigt sollte man allerdings aufpassen, dass man nicht in eine Winterdepression abdriftet.