Hierfür fehlen bei der mir vorliegenden Platte, dem in Kurzform selbst betitelten Debüt von Frank Lucas, Chuck White und Steve Edsey zwei maßgebliche Dinge. Erstens eine grundlegende Eingängigkeit, damit der Otto-Normal-Pop-Hörer auch nicht überfordert wird, und zweitens der Gesang. Und das ist auch gut so. Im Laufe der Zeit hat es höchstens ein gewisser Richard Clayderman zu wirklich kommerziellem Erfolg gebracht, ohne Gesang zu nutzen. (Lassen wir mal diese ganzen Geiger usw. außen vor). Ja, hierbei handelt es sich um ein reines Instrumentalalbum, sieht man mal von ein, zwei Textsampeln ab.Beginnend mit einer Ode an die Freiheit der Vereinigten Staaten hört man im Intro des ersten Stücks eine Schulklasse das Gelöbnis zur Flagge, den so genannten „Pledge of Allegiance“ aufsagen. Synthesizer und Klavier stehen hernach im Vordergrund. Zur zweiten Hälfte des Songs steigt dann die Geige von Edgar Gabriel mit ein, bevor der Song dann in einem Militärmarsch-ähnlichen Outro endet. Song zwei bietet uns den Genuss eines Raketenstarts in musikalischer Form, mit Countdown zwischenzeitlichen leichten Jazz-Anleihen gefolgt von einem bizarr-futuristischen Teil mit Klängen, die der Filmmusik eines 80er-Jahre-SciFi-Films nicht unähnlich sind. Nach fünf Minuten übernimmt der Bass die dominierende Rolle und liefert ein gekonntes Jazz-Solo ab. Der Titel endet mit dem plötzlichen Abbruch jeglicher Musik und den Worten „ok, engine Stop“. Im dritten Track zeigt uns Meister Lucas wieder mal zeigt, was er spieltechnisch so draufhat. Hier wird auch seine Liebe zum könnerischen Aufblitzen seines Lehrers Jordan Rudess (Dream Theater) klar gezeigt. Zur Mitte des Songs liefern sich Lucas und Edsey ein kurzes Keyboard-Bass-Duett, bevor dann im zweiten Teil des Songs wieder die Hook vom ersten Teil aufgenommen wird. Im nächsten Stück wird dem geneigten Hörer wieder ein jazziger Anfang, verstrickt und mit krummen Takten geboten. Dieser geht über in eine Art Rumba-Barmusik, die aber auch gut und gerne als Hintergrundmusik im Traumschiff hätte laufen können. Ab der Hälfte des Songs kommt wieder die Violine unseres Cirque de Soleil-Musikers Gabriel zum Einsatz. Später sogar verzerrt, was dem Ganzen einen Charakter einer E-Gitarre gibt. Nun wird’s leicht traditionell. Ein Intro aus eingeblendeter Snaredrum mit einsetzeden simulierten Dudelsäcken, sehr schottisch gehalten rauscht aus den Boxen. Nach 50 sek. Folgt ein Break und wieder diese Rondo Veneziano-Fröhlichkeit in der Melodie, die auch schon Track 1 beeinflusste. Klingt nach Aufbruchsstimmung. Zur Mitte des Songs zieht das Tempo merklich an und unser Tastengenie besticht noch mal durch sein Können. Es folgen noch einige kleine Basssoli, wo hier und da sogar mit Stereoeffekten gespielt wird. Atmospherisch wird’s in Track 6. Klangteppiche mit Soundeffekten, wie z.B. Regenplätschern oder Donnergrollen leiten das Stück ein. Hier wird ein im Gegensatz zu den anderen Stücken bedeutend ruhigeres Tempo gefahren. Der Titel würde sich auch auf einer Kuschelrock-CD gut machen.Der vorletzte Titel zeichnet sich wieder durch vielschichtige Keyboardarrangements und einen fröhlichen Charakter aus. Abschließend erfolgt mit „The good live live“ noch eine musikalische Unbeschwertheit, die Anleihen an Phil Collins in mir wach ruft.Die Produktion ist klar und druckvoll. Jim Johnson und Harry Brotman liefern hier einen guten Job ab.Fazit: Eine durchaus interessante CD, die so gar nicht in unseren Bereich zu passen scheint, aber gerade durch die Tiefe und Verstricktheit der Songs sich diesen Anspruch erobert. Eines sei noch gesagt: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Combo in der hier besprochenen Besetzung live zu sehen sein wird, da mindestens drei Keyboarder nötig sind, um die von Frank Lucas im Studio nacheinander eingespielten Spuren auch live zu präsentieren.