Wir schreiben den 30. Januar im Jahre 2010.

Es ist Samstag, es ist arschkalt, auf den Straßen ist es spiegelglatt. Doch nichts von alledem hält geschätzte 3500 in Leder und Kutte eingepackte Bombenleger davon ab, an genau jenem Datum zur AWD Hall in Niedersachsens Hauptstadt Hannover zu pilgern.


Und dafür gibt es nur einen Grund.

Die selbst titulierten Kings of Metal machen sich auf die lange Reise von den Staaten ins schöne Germany, um ihren treuen Anhängern eine Show der Extraklasse zu bieten.

Mit MetalForce, auch bekannt als Majesty und Holy Hell im Gepäck starten sie die Death to Infidels Tour und halten somit auch in Hannover. Also machten wir uns auf den Weg ins naheliegende Städtchen, um uns dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen.

Schnell noch ein paar Bier im Kofferraum verstaut, schon geht es los und trotz des bescheidenen Wetters haben wir es geschafft, pünktlich anzureisen, um somit nichts zu verpassen.

Kaum verließen wir unser mollig, warmes Auto, schon blies uns der eiskalte Wind um die Ohren, was uns keinen Anlass gab, noch weiterhin draußen zu stehen.

Als wir nach einer klitzekleinen Kontrolle nun drin waren, fing gerade, die sich in True Metal Klischees badende Truppe, Metalforce mit ein wenig Verspätung ihr Set an. Sehr dynamisch und leidenschaftlich gehen die Jungs da an ihr Werk, so als wollten sie ihren Idolen kräftig nacheifern. Nach einem Set von ganzen fünf Liedern, welches unter Anderem Faster, Louder, Metalforce oder einen aus alten Majesty Zeiten bekannten Klassiker Into the Stadiums enthielt, war ihre Show auch schon vorbei. Man fragt sich, ob sie vielleicht noch einen bis zwei Songs mehr hätten spielen können, wenn sie pünktlich die Bretter betreten hätten.

Nach geschätzten drei Bieren ging es dann auch schon direkt mit Holy Hell weiter, welche ja schon seit Jahren zu Manowars Stammsupport gehören. Ob es nun an der Musik, an den stahlharten Texten oder an der Frontfrau liegt ist fraglich. Jedenfalls machten wir es und auf der mittleren Tribüne gemütlich, von der man übrigens perfekte Sicht hat und sahen uns die Show an.

Genau wie ihre Vorgänger, geitzten Holy Hell ebenfalls nicht mit True Metal Klischees. Und wirklich überzeugen konnten sie uns auch nicht. Langweilige 08/15 Riffs mit leichtem Nightwish Charakter sind nunmal nicht jedermanns Sache.

Aber dennoch hatte sich in den vorderen Rängen scheinbar eine kleine Fangemeinde gesammelt, welche die Texte mit durchgehend erhobener Faust mitsang. Wie gesagt, für mich ist das Ganze leider nichts, es fehlt einfach der Wiedererkennungswert, abgesehen von der nett anzuschauenden Frontfrau.

Nach geschätzten 45 Minuten verließen auch sie die Bretter und schafften somit Platz für die Band, auf die alle gewartet haben.

MANOWAR!! Die Bühne wurde kurzerhand mit einem schwarzen Vorhang umhüllt und die Manowarriors kamen so langsam in Fahrt.

In der einen Ecke brüllt man lautstark Hail and Kill, in der anderen wird Kings of Metal zum Besten gegeben.

Als dann die endlos lange Wartezeit vorüber war und die ersten Gitarrentöne erklangen, wurden die Fäuste gen Himmel gereckt und das Konzert wurde mit Call to Arms eröffnet. Mit dem ehemaligen Drummer Donnie Hamzik am Schlagzeug, welcher seit 2009 Scott Columbus ersetzt und Joeys donnerndem Bass wurde die Halle in kürzester Zeit in ein Schlachtfeld verwandelt. Ohne groß zu zögern, wurde direkt im Anschluss Hand of Doom rausgehauen, der die Fans zum kochen brachte und im direkten Anschluss danach ihr All Time Klassiker Kings of Metal.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt stand niemand mehr still, es wurde mitgegröhlt, gebangt und gefeiert. Karl Logan fidelte seine Soli in Perfektion, Eric Adams wusste, wie er mit seinen Stimmbändern umzugehen hat und Joeys Bass hatte einen satten, kräftigen klang, durch den sofort klar wird, weswegen Manowar keine zweite Gitarre brauchen.

Besonderer Höhepunkt war, als Joey sich mitten im Song das Mikro reichen ließ (der Song wurde unterbrochen) und eine Ansage an ein paar Fans machte, die sich gewaschen hat. Scheinbar haben sich ein paar Typen in den ersten Reihen geprügelt, sodass Joey ihnen die Möglichkeit gab, aus der Halle zu verschwinden und dafür die Kohle wieder zu bekommen oder sich zusammen zu reißen und das Konzert in Ruhe zu genießen. Man entschied sich für Zweiteres und somit gings mit dem Set weiter.

Der Schwerpunkt der Setlist lag deutlich auf den jüngeren Alben, wodurch einige Klassiker außer Acht gelassen wurden. Fand ich persönlich sehr schade, da ich ein großer Fan der alten Kamellen bin. Aber man kann ja nicht alles haben.

Nach einem Basssolo von Joeys Seite und ein paar weiteren Songs des aktuellen Albums wurden schnurstraks vier Mädels und ein Kerl auf die Bühne geholt, um den Spaßfaktor nach vorne zu treiben. So exte man jeweils ein Bier, der junge Bursche bekam ein Manowar Shirt übergezogen und eine Klampfe in die Hand.

Auch wenn er so aussah, als sei er nicht wirklich anwesend, zockte er ein doch gut anhörbares Solo und Joey brachte ihm kurzerhand die Griffe für The Gods made Heavy Metal bei.

Was für eine Ehre, mit Manowar zusammen auf der Bühne zu stehen und mitzuzocken. Ich hätte mir sämtliche Finger geleckt.

Nach 3 weiteren Songs, welche wieder zum letzten Album gehören, ertönten zum Abschluss die krachenden Drums des Oberklassikers Warriors of the World. Pure Gänsehaut, mehr kann man nicht sagen.

Nach diesem Stück verließen sie erstmals die Bühne, um sie nach ca. einer Minute wieder zu entern und mit House of Death als erste Zugabe das Set zu Ende zu bringen. Zum krönenden Abschluss vergewaltigte der Gott höchstpersönlich noch einmal seinen Bass, welches das Zeichen zu Black Wind Fire and Steel setzte.

In High Speed wurde mit meinem persönlichen Lieblingssong, neben Gloves of Metal das Set beendet und die vier Mannen verließen endgültig die Bühne.

Mit The Crown and the Ring als Outro wurde die Halle immer leerer, bis auch wir uns auf den Weg nach draußen machten.

So hatte dieses Konzert ein super geiles Ende, es war laut wie sau und wir machten und auf den Weg nach Hause.

Aber eine Sache noch. Bitte, bitte, verringert den Eintrittspreis. 70€ ist doch schon eine ganz schöne Menge Asche.