Die zunehmende Popularität des Festivals mag nicht zuletzt an der Location selbst liegen. Gemütlich am Badestrand zu zelten, während einem die harten metallischen Klänge um die Ohren ballern, hat nun mal seinen Reiz. Da macht einem auch die Tatsache, dass ein Campen direkt am Auto nicht möglich ist, nichts mehr aus. Außerdem ist es hier selbst für Spätanreiser wie unsereins noch möglich, einen guten Zeltplatz zu ergattern und damit gerade für Berufstätige interessant.

Freitag

Während wir also noch unser Zelt aufbauen und uns einrichten, zeigen die Todesmetaller von Lay Down Rotten schon einmal, wo der Hammer hängt und sorgen selbst auf dem Zeltplatz für gute Stimmung. Sänger Jost Kleinert grunzt ordentlich vor sich hin, und dem Beifall nach zu urteilen kommt die Band richtig gut an. Dr. Living Dead wurden nach eigenen Angaben “Fucked up by Lufthansa”. Die Lufthansa hat nämlich wohl die Gitarren der Band irgendwo auf dem Weg verschlampt. Aber unter Metallern hilft man sich natürlich und so werden kurzerhand die Gitarren von Dustbolt ausgeliehen. Feine Geste. Ansonsten lassen sich die ulkig maskierten Schweden aber von diesem Zwischenfall keinesfalls aus dem Konzept bringen und lassen auf der Bühne lieber ordentlich Dampf ab. Und das überträgt sich schlagartig auf das Publikum, welches nach bester Thrash Metal Manier kräftig die Matten schüttelt.

Einen ersten Höhepunkt stellt dann Ildisposed dar. Die Dänen sind zwar schon alte Hasen im Geschäft, aber alles andere als Altersmüde. Und mit ihrem neuen Album “With the Lost Souls on our Side” hat die Band ein echtes Death Metal Brett mit an Bord. Die markigen Riffs und das knackige Schlagzeug fegen wie eine Dampfwalze über den Weichelsee. Dazu kommt der tiefe, leicht gegrunzte Gesang, der das Gesamtpaket noch eine Spur bedrohlicher aus den Boxen schallen lässt. Extrem bedrohlich ist allerdings auch die Wolkenfront, die sich über dem Festival zusammenbraut. Bereits nach wenigen Songs öffnet der Himmel seine Schleusen und verwandelt den Platz vor der Bühne in eine Matschwüste. Die meisten Metalheads lassen sich davon aber nicht abschrecken und feiern weiter eine geile Party.

Deadlock müssen dann leider ohne Sängerin Sabine Scherer ran, die aufgrund ihrer Schwangerschaft heute nicht dabei sein kann. Das Fehlen der weiblichen Stimme macht sich natürlich bemerkbar und beraubt das Melodic Death Metal Konzept der Band um eine entscheidende Facette. Aber auch ohne Sängerin machen die verbliebenen Bandmitglieder eine gute Figur. Und so hat Sänger John Gahlert auch mal die Möglichkeit etwas mehr von dem, für ihn eher untypischen, cleanen Gesang einfließen zu lassen.

Den Headliner-Slot nehmen heute Orden Ogan ein. Rein optisch sind die Jungs aus Arnsberg natürlich wie immer sehr ansprechend. Das tiefblaue Licht, verbunden mit der an das letzte Album „To The End“ angelehnten Bühnendeko, sorgt schon einmal für die richtige Stimmung. Hinzu kommen die Kostüme, die auch aus der Requisitenkiste des 80er Jahre Endzeit-Thrillers „Mad Max“ stammen könnten. Das wirkt alles sehr rund und aufeinander abgestimmt. So richtig Stimmung mag heute allerdings dennoch nicht aufkommen. Die Band scheint etwas gehemmt zu sein und spielt für meinen Geschmack etwas zu selbstverliebt ihre Songs runter. Es fehlen die eingängigen Refrains und Chöre, welche im Moshpit normalerweise für Begeisterungsstürme sorgen. Erst als Sänger Sebastian den Anwesenden erklärt, dass wir bald alle „Cold, dead and gone“ sein werden, regt sich was im Publikum und „The Things we believe in“ wird mit kräftiger Unterstützung der Fans geschmettert. Auch die obligatorische Orden Ogan Hymne „We are pirates“ ist ein voller Erfolg und entlockt jedem Anwesenden unweigerlich ein breites Grinsen. Insgesamt also ein Auftritt auf hohem musikalischen und technischen Niveau dem es nur vereinzelt ein wenig an Spritzigkeit gefehlt hat.

Zum Abschluss des ersten Festivalabends gibt es noch einmal etwas Kontrastprogramm, denn TAINA präsentieren eine interessante Mischung aus elektronischen Beats und brachialen Industrial Gitarren. Der Bass drückt aufs Zwerchfell und die rhythmisch sehr gut arrangierten Stücke nötigen quasi schon zum Kopfnicken. Auch optisch machen die Bremer eine gute Figur und liefern eine klasse Performance ab. Das Gelände vor der Bühne hat sich zwar merklich geleert, die verbliebenen Metalheads feiern die Jungs dafür aber umso kräftiger ab. Ein gelungenes Gute Nacht Ständchen.

Samstag

Rock’n’Roll zum Frühstück liefern dann Erupture. Zur denkbar ungünstigsten Zeit müssen die Jungs auf die Bühne. Die meisten Besucher haben sich gerade aus ihren Zelten gepellt, die Sonne knallt schon wieder wie nichts Gutes und wer nicht gerade mit Nahrungsaufnahme beschäftigt ist, kühlt sich im angrenzenden Badesee ab. Dementsprechend leer ist es auch vor der Bühne. Davon lässt sich der sympathische Vierer aber nicht beindrucken und spielt selbstbewusst sein tightes Set runter. Dabei vereint die Truppe gekonnt rotzigen Hardrock mit harten metallischen Klängen. Ein netter Einstieg in den Tag. Richtig auf die Fresse gibt es bei In Signum. Hier kommen alle Freunde von Blast Beat Attacken, fetten Growls und tiefer gestimmten Gitarren voll auf ihre Kosten. Die Band gilt ein wenig als Lokalmatador und war bereits beim ersten Metal4Splash mit dabei. Auch heute weiß die Band zu überzeugen und knallt unter der sengenden Sonne ein Mörder-Riff nach dem nächsten raus. Der gut gefüllte Moshpit dankt es mit in den Himmel gestreckten Pommesgabeln und fliegenden Matten.

Nailed To Obscurity beweisen dann, dass man doomigen Death Metal auch bei 30 Grad und strahlendem Sonnenschein angemessen zelebrieren kann. Die Songs vom aktuellen Album „Opaque“ kommen super an und zeigen, dass die Band nach zehn Jahren bewegter Bandgeschichte endlich einen Status quo erreicht hat, mit dem sie auch den Großen im Geschäft Konkurrenz machen kann. Maßgeblich verantwortlich für die gute Show ist neue Sänger Raimund, der die Anwesenden immer wieder zum Klatschen und Mitsingen animiert, was auch erstaunlich gut funktioniert. Und so kann man von einem durch und durch gelungenen Auftritt sprechen.

Parasite Inc. sind für mich eine der Neuentdeckungen des Sommers. Die Melodic Death Metal Band gibt es zwar schon seit 2007, konnte aber neben dem 2010 veröffentlichten, nach der Band selbstbenannten Demo, erst im letzten Jahr ihr erstes vollwertiges Album veröffentlichen. Und das hat es wirklich in sich. „Time Tears down“ heißt das gute Stück, und es ist gespickt mit Killergranaten, die Fans des Genres nur so frohlocken lassen. Auch live zünden Stücke wie „Back for war“ oder „Armageddon in 16 to 9“ auf Anhieb. Absolut eingängige Hooklines und messerscharfe Riffs verbinden sich mit einem ausdrucksstarken und abwechslungsreichen Gesang und schaffen so eine perfekte Symbiose aus Härte, Melodie und Rhythmik. Wenn die Jungs so weitermachen, steht ihnen eine große Zukunft bevor.

Nun gilt es aber erst einmal sich ein wenig im angrenzenden Badesee abzukühlen. Diese Idee haben neben uns auch noch eine ganze Menge mehr Menschen. Kurzerhand werden die Campingstühle ins seichte Wasser gestellt, oder man wirft sich direkt ganz ins kühle Nass. Ein paar Sportbegeisterte versuchen sich bei diesen Temperaturen gar am Beachvolleyball. Insgesamt eine urgemütliche Stimmung, die dem Festival ein ganz besonderes Flair verpasst.

In den frühen Abendstunden geht es dann mit Suidakra weiter. Die Band um Mastermind Arkadius Antonik ist bekanntermaßen schon eine Weile im Geschäft und zieht demnach auch eine beachtliche Menge Zuschauer vor die Bühne. Und die sollen für ihr Erscheinen reichlich belohnt werden. Denn Suidakra ist heute sehr gut aufgelegt, hat einen guten Sound und sorgt für ausgelassene Stimmung im Pit. Die Setlist ist bunt gemischt und führt quasi durch die gesamte Bandgeschichte. Höhepunkte sind aber natürlich „The IXth Legion“ und das epische „Wartunes“, welches diesen absolut runden Gig standesgemäß beendet.

Auch die Finnen Omnium Gatherum geben sich auf der Bühne keine Blöße und liefern eine energiegeladene, spritzige Show ab. Ein kraftvoller Sound, starke Kompositionen und eine enorme Spielfreude sorgen für Kurzweil. Sänger Jutta Pelkoonen holt alles aus sich raus und Gitarrist Markus Vanhala, den man sonst von Insomnium kennt, liefert sich immer wieder Duelle mit seinem Gitarrenpartner Joonas Koto. Das Publikum lässt sich davon sofort anstecken und man kann förmlich spüren, wie es in der Luft knistert.

Kommen wir nun aber zum absoluten Höhepunkt des Festivals. Dark Tranquility. Ich finde es schon beachtlich, wenn ein verhältnismäßig kleines Festival wie das Metal4Splash einen solchen Act auffahren kann. Und dann ist es auch noch der einzige Festivalauftritt 2014 in Deutschland. An dieser Stelle ein fettes „Respekt“ an die Veranstalter. Und dass die Entscheidung für diese Band als Erfolg auf ganzer Linie gewertet werden kann, zeigt sich dann auch auf und vor der Bühne. Gegen halb elf ertönt das Intro und auf der Videoleinwand am hinteren Bühnenende sind die ersten Bildfetzen zu erkennen. Dann erscheint eine hoch motivierte Band, die von Anfang an voll da ist, und sofort den direkten Kontakt zu den Fans sucht. Sänger Mikael Stanne turnt immer wieder am vorderen Bühnenrand und sogar im Graben rum und klatscht die Fans in der ersten Reihe ab. Das kommt natürlich super an und so ist die Stimmung von Beginn an bestens. Und sie soll auch bis zum Ende der gut 90-minütigen Show nicht schlechter werden. Diese Show hat`s echt in sich und zeigt eindrucksvoll, warum Dark Tranquility auch heute noch zu den wichtigsten Vertretern der Göteborger Schule gehören.

Und so geht ein tolles, gemütliches Festival mit vielen Höhepunkten einvernehmlich zu Ende. Alle Bands haben ausnahmslos gerockt und zur tollen Stimmung beigetragen. Die Location, mit dem anliegenden Badesee ist einfach genial und auch das Team am Einlass und den Getränkeständen hat einen super Job gemacht. Einziges Manko stellte aus meiner Sicht das Essensangebot dar. Sicherlich kann man bei dieser Größenordnung nicht erwarten, dass es zehn verschiedene Gerichte gibt, aber etwas mehr als Pommes und Bratwurst hätte es schon sein dürfen. Zumal die Bratwurst auch nicht gerade ein kulinarischer Hochgenuss war. Aber das, wie gesagt, nur am Rande. Insgesamt war das Metal4Splash ein Klasse Festival, welches sicher auch im nächsten Jahr wieder ins Auge gefasst wird.

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