Man möchte ja auch genug Zeit haben sich die Umgebung der ganzen Geschichte anzuschauen und ein bisschen auf Tourist zu machen. Außerdem ist es immer vorteilhaft, wenn noch nicht so viele Metalheads angereist sind und man praktisch freie Wahl für den Zeltplatz hat. Und was soll man sagen? Noch auf der Hinfahrt ging die Party praktisch los.

MetalCamp 2008 Anreise

MetalCamp 2008

MetalCamp 2008

Im Zug von München nach Jesenice trafen wir nämlich auf Terry, einem Mineralologen aus Australien, der uns freudig bei einem Fässchen Bier von seiner Arbeit in einer Goldmine im Outback erzählte. Schon wenig später stieß Martin aus der Tschechischen Republik zu uns und teilte einige weitere Getränke mit uns. Von den Kölnern mit dem gleichen Ziel gab es dazu noch eine ordentliche Menge an Whisky, wozu man ja allein schon aus Höflichkeit nicht nein sagt. In Jesenice angekommen begab sich die nun doch recht große Gruppe direkt weiter in eine Art S-Bahn nach Most na Soci, in der wir auf die ersten Slowenischen Anhänger des Metals stießen, die uns erstmal mit selbst gebranntem Schnaps versorgte, damit wir auch ja nicht verdursten versteht sich. Gut gelaunt erreichten wir dann den Zielort und das erste Problem ergab sich, denn keiner wusste so recht wohin wir zu gehen oder fahren hatten. Glücklicher Weise waren die Slowenen nicht nur gut im Sprechen der deutschen Sprache (die sie aus deutschen Zeichentrickfilmen gelernt hatten), sondern beherrschten auch ihre eigene ohne Probleme und konnten für sich selbst und die verlorenen Deutschen und sonstigen Ausländer ausreichend Taxis bestellen, die uns dann bis direkt ins Camp hinein fuhren.

Nach einem schnellen Aufbauen der Zelte in dem noch nahezu unbelebten Lager unter einem Baum und in direkter Nachbarschaft zu einem Biergartenzelt, hieß es dann erstmal: Tolmin suchen und Bier kaufen. Wenn die Zeit auch schon zu weit fortgeschritten war um den Supermarkt zu besuchen, war es immerhin möglich die Tankstelle aufzusuchen, in der das Bier zwar unverschämt teuer war, aber dennoch gekauft wurde. Immerhin hatte man da noch die Idee, dass eine solch horrende Ausgabe die Ausnahme bleiben würde. Nach dem das Bier geleert war, ging der Tag auch recht schnell zu Ende.
Am zweiten Tag, also dem 02.07. war immer noch nicht viel mehr los. Dafür hatten wir aber die Möglichkeit den nahe gelegenen Fluss zu erkunden, der nicht nur durch die angenehm kühlen Temperaturen (in der Regel ca. 9°C) begeisterte, sondern auch so blau und durchsichtig war, wie kaum ein anderer Fluss, den ich je gesehen habe.

MetalCamp 2008 Biersuche und Nationalpark

Der erste Dämpfer für die Stimmung waren dann die Bierpreise im Supermarkt. Unter 15€ pro Palette gab es da nichts zu machen. Noch schlimmer als die Preise war der Geschmack. Laško und Union hieß das wiederliche Zeug. Wie wir später erfuhren liegt der hohe Preis übrigens nicht an einer Anhebung während des Camps, sondern an einem Bier Monopol in Slowenien, das die Preise im Prinzip diktieren kann und dann natürlich schön hoch hält.

Wie dem auch sei verlief der Tag eigentlich recht ereignislos und ohne Bier logischer Weise auch ziemlich langweilig… und das bei Temperaturen bei bis zu über 40°C.

Um der Langeweile am nächsten Tag vorzubeugen beschlossen mein Reisebegleiter und ich am morgen des dritten Tages die Umgebung zu erkunden und besuchten den nahe gelegenen Nationalpark. Da die Eröffnungsfeier erst am Abend anfangen sollte hatten wir dazu auch ewig Zeit. Tatsächlich hat sich der Ausflug gut gelohnt, denn in der Region treffen zwei verschiedene Klimata aufeinander, was zu einer vielfältigen Flora und Fauna an den Flussbetten Tolmins führt. Die Natur dort ist unvergleichlich. Das war leider auch schon der Höhepunkt des Tages, denn die Eröffnungsfeier verlief eher mäßig und machte es einem leicht früh ins Bett zu gehen…

MetalCamp 2008 Freitag

Am Vierten war es dann endlich soweit. Endlich sollte es den Abend Musik geben, womit ich endlich zu diversen Kritiken kommen kann. Den Anfang machten Artas mit einem ziemlich überzeugenden Metal, der es schaffte die Veranstaltung schon einmal vor noch recht ausgedünntem in ein sehr positives Licht zu rücken. Leider konnte der restliche Tag nicht ganz an den Auftakt anknüpfen. Den ersten unpassenden Auftritt legten nämlich October File hin. Der Britische Hardcore passte einfach überhaupt nicht ins Konzept und wirkte dazu noch recht naiv, statisch und einfallslos. Zwar konnten danach Bands wie Wintersun und Six Feet Under noch ausgezeichnete Leistungen bringen, aber das war von diesen Bands auch nicht anders zu erwarten. Man bekam das, was man von ihnen kennt, was auch ganz gut war.

Die Headliner des Tages, also In Flames und In Extremo, von denen ich persönlich viel erwartete, versagten in meinen Augen leider total. Die Ersteren schafften es nicht an alte Zeiten anzuknüpfen und man kann sagen, dass nur der neuartige Kinder-Emo-Kram präsentiert wurde. Damit waren die meisten eingesessenen Fans natürlich gar nicht zufrieden. Auch die Pyros konnten nicht vom schlechten Auftritt ablenken. Zwar waren die Feuerwerke und Explosionen mal ein Eye-, bzw. Ear-Catcher, aber selbst dabei gab es Mängel. So schaffte es die Gruppe doch tatsächlich die eigenen PA weg zu sprengen und es mussten einige Minuten Reparaturpause eingelegt werden. Noch schlimmer stand es da wirklich nur um In Extremo. Man verlangt natürlich bei solchen Gruppen fast nach den Sachen, die man schon kennt und mitsingen kann. Aber die Sieben Leute hampelten in ihren Kostümen nur doof auf der Bühne rum und spielten Songs, die selbst mir als Fan nicht bekannt genug waren. Außer „Vollmond“ und „Spielmannsfluch“ gab es nicht einen Höhepunkt. Wenigstens klappten hier aber die Feuereffekte und ein großes Feuerwerk wurde abgebrannt.

Nach dem letzten Auftritt traf man sich, wie es üblich ist, noch mit den Mitcampern und diskutierte über das Gesehene, mit ähnlichen Ergebnissen, wie ich sie beschrieben habe. Einig waren sich nur alle, dass der eigentliche Gewinner des Tages wohl Alestorm waren, die wenigstens auf der Second-Stage mit ihrem Piraten- Metal das Publikum zum Kochen brachten.

MetalCamp 2008 Samstag und Sonntag

Am Samstag hieß es nach einer morgentlichen Abkühlung im Fluss und einem ausgeprägtem Mittagessen in einer sehr Preiswerten Pizzeria dann wieder: Ab an die Bühne! Die ersten, die ich den Tag zu sehen bekam waren Before The Dawn zu denen ich früher bereits eine Rezension verfasst habe, was zu der Veranlassung führte mir meinen Eindruck von damals (5 Gitarren!) noch mal bestätigen zu lassen. Aber von wegen! Was grausameres hab ich während der ganzen Woche glaub ich nicht mehr gehört. Teilweise fast auf Hardcore getrimmt hatte ich schon die Idee, dass es sich vielleicht nicht um die Gruppe handele, doch leider bestätigte die Information, dass die Runnigorder planmäßig ablaufe. Letzten Endes heißt das für den Hörer: CD ja, live nein.

Legion of the Damned waren die nächsten auf meiner Liste. Die waren dann schon um einiges besser, von der Qualität her und auch von der Art des Metal. Hervorragend thrashiger Death-Metal wurde dargeboten, was das Metalherz nach dem Vorhergegangenen doch äußerst freute. Zwar hätten dann doch ein paar Gitarrensoli eingebaut werden können, aber zu dem Zeitpunkt war ich mit allem zufrieden. Auf Finntroll, einer meiner Lieblingsbands habe ich mich ja besonders gefreut und war extremst erleichtert, als sich wenigstens diese Gruppe musikalisch in Topform zeigte. Der folkige Metal aus finnischen Landen war eine willkommende Abwechslung zur bisher so ernsten oder verkorksten Musik. Die darauf folgenden Meshuggah waren zwar ganz cool, aber haben wirklich einen bescheuerten Namen. Aber wenigstens hat ihr Death-Metal ordentlich gerockt. Die für mich erste positive Überraschung im positiven Sinne bildeten Apocalyptica. Eine großartige Gruppe. Vier Cellos und sonst eigentlich nur Drums. Auf Vocals wurde ganz verzichtet, aber die waren auch nicht nötig. Wenn Bands wie Metallica gecovert wurden übernahmen nämlich bestimmt über 8000 Zuschauer diese Aufgabe. Es war schon faszinierend zu sehen, wie es hier geschafft wurde den Metal ohne Gitarren zu praktizieren. Auf so qualitativ Hochwertiges war ich schon gar nicht mehr eingestellt. Leider blieb das auch nicht so. Zumindest von der Stimmung her nicht.

So konnten Iced Earth nur wenig überzeugen, was aber vermutlich auch an der Location lag. Auf dem Rockhard klang das im Amphitheater alles weitaus besser. Wenigstens waren dann Amon Amarth wieder spitze. Immerhin fingen sie mit „Valhalla Awaits“ an, was bei mir schonmal Pluspunkte bedeutet. Auch ansonsten war das alles sehr gut. Anschließend ging es dann noch zu Tankard auf die zweite Bühne. Und sie waren ganz passabel, auch wenn ich sie nicht zwingend als sonderlich gut anerkennen würde. Eher versoffen und dick. Aber das ist ja das lustige an den Kerlen…

Wie dem auch sei ist es langsam an der Zeit mal wieder übers Wetter zu reden. Denn bisher konnte man Tags über immer von heißen Temperaturen ausgehen und mitten in der Nacht hatte es dann in der Regel geregnet. Am Tag Sechs war das etwas anders. Zwar war es auch erst heiß und dann abendlich warm, sodass Evergrey und Brainstorm eine gute, Korpiklaani sogar eine herausragende Show machen konnten, doch bei Behemoth war langsam Schluss mit lustig. Die Blackmetaler schienen den Zorn eines bestimmten Individuums auf sich zu ziehen und so begann es plötzlich in Strömen eiskalt zu regnen. Nach zwei Songs war kaum mehr einer vor der Stage und nach ungefähr Vieren wurde auf Grund der Schaden nehmenden Technik der Stecker gezogen. Das ganze Programm geriet dadurch ins schwanken und Helloween waren erst gegen Null Uhr in der Nacht, also drei Stunden verspätet in der Lage ihre Klassiker vorzuzeigen. Wenigstens war aber der Auftritt um so überzeugender und alle, die sich trotz des schlechten, regenträchtigen Wetters raus wagten wurden belohnt. Dennoch wurde nicht ganz eine Stunde gespielt, dann kam es erneut zu einer Umbaupause, die dann bis 02:15 Uhr dauern sollte. Ministry sollten dann spielen, Opeth wurde auf die zweite Bühne verbannt. Ministry gestalteten ihre Vorführung dann mit Videos auf den Leinwänden, wie es auch zu erwarten war, misanthropisch und doch herausragend von der Qualität her. Jeder der zu der späten Stunde noch auf den Beinen war wird diese Gruppe sicherlich als eine der Stärksten des Festivals gesehen haben.

MetalCamp 2008 Montag und Dienstag

Die Highlights am Montag sind relativ einfach zu benennen, auch, weil es weniger Bands als an den vorhergehenden Tagen zu sehen gab. Während man die kleinere Bühne mehr oder weniger vergessen darf haben auf der Mainstage einerseits Rage und andererseits Mystic Prophecy großartiges in Sachen Heavymetal Metal geleistet. Es herrschte großartige Stimmung und so ziemlich alle, so fühlte es sich an, ließen sich von einer von Epik geprägten Atmosphäre ansprechen. Soilwork hatte dann wieder nicht so ganz ins Bild gepasst, wenn der Auftritt auch nicht ganz schlecht war und wenigstens eine große Anhängerschaft animierte sich auf den Platz vor der Stage zu versammeln. Den Abschluss bildeten dann Morbid Angel mit einer Planmäßig guten Vorstellung ohne große Höhe- oder Tiefpunkte.

Der nächste Tag, der Letzte vor der Abreise, stand dann noch einmal im Zeichen des Wetters. Bereits in der Nacht begann es teils heftig zu gewittern, so dass man um die Mittagszeit von etwa zwölf Stunden Blitz und Donner und meist Regen sprechen konnte. Auch einige Zelte hatte es bei Sturm davon geweht. Doch auch wenn der Boden stellen weise komplett matschig war und einige Metalheads obdachlos, ließen sich dennoch nicht viele davon abbringen ein letztes Mal ab zu feiern. Und das ging dann auch richtig gut. Die erste Überraschung bildeten Volbeat, die zwar nicht in den wirklich harten Tönen anzusiedeln sind, aber mit ihrem Hard-Rock im Westernstile viele Pluspunkte bei Zuschauern und mit Sicherheit auch beim Veranstalter sammeln konnten. Im direkten Anschluss gaben sich Eluveitie grandios. Mit acht Personen auf der Bühne zeigten sie eine gesunde Folk-Death Mischung. Viele haben die Gruppe verpasst, da sie sich nicht vorstellen konnten, dass eine Schweizer Metalband gut seien würde. Aber zu solchen Leuten kann ich nur sagen: Selbst Schuld! Da konnte man wirklich was tolles mit erleben. Und – kaum zu glauben aber war – es wurde noch mal besser.

Subway to Sally, die ich gar nicht mal als „gut“ auf meiner Liste hatte, zumal ich den Song beim Bundesvision Songcontest eher erbärmlich fand, rockten die Mengen… oder eher nicht, denn alle Nicht-Deutschen schienen nach Eluveitie das Weite zu suchen. War aber auch nicht so schlimm, denn die Band aus Brandenburg war die einzige, die ihre Ansagen auf Deutsch machte. Alles in allem wirklich großartig, zumal man ja irgendwie jedes Lied schon mal gehört hat und alle mitsingen konnten. Das Größte war es natürlich, als als Zugabe „Julia und die Räuber“ angestimmt wurde. Jetzt sollte jeder wissen, dass Mord und Überfall was gutes sind. Als für mich letzte Gruppe, die ich dieses Jahr auf dem Camp gehört habe kamen Arch Enemy auf die Bühne. Die waren zwar auch nochmal richtig gut, aber leider leider passten mir die Ansagen von der Sängerin gar nicht. Irgendwie viel zu harmlos für den ansonsten anstandslos und im Einvernehmen mit allen Anwesenden praktizierten Metal. Dennoch ist es sicherlich eine Überlegung wert, sich ein Konzert von Arch Enemy anzusehen.

Alles in allem waren die meisten sehr müde, nach dieser letzten Gruppe. Das war wohl auch der Grund, warum es kaum noch Partys und Alkoholexzesse gab… außer neben unserem Zelt, an dem uns einige Italiener am Einschlafen hinderten, obwohl wir um vier Uhr morgens schon unseren Bus nach Most na Soci zum Bahnhof nehmen mussten. Ich beschloss darauf hin gar nicht zu schlafen, um dann noch ein wenig wach vom Vortag zu sein. Das war übrigens ein Fehler. Fahre niemals müde mit der Eisenbahn in Slowenien. Fällt man in einen kurzen Schlaf wacht man dauernd verschreckt auf weil man nicht weiß wo man ist.

Fazit Metalcamp 2008

-Das Metalcamp 2008 war ein voller Erfolg und ich werde sicherlich versuchen nächstes Jahr nochmal hinzu gelangen.
-Bier ist da drüben verdammt teuer ? Nehmt eigenes mit und zwar genug für die Tage!
-Überhaupt ist Slowenien außer in Bezug auf Benzin nicht billig. Das ist nur ein Gerücht. Trotzdem hatten wir die Woche fast jeden Tag Fleisch, weil unsere Israelisch-Italienischen Nachbarn (Elie und Paula) so sozial waren uns immer was abzugeben.
-Ach und falls jemand fragt: „Hey, warum gibt es keine Photos?“, dann werd ich schlecht gelaunt antworten, das meine Digitalkamera bei meiner Brille liegt. Irgendwo im Gebüsch in Tolmin. Aber wenn wir Glück haben schicken mir noch ein paar Leute welche. Die werden dann nachgereicht.
-Und ganz wichtig ist es, dass euch nicht am Abreisetag in Jesenice am Bahnhof Richtung Salzburg und München plötzlich auffällt, dass die Rückfahrt erst in zwei Tagen gültig ist. Es gibt da nämlich keine Hotels und…

Naja, das ist auch schon wieder ne andere Geschichte.

—————————————

Autor: ArchiVader


Wie hat Dir der Artikel auf metaller.de gefallen?

MetalCamp 2008 „Dosenbier und klarstes Wasser“ in Tolmin, Slowenien: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne5,00von 5 Punkten, basieren auf 1abgegebenen Stimmen.
Loading...
CBD Produkte von Nordicoil
Rabattaktion bei NORDICOIL verlängert!
Kaufen Sie 3 Ihrer Lieblingsprodukte zum Preis von 2
(außer Produkte für Tiere)
Rabattcode: 3FOR2
close-image