Metal Splash Festival 2008 – beachtliches Line-Up im Strandhouse

Die Veranstalter des Metal Splash Festival 2008 haben es geschafft ein beachtliches Lineup zu liefern. Recht namhafte Bands durch und durch, international erfahrene Bands. Ich war, um ehrlich zu sein, positiv überrascht, was die Veranstalter in unsere mehr als ruhige Kleinstadt gebracht haben und besonders gespannt auf den Abend, der schon um 14.30 für mich begann. Die Lokalität am Weichelsee, das Strandhouse, ist mir ohnehin seit langem bekannt – eine gemütliche Strandbar – doch was ich sah, als ich ankam sah recht professionell aus.

Um dies zu veranschaulichen, hier die Running Order: Einlass: 15.00

Sempiternal (SWE) 16.30 – 17.00
Noxious 17.20 – 17.50
R.Y.O.T. 18.10 – 18.55
In Signum 19.15 – 20.00
Distream 20.20 – 21.05
Sniper 21.25 – 22.10
Maintain 22.30 – 23.15
Misery Speaks 23.35 – 00.35

Metal Splash Festival 2008 mit u.a.: Misery Speaks, Maintain, Sniper, Distream, In Signum

Metal Splash Festival 2008 - beachtliches Line-Up im Strandhouse
Metal Splash Festival 2008 – beachtliches Line-Up im Strandhouse

Abgezäunte Bereiche für – recht dürftig genutztes – Camping, viele Parkplätze und ein großzügiges Bühnengelände. Es sah wirklich alles sehr schick aus und ließ auf einen guten Start hoffen, wenn nicht der feuchtkalte, norddeutsche Sommer wäre. Doch der Himmel klarte auf, Sonne schien, vielleicht war ja auch das Wetter günstig, genauso wie die Vorraussetzungen vor Ort. Doch ich wollte es nicht beschreien. Nachdem dann auch alsbald meine Meute aufgetaucht war, der erste Springer-Cola gekippt, sich nach und nach Leute zum Einlass aufmachten, schließlich war es mittlerweile 15.00 geworden, und wir alle mit Bändchen und ich mit Presseausweis versorgt waren, der mir im übrigen sogar Freigetränke ermöglichte (an dieser Stelle Danke noch mal), konnte ich auch die Lage vor der Bühne und vorm Tresen checken. Eine Runde Bier, ein runder Tisch in der „Lounge“ und ein Blick über die runde Sache, an alles wurde gedacht: Essen, Trinken, genug Platz und bald auch gute Musik.

Vorab hatte ich ein bisschen Gelegenheit mit Sergej von Sniper und den Jungs von Noxious zu schnacken, Sempiternal aus Schweden schauten gelassen auf den Einstiegsgig dieses jungen Festivals und die Stimmung war gut.

Dann allerdings, es konnte ja nicht anders sein, brach der Himmel auf und ergoss sich in einem Platzregen über uns. Die Sängerin von Sempiternal ging dennoch in die Umkleide und machte sich für den Auftritt freizügig schick, ihre Band machte einen kleinen, letzten Soundcheck. Meine Befürchtung, das Ganze fiele nun ins Wasser und die ganze Vorbereitung wäre für die Katz gewesen hat sich mit dem gelungenen ersten Song und den sturmfesten Mattenschwingern vor der Bühne zerstreut und das Metal Splash nahm seinen feuchten Anfang.

Sempiternal, gewissermaßen der Außenseiter des Festivals – sowohl musikalisch als auch von der Nationalität her – und die wohl am jüngsten wirkende Band, kommen aus Schweden und spielen melodischen Metal mit zweigeschlechtlichem Gesang, angesiedelt zwischen neueren Nightwish und Within Temptation. Der Knalleffekt hat aber eindeutig gefehlt, zwar gaben sich Sempiternal alle Mühe und die Handvoll wetterfeste Meute entlohnte sie mit einigen fliegenden Haaren, es war aber einfach noch zu früh am Tag für eine unterstreichende Lightshow und eine düstere Atmosphäre. Es war einfach nass, kalt und glitschig, der Sandboden war prädestiniert für Pfützen, die sich nach und nach ausbreiteten, was mir in meinen Turnschuhen reichlich missfiel, aber für eine gelungene Berichterstattung hol ich mir auch gerne nasse Füße. Und zu früh war es wohl auch am Tag, denn noch war das Publikum im ganzen sehr übersichtlich, das sollte sich aber noch im Laufe des Tages ändern.

Nach fünf Songs war der Auftritt auch schon vorbei, eine knappe 20 minütige Aufbaupause später sah das Wetter noch genauso aus, jedoch standen nun die Alternative/Metalband Noxious aus dem Nachbarort Schneeverdingen auf der Bühne und läuteten ein wesentlich härteres und schnelleres Brett an, als die Vorgänger es taten. Nach und nach vergrößerte sich das Publikum, was nicht zuletzt daran lag, das die fünf sympathischen Jungs von Noxious aus der engeren Gegend und nicht aus Schweden kommen. Ein kurzweiliger Auftritt folgte, die gelungene Mischung aus Härte und Geschwindigkeit traf den Nerv der Anwesenden, deutlich mehr Leute trauten sich in den Regen den Nachwuchsbands zu huldigen und alsbald war der Regen auch in Vergessenheit geraten, er war zwar da, aber was soll’s? So sieht es nun mal in dieser Jahreszeit in Norddeutschland aus!

Nach einer halben Stunde zum Aufwachen folgte erneut eine 20 minütige Pause, die ich unter anderem für ein Freibier nutzte, um nun endlich auch ein wenig zum Zug zu kommen, denn es folgte die sulinger Hardcore/Thrasher Band R.Y.O.T. (Resist Your Own Thoughts) und das wollte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen. Mit jeder Band schienen mehr und mehr Menschen ihren Weg an den Weichelsee zu finden und das Wetter schien langsam aufzuklaren, auch wenn es nie aufhörte zu nieseln. R.Y.O.T verdienten sich die gesteigerte Aufmerksamkeit mit hohem Bühneneinsatz und Publikumsnähe.


EMP Fire Lounge
EMP Fire and Lounge *

Echte Lokalmatadoren beim Metal Splash Festival 2008

Für meine Begriffe konnte dieser, schon sehr gelungene, Auftritt bisher nur von den ersten echten Lokalmatadoren getoppt werden:
In Signum aus Rotenburg selbst. Feiner Death Metal gewürzt mit Thrash, rübergebracht von einem Sänger, der genauso gut in alteingesessenen Bands am Mikro stehen könnte und abwechslungsreicher, kraftvoller Musik im Rücken.

Endlich wurde das Publikum unübersichtlich, Rotenburg und Umgebung scheint endlich aus den Federn gehämmert worden zu sein und das ist gut so, langsam galt es wirklich etwas zu verpassen! Meine Bedenken das, das Feedback auf ein Metalfestival in der näheren Umgebung zu gering ausfallen könnte, sodass die Veranstalter rote Zahlen schreiben müssten, blieb dennoch weiterhin bestehen. Noch war einfach nicht genug los, auch wenn die Anwesenden sich fleißig am recht günstigen Bier (Fassbier 1,50 Euro) und dem recht reichhaltigen Imbissangebot gütlich taten. Allerdings konnte ich mittlerweile sagen, das 10 Euro Eintritt gerechtfertigt waren.

Mit dem Ende des In Signum Auftritt gegen 20.00 war die Halbzeit des Festivals erreicht. Vier Bands haben gespielt, vier Bands sollten noch kommen und das Beste kommt ja immer zum Schluss. Pause war dennoch noch lange nicht, denn die nächste rotenburger Band Distream, erneut eine Thrash Metal Band, stand bereits in den Startlöchern und läutete die zweite Hälfte ein.

Nachdem In Signum nun die Latte schon recht hoch gesetzt haben, war ich doch etwas enttäuscht von Distream und steuerte erneut den Tresen an.

Die Stimmung war allgemein gut, wie eine große Party. Fand ich sehr gut, auch wenn mir musikalisch irgendwo die Abwechslung fehlte: seit einer Stunde liefen nur noch Thrasher oder thrashorientierte Bands und bis zum Schluss sollte das auch so weiter gehen, mit Ausnahme von Misery Speaks und Sniper vielleicht, die eher zum Death neigen.
Als sechste Band enterten die eben erwähnten Sniper die Bühne. Die Herren, denen wir unter anderem diesen nicht nur nassen, sondern auch gelungenen Festivaltag verdankten, durften nun selbst ihre Kunst darbieten. Beinahe skurril wirkte Sänger Rupert Nieger in seinem makellos weißen Outfit am Mikro, doch was aus den Boxen kam war schwarz und gewohnt hart. Nun waren die letzten Stunden des Festivals angebrochen und auch die Bands mit der größten Bühnenerfahrung sollten auftreten. Sniper, die in den vergangenen Jahren bereits Europa auf einer eigenen Tour unsicher gemacht haben und gute Quoten in großen Magazinen wie Rock Hard und Metal Hammer für ihr 06er Album Seducer of Human Souls bekommen haben, sollten nur der Auftakt sein.

Maintain folgten und sollten sich letztendlich als Publikumsmagnet neben Misery Speaks beweisen. Eine dreiviertel Stunde unterhielten die Hamburger die Meute, luden zum moshen ein und heizten heftig ein. Der mittlerweile zur Schlammpfütze gewordene Platz vor der Bühne wurde gekonnt durch Bierlaune und gute Musik ignoriert. Das war kein Moshpit mehr, das war ein Mudpit.

Abschließend gaben sich Misery Speaks die Ehre, für die das Metal Splash, was die Größe angeht, sicher eine Abwechslung darstellte, nachdem sie nun schon die Bühne auf dem With Full Force in Leipzig und dem Metal Camp in Slovenien unsicher machten. Heute sollten aber auch mal die Fans auf die Bühne und Misery Speaks luden fleißig ein. Zusammen mit den letzten wackeren Metallern, den Fans auf der Bühne und allen, die noch standen wurde das Ende des ersten Metalfestivals in Rotenburg gefeiert.

Ich machte mich anschließend auf. Rückblickend auf den Tag war es ein sehr gelungener Versuch ein lokales Event wie das Metal Splash Festival 2008 zu starten. Die Resonanz war vielleicht zu gering. Das wird man aber erst im kommenden Jahr sehen, ob das Metal Splash ein Volume 2 bekommt oder nicht.

Verdient wäre es.

Setlists der Bands

Setlist Sempiternal:

1. Art of Passion
2. Something’s Wrong
3. Fragments
4. Break the Chain
5. Recompense

Setlist Noxius:
1. This Is The Time/ Numbers
2. Newborn
3. Shikari
4. Nothing
5. Aquarian
6. This World
7. Borderline

Setlist R.Y.O.T.:
1. Scars
2. Confessions
3. Crash
4. Needles
5. Imitating
6. Bass
7.Show
8. Raped
9. Words

Setlist In Signum.:
1. Die For Paradise
2. Wake Up
3. The Sign
4. Forgotten
5. Rooms in Red
6. Beast of Prey
7. Only the Strongest
8. Ready For My War
9. Man Eater

Setlist Distream:
N/A

Setlist Sniper:
1. The Haunted
2. Black Fire
3. Eclipse
4. Final Strike
5. Hardcore
6. Liar
7. Perished On The Cross
8. Darkness Descends

Setlist Maintain:
1. In Twilights
2. Arsonists
3. Fuckwits
4. Lord’s Prayer
5. Deepest Sleep
6. Alliance
7. Pop Song
8. Soundtrack
9. Dying Earth

Setlist Misery Speaks:
1. The Scavenger
2. Sentiment is Missing
3. Sounds of Brutality
4. Haven Still Waits
5. Engraved in Stone
6. Lay This Burden Down
7. First Bullet Hits
8. To My Enemies
9. I am never enough
10. Fall of Envy

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Autor: ArchiVader

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