Wertung: 8 von 10

Yeah, man! Ich bin echt mal positiv überrascht! Vor ein paar Stunden stand ich der Kollaboration von Metallica und Lou Reed noch skeptisch gegenüber, aber jetzt bin ich gefangen in dem Monster von einem Album namens „Lulu“!


Wie kann man eine Rezension verfassen, wenn man ein Album erst ein paar Mal gehört hat? Tja, indem man einfach die Mucke auf volle Pulle dreht und sich dann an die Tastatur begibt und zu schreiben anfängt…

Ich glaube, dass ganz besonders bei diesem Stück Musik der erste Eindruck entscheidet. Ich maße mir nicht an, hier schon ein Urteil zur Langzeitwirkung abzugeben.

Also, die Fakten: Doppelalbum mit einem pseudo-künstlerischen Artwork. Kann man mögen, ich find’s scheiße. Die beteiligten Personen: Metallica (Kommentar überflüssig) und Lou Reed. Dieser mittlerweile fast 70-Jährige hat insbesondere Ende der Sechziger und Anfang der Siebziger seine Spuren in der populären Musik hinterlassen. Ganz besonders verehrt wird er für seine künstlerischen Darbietungen als Sänger der Velvet Underground, mit denen er einige Klassiker der Popgeschichte veröffentlicht hat. Da ich persönlich nur das selbstbetitelte Debüt (das mit der Warhol-Banane auf dem Cover) mein Eigen nenne, kann ich mir keine umfängliche Beurteilung seines gesamten Schaffens erlauben. Allerdings gefällt mir die auf dem besagten Album dargebotene Tonkunst doch recht gut.

Lou Reed hat hier Lieder vertont, welche aus alten Demosongs von ihm sowie aus unveröffentlichten Stücken für ein Theaterstück des Deutschen Frank Wedekind namens „Lulu“ bestehen. Die finalen Arrangements wurden von ihm und Metallica in Kooperation fertiggestellt.

Man bekommt hier also zuallererst ein Lou Reed-Album zu hören, bei dem Metallica als Backing-Band agieren. Der Gesang von Mr. Reed ist kein Solcher im engeren Sinne, sondern vielmehr ein Sprechen über der Musik. Das Ganze hat von der Darbietung her Ähnlichkeit mit den letzten Johnny Cash-Alben, mit dem Unterschied, dass hier Noise-Metal und nicht besinnliche Akustikgitarren die Hintergrundmusik bilden.

Die Art der Vertonung ist dann auch eher als disharmonisch zu bezeichnen und alles andere als leicht konsumierbar. Zeitweise kann einem das monotone Geschepper auch schon mal ein bisschen zu bunt werden, aber meistens dauert es dann nicht lange, bis wieder ein fettes Monsterriff von Hetfield die Birne zum rotieren bringt. Ganz besonders großartig ist in dieser Hinsicht der Song „Frustration“: Das Eröffnungsthema auf der Elektrischen hat definitiv das Zeug für die Top-3 der besten Metalriffs des Jahres 2011! Ansonsten befinden sich auch einige richtige Long-Tracks auf dem Album. Beim Song „Junior Dad“ wird mal locker an der 20-Minuten-Marke gekratzt. Und einen Totalausfall gibt es auch zu vermelden: Das nervige „Little Dog“ kommt überhaupt nicht auf den Punkt und ist komplett überflüssig.

Fazit: Ganz sicher kein typisches Metallica-Album und ganz sicher nicht Jedermanns Sache. Die Vermutung, dass das hier das meistgehasste Werk mit Beteiligung der San Francisco-Jungs wird, ist nicht allzu gewagt. Selbst „St.-Anger“ kackt hiergegen in Sachen Sperrigkeit locker ab.

Tracklist:

Disk 1:

  • 01. Brandenburg Gate
  • 02. The View
  • 03. Pumping Blood
  • 04. Mistress Dread
  • 05. Iced Honey
  • 06. Cheat On Me

Disk 2:

  • 07. Frustration
  • 08. Little Dog
  • 09. Dragon
  • 10. Junior Dad

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