Metalfest Deutschland 2012 Loreley – Viel Licht aber auch einige große Schatten

Kein Wunder, dass viele Metaller dem ersten Metalfest Deutschland 2012 auf der Loreley entgegen fieberten und gut 10.000 Besucher zu einer der wohl schönsten Festival-Locations in Deutschland kamen um mit tollen Bands ein berauschendes Fest zu feiern. Doch neben vielen tollen Shows vor einer atemberaubenden Kulisse gab es auch so manchen Makel.

Metalfest Deutschland 2012 Mittwoch

Metalfest Deutschland 2012 Loreley
Metalfest Deutschland 2012 Loreley

Wir sind froh, bereits sehr früh angereist zu sein, denn bereits gegen 13.00 Uhr ist die erste Campingfläche gut gefüllt und es kommen unaufhörlich neue Besucher an. Noch läuft alles zwar reibungslos, doch schon jetzt zeigt sich die mangelnde Organisation des Festivals. Obwohl angekündigt, ist es noch nicht möglich Presseausweise oder auch Festivalbändchen zu bekommen. Die Ordner scheinen extrem schlecht informiert und schicken einen von Pontius zu Pilatus. Wir brauchen insgesamt vier Anläufe in vier Stunden um an unsere Ausweise zu kommen. Mittlerweile scheint das Park- und Campingsystem komplett zusammengebrochen zu sein. Aufgrund behördlicher Auflagen muss das Parken und das Zelten voneinander getrennt werden, was zu großen organisatorischen Problemen führt.

Später ankommende Besucher werden zum Beispiel nicht zu freien Plätzen auf dem Campground gelotst und so wird auch zwischen den Autos gezeltet, was natürlich ein Sicherheitsrisiko darstellt. Das Gebiet vor der Arena ist fast komplett mit Zelten zugestellt und ein Durchkommen ist kaum noch möglich. Das Abkassieren der Parkgebühr (10,-€ pro Auto) und des Müllpfandes (5,-€ pro Person) findet nur noch punktuell statt und so kommt es zu ersten Unstimmigkeiten. Auch ist nicht klar, wie, wann und wo die Müllsäcke wieder abgegeben werden können. Diese Situation soll sich im Laufe des Festivals aber noch verschlimmern. Die Wartezeit für Festival-Bändchen beträgt beispielsweise am Donnerstag bis zu drei Stunden.


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Rettungswege existieren kaum noch, eine Beschilderung fehlt vollends und während der Nacht gibt es auf dem Campinggelände keinerlei Beleuchtung. Gerade im Hinblick auf das sehr hügelige Gelände wäre das dringend vonnöten gewesen. Außerdem ist die Anzahl und Positionierung der sanitären Anlagen mehr als suboptimal. Einige Besucher haben Wege von mehr als zehn Minuten bis zum nächsten Dixi. Das kann nicht sein. Auch die Tatsache, dass für eine Dusch- und Klo- Flatrate noch einmal 8,-€ abkassiert werden um dann auf mehr oder weniger zugesifften Schüsseln sein Geschäft verrichten und kalt duschen zu müssen kann nur als Abzocke bezeichnet werden. Und das erst recht, wenn der Zugang zu den Duschen einmal kontrolliert wird und einmal nicht. Wer sich dieses Chaos ersparen will und bereit ist ein paar Euro mehr auszugeben, der mietet sich auf dem offiziellen Loreley Campingplatz ein. Hier gibt es saubere Toiletten, warmes Wasser und auf Wunsch sogar Strom. Eine weitere Option ist die nahe liegende Jugendherberge.

Weiterer Kritikpunkt ist die Security. Sie ist schlecht informiert, teilweise sehr unfreundlich und scheint oft gar nicht zu wissen, was sie hier tun sollen. Außerdem finde ich es absolut unverantwortlich bei einem Metal-Festival, wo Crowdsurfen einfach dazu gehört, nur drei bis vier schmächtige kleine Ordner ohne jegliche Erfahrung in den Bühnengraben zu stellen. Glücklicherweise kam es hier, soweit ich weiß, nicht zu größeren Verletzungen. Bei der Auswahl der Securityfirma scheint wohl nur der Preis eine Rolle gespielt zu haben. Festivalerfahrung scheint so gut wie keiner der Mitarbeiter zu haben. So eine Gurkentruppe habe ich auf noch keinem Festival gesehen.

Auch die Betreuung der Pressevertreter lässt sehr zu wünschen übrig. Nachdem wir am späten Donnerstagnachmittag endlich den Pressebereich gefunden haben, kommen wir mit unserem Ausweis auf einmal nicht mehr durch den Backstagebereich, obwohl dies vorher problemlos möglich war. Hier scheint die rechte Hand nicht zu wissen, was die linke macht. Das ist jetzt zwar für die meisten Besucher weniger relevant, muss aber auch mal gesagt werden.

Nun aber endlich zu den wirklich wichtigen Dingen dieses Wochenendes: Den Bands.


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Metalfest Deutschland 2012 Donnerstag

Klassischer Heavy Metal scheint wieder in Mode zu kommen. (War er jemals aus der Mode?) Auf jeden Fall haben das die Kanadier von Skull Fist gut erkannt und räumen derzeit richtig ab. Mit ihren flippigen Westen, den Leggins und den Sportsocken sind sie auf jeden Fall optisch interessant. Aber auch musikalisch weiß Skull Fist zu überzeugen. Die Mischung aus harten Riffs, ausgefeilten Soli und teilweise sehr quietschigem Gesang kommt gut rüber und hat Feierpotential. Das Rund auf der Loreley ist zwar erst mäßig gefüllt, den Anwesenden gefällt es aber sichtlich. Sehr ärgerlich ist allerdings, dass die Band ca. 10 Minuten zu früh anfängt und so einige Fans den Anfang der Band verpassen. Diese Verschiebung zieht sich dann auch durch den weiteren Tagesverlauf und wird sich erst bei Blind Guardian wieder relativieren.

Einen ersten Höhepunkt setzen dann Alestorm. Das Amphitheater ist gut gefüllt und die Schotten präsentieren sich in bester Laune und bei herrlichem Sonnenschein. Ihre Lieder von Piratenkämpfen, Schatzsuchen und schmierigen Hafenkneipen kommen beim Publikum bestens an, obwohl ich das Gefühl habe, dass es ein wenig lauter sein könnte. Aber das nur am Rande. Die Setlist ist abwechslungsreich und führt durch alle Alben der Band. Die neueren Sachen wie „Back through time“ oder „Drunken Norwegian“ werden dabei ebenso mitgegrölt wie Klassiker á la „Over the seas“ oder „Nancy the Tavern wench“. Noch zu erwähnen wäre, dass Sänger Christopher Bowes ein neues Keytar hat und die Band außerdem um ein zweites Keytar erweitert wurde. Und das wirkt sich enorm auf die Qualität der Musik aus. Bowes kann sich besser auf seinen Gesang konzentrieren und macht wesentlich weniger Spielfehler als noch vor wenigen Jahren. Insgesamt scheinen Alestorm etwas erwachsener zu werden. Nach etwa 50 Minuten endet der Gig dann standesgemäß mit „Captain Morgans Revenge“.

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Einen denkbar schlechten Slot haben Moonspell erwischt. Nach so viel Party und guter Stimmung kommt die Mischung aus Gothic, Death und Black Metal einfach nicht so gut an bei den Leuten. Und so leert sich das Rund nach und nach erheblich. Der kurz darauf einsetzende leichte Regen tut dann sein Übriges. Schade eigentlich, denn die Portugiesen machen eine gute Show und sind vom Sound her noch einen ticken besser als zuvor Alestorm. Fernando Ribero mit Ritterhelm ist stimmlich gut aufgelegt und animiert seine Fans zum mitsingen. Die Songs vom neuen Album „Alpha Noir/Omega White“ kommen dabei ebenso kraftvoll aus den Boxen wie die Klassiker „Alma Matar“ oder „Trebaruna“. Einen würdigen Abschluss findet der Auftritt dann mit „Full Moon Madness“. Stark.

Wie eine Dampfwalze fegt dann die Legion Of The Damned über Loreleys Felsen hinweg. Druckvoll und an wirklich jeder Stelle der Arena gut vernehmbar ballern uns die Jungs ihre Death-Thrash Metal-Kanonen um die Ohren. Den Fans gefällt es und sie lassen einmal mehr ordentlich die Matten kreisen. Den ein oder anderen Crowdsurfer sieht man auch. Ansonsten hält sich die Bewegung des Publikums aber logischerweise in Grenzen. Hier zeigen sich halt die Grenzen des nach vorne hin abschüssigen Amphitheaters. Dafür gibt die Band auf der Bühne umso mehr Gas und alle Musiker sind sehr aktiv. Da stört dann auch der mittlerweile starke Regen nicht mehr.

Im extem düsteren und sehr stickigen Zelt zocken etwa zur gleichen Zeit passenderweise die Osnabrücker Lokalmatadore von Nachtblut und freuen sich über ein sehr gut gefülltes Zelt. Der Bühnenaufbau, Kleidung und die dezente Schminke sind gut aufeinander abgestimmt und bieten ein stimmiges Konzept. Vielfach belächelt präsentiert sich die Band selbstbewusst und weiß das Publikum mitzureißen. Der teils sehr melodische Dark Metal kommt gut an und die Zuschauer müssen gar nicht großartig zum Mitmachen animiert werden. Die neue Single „Ich trink dein Blut“ wird beispielsweise schon kräftig mitgesungen. Ich bin außerdem positiv vom guten Sound überrascht. Weiter so.

Blind Guardian stehen auf der Running Order zwar nur an zweiter Stelle, sind aber der heimliche Headliner des Abends.

Die Arena ist rappelvoll, als Hansi, Andre, Marcus und Frederik zu den Klängen von „Sacred“ die Bühne betreten. Der Sound ist bombastisch, fast schon zu gut und klingt fast wie auf der Live-CD. Das trifft übrigens auch auf viele von Hansis Ansagen zu. Kreativ war er da aber auch noch nie. Die Bühne ist sehr spartanisch gestaltet. Lediglich eine große Flagge mit dem „At the edge of time“ Logo hängt an der Rückwand. Ansonsten verlässt man sich auf die musikalische Klasse und liegt damit genau richtig. Das eher magere Stage-Acting macht Hansi durch seine klasse Stimme heute mehr als wett und so verwundert es auch nicht, dass das Publikum ihm förmlich aus der Hand frisst. Einziges kleines Manko ist die Ausrechenbarkeit der Setlist. Sie hat sich seit dem letzten Sommer kaum verändert und so bleibt für Fans, die Blind Guardian häufiger sein ein leichter fader Beigeschmack. Alles in allem aber ein super Auftritt der zeigt, dass die Krefelder noch lange nicht zum Altmetall gehören.

Ein komplett anderes Bild bietet die Bühne bei Megadeth. An der Rückwand türmen sich die Marshallverstärker und in der Mitte thront das Schlagzeug. Das ist aber auch schon das imposanteste des Auftritts. Denn was da aus den Boxen kommt klingt eher nach Brei als nach knallhartem Thrash Metal. Erst gegen Mitte des Sets wird es etwas besser. Das kann aber viele Fans nicht davon abhalten die Arena heute etwas früher zu verlassen. Insgesamt ist die Stimmung längst nicht so enthusiastisch wie zuvor bei Blind Guardian. Dass dies auch mit am wortkargen Auftreten von Frontröhrer Dave Mustaine liegt, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall wirkt die ganze Band ein wenig müde. Einzig an der Gitarre zeigt Mr. Mustaine einmal mehr sein Können und fiedelt ein Solo nach dem anderen einwandfrei herunter. Auf Dauer wirkt das aber auch eher nervig. Schade, hier habe ich mir mehr versprochen.

Kein Wunder also, dass viele Metal-Fans dem ersten Metalfest auf der Loreley entgehen fieberten und gut 10.000 Besucher zu einer der wohl schönsten Festival-Locations in Deutschland kamen um mit tollen Bands ein berauschendes Fest zu feiern. Doch neben vielen tollen Shows vor einer atemberaubenden Kulisse gab es auch so manchen Makel.

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Metalfest Deutschland 2012 Freitag

Los geht es heute mit den Thrashern von Huntress aus den USA. Die hatten im Vorfeld ordentlich Lob für ihr aktuelles Album „Spell Eater“ bekommen und unter anderem Top Bewertungen bei Rockhard und Metal-Hammer bekommen. Optisch sicherlich ein Hingucker, musikalisch aber eher was zum abgewöhnen. Denn das, was Sängerin Jill Janus uns da zu so früher Stunde um die Ohren knallt, klingt irgendwie nach einer Mischung aus Darmverstopfung und Kleinkindergekreische. Die Gitarren und das Schlagzeug donnern indes kräftig aus den Boxen und an sich könnte alles sehr schön sein. Aber dieser Gesang passt einfach nicht dazu.

Viel besser passt das bei Vader, die allerdings für meinen Geschmack viel zu früh verheizt werden. Bei 25 Grad und Sonnenschein kommt die Black/Death Metal-Atmosphäre der sympathischen Polen einfach nicht gut rüber. Musikalisch machen sie ihre Sache aber mehr als ordentlich und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie von ihren Fans ordentlich gefeiert werden.

Saltatio Mortis beweisen einmal mehr ihre Qualität als Stimmungsmacher. Kann sich anfangs nur eine Handvoll Fans dazu aufraffen an Sänger Aleas Mitmachspielchen teilzunehmen, so werden es im Laufe des Gigs immer mehr und am Ende ist das Rund der Loreley zu etwa drei Vierteln gefüllt und die Stimmung kocht fast über. Neben den zwei neuen Stücken „Ode an die Feindschaft“ und „Eulenspiegel“ setzt die Band vornehmlich auf die bewehrten Klassiker vom letzten Live-Album. Auch der übliche Crowdsurfingausflug von Alea bei „Falsche Freunde“ darf natürlich nicht fehlen. Am Ende wird die Band minutenlang gefeiert. Ein toller Auftritt.

Um Powerwolf geht im traditionellen Power Metal derzeit kein Weg herum. Und so verwundert es auch nicht, dass die Arena sehr gut gefüllt ist, als nach dem Intro die ersten Töne von „Sanctified with Dynamite“ ertönen. Der Sound ist richtig klasse und die Band gut aufgelegt. Lediglich die Ansagen von Sänger Attila Dorn wirken ein wenig statisch und ähneln stark denen auf der vom Metal-Hammer präsentierten Live-CD. Auch die Setlist orientiert sich weitestgehend an eben dieser CD. Die Zuschauer scheint es wenig zu interessieren. Sie heulen mit den Wölfen und haben eine gute Zeit.

Zeitgleich spielen auf der zweiten Bühne die Jungs von Emergency Gate. Dieser Umstand bedingt sicherlich, dass sich nur etwa 50 Nasen vor der Bühne eingefunden haben. Schade eigentlich, denn die Band macht eine gute Show und auch der Sound ist kräftig. Die paar Leute vor der Bühne lassen sich vom Enthusiasmus der Band mitreißen und lassen ordentlich ihre Matten kreisen.

Aber zurück zur Hauptbühne. Hier machen sich gerade die Schweizer Eluveitie bereit, uns eine Geschichte über den Gallischen Krieg und die Völkerwanderung der Helvetier zu erzählen. Das zeigt sich ganz deutlich an der Setlist, die weitestgehend aus dem aktuellen Album „Helvetios“ besteht. Leider ist der Sound nicht ganz optimal. Das Mikro von Sängerin Anna Murphy ist im Gegensatz zum Mikro von Chrigel Glanzmann viel zu laut abgemischt. Außerdem wirkt sie recht lustlos. Die Tatsache, dass sie direkt nach den Party-Metallern von Powerwolf ran dürfen, tut dann ihr Übriges. Leider nur ein durchschnittlicher Auftritt. Das habe ich schon viel besser gesehen.

Dass Tobi Sammet von Edguy ein ausgemachter Kasperkopp ist, sollte wohl jedem klar sein, der die Band jemals gesehen hat. Und auch heute macht er dem Namen seines aktuellen Albums „Age of the Joker“ alle Ehre und ist zu zahlreichen Späßen aufgelegt. Neben Dave Mustaine (Megadeth) und Joey deMaio (Manowar) muss auch Mille von Kreator so manchen Spruch einstecken. Dabei wirkt die Show zu keiner Zeit überladen oder wird von Tobi kaputt gequatscht. Musikalisch ist die Band mal wieder über jeden Zweifel erhaben und überzeugt durch Spielfreude und Fan- Interaktion. Einen subjektiv empfundenen Minuspunkt gibt es allerdings für die Auswahl der Stücke. Es ist ganz klar, dass die Band den Schwerpunkt auf ihr aktuelles Album legt, aber dass es kein Song der ersten vier Alben ins Programm geschafft hat ist wirklich schade.

Und dann kommt die deutsche Thrash Metal-Legende Kreator auf die Bühne. Die Bässe dröhnen, die Bühne wird eingenebelt und in eine Mischung aus rotem und blauem Licht gehüllt, als die „Violent Revolution“ beginnt. Dass Kreator überhaupt auftreten können, verdanken sie allerdings ihren guten Freunden von Behemoth, Emergency Gate und einigen anderen Bands, die mit Equipment aushelfen. Die Kreator-Ausrüstung hat es nämlich, warum auch immer, nicht bis auf die Loreley geschafft. Es folgen Knaller wie „Hordes of Chaos“, „Phobia“ und „Extreme Aggression“. Die Ansage zu letzterem Song („…ich muss euch jetzt mitteilen, dass Tobi bei Edguy aussteigt und das macht mich extrem aggressiv…“) kann dann für Mille Verhältnisse schon als extrem kreativ angesehen werden. Der nette Seitenhieb auf Tobias Sammet und kann als gelungene Retourkutsche für Tobis Blödeleien über Kreator zuvor gesehen werden. Auch das neue Album „Phanton Antichrist“ findet mit zwei Stücken Berücksichtigung im heutigen Programm und das kommt beim Publikum richtig gut an. Gegen kurz vor zwölf beenden Kreator den zweiten Festivaltag auf der Hauptbühne dann standesgemäß mit „Flag of Hate“ und „Tormentor“.

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Metalfest Deutschland 2012 Loreley
Metalfest Deutschland 2012 Loreley

Metalfest Germany 2012 Samstag

Der Samstag bietet für meinen Geschmack deutlich weniger “must-see”-Bands und so beginnt mein Tag erst am späten Nachmittag mit Dark Tranquility. Die Schweden machen ihre Sache aber ganz ordentlich und hauen uns eine gehörige Portion Schwedenstahl um die Ohren. Der Sound ist wieder einmal bombig und sowohl musikalisch wie auch stimmungsmäßig ist die Band voll auf der Höhe. Es fehlt zwar noch ein ganzes Stück, um an die Klasse und Perfektion von Genrekollegen wie In Flames heran zu kommen. In Sachen Stageacting und Interaktion mit dem Publikum spielen die Jungs heute aber auf jeden Fall oben mit.

Als dann nach kurzer Umbaupause das „From Afar“-Intro „By the dividing stream“ aus den Boxen dröhnt, ist jedem klar, dass es nun finnischen Folk-Metal gibt. Ensiferum betreten die Bühne und führen durch ein bunt gemischtes Programm mit einigen neueren Songs wie „Twilight Tavern“, und „From Afar“ aber auch jeder Menge Klassiker wie „Tale of Revenge“, „Lai Lai Hei“ oder „Battle Song“. Mit „Burning leaves“ schafft es sogar ein Stück vom bald erscheinenden neuen Album auf die Setlist. Ensiferum strotzen zwar nicht gerade vor Spielfreude und Sänger Petri Lindroos wirkt total abwesend, machen aber dennoch eine solide Show. Musikalisch gibt’s da nichts zu meckern. Und auch den Fans gefällt`s.

Dann werden wir vollkommen von einem Running Order Change überrascht. Statt der eigentlich für den nächsten Slot vorgesehen Fear Factory erhebt sich nun das Kyuss Lives!-Banner am hinteren Bühnenrand. Wir fragen uns, wie und wann das kommuniziert wurde und finden tatsächlich drei kleine Zettel, die hastig im Eingangsbereich und am Mischturm aufgehängt wurden. Nicht sehr professionell. Da hätte man wenigstens mal eine kleine Durchsage von der Bühne machen können. Es bleibt nämlich auch während des ganzen Festivals ein Mysterium, warum an dieser Stelle getauscht wurde. Ob es etwas mit dem an diesem Abend stattfindenden Länderspiel der Deutschen zu tun hat, lässt sich nicht klären.

Aber zurück zu Kyuss Lives! Sie wurden vor dem Festival großspurig angekündigt und sind quasi die Reinkarnation der 1995 aufgelösten Band Kyuss. Richtig zünden kann der düstere und doomige Stoner Rock bei mir allerdings nicht, obwohl die Band qualitativ auf einem hohen Niveau spielt. Die Anwesenden lauschen fast andächtig und applaudieren anstandsgemäß. Partystimmung sieht aber anders aus.

Fear Factory haben dann das Pech parallel zum Länderspiel der Deutschen ran zu müssen. Und so bin ich doch recht verwundert, dass es vor der Bühne recht gut gefüllt ist. Die Stimmung ist von Anfang an gut und die Leute jubeln den technisch sehr versierten und kühl klingenden Songs der Angstfabrik zu. Der Sound ist eher suboptimal und auch Sänger Burton C. Bell scheint nicht auf der Höhe zu sein. Dies zeigt sich besonders bei den melodischen Parts der Songs. Alles in allem ein routinierter Gig mit wenig Herzblut und Enthusiasmus.

Den Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Festival setzen dann die Mittelalter-Rocker In Extremo, die eine fulminante Show abliefen. Mit toller Lichtshow, vielen Pyros und Feuerfontänen runden sie ihr Programm ab. Die Band ist gut aufeinander eingestellt und kommt beim Publikum richtig gut an. Viele Songs werden vom Publikum begeistert mitgesungen und mitgeklatscht. Ich persönlich hätte mir zwar ein paar mehr Songs von den ersten zwei Alben gewünscht, das ist aber wohl ein Einzelschicksal. Und als dann zum Abschluss noch das überragende „Spielmannsfluch“ von Band und Publikum in Symbiose zelebriert wird, bin auch ich restlos begeistert. In Extremo hat zwar meiner Ansicht nach nur noch sehr wenig mit Mittelalter zu tun, hat sich aber endgültig als Größe im Rock und Metal etabliert.

Fazit

Alles in allem ein sehr schönes Festival, das von den tollen Bands und der atemberaubenden Atmosphäre gelebt hat. Sehr schön waren das friedliche Miteinander der Festivalbesucher und die durchweg gute Stimmung. Auch das Wetter hat weitestgehend mitgespielt und so zu einer gelungenen Party beigetragen.

Zu bemängeln ist aber die absolut chaotische Organisation des Festivals. Hier wurde wirklich an allem gespart. Es wurde nicht vernünftig kommuniziert. Weder mit den Besuchern noch mit der Presse. Von einem Veranstalter, der dieses Festival in sieben verschiedenen Ländern durchführt, erwarte ich deutlich mehr Kompetenz. Sicherlich gibt es überall Unterschiede bei den örtlichen Gegebenheiten, aber hier fehlte es an jeglicher Form von Konzept. Auf seiner Facebook Seite http://www.facebook.com/metalfestopenairs hat der Veranstalter bereits Stellung bezogen und Besserung für das nächste Jahr gelobt. Warten wir`s ab.

Bis nächstes Jahr zum Metalfest Deutschland 2013

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Autor: ArchiVader

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