Metal Splash Open Air 2009 – Stagediving und Kunstblut

Nachdem es im Vorjahr allerdings beinahe zur einer einmaligen Geschichte geworden wäre, da intensive Regenfälle, mangelnde Werbung im Lokalblatt und daher recht geringe Besucherzahlen dem Erfolg im Weg standen, muss es für die Veranstalter und Helfer des Metal Splash Open Air 2009 ein gutes Stück Arbeit gewesen sein, das „Metal Splash Volume II“ zu starten.

Metal Splash Open Air 2009 – breitere Bühne

Metalsplash Open Air 2009 - Stagediving und Kunstblut
Metalsplash Open Air 2009 – Stagediving und Kunstblut

Allerdings wurde schon vor dem offiziellem Beginn des Metal Splash Open Air 2009 ersichtlich, dass aus den Fehlern des Vorjahres gelernt wurde: Bei einer ersten Besichtigungstour über das Gelände zeigten sich eklatante Verbesserungen der lokalen Gegebenheiten. Vor allem eine breitere Bühne fiel auf, da die vorjährige nicht nur optisch zu klein für Musiker, Equipment und Beleuchtung sowie Ton erschien.

Weiterhin wurde der Bühnenvorraum verkleinert mit dem positiven Effekt für die Besucher, das der Campingplatz erweitert werden konnte und die Musiker nicht den Eindruck haben mussten, allzu weit vom Publikum entfernt zu sein. Da auch noch der Parkplatz ausgebaut worden war, war das Gelände dem Ansturm von etwa 550 Leuten gewappnet.

Der Einlass begann pünktlich und gar nicht so schleppend wie befürchtet. Ebenso pünktlich begann das Festival um 14.45 Uhr mit der jüngsten Band, sowohl vom Alter der Band als auch der Mitglieder, Ekron mit einer Mischung aus Progressive- und Death Metal.

Zu Beginn recht statisch, spürbar nervös und auf die Instrumente bedacht, wirkten die vier Jungs auf manch einen Zuschauer eher lustig als ernstzunehmen. Doch mit Unterstützung des Freundeskreises, der fleißig Plakate hoch hielt und einen kleinen Moshpit veranstaltete, sowie sich stetig verbessernden Sound wurden die Jungs entspannter und legten den zweiten Liveauftritt ihrer Karriere recht solide hin, wenn auch das Rammstein- und Löwenzahncover am Ende recht mäßig war.

Nach relativ kurzer Umbaupause folgten Cold Coda aus Hannover, die nach eigener Beschreibung „Alternative Metal“ spielen. Während der Umbaupause verzogen sich jedoch zahlreiche Zuschauer an die Tresen oder andere Ecken des Geländes, sodass Cold Coda an diesem Tag nicht nur mit 20 km Stau gekämpft hatten, wie der Sänger erklärte, sondern auch gegen mangelndes Interesse anspielten.

Dabei ist Cold Coda nicht mal schlechte Bühnenpräsenz oder schlechte Musik vorzuwerfen, denn die Soundqualität hatte sich mittlerweile im grünen Bereich eingependelt, die Jungs gaben gut Gas und waren in meinen Augen der eigentliche Beginn des Festivals. Wahrscheinlich war das Publikum einfach noch nicht in der richtigen Laune oder der Ekron -Fanclub zuvor war optisch einfach zu abschreckend, wer weiß.


EMP Fire Lounge
EMP Fire and Lounge *

Metal Splash Open Air 2009 – Black Metal und Kunstblut

Nun gab es Black Metal und Kunstblut: Galskap aus Bremen standen auf dem Plan und sollten mit an Eisregen erinnernden Stücken auf das Publikum einprasseln. Der hühnenhafte Sänger gab sein Bestes und die Lyrics kamen auch fast verständlich an, dennoch verabschiedeten sich immer mehr Leute in die hinteren Bereiche. Die inhaltlich brettharten

Lyrics und die entsprechende Musik waren eher Geschmackssache, obwohl die Band im Vergleich zu den Voracts deutlich souveräner auftrat. Nach 35 Minuten war aber dennoch der Auftritt von Galskap vorbei.

The Retaliation Process folgte und damit der nötige Paukenschlag nach Galskap, der als Zuschauermagnet fungierte. The Retaliation Process kamen mit ihrem Hardcore sehr gut an und es gelang erstmalig, die Räume eng zu machen und so etwas wie Begeisterungsstürme ausbrechen zu lassen. Das ging sogar soweit, das Mosh- und Circle Pit entstanden. Dabei war besonders der Circle Pit geil und ziemlich schnell. Damit waren The Retaliation Process die bis zu diesem Zeitpunkt beste und am ehesten lohnenswerte Band.

Und mit Headshot sollte die Serie der guten Bands weitergehen. Headshot sind eine Thrash-Metal Band mit weiblicher Frontbesetzung, die so manchen Kerl in den Schatten stellen dürfte. Der Vergleich mit Arch Enemy ist daher an dieser Stelle sicherlich angebracht, und nicht allein wegen der attraktiven Blonden am Mikrofon werden Parallelen deutlich: Auch qualitativ kamen Headshot sehr gut an und sorgten für viele wehende Mähnen, was aber nicht verwundert. Immerhin standen die Jungs um Fronterin Daniela Knarre bereits im Vorprogramm von Tankard auf der Bühne und haben bereits vier Alben auf den Musikmarkt geworfen. Entsprechend professionell war das ganze Drumherum, die Zuschauer hatten sichtlich ihren Spaß.

Schlimmer wurden allerdings allmählich die Tonprobleme, es gab ständig Pfeiftöne aus den Boxen, die noch sehr unangenehm häufig auftreten sollten.

Burden of Grief aus dem hessischen Warburg nahmen wieder ein wenig das Tempo raus, das Headshot und The Retaliation Process vorgelegt hatten, machten auf mich mit Melodic Death Metal mit deutlichen Trash-Anleihen gerade deshalb einen guten Eindruck. Mit einer 15 Jahre währenden Bandhistorie und der entsprechenden Erfahrung war das Quintett weitaus mehr als ein Lückenbüßer für die anschließenden Japanischen Kampfhörspiele, sondern ein solider Auftritt, der spätestens mit dem Metallica-Cover „The four horsemen“ für viele zu einem der heimlichen Headliner des Festivals wurde.

Nach den Japanischen Kampfhörspielen, die ich leider verpasste, und vor Dew Scented, musste der Betreiber des Strandhouse, dem zuständigen Gastrobetrieb, einige dankbare Worte an die erwartungsvolle Zuschauermasse richten. Resonanz fwar ein Johlen seitens der Besucher, denn was die Verpflegung angeht, konnten beide Seiten zufrieden sein: einerseits die Anwesenden, da das Strandhouse faire Getränkepreise und akzeptable Imbisspreise bot sowie ein recht reichhaltiges Angebot aufgefahren hatte, und auf der anderen Seite der Betreiber, der wohl nicht so häufig derart trinkfreudige und zahlungsbereite Gäste bewirten darf.

Nun sollte es aber endlich losgehen mit Dew Scented und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht, jedenfalls nicht von der Band. Dew Scented nahmen diesen Auftritt durchaus ernst, denn es wurde gleichzeitig eine Art Besinnungs-Gig. Kaum eine Pause verging, in der Sänger Leif Jensen nicht über die anwesenden Kollegen oder die Gegend philosophierte.

Metal Splash Open Air 2009 – Stagediving

Es wurde jedoch zünftig gefeiert, die Matte geschüttelt und stellenweise Stagediven versucht, was jedoch meistenteils im Schlamm endete. Damit war der Auftritt ein Motivator für die lange Wartezeit, denn das Metal Splash Vol II war mittlerweile acht Stunden gelaufen und hatte noch zwei weitere Bands vor sich.

Um 11 Uhr folgte dann der zweite Headliner. Als Headliner der Herzen, um genau zu sein, belustigten die Excrementory Grindfuckers schon vor dem eigentlichen ersten Ton mit lustigen Soundtracks, Rapparodien und dergleichen die Meute . Ihr Fun-Grindcore war nicht weniger amüsant; da wurden zahlreiche mehr oder weniger bekannte Stücke aus allen Untiefen der Musikwelt herausgegraben, zu Grindcorestücken verwurstet und zwischendurch mit Blockflöte ode Trompete verwurstet. Trotz der langen Zeit, die die Zuschauer schon auf den Bühnen waren, wirkte dieser Auftritt auf die Mehrheit doch ausgesprochen kurzweilig.

Um Mitternacht erschien dann die – meiner Meinung nach – beste Band des Abends, selbst wenn sie ihre Songs nicht selbst geschrieben haben: Iron Priest spielen Achtziger-Metalcover und hatten den undankbaren Rausschmeißerposten bekommen. Von diesem ließen sie sich aber nicht entmutigen und boten mit beeindruckender Leidenschaft und einem enormen Unterhaltungswert bekannte Stücke wie „Fear of the Dark“ oder „The Trooper“, die im Vorfeld online gevotet worden waren. Die beiden Sänger brachten ihre Einsätze ausgezeichnet rüber, und auch Sniper-Gitarrist Sergej ließ sich nun nicht weiter bitten und wurde als dritter Man an der Gitarre auf die Bühne eingeladen. Lockerer und gelöster als den ganzen Tag über durfte der mehr als bemühte und zuverlässige Veranstalter dann doch noch mal die Sau raus lassen.

Finale und Fazit

Mit „I want Out“ verabschiedete ich mich dann schließlich auch vom Metal Splash Vol II. Ein großer Teil der müden und erschöpften Besucher wollte mittlerweile nur noch ‚raus und nach Hause.

Das Metal Splash hatte wieder den Charakter einer Gartenparty mit viel lauter Musik und mit vielen bekannten Gesichtern, war zudem in jedem Falle besser als das Debüt im Vorjahr. Man kann also davon ausgehen, dass es im nächsten Jahr weitere Fortschritte gibt, sofern es denn eine dritte Auflage des Metal Splash gibt.

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Autor: ArchiVader

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