Nach ein paar Startschwierigkeiten erreichen wir das Festival pünktlich zu Konzertbeginn von Ektomorf. Die vier lebendigen Ungaren treten mal wieder voll aufs Gas und wissen mit ihrem groovigen Thrash Metal á la Cavalera das Publikum zu überzeugen. Vom ersten Riff an fliegen die Haare und auch vereinzelte Pits wirbeln den, noch sauberen, Sand auf. Fronter Zoltan Farkas animiert die Menge mit Jump- und Fist-raise-Aufforderungen, und stößt damit, trotz der schweißtreibenden Hitze, auf massig Anklang. Nach so einem energiegeladenen Auftritt bleiben die Zugabe-Rufe natürlich nicht aus. Ein, ich denke nicht nur mich, heimlicher Headliner des ersten Tages. Fix die Zelte aufgeschlagen und kurz im See abgekühlt, dann dreht man eine Runde über den Campground. Ein Großteil der Besucher hält sich, wie zu erwarten, im See auf, die anderen brutzeln am Strand in der Sonne oder sitzen unter ihrem schattigen Pavillion und genießen ihr mehr oder weniger kaltes Bierchen. Nachdem auch ich in den Genuss einer Hopfenkaltschale kam, mache ich mich erneut auf den Weg zum Bühnengelände, welches btw mit Beachbar, Palmen und Sandboden nicht besser zum gesamten Metal4Splash-Flair passen könnte. Nun stehen Nürnberger auf dem Speiseplan, allerdings in Form von melodischem Power Metal. Freedom Call, welche dem Publikum, laut eigener Aussage, eine Ladung Happy Metal an den Kopf knallen, wissen ihr Set mit einer Menge Spaß zu bewältigen. aber dennoch technisch einwandfrei und spielerisch auf ganz hohem Niveau, ohne dabei routiniert zu wirken. Aufgrund ihres neulich erschienenen Best-Of-Albums stehen natürlich eine Menge Klassiker auf der Liste. Durch und durch ein spaßiger Auftritt, bei dem eine Menge Sympathiepunkte gesammelt werden. Ein durchaus gelungener Gig mit vielen Klassikern. Bei Vader trifft leider das genaue Gegenteil ein. Nach einer ewig erscheinenden Umbaupause, bei einem eh schon nach hinten stehendem Zeitplan, ist man zu Beginnn des Sets noch guter Dinge, es wird in üblicher Vader-Manier losgeschrotet, was das Zeug hält, aber leider mit einem Sound, wie er fast schlechter nicht sein könnte, versuchen die Polen ein solides Set hinzulegen, jedoch erfolglos. Leider bleibt damit der Genuss an Songs wie „Wings“, „Black to the Blind“ oder „Litany“ auf der Strecke. Scheinbar hat der Mischer seine Lichter schon ausgemacht, anders kann ich mir die ausgefallene Gitarre und den monströs lauten Drumsound nicht erklären. Zu allem Überfluss wurde der Band eine halbe Stunde vor offiziellem Konzertende noch der Saft abgedreht, sodass es mich nicht wundert, dass Sänger Piotr total genervt die Bühne verlässt. Ein leider sehr enttäuschender Gig für einen Headliner, allerdings ohne, dass Vader selbst etwas dafür können.

Als ich an Tag 2, von der Sonne geweckt und total verschwitzt, aus meinem Zelt schaue und geradeaus einen Blick auf den See werfe, zieht es mich quasi von alleine rein, und irgendeine Kraft will mich auch die nächsten Stunden nicht mehr herauslassen. Somit beginnt mein Tag mit dem Mainzer Quartett Nocturnal. Mit Leder und Nieten bespickt, zeigen sie ein weiteres Mal, wie deutscher Teutonenthrash zu klingen hat, und beginnen ihr Set klassisch mit „Temples of Sin“. Frontfrau Tyrannizer weiß sowohl optisch als auch stimmlich zu überzeugen. Mit weiteren angeschwärzten Thrash-Bolzen, wie „Burn this Town“, „Thrash Attack“ oder „Merciless Murder“ wird manierlich nach vorn geballert, so wie man es von Nocturnal erwartet und kennt. Bei diesen kreischigen Screams und Growls mag man gar nicht glauben, dass einem so eine recht zierliche Frau gegenübersteht. Selbiges gilt für Cripper, welche auch nicht zum ersten Mal auf dem Metal4Splash zu betrachten sind. Mit einer ähnlich agierenden Frontfrau gibt es Thrash Metal par excellence, sodass es mich nicht wundert, dass die Hannoveraner sich mittlerweile eine recht große Fanbase erspielt haben. Die Band hat sichtlich Spaß, ebenso das Publikum, welches sich vor der Bühne ordentlich austobt. Mit „FAQU“ beenden sie an diesem Abend ihr Set und man darf sich auf einen nächsten Thrash-Act freuen. Mit Tankard geht es thrashig weiter, aber vor allem bierlastig. Die vier Trinkfreunde aus Frankfurt geben mal wieder Vollgas auf der Bühne und zeigen vorbildlich, wie man ein Publikum anheizt. Mit Klassikern wie „Zombie Attack“, „The Morning After“ oder „Chemical Invasion“ hauen die Jungs ein Brett nach dem anderen raus, aber auch aktuelle Sachen wie „Rules for Fools“ oder „A Girl Called Cerveza“ werden nicht außer Acht gelassen. Tankard machen, mal wieder, unglaublich Spaß, und werden auch nach dem etlichsten Mal nicht langweilig. Als Frontsau Gerre zum Finale des Konzertes die Melodie von „Empty Tankard“ anstimmt, hält es keinen mehr ruhig auf den Beinen. Mit einem lauten „Thrash Metal will never die!“ verlassen sie die Bühne und haben, ein weiteres Mal, bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach einigen Plaudereien und einer letzten Abkühlung im See mache ich mich zurück zu meinem Zelt und lasse somit die Nachtruhe einläuten.

Fazit: Ich kann dieses Festival nur jedem empfehlen, super Atmosphäre, humane Preise, ein wirklich schönes Gelände, und das alles im kleinen Rahmen. Also, auf ein Neues! Bis nächstes Jahr!

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