Der Loreleyfelsen zählt zu einem der magischsten und am häufigsten besungenen Orte in Deutschland. Auch das zugehörige Amphitheater hat bereits eine turbulente Geschichte hinter sich und so manches denkwürdige Konzert gesehen. Metallica, Manowar und viele andere gaben sich hier die Ehre.


Kein Wunder also, dass viele Metal-Fans dem ersten Metalfest auf der Loreley entgehen fieberten und gut 10.000 Besucher zu einer der wohl schönsten Festival-Locations in Deutschland kamen um mit tollen Bands ein berauschendes Fest zu feiern. Doch neben vielen tollen Shows vor einer atemberaubenden Kulisse gab es auch so manchen Makel.

Freitag:

Los geht es heute mit den Thrashern von Huntress aus den USA. Die hatten im Vorfeld ordentlich Lob für ihr aktuelles Album „Spell Eater“ bekommen und unter anderem Top Bewertungen bei Rockhard und Metal-Hammer bekommen. Optisch sicherlich ein Hingucker, musikalisch aber eher was zum abgewöhnen. Denn das, was Sängerin Jill Janus uns da zu so früher Stunde um die Ohren knallt, klingt irgendwie nach einer Mischung aus Darmverstopfung und Kleinkindergekreische. Die Gitarren und das Schlagzeug donnern indes kräftig aus den Boxen und an sich könnte alles sehr schön sein. Aber dieser Gesang passt einfach nicht dazu.

Viel besser passt das bei Vader, die allerdings für meinen Geschmack viel zu früh verheizt werden. Bei 25 Grad und Sonnenschein kommt die Black/Death Metal-Atmosphäre der sympathischen Polen einfach nicht gut rüber. Musikalisch machen sie ihre Sache aber mehr als ordentlich und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie von ihren Fans ordentlich gefeiert werden.

Saltatio Mortis beweisen einmal mehr ihre Qualität als Stimmungsmacher. Kann sich anfangs nur eine Handvoll Fans dazu aufraffen an Sänger Aleas Mitmachspielchen teilzunehmen, so werden es im Laufe des Gigs immer mehr und am Ende ist das Rund der Loreley zu etwa drei Vierteln gefüllt und die Stimmung kocht fast über. Neben den zwei neuen Stücken „Ode an die Feindschaft“ und „Eulenspiegel“ setzt die Band vornehmlich auf die bewehrten Klassiker vom letzten Live-Album. Auch der übliche Crowdsurfingausflug von Alea bei „Falsche Freunde“ darf natürlich nicht fehlen. Am Ende wird die Band minutenlang gefeiert. Ein toller Auftritt.

Um Powerwolf geht im traditionellen Power Metal derzeit kein Weg herum. Und so verwundert es auch nicht, dass die Arena sehr gut gefüllt ist, als nach dem Intro die ersten Töne von „Sanctified with Dynamite“ ertönen. Der Sound ist richtig klasse und die Band gut aufgelegt. Lediglich die Ansagen von Sänger Attila Dorn wirken ein wenig statisch und ähneln stark denen auf der vom Metal-Hammer präsentierten Live-CD. Auch die Setlist orientiert sich weitestgehend an eben dieser CD. Die Zuschauer scheint es wenig zu interessieren. Sie heulen mit den Wölfen und haben eine gute Zeit.

Zeitgleich spielen auf der zweiten Bühne die Jungs von Emergency Gate. Dieser Umstand bedingt sicherlich, dass sich nur etwa 50 Nasen vor der Bühne eingefunden haben. Schade eigentlich, denn die Band macht eine gute Show und auch der Sound ist kräftig. Die paar Leute vor der Bühne lassen sich vom Enthusiasmus der Band mitreißen und lassen ordentlich ihre Matten kreisen.

Aber zurück zur Hauptbühne. Hier machen sich gerade die Schweizer Eluveitie bereit, uns eine Geschichte über den Gallischen Krieg und die Völkerwanderung der Helvetier zu erzählen. Das zeigt sich ganz deutlich an der Setlist, die weitestgehend aus dem aktuellen Album „Helvetios“ besteht. Leider ist der Sound nicht ganz optimal. Das Mikro von Sängerin Anna Murphy ist im Gegensatz zum Mikro von Chrigel Glanzmann viel zu laut abgemischt. Außerdem wirkt sie recht lustlos. Die Tatsache, dass sie direkt nach den Party-Metallern von Powerwolf ran dürfen, tut dann ihr Übriges. Leider nur ein durchschnittlicher Auftritt. Das habe ich schon viel besser gesehen.

Dass Tobi Sammet von Edguy ein ausgemachter Kasperkopp ist, sollte wohl jedem klar sein, der die Band jemals gesehen hat. Und auch heute macht er dem Namen seines aktuellen Albums „Age of the Joker“ alle Ehre und ist zu zahlreichen Späßen aufgelegt. Neben Dave Mustaine (Megadath) und Joey deMaio (Manowar) muss auch Mille von Kreator so manchen Spruch einstecken. Dabei wirkt die Show zu keiner Zeit überladen oder wird von Tobi kaputt gequatscht. Musikalisch ist die Band mal wieder über jeden Zweifel erhaben und überzeugt durch Spielfreude und Fan-Interaktion. Einen subjektiv empfundenen Minuspunkt gibt es allerdings für die Auswahl der Stücke. Es ist ganz klar, dass die Band den Schwerpunkt auf ihr aktuelles Album legt, aber dass es kein Song der ersten vier Alben ins Programm geschafft hat ist wirklich schade.

Und dann kommt die deutsche Thrash Metal-Legende Kreator auf die Bühne. Die Bässe dröhnen, die Bühne wird eingenebelt und in eine Mischung aus rotem und blauem Licht gehüllt, als die „Violent Revolution“ beginnt. Dass Kreator überhaupt auftreten können, verdanken sie allerdings ihren guten Freunden von Behemoth, Emergency Gate und einigen anderen Bands, die mit Equipment aushelfen. Die Kreator-Ausrüstung hat es nämlich, warum auch immer, nicht bis auf die Loreley geschafft. Es folgen Knaller wie „Hordes of Chaos“, „Phobia“ und „Extreme Aggression“. Die Ansage zu letzterem Song („…ich muss euch jetzt mitteilen, dass Tobi bei Edguy aussteigt und das macht mich extrem aggressiv…“) kann dann für Mille Verhältnisse schon als extrem kreativ angesehen werden. Der nette Seitenhieb auf Tobias Sammet und kann als gelungene Retourkutsche für Tobis Blödeleien über Kreator zuvor gesehen werden. Auch das neue Album „Phanton Antichrist“ findet mit zwei Stücken Berücksichtigung im heutigen Programm und das kommt beim Publikum richtig gut an. Gegen kurz vor zwölf beenden Kreator den zweiten Festivaltag auf der Hauptbühne dann standesgemäß mit „Flag of Hate“ und „Tormentor“.

Samstag:

Der Samstag bietet für meinen Geschmack deutlich weniger “must-see”-Bands und so beginnt mein Tag erst am späten Nachmittag mit Dark Tranquility. Die Schweden machen ihre Sache aber ganz ordentlich und hauen uns eine gehörige Portion Schwedenstahl um die Ohren. Der Sound ist wieder einmal bombig und sowohl musikalisch wie auch stimmungsmäßig ist die Band voll auf der Höhe. Es fehlt zwar noch ein ganzes Stück, um an die Klasse und Perfektion von Genrekollegen wie In Flames heran zu kommen. In Sachen Stageacting und Interaktion mit dem Publikum spielen die Jungs heute aber auf jeden Fall oben mit.

Als dann nach kurzer Umbaupause das „From Afar“-Intro „By the dividing stream“ aus den Boxen dröhnt, ist jedem klar, dass es nun finnischen Folk-Metal gibt. Ensiferum betreten die Bühne und führen durch ein bunt gemischtes Programm mit einigen neueren Songs wie „Twilight Tavern“, und „From Afar“ aber auch jeder Menge Klassiker wie „Tale of Revenge“, „Lai Lai Hei“ oder „Battle Song“. Mit „Burning leaves“ schafft es sogar ein Stück vom bald erscheinenden neuen Album auf die Setlist. Ensiferum strotzen zwar nicht gerade vor Spielfreude und Sänger Petri Lindroos wirkt total abwesend, machen aber dennoch eine solide Show. Musikalisch gibt’s da nichts zu meckern. Und auch den Fans gefällt`s.

Dann werden wir vollkommen von einem Running Order Change überrascht. Statt der eigentlich für den nächsten Slot vorgesehen Fear Factory erhebt sich nun das Kyuss Lives!-Banner am hinteren Bühnenrand. Wir fragen uns, wie und wann das kommuniziert wurde und finden tatsächlich drei kleine Zettel, die hastig im Eingangsbereich und am Mischturm aufgehängt wurden. Nicht sehr professionell. Da hätte man wenigstens mal eine kleine Durchsage von der Bühne machen können. Es bleibt nämlich auch während des ganzen Festivals ein Mysterium, warum an dieser Stelle getauscht wurde. Ob es etwas mit dem an diesem Abend stattfindenden Länderspiel der Deutschen zu tun hat, lässt sich nicht klären.

Aber zurück zu Kyuss Lives! Sie wurden vor dem Festival großspurig angekündigt und sind quasi die Reinkarnation der 1995 aufgelösten Band Kyuss. Richtig zünden kann der düstere und doomige Stoner Rock bei mir allerdings nicht, obwohl die Band qualitativ auf einem hohen Niveau spielt. Die Anwesenden lauschen fast andächtig und applaudieren anstandsgemäß. Partystimmung sieht aber anders aus.

Fear Factory haben dann das Pech parallel zum Länderspiel der Deutschen ran zu müssen. Und so bin ich doch recht verwundert, dass es vor der Bühne recht gut gefüllt ist. Die Stimmung ist von Anfang an gut und die Leute jubeln den technisch sehr versierten und kühl klingenden Songs der Angstfabrik zu. Der Sound ist eher suboptimal und auch Sänger Burton C. Bell scheint nicht auf der Höhe zu sein. Dies zeigt sich besonders bei den melodischen Parts der Songs. Alles in allem ein routinierter Gig mit wenig Herzblut und Enthusiasmus.

Den Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Festival setzen dann die Mittelalter-Rocker In Extremo, die eine fulminante Show abliefen. Mit toller Lichtshow, vielen Pyros und Feuerfontänen runden sie ihr Programm ab. Die Band ist gut aufeinander eingestellt und kommt beim Publikum richtig gut an. Viele Songs werden vom Publikum begeistert mitgesungen und mitgeklatscht. Ich persönlich hätte mir zwar ein paar mehr Songs von den ersten zwei Alben gewünscht, das ist aber wohl ein Einzelschicksal. Und als dann zum Abschluss noch das überragende „Spielmannsfluch“ von Band und Publikum in Symbiose zelebriert wird, bin auch ich restlos begeistert. In Extremo hat zwar meiner Ansicht nach nur noch sehr wenig mit Mittelalter zu tun, hat sich aber endgültig als Größe im Rock und Metal etabliert.

Fazit:

Alles in allem ein sehr schönes Festival, das von den tollen Bands und der atemberaubenden Atmosphäre gelebt hat. Sehr schön waren das friedliche Miteinander der Festivalbesucher und die durchweg gute Stimmung. Auch das Wetter hat weitestgehend mitgespielt und so zu einer gelungenen Party beigetragen.

Zu bemängeln ist aber die absolut chaotische Organisation des Festivals. Hier wurde wirklich an allem gespart. Es wurde nicht vernünftig kommuniziert. Weder mit den Besuchern noch mit der Presse. Von einem Veranstalter, der dieses Festival in sieben verschiedenen Ländern durchführt, erwarte ich deutlich mehr Kompetenz. Sicherlich gibt es überall Unterschiede bei den örtlichen Gegebenheiten, aber hier fehlte es an jeglicher Form von Konzept. Auf seiner Facebook Seite http://www.facebook.com/metalfestopenairs hat der Veranstalter bereits Stellung bezogen und Besserung für das nächste Jahr gelobt. Warten wir`s ab.

Teil 1 des Reviews gibt es hier

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