Return to Headbanger`s Heaven. Mit diesem Slogan warb der Metalfest-Veranstalter im Vorfeld des Festivals und legte damit die Messlatte per se schon einmal sehr hoch. Und wenn man dann an die teils katastrophalen organisatorischen Zustände im Vorjahr denkt, dann galt es seitens der Verantwortlichen einiges aufzuarbeiten und zu verbessen. Ob und wie das den Machern gelungen ist haben unsere Redakteure einmal unter die Lupe genommen. Und natürlich sollen die wichtigsten Akteure auf dem Festival, nämlich die gut dreißig Bands, nicht außer Acht gelassen werden.


Donnerstag:

Nachdem für das Wochenende Regen, Sturm und Unwetter gemeldet sind, machen wir uns guten Mutes aber auch mit gemischten Gefühlen auf den Weg zur Loreley. Unterwegs dann der erste Schock, als wir auf der A3 von einem Hagelschauer auf der Autobahn zu Tempo 40 gezwungen werden. Glücklicherweise überstehen wir alles ohne Schäden und können kurze Zeit später in der Jugendherberge einchecken (ab einem gewissen Alter genießt man halt einen gewissen Luxus auf Festivals). Leider meint es das Wetter noch nicht wirklich gut mit uns sodass wir zunächst im trockenen bleiben und auf Kissin Dynamite, Feuerschwanz und Witchcraft verzichten müssen.

Als wir dann aber zu Equilibrium das Festivalgelände betreten fällt auf, dass der Einlass zumindest gefühlt professioneller abläuft als im letzen Jahr, und die weggefallene zweite Bühne sorgt für Entspannung auf dem schmalen Stück zwischen Einlass und Amphitheater. In der Arena selbst haben sich schon eine ganze Menge Fans eingefunden um den bayrischen Pagan-Metallern zu huldigen. Diese danken es den Fans mit einer guten Songauswahl und dem gewohnt enthusiastischen Stage-Acting. Ganz besonders die alten Stücke wie „Unter der Eiche“ und „Wingthors Hammer“ kommen gut an. Leider ist der Sound ziemlich bescheiden. Alles wabert nur so daher und die Gitarren klingen wie Brei.

Chris Barnes macht eine echt gute Figur, als er mit Six Feet Under auf der Bühne steht. Der tiefe Grunzgesang wechselt sich mit seinem typischen Gequäke ab und die ganze Band scheint sichtlich Spaß zu haben. Allerdings macht auch hier der Sound Probleme. Selbst die Monitore scheinen nicht ordentlich eingestellt zu sein. Insgesamt aber ein solider Auftritt.

Bei Paradise Lost wird es dann atmosphärisch. Und das trotz der relativ frühen Spielzeit. Im Dunkeln kommen die düsteren Songs halt noch mal einen Schlag besser an. Nichts desto trotz schaffen es die Engländer um Nick Holmes eine getragene Show mit guter Songauswahl abzuliefern. Hierbei werden Songs wie „Honesty In Death“ ebenso gewürdigt wie die Klassiker „As I die“ oder „Pity the Sadness“. Und das Schlusslied „Say Just words“ geht dann noch mal richtig ab.

Ungefähr ab jetzt haben alle Bands verkürzte Spielzeiten, da die Umbaupausen teilweise erheblich überzogen werden. So spielen Iced Earth nur etwa 45 statt der angesetzten 60 Minuten. Und das zieht sich so bis zu Headliner durch. Schade für die Bands. Auf jeden Fall zocken die Amis um John Schaffer einen soliden Gig mit überwiegend alten Songs, die von den Fans ordentlich abgefeiert werden. Auch das sehr emotional vorgetragene „Watching over me“ kommt sehr gut an. Der Sound ist allerdings wieder mal bescheiden bis schlecht. Erst als der Gig traditional mit „Iced Earth“ zu Ende geht wird es besser.

Brüste im Leder-BH, Nieten und Ketten. Zu wem gehört das wohl? Richtig, zur deutschen Metal-Queen. Doro kommt sympathisch wie eh und je rüber. Immer wieder läuft sie auf dem Laufsteg vor der Bühne bis ganz nah an ihre Fans ran und animiert zum mitmachen. Und damit spricht sie sowohl ältere wie auch jüngere Fans an. Bei „Burning the Witches“ geht es richtig ab und über „All We Are“ muss ich hier wohl nichts mehr sagen. Insgesamt ein super Auftritt, auch wenn vor der Bühne etwas mehr hätte los sein können.

Testament rocken dann nach bester Death Metal Art alles kaputt. Die Double Bass kommt wie Maschinengewehr-Salven daher und Chuck Billy holt alles aus sich raus. Selbst die Gitarren klingen nicht mehr ganz so breiig wie am Nachmittag. Für viele Festival-Besucher der beste Gig des Tages. Kurz danach setzen dann Sturm und Regen ein. Das geht dann sogar soweit, dass der Biergartenwirt seine Schirme zusammenklappen muss, weil sie sonst wegwehen könnten.

Und auch als Children Of Bodom mit etwa 20 Minuten Verspätung ihren Headliner Set beginnen, hat sich das Wetter noch nicht entscheidend gebessert. Dementsprechend ist es vor der Bühne auch verdammt leer. Auch wenn die Finnen auf dem Metalfest ihren einzigen Festival-Auftritt in Deutschland dieses Jahr spielen wollen die Leute doch nicht bis auf die Knochen nass regnen lassen. Dennoch zocken die Jungs einen soliden Gig, spielen noch zwei Stücke vom neuen Album und machen damit die wenigen gebliebenen glücklich.

Freitag:

Am Freitagmorgen geht es nach dem Frühstück erst einmal auf Sightseeing zum Loreley-Felsen. Der Ausblick ist einfach fantastisch. Danach drehen wir noch eine Runde über den Zeltplatz, wo sich die Metalheads bei Bier, Grillfleisch und Dosen-Ravioli auf den zweiten Festival-Tag einstimmen. Alles in allem sehr gemütlich und gewohnt friedlich, allerdings auch ein ganzes Stück kleiner als im Jahr zuvor. Nach unseren Schätzungen ist in diesem Jahr ein knappes Drittel weniger Leute auf die Loreley gekommen.

Um 12.00 Uhr starten die Niederländer Delain mit einer ordentlichen Portion Female Fronted Symphonic Metal in den sonnigen Tag. Allein schon der Anblick der wunderschönen Sängerin Charlotte Wessels macht diesen Auftritt absolut sehenswert. Überzeugen kann die Band vor allem durch ihre kraftvolle Musik, die in ihrer Machart an Within Temptation oder Epica erinnert. Außerdem ist der Sound heute viel differenzierter und klarer als am Vortag. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Auftritt der Band.

Nach kurzer Umbaupause ist dann Superheldenzeit. Die Grailknights ziehen gemeinsam mit ihrem Battle-Choir wieder einmal in die Schlacht gegen Dr. Skull und machen eine super Show auf der Bühne. Technisch einwandfrei und absolut lustig zaubern sie so manchem Besucher ein verschmitztes Grinsen auf die Wangen. Im Anschluss sind die Jungs dann noch im Biergarten anzutreffen, wo sie mit ihren Fans schnacken und ein paar Bier trinken.

Es ist schon gut was los auf dem Gelände, als Majesty ihren starken Gig mit „Metal Law“ beginnen. Der Sound ist gut, die Jungs posen auf der Bühne wie nichts Gutes und heizen dem Publikum ordentlich ein. Und die gute Stimmung springt auf Anhieb auf die Anwesenden über die immer wieder die Pommesgabel in die Luft strecken und teilweise richtig laut mitsingen. Hier kommen die Power-Metal Fans voll auf ihre Kosten. Das macht richtig Spaß.

Nachdem sich die Diskussion um die politische Gesinnung von Sänger Freki mittlerweile wieder etwas beruhigt hat kann sich Varg endlich wieder auf ihre Musik konzentrieren. Und das merkt man den Jungs heute an. Alle sind gut aufgelegt und bester Laune. In ihrer üblichen rot/schwarzen Kriegsbemalung zocken sie einen guten Auftritt mit überwiegend älterem Songmaterial runter. Und auch die Leute vor der Bühne gehen trotz der Stufen ordentlich ab. Highlight des Gigs ist dann „Rotkäppchen“ bei dem ein ganzer Schwung Mädels auf die Bühne geholt wird um mit den Jungs zu feiern.

Hypocrisy liefern dann einen absolut einwandfreien und energiegeladenen Auftritt ab. Death Metal Altmeister Peter Tätgren ist bestens bei Stimme und spielt sein Programm solide runter. Und auch im Publikum fliegen die Matten.

Die Aufgabe des Spaßmachers erfüllt in diesem Jahr J.B.O., die mit einem ungewöhnlich jungen Set an den Start gehen. Außerdem sind jede Menge eigener Songs wie zum Beispiel „Dr. Met“ dabei. Das ist zwar für die vielen „Wiederholungstäter“ eine willkommene Abwechslung aber einfach nicht dasselbe wie die Auftritte vor fünf oder zehn Jahren als die Franken mit ihrem Blödel-Metal für richtig Abwechslung sorgten. Vielleicht habe ich die Band aber einfach schon zu oft gesehen. Den meisten Leuten vor der Bühne scheint es jedenfalls zu gefallen.

Richtig stark sind dann Accept. Ein mit Klassikern gespicktes Set wird vom Publikum volles Mett abgefeiert. Sänger Mark Tormillo hat das richtig gut gefüllte Amphitheater voll im Griff, alle Bandmitglieder sind super aufeinander eingespielt, posen gemeinsam und feiert zusammen mit den Fans eine riesige schwermetallische Party bei der selbst nicht Power Metaller ihren Spaß haben.

Aber den besten Gig des gesamten Festivals liefern Slayer ab. Die Bude ist jetzt auch richtig voll und die Fans gehen voll ab. Ob es nun die alten Hits wie „South of Heaven“, „Season in the Abyss“ oder auch neuere Stücke der Marke „God hates us all“ sind, es sind keine Schwächen zu erkennen. Mit einer großen Fahne vom „Angel of Death“ wird dann noch Jeff Hannemann gedacht. Einfach großartig. Erinnert ein bisschen an den Big4 Auftritt vor etwa einem Jahr auf Schalke. Ein würdiger Headliner für diesen Abend.

Samstag:

Der Samstag beginnt für uns mit den brasilianischen Deathern von Krisiun. Die haben einen super Sound und treten voll Arsch. Insgesamt sehr laut ohne dabei matschig zu klingen. Der Sound hat sich insgesamt noch mal ein Stück zum Vortag gesteigert. Schade, dass das nicht von Anfang an so war. Technisch einwandfrei und mit großem Enthusiasmus überzeugt die Band.

Danach lassen wir es etwas ruhiger angehen und checken die Merch-Stände aus. Insgesamt ein überschaubares Angebot an Shops mit relativ wenig Andrang. Leider ist auch die just erschienene neue Amon Amarth CD auf dem gesamten Gelände nicht zu bekommen. Die Stimmung unter den Händlern scheint auch nicht so berauschend zu sein. Das habe ich schon besser erlebt. Was die Verpflegung mit Essen und Trinken angeht, kann man sich allerdings nicht beklagen. Alles ist ausreichend und in verschiedenen Variationen zu festivalüblichen Preisen zu erhalten.

Aber zurück zu den Bands. Turisas machen eine solide Show und bauen auf die neueren hymnischeren Sachen und lassen ein wenig die Spielfreude vermissen. Auch die viel zu langen Ansagen machen den Auftritt nicht gerade zu einem Highlight.

Ganz im Gegenteil dazu treten Kvelertak sehr engagiert und überzeugend auf. Denen merkt man den Spaß an der Sache deutlich an. Auch musikalisch wissen die Norweger zu punkten. Mit ihrer Mischung aus Hardcore Punk, folkloristischen Elementen und klassischem Heavy Metal sorgen sie für ordentliche Bewegung im Publikum.

Jari Mäenpää wird von seinen Fans enthusiastisch mit „Jari, Jari“ Rufen begrüßt als er mit Wintersun auf die Bühne geht. Was folgt ist ein typischer Auftritt mit den gewohnt langen und epischen Songs. Dabei halten sich neue und alte Songs ungefähr die Waage. Die Zuschauer lauschen mehr oder weniger andächtig und recken von Zeit zu Zeit die Arme in die Luft. Richtig Bewegung kommt im Publikum nicht auf. Dafür sind die Songs dann doch etwas zu langatmig. Nichts desto trotz gibt es an der Leistung der Band nichts zu meckern.

Bei Biff Byford schwingt wohl noch so manche Erinnerung mit als er die Bühne betritt. Immerhin waren Saxon vor mehr als dreißig Jahren zum ersten Mal hier auf der Loreley. Und auch einige der Zuschauer können sich anscheinend noch daran erinnern als die Briten ein paar Songs vom damaligen Gig spielen. Aber auch die Songs vom neuen Album, allen voran das etwas folkige „Made in Belfast“ wird abgefeiert. Auf jeden Fall kommen sowohl die grauhaarigen Mähnen wie auch die jungen Zuschauer voll auf ihre Kosten. Am meisten beeindruckt mich allerdings der kleine Circle Pit, der sich an der linken Seite der Arena gebildet hat und wo es über Stufen und Bänke geht.

Für viele sind anscheinend Saxon der Headliner des Abends, denn nach dem Gig wird es doch etwas leerer, als Subway To Sally die Bühne betreten und mit ihrer optisch sehr ansprechenden Show beginnen. Diverse Pyro-Einlagen direkt zu Anfang des Gigs sorgen sofort für eine ganz besondere Stimmung im Publikum. Auch die Spielleute um Frontman Eric Fish machen eine gute Figur. Mit ihrer sehr ausgewogenen Setlist haben Subway To Sally auch ihre Fans im Nu im Griff. Insgesamt deutlich besser als noch vor einem Jahr auf dem Summer Breeze Festival. Und so geht das Festival dann mit „Julia und die Räuber“ um kurz nach 24:00 Uhr zu Ende.

Fazit:

Man hat deutlich gemerkt, dass der Veranstalter die Kritik des letzten Jahres ernst genommen hat und viele Verbesserungen umgesetzt hat. Das Festival wirkte in diesem Jahr viel organisierter, durchdachter und damit auch entspannter. Der Wegfall der zweiten Bühne hat sich ebenfalls als eine gute Entscheidung herausgestellt. Und die Bands haben alle durchweg einen guten Job gemacht, auch wenn nicht jeder Gig zu 100% überzeugend war. Einen Totalausfall gab es gar nicht. Negativ anzumerken ist allerdings der absolut unterirdische Sound am Donnerstagnachmittag. Auf jeden Fall hat sich der Besuch gelohnt. Und der Termin für das nächste Jahr (19.06.-21.06.2014) ist auch schon wieder in den Kalender eingetragen!

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