Extrem, das ist vor allem der Regen am Donnerstag. Nass und frierend bleibt ein Großteil der Festivalbesucher im Zelt, so wird mir berichtet. Zwar bin ich enttäuscht, Enslaved nicht gesehen zu haben, höre aber schnell raus, dass die Stimmung beim Donnerstag-Headliner aus Norwegen doch eher gedrückt war. Dafür strahlt am Freitag dann die Sonne. Etwas frisch ist es zwar immer noch. Und der Boden ist aufgeweicht und schlammig. Kein Problem für mich, ich habe mich in Blümchengummistiefeln aufs Festival gewagt.

Das Ankommen ist eine Ruckelfahrt, die Wege sind beinahe zu eng für den Van, die Reifen mühen sich durch den Schlamm, der Artist-Eingang hätte besser ausgeschildert und befahrbar gemacht werden sollen. Darüber hinweg tröstet das Essen. Das Catering bietet eine leckere Auswahl an lauwarmen Gerichten. Meine Currywurst suppt in der Sauce, egal, es schmeckt.

Im Backstage-Bereich beobachte ich Svarttjern, die sich schminken. Sänger HansFyrste ist in den Spiegel vertieft. Der Moment ist zu schön, um ihn in einer Fotografie festzuhalten. Es wäre ein Peter-Beste-Bild geworden. Später sehe ich die Norweger auf der Bühne. Svarttjern berauschen mich. Ich verlasse das Zelt mit der Tentstage, gehe zurück zum Van, der direkt hinter eben jenem Zelt steht, und genieße den Abstand zur Show, höre nun bloß noch die reine Musik. Später ziehen die Jungs verschwitzt an mir vorbei. Ich hoffe auf ein weiteres Konzert von ihnen, irgendwann, vielleicht in Norwegen.

Immer wieder gehe ich alleine los, will die Atmosphäre des Festivals einfangen und Fotos machen. Die Stimmung ist verhalten. Selbst vor der Mainstage stehen wenige Besucher. Septic Flesh wirken etwas verloren auf den weiten Brettern. Die Musiker verschwinden in ihren bombastischen Tönen. Die Zuschauer bleiben ruhig, richtige Fans scheinen heute kaum dabeizusein. Die Menge scheut die Nähe.

Das Gelände wirkt leer. Zwar ist der Boden durchgetreten, doch fehlen die Stiefel zu den Schritten. Selbst über dem Campground liegt eine für Festivals unbekannte Ruhe. Still ist es nicht, aber es gibt eben kaum Gegröhle, Rufe, Schreie. Es ist nicht unbedingt so, dass sich die Metalheads zu benehmen wissen, es fehlt einfach an Elan, an Fanatismus, an Freude. Dabei goldet selbst abends noch immer die Sonne.

Im Zelt der Tentstage ist die Sonne bereits untergegangen. Sonne Adam haben musikalisch eine gute Leistung gezeigt. Zu wenig wird diese von der kleinen Zuschauerschar gefeiert. Und auch Helrunar verdienen deutlich mehr Publikum, das dunkle Zelt bietet schließlich genug Platz. Dennoch treffe ich hier neben Kommilitonen endlich auch auf richtige Fans, die ihre Mähnen kreisen lassen und Sänger Skald Draugir beim stets erbettelten „Älter als das Kreuz“ gesanglich unterstützen. Zu schnell vergeht die Dreiviertelstunde, Zeit für Zugaben gibt es nicht.

Nach dem Herausrupfen der Kabel und Verstauen der Gitarren im Auto bleibt noch etwas Zeit bis zur Heimfahrt. Grave und Tankard spielen auf der Mainstage. Der Bereich vor der Bühne bleibt auch bei diesen Größen seltsam verlassen. Es fehlt der Festivalfunke.

Im Backstage ist vom Catering kaum mehr als ein Teller Salat übrig. Septic Flesh machen sich zur Abreise bereit, überlassen den Übriggebliebenen ihre Getränkemarken. Wir sind eine stille, aber lachende Runde.

Eine Stunde vor Mitternacht geht es zurück nach Münster. Die Stimmung ist gut, der isländische Brennivín wird wenig später mein „svarti dauði“ und verhindert, dass ich Behemoth, Headliner des Festivals, sehen kann.

Um all die guten Bands, die ich nicht gesehen habe, tut es mir weh. Und um die fehlenden Fans, die fehlende Anerkennung, die fehlende Festivalatmosphäre tut es mir ebenso weh. An bester und extremer Musik allerdings hat es definitiv nicht gefehlt. Auf ein weiteres Extremefest 2014, auf dass dann auch die extreme people dazustoßen.

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