Der Loreleyfelsen zählt zu einem der magischsten und am häufigsten besungenen Orte in Deutschland. Auch das zugehörige Amphitheater hat bereits eine turbulente Geschichte hinter sich und so manches denkwürdige Konzert gesehen. Metallica, Manowar und viele andere gaben sich hier die Ehre.


Kein Wunder also, dass viele Metal-Fans dem ersten Metalfest auf der Loreley entgegen fieberten und gut 10.000 Besucher zu einer der wohl schönsten Festival-Locations in Deutschland kamen um mit tollen Bands ein berauschendes Fest zu feiern. Doch neben vielen tollen Shows vor einer atemberaubenden Kulisse gab es auch so manchen Makel.

Mittwoch:

Wir sind froh, bereits sehr früh angereist zu sein, denn bereits gegen 13.00 Uhr ist die erste Campingfläche gut gefüllt und es kommen unaufhörlich neue Besucher an. Noch läuft alles zwar reibungslos, doch schon jetzt zeigt sich die mangelnde Organisation des Festivals. Obwohl angekündigt, ist es noch nicht möglich Presseausweise oder auch Festivalbändchen zu bekommen. Die Ordner scheinen extrem schlecht informiert und schicken einen von Pontius zu Pilatus. Wir brauchen insgesamt vier Anläufe in vier Stunden um an unsere Ausweise zu kommen. Mittlerweile scheint das Park- und Campingsystem komplett zusammengebrochen zu sein. Aufgrund behördlicher Auflagen muss das Parken und das Zelten voneinander getrennt werden, was zu großen organisatorischen Problemen führt. Später ankommende Besucher werden zum Beispiel nicht zu freien Plätzen auf dem Campground gelotst und so wird auch zwischen den Autos gezeltet, was natürlich ein Sicherheitsrisiko darstellt. Das Gebiet vor der Arena ist fast komplett mit Zelten zugestellt und ein Durchkommen ist kaum noch möglich. Das Abkassieren der Parkgebühr (10,-€ pro Auto) und des Müllpfandes (5,-€ pro Person) findet nur noch punktuell statt und so kommt es zu ersten Unstimmigkeiten. Auch ist nicht klar, wie, wann und wo die Müllsäcke wieder abgegeben werden können. Diese Situation soll sich im Laufe des Festivals aber noch verschlimmern. Die Wartezeit für Festival-Bändchen beträgt beispielsweise am Donnerstag bis zu drei Stunden.

Rettungswege existieren kaum noch, eine Beschilderung fehlt vollends und während der Nacht gibt es auf dem Campinggelände keinerlei Beleuchtung. Gerade im Hinblick auf das sehr hügelige Gelände wäre das dringend vonnöten gewesen. Außerdem ist die Anzahl und Positionierung der sanitären Anlagen mehr als suboptimal. Einige Besucher haben Wege von mehr als zehn Minuten bis zum nächsten Dixi. Das kann nicht sein. Auch die Tatsache, dass für eine Dusch- und Klo- Flatrate noch einmal 8,-€ abkassiert werden um dann auf mehr oder weniger zugesifften Schüsseln sein Geschäft verrichten und kalt duschen zu müssen kann nur als Abzocke bezeichnet werden. Und das erst recht, wenn der Zugang zu den Duschen einmal kontrolliert wird und einmal nicht. Wer sich dieses Chaos ersparen will und bereit ist ein paar Euro mehr auszugeben, der mietet sich auf dem offiziellen Loreley Campingplatz ein. Hier gibt es saubere Toiletten, warmes Wasser und auf Wunsch sogar Strom. Eine weitere Option ist die nahe liegende Jugendherberge.

Weiterer Kritikpunkt ist die Security. Sie ist schlecht informiert, teilweise sehr unfreundlich und scheint oft gar nicht zu wissen, was sie hier tun sollen. Außerdem finde ich es absolut unverantwortlich bei einem Metal-Festival, wo Crowdsurfen einfach dazu gehört, nur drei bis vier schmächtige kleine Ordner ohne jegliche Erfahrung in den Bühnengraben zu stellen. Glücklicherweise kam es hier, soweit ich weiß, nicht zu größeren Verletzungen. Bei der Auswahl der Securityfirma scheint wohl nur der Preis eine Rolle gespielt zu haben. Festivalerfahrung scheint so gut wie keiner der Mitarbeiter zu haben. So eine Gurkentruppe habe ich auf noch keinem Festival gesehen.

Auch die Betreuung der Pressevertreter lässt sehr zu wünschen übrig. Nachdem wir am späten Donnerstagnachmittag endlich den Pressebereich gefunden haben, kommen wir mit unserem Ausweis auf einmal nicht mehr durch den Backstagebereich, obwohl dies vorher problemlos möglich war. Hier scheint die rechte Hand nicht zu wissen, was die linke macht. Das ist jetzt zwar für die meisten Besucher weniger relevant, muss aber auch mal gesagt werden.

Nun aber endlich zu den wirklich wichtigen Dingen dieses Wochenendes: Den Bands.

Donnerstag:

Klassischer Heavy Metal scheint wieder in Mode zu kommen. (War er jemals aus der Mode?) Auf jeden Fall haben das die Kanadier von Skull Fist gut erkannt und räumen derzeit richtig ab. Mit ihren flippigen Westen, den Leggins und den Sportsocken sind sie auf jeden Fall optisch interessant. Aber auch musikalisch weiß Skull Fist zu überzeugen. Die Mischung aus harten Riffs, ausgefeilten Soli und teilweise sehr quietschigem Gesang kommt gut rüber und hat Feierpotential. Das Rund auf der Loreley ist zwar erst mäßig gefüllt, den Anwesenden gefällt es aber sichtlich. Sehr ärgerlich ist allerdings, dass die Band ca. 10 Minuten zu früh anfängt und so einige Fans den Anfang der Band verpassen. Diese Verschiebung zieht sich dann auch durch den weiteren Tagesverlauf und wird sich erst bei Blind Guardian wieder relativieren.

Einen ersten Höhepunkt setzen dann Alestorm. Das Amphitheater ist gut gefüllt und die Schotten präsentieren sich in bester Laune und bei herrlichem Sonnenschein. Ihre Lieder von Piratenkämpfen, Schatzsuchen und schmierigen Hafenkneipen kommen beim Publikum bestens an, obwohl ich das Gefühl habe, dass es ein wenig lauter sein könnte. Aber das nur am Rande. Die Setlist ist abwechslungsreich und führt durch alle Alben der Band. Die neueren Sachen wie „Back through time“ oder „Drunken Norwegian“ werden dabei ebenso mitgegrölt wie Klassiker á la „Over the seas“ oder „Nancy the Tavern wench“. Noch zu erwähnen wäre, dass Sänger Christopher Bowes ein neues Keytar hat und die Band außerdem um ein zweites Keytar erweitert wurde. Und das wirkt sich enorm auf die Qualität der Musik aus. Bowes kann sich besser auf seinen Gesang konzentrieren und macht wesentlich weniger Spielfehler als noch vor wenigen Jahren. Insgesamt scheinen Alestorm etwas erwachsener zu werden. Nach etwa 50 Minuten endet der Gig dann standesgemäß mit „Captain Morgans Revenge“.

Einen denkbar schlechten Slot haben Moonspell erwischt. Nach so viel Party und guter Stimmung kommt die Mischung aus Gothic, Death und Black Metal einfach nicht so gut an bei den Leuten. Und so leert sich das Rund nach und nach erheblich. Der kurz darauf einsetzende leichte Regen tut dann sein Übriges. Schade eigentlich, denn die Portugiesen machen eine gute Show und sind vom Sound her noch einen ticken besser als zuvor Alestorm. Fernando Ribero mit Ritterhelm ist stimmlich gut aufgelegt und animiert seine Fans zum mitsingen. Die Songs vom neuen Album „Alpha Noir/Omega White“ kommen dabei ebenso kraftvoll aus den Boxen wie die Klassiker „Alma Matar“ oder „Trebaruna“. Einen würdigen Abschluss findet der Auftritt dann mit „Full Moon Madness“. Stark.

Wie eine Dampfwalze fegt dann die Legion Of The Damned über Loreleys Felsen hinweg. Druckvoll und an wirklich jeder Stelle der Arena gut vernehmbar ballern uns die Jungs ihre Death-Thrash Metal-Kanonen um die Ohren. Den Fans gefällt es und sie lassen einmal mehr ordentlich die Matten kreisen. Den ein oder anderen Crowdsurfer sieht man auch. Ansonsten hält sich die Bewegung des Publikums aber logischerweise in Grenzen. Hier zeigen sich halt die Grenzen des nach vorne hin abschüssigen Amphitheaters. Dafür gibt die Band auf der Bühne umso mehr Gas und alle Musiker sind sehr aktiv. Da stört dann auch der mittlerweile starke Regen nicht mehr.

Im extem düsteren und sehr stickigen Zelt zocken etwa zur gleichen Zeit passenderweise die Osnabrücker Lokalmatadore von Nachtblut und freuen sich über ein sehr gut gefülltes Zelt. Der Bühnenaufbau, Kleidung und die dezente Schminke sind gut aufeinander abgestimmt und bieten ein stimmiges Konzept. Vielfach belächelt präsentiert sich die Band selbstbewusst und weiß das Publikum mitzureißen. Der teils sehr melodische Dark Metal kommt gut an und die Zuschauer müssen gar nicht großartig zum Mitmachen animiert werden. Die neue Single „Ich trink dein Blut“ wird beispielsweise schon kräftig mitgesungen. Ich bin außerdem positiv vom guten Sound überrascht. Weiter so.

Blind Guardian stehen auf der Running Order zwar nur an zweiter Stelle, sind aber der heimliche Headliner des Abends. Die Arena ist rappelvoll, als Hansi, Andre, Marcus und Frederik zu den Klängen von „Sacred“ die Bühne betreten. Der Sound ist bombastisch, fast schon zu gut und klingt fast wie auf der Live-CD. Das trifft übrigens auch auf viele von Hansis Ansagen zu. Kreativ war er da aber auch noch nie. Die Bühne ist sehr spartanisch gestaltet. Lediglich eine große Flagge mit dem „At the edge of time“ Logo hängt an der Rückwand. Ansonsten verlässt man sich auf die musikalische Klasse und liegt damit genau richtig. Das eher magere Stage-Acting macht Hansi durch seine klasse Stimme heute mehr als wett und so verwundert es auch nicht, dass das Publikum ihm förmlich aus der Hand frisst. Einziges kleines Manko ist die Ausrechenbarkeit der Setlist. Sie hat sich seit dem letzten Sommer kaum verändert und so bleibt für Fans, die Blind Guardian häufiger sein ein leichter fader Beigeschmack. Alles in allem aber ein super Auftritt der zeigt, dass die Krefelder noch lange nicht zum Altmetall gehören.

Ein komplett anderes Bild bietet die Bühne bei Megadeth. An der Rückwand türmen sich die Marshallverstärker und in der Mitte thront das Schlagzeug. Das ist aber auch schon das imposanteste des Auftritts. Denn was da aus den Boxen kommt klingt eher nach Brei als nach knallhartem Thrash Metal. Erst gegen Mitte des Sets wird es etwas besser. Das kann aber viele Fans nicht davon abhalten die Arena heute etwas früher zu verlassen. Insgesamt ist die Stimmung längst nicht so enthusiastisch wie zuvor bei Blind Guardian. Dass dies auch mit am wortkargen Auftreten von Frontröhrer Dave Mustaine liegt, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall wirkt die ganze Band ein wenig müde. Einzig an der Gitarre zeigt Mr. Mustaine einmal mehr sein Können und fiedelt ein Solo nach dem anderen einwandfrei herunter. Auf Dauer wirkt das aber auch eher nervig. Schade, hier habe ich mir mehr versprochen.

Teil 2 des Reviews gibt es hier

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