Donnerstag:

Nach einer stressfreien und unkomplizierten Anreise kommen wir gegen Mittag auf der Loreley an. Glücklicherweise haben wir uns, wie auch im vergangenen Jahr, wieder in der Loreley Herberge einquartiert. Die ist zwar etwas teurer als normales Camping, aber so erspart man sich die 15,-€ Parkgebühr und den Müllpfand, sowie das lästige Zeltaufbauen. Außerdem ist man deutlich näher dran an der Bühne.

Nach dem Einrichten des Zimmers, dem Begrüßen der alten Bekannten und dem Bändchen abholen geht es dann direkt auf das Gelände, wo sich Zodiac bereits anschicken, die Besucher mit ihrer Mischung aus 70s Retro Rock, Stoner und Doom zu begeistern. Das gelingt für den Anfang schon mal ganz gut, und das Rund füllt sich langsam. Weiter geht es mit den Thrashern von Fueled By Fire. Musikalisch erinnern die Jungs ein wenig an die alten Sodom-Sachen. Dabei rockt die Band ordentlich ab und sorgt bereits jetzt für einige geschwungene Matten.

Nun machen wir einen kleinen Abstecher zur Newcomer-Bühne, die es nach einjähriger Unterbrechung wieder gibt. Die Bühne befindet sich in diesem Jahr allerdings nicht, wie vor zwei Jahren, in einem miefigen Zelt, sondern auf einer ordentlichen Open Air-Bühne. Hier findet allabendlich dann auch das Public Viewing der Fußballspiele statt. Ein wenig verwirrend ist, dass die Newcomer-Bühne in diesem Jahr außerhalb des Hauptgeländes steht. Einerseits ärgerlich für die Bands, andererseits aber auch gut für die Fans, die hier ihre Getränke selbst mitbringen können oder auch ohne Bändchen in den Genuss von ehrlichem Metal kommen können. Außerdem ist die Bühne sehr präsent direkt am Eingang zur Arena positioniert, sodass vielleicht der ein oder andere Festivalbesucher stehen bleibt.

Und hier stehen am frühen Nachmittag die Black Metaller Obscura Religio auf den Brettern und liefern eine solide Show ab. Mit ihrem ein wenig an Nachtblut erinnernden Sound sorgen sie bei den noch wenigen Zuschauern für gute Stimmung und scheinen Spaß zu haben. Leider klingt der Sound etwas dumpf und zwischenzeitlich gibt es Probleme mit einem Mikro. Weiter geht es mit den Death Metallern von God Complex. Der Sechser aus Düsseldorf vereint in seiner Musik verschiedene Elemente aus Death, Thrash und Black Metal. Auch hier hat sich der Sound nur mäßig verbessert. Nichtsdestotrotz liefern die Jungs eine energiegeladene Show ab und hinterlassen einen positiven Eindruck. Helgrindur bringen die Metaller vor der Bühne dann mit einer ordentlichen Portion Pagan Metal in Bewegung. Bei den an alte Varg-Songs erinnernden Liedern geht es vor der Bühne gut ab. Leider kann die Band aber bis auf ihre eigenen eingefleischten Fans kaum „Laufkundschaft“ vor die Bühne ziehen.

Parallel dazu zocken auf der Hauptbühne Battle Beast, die mit ihrer Leadsängerin Noora Louhimo einen echten Blickfang mit dabeihaben. Mit Rock und blauer Korsage hat sie die deutlich gewachsene Zuschauermenge gut im Griff. Auch die „Noch ein Bier“-Spielchen, die man sonst nur von Sabaton-Shouter Joakim Brodén kennt, meistert sie spielend. So klatscht das Publikum bei „Kingdom“ begeistert mit und fällt auch nicht auf die Finte herein, als Louhimo plötzlich „99 Luftballons“ anstelle von „Black Ninja“ ankündigt. Und so geht ein kraftvoller Auftritt stimmungsvoll zu Ende. Zur Pausenuntermalung gönnen wir uns dann noch eine Runde Melo Death auf der Newcomer-Bühne. Es spielen Horrizon, die mit gutem Sound und starken Kompositionen überzeugen können. Auffallend sind die teils hohen, coolen Screams des Sängers. Auch die Crematory-Einflüsse, die man durchaus heraushören kann, tragen zu einem gelungenen Gesamtbild bei.

Als Nächstes stehen bei uns die Mittelalter-Rocker Saltatio Mortis auf dem Programm. Und diese bieten vom Start weg einen sehr kraftvollen Auftritt, ohne die sonst üblichen Songs zum Warmwerden. Wie auch bereits auf der Tour im Frühjahr, ist Sänger Alea von Anfang an voll da und heizt das Publikum an. Und das dankt es ihm mit Klatschen, Hüpfen und Singen. Auch die restlichen Totentänzer, allen voran Lasterbalk der Lästerliche und Luzi das L, scheinen bestens gelaunt und haben das Rund schnell um den Finger gewickelt. Der Sound lässt nichts zu wünschen übrig und wenn auch die Songauswahl sehr vorhersehbar ist, so macht es dennoch enormen Spaß mit den Jungs zu feiern. Richtig Stimmung kommt natürlich bei „Eulenspiegel“ auf, das euphorisch mitgesungen wird. Und auch der obligatorische „Spielmannsschwur“ am Ende wird anständig zelebriert. Insgesamt ein guter Auftritt, der mal wieder Spaß gemacht hat, und auch dieses Mal wird Alea bei „Falsche Freunde“ unfallfrei durchs Rund getragen.

Phil Anselmo hat dann ziemliches Pech mit dem Wetter. Denn pünktlich zu Beginn seines Sets öffnet der Himmel seine Schleusen, und es beginnt zu schütten wie aus Eimern. Das nehmen natürlich nicht wenige Fans zum Anlass, von der Bühne zu flüchten. Gerade zumal Phil Anselmo musikalisch nicht so ganz in das heutige Billing passt. Dennoch macht er mit seinen Illegals eine gute Show, die allerdings ein wenig mehr in den Arsch treten könnte. Außerdem hätten es ein paar mehr Pantera-Sachen sein dürfen. Den Fans gefällt es trotzdem, und so verlässt Anselmo nach einer guten Stunde unter lautem Jubel die Bühne.

Nur wenige Bands polarisieren derzeit so wie Sabaton. Für die einen ist es nichts sagender und simpel gestrickter „Schlager“-Metal. Für die anderen sind Sabaton der neue Stern am Powermetal-Himmel. Eines ist jedoch unbestritten. Wenn die Schweden live auftreten, wird es laut und ekstatisch. Die Pyros knallen an allen Ecken und die Flammenwerfer laufen heiß. So auch heute auf der Loreley. Und als besonderes Schmankerl auf der Bühne haben Sabaton ihren Fans eine Panzerattrappe als Drum-Riser mitgebracht, aus der immer wieder Feuersäulen hochsteigen. Dahinter hängt das Back-Drop vom aktuellen Album. Insgesamt also ein ziemlich imposantes Bühnenbild. Und als Sabaton dann zum üblichen „The Final Countdown“/“The March to War“-Intro auf die Bühne kommen und den Fans mit „Ghost Division“ schon mal richtig Dampf machen, recken sich ihnen sicher einige Tausend Pommesgabeln entgegen. Bei dem dann folgenden „To Hell and Back“ ist die Masse dann schon auf Betriebstemperatur, und springt und klatscht, was das Zeug hält. Obwohl der Sound nicht überragend ist und etwas wummernd aus den Boxen kommt, scheint es den Anwesenden zu gefallen, und so werden auch die folgenden Songs richtig abgefeiert. Neben den zwei neuen Songs „Resist and Bite“ und „Soldier of three armies“ werden natürlich auch Klassiker wie „Screaming Eagles“, „Attero Dominatus“ und „The Price of a Mile“ zum Besten gegeben. Alles in allem also eine sehr ausgewogene Setlist. Und natürlich darf auch das übliche „Noch ein Bier“-Spielchen nicht fehlen. Und weil das so gut klappt, wird kurzerhand „Gott mit uns“ in „Noch ein Bier“ umbenannt. Wie man das findet, darüber darf jeder selbst urteilen. Im Zugabenblock holt man mit „Primo Victoria“ und „Metal Crüe“ noch mal zwei Klassiker aus der Zauberkiste und verabschiedet das Publikum damit standesgemäß. Ganz sicher in Erinnerung behalten wird diesen Gig der kleine Junge, der beim letzten Song mit auf der Bühne stehen durfte. Obwohl es so wirkte, als wüsste er gar nicht so genau, wie ihm geschieht. Was soll man nun vom heutigen Auftritt halten? Das Ganze wirkt etwas zu statisch, einstudiert und wenig authentisch. Und spielerisch scheint die Band heute auch nicht so ganz auf der Höhe zu sein. Das können die Jungs eigentlich deutlich besser. Vielleicht wurde doch etwas zu viel Wert auf die Show gelegt wird, sodass die Musik darunter litt.

Freitag:

Der Freitag hat bereits sehr früh eine kleine Perle zu bieten, denn die Ruhrpott-Originale Gloryful stehen auf der Bühne. Die ambitionierten Musiker machen schnörkellosen und straighten Power Metal, und sind eine der Neuentdeckungen des Jahres 2013. Leider ist um diese Uhrzeit noch nicht sehr viel los vor der Bühne. Aber das stört die Band in keinster Weise. Sie spielen tight ihr Set runter, und wirken dabei sehr authentisch, und legen eine unglaubliche Spielfreude an den Tag. Sänger Johnny La Bomba interagiert gut mit dem Publikum, und es bleibt sogar noch Zeit für ein paar Witzeleien. Da macht es dann auch nichts mehr aus, dass es beim abschließenden „Warriors Code“ ein paar Probleme mit der Gitarre gibt. Klasse Auftritt, weiter so. Auch wenn Wizard der ganz große Durchbruch bisher verwehrt blieb, so haben sich die Jungs in den vergangenen 25 Jahren doch eine beachtliche Fan-Base erspielt. Und die geht auch schon ab, als die Band mit ihrem Manowar-meets-Grave Digger-Metal auf die Bühne kommt. Wie bereits zuvor bei Gloryful kommt auch hier der Sound kraftvoll aus den Boxen und ist gut ausgesteuert. So macht es echt Spaß, den Jungs zuzuschauen. Höhepunkt des Gigs ist „Defenders auf Metal“, welches Sänger Sven D’Anna zu einem kleinen Ausflug in den Bühnengraben nutzt, um die Leute zum Mitsingen zu animieren. Hier machen tatsächlich noch mal alle mit.

Als wir dann den Sänger auf der Newcomer-Bühne sehen, glauben wir zunächst, dass der sich im Festival geirrt habe. Denn mit seiner Maske erinnert Munarheim-Fronter Pascal Pfannenschmidt im ersten Moment doch etwas an einen gewissen Rapper aus Stuttgart. Aber diese Zweifel zerstreuen sich sehr schnell. Denn mit Rap hat diese Mischung aus Folk und symphonischen Black wahrlich nichts zu tun. Und auch wenn diese Musikrichtung vielleicht etwas gewagt ist, so hat der Auftritt doch gefallen. Die keifigen Screams wechseln sich mit schönem Clean-Gesang ab, und werden gekonnt in ein fettes Klang-Gewand, bei dem sogar Querflöte und Akustik-Gitarre helfen, eingebettet. Das gefällt auch den Leuten vor der Bühne, die schon mal kräftig die Rüben schütteln. Insgesamt ist der Auftritt gut besucht. Der Auftritt von Asenblut avanciert dann wohl zum besten auf der Newcomer-Bühne. Stilistisch ist die Band nicht so ganz einfach einzuordnen. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als “German Blackened Thrash Metal”. Es finden sich aber auch immer wieder Einflüsse aus dem Pagan Metal. Ein wenig erinnern sie an die alten Varg: Geradeaus, hart und ohne Kompromisse. Und so wundert es auch nicht, dass es vor der Bühne gut abgeht. Schade nur, dass die Band hier und da immer wieder mit Soundproblemen zu kämpfen hat. Aber wenn die so weitermachen, werden sie bestimmt auch bald auf den großen Bühnen der Republik zu finden sein.

Als Kontrastprogramm dazu gibt sich auf der Hauptbühne Altmeister Chris Boltendahl mit Grave Digger die Ehre. Und der scheint heute mal richtig Bock zu haben. Auf jeden Fall ist er sehr präsent auf der Bühne und geht gut auf das Publikum ein, welches auch gut mitmacht. Auch die restlichen Totengräber sind gut drauf und posen wie nichts Gutes. Bei der Setlist geht man kein Risiko ein und beschränkt sich überwiegend auf Klassiker der Bandgeschichte. Rund die Hälfte der Songs des heutigen Sets ist auf „Tunes of War“ und „Excalibur“ zu finden. Und vom aktuellen Album wird lediglich „Death Angel & The Grave Digger“ dargeboten. Das kommt bestens an, und so sieht man selbst weiter oben im Rund die Leute headbangen und mitgrölen. Nach etwa einer Stunde geht dann dieser starke Auftritt erwartungsgemäß mit „Heavy Metal Breakdown“ zu Ende. So dürfen sich Grave Digger häufiger präsentieren.

Eluveitie haben dann leider richtig viel Pech, denn aufgrund eines Stromausfalls auf der Bühne müssen die sympathischen Schweizer ihr Set um ca. 20 Minuten kürzen. Das hat zur Folge, dass die übrig gebliebenen Songs mit einer enormen Dynamik unters Volk gepfeffert werden. Auf langwierige Ansagen und Geschwafel wird verzichtet. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die Energie aus 60 Minuten einfach in 40 Minuten gepresst wird. Vor der Bühne geht es jetzt richtig ab, und Klassiker wie „Inis Mona“ und „Thousandfold“ explodieren geradezu im Publikum. Dazu schweben von Song zu Song immer mehr Crowdsurfer das Amphitheater hinunter. Und mit denen wird, gerade gegen Ende des Gigs, nicht mehr unbedingt zimperlich umgegangen. Etwas ruhiger wird es nur, als Anna Murphy „A Rose for Epona“ in einer schönen und gekonnt ausgeführten Solo-Version vorträgt. Zum Ende des Gigs bleibt dann aber doch noch Zeit, um den Song „King“ vom neuen Album vorzustellen und einen starken Auftritt abzuschließen.

Es folgt die ultimative Metal-Messe mit Vater Attila Dorn, der mit seinen Jungs von Powerwolf die Arena in einen Hexenkessel verwandelt. Die Ränge sind gut gefüllt, und bis zum oberen Rand der Arena wird mitgefeiert. Bei Songs wie „Coleus Sanctus“ oder „Aman and Attack“ ist hier stimmungsmäßig gefühlt sogar noch mehr los als am Abend zuvor bei Sabaton. Die Gitarristen Matthew und Charles Greywolf sprinten unentwegt von einem Ende der Bühne zum anderen, und auch Tastenmann Falk Maria Schlegel hält es nicht lange nur hinter seiner Orgel. Sogar die sonst eher statischen Ansagen von Sänger Attila Dorn wirken heute etwas frischer. So kündigt er beispielsweise „Resurrection by Errection“ nicht wie üblich mit seinen „Wer hatte heute Morgen eine Latte?“-Spruch an, sondern fragte, wer denn heute Morgen schon einen Kaffe gehabt habe, und erntet dafür einige laute Lacher. Man kann also insgesamt von einem sehr guten Auftritt sprechen, der den Anwesenden viel Spaß macht.

In Extremo liefern dann eine mehr als würdige Headliner-Show ab. Die sieben Vaganten, die seit nunmehr 19 Jahren die Bühnen des Landes unsicher machen, leisten sich auch heute keine Fehltritte. Sänger Michael Rhein ist gut aufgelegt und ist immer wieder für ein Witzchen zu haben. So wird beispielsweise kurzerhand das Lied „Viva la Vida“ in „Viva la Wodka“ umbenannt. Auch was Pyro-Show und Bühnenpräsenz angeht, sind alle Bandmitglieder voll auf der Höhe, sorgen für Begeisterungsstürme im Publikum. Gerade die jüngeren Fans kommen voll auf ihre Kosten. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf den neueren Sachen von „Kunstraub“ und „Sterneneisen“. Die ganze Show ist also einmal mehr sehr rockig ausgerichtet und beinhaltet nur wenige Mittelalter-Elemente. Für Fans der ersten Stunden muss das Ganze allerdings etwas aufgesetzt und zu routiniert wirken. Fast so, als würden die Jungs einfach nur ihr Ding runterspielen. Früher hatten In Extremo-Shows mehr Pfeffer, waren intensiver und vor allem authentischer. Aber so ist das halt, wenn sich die Band musikalisch „weiterentwickelt“. Nichtsdestotrotz wird die Band frenetisch von der gut gefüllten Arena abgefeiert. Und so geht auch der zweite Festivaltag versöhnlich zu Ende.

Bevor wir uns aber in die Kojen verkriechen, wandern wir noch ein wenig über den Zeltplatz. Hier fällt auf, dass anscheinend nicht viel Rücksicht auf Rettungswege genommen wurde. Auf jeden Fall muss man extrem aufpassen, dass man nicht über Zeltschnüre oder andere herumliegende Gegenstände stolpert. Der Zeltplatz ist dunkel und nicht beleuchtet. Was uns aber neugierig macht, ist der laute Blasmusikklang, der aus einem gut beleuchteten Pavilion herüberschallt. Als wir näher kommen, sehen wir dann eine kleine Gruppe Musiker, die mit Posaune, Trompete, Sousaphon und Schlagzeug bekannte Rock- und Popsongs nachspielen. Die umstehenden Zuschauer sind total begeistert und feiern die Truppe ab. Auf Nachfragen erfahren wir, dass es sich dabei um die Gasseputzer aus Andernach handelt. Eine witzige Sache, die im Gegensatz zu den instrumentalisierten Blaskapellen auf anderen Festivals wie Wacken und Summerbreeze, eine willkommene Abwechslung und zusätzliche Gaudi bieten.

Samstag:

Der letzte Festivaltag beginnt mit einer geballten Ladung Thrash Metal, denn auf der Newcomer-Bühne eröffnen Final Depravity aus dem Ruhrgebiet den letzten Teil des Metalfestes. Und die geben direkt mal so richtig Gas. Und das in einer Lautstärke, die selbst noch im oberen Bereich des Amphitheaters zu hören ist. Das muss wohl die lauteste Band der Newcomer-Bühne sein. Musikalisch bietet man zwar einfache, ehrliche Kost, aber das ist um diese Uhrzeit auch absolut in Ordnung. Auf der Hauptbühne machen sie derweil Brainstorm bereit, die Meute zu beglücken. Irgendwie merkt man schon, dass den Festivalbesuchern die vergangenen zwei Tage in den Knochen stecken, denn alle wirken noch etwas bewegungsmüde. Dennoch ist die Stimmung gut, und am Ende des soliden Gigs lässt sich das Publikum sogar noch zu einem Mitsing-Trällerchen hinreißen. Soweit ganz ok. Ganz und gar nicht müde sind Tankard. Gerre ist mal wieder agil wie eh und je, und geht sofort in die Interaktion mit dem Publikum. Nach seiner Weight Watchers-Diät scheint der Frankfurter zwar wieder etwas zugelegt zu haben, das scheint ihn aber in keinster Weise einzuschränken. Bei Stimmungskanonen wie „The Morning After“ oder „A girl called Cerveza“ kommen die Fans der Partyfraktion voll auf ihre Kosten. Der Funken springt auch sofort auf das Publikum über und die Stimmung ist bombig. Dass Gerre sich dann auch noch zwei hübsche Mädels auf die Bühne holt, welche sich auch gleich an der Band-Bierkiste bedienen dürfen, zeigt, wie nah die Jungs den Fans geblieben sind. Und auch seine Ansage: „32 Jahre Tankard, 32 Jahre kein Erfolg. Vielen Dank, dass ihr dabei wart!“ sorgt für zusätzliche Erheiterung. Auch später bei der Autogrammstunde gibt’s noch mal Küsschen für die Fans. Und ins Bier wurde definitiv auch nicht gespuckt. Eine richtig schöne Sache, vor allem, da Tankard mehr oder weniger die einzige Band für die Party-Fraktion an diesem Wochenende ist. Grand Magus scheinen hier heute etwas fehl am Platze, denn das Rund leert sich bedenklich, nachdem Gerre und Co. die Bühne verlassen haben. Schade eigentlich, sind doch JB, Fox und Ludwig bekannt für ihren einzigartigen Sound und ihre unnachahmlichen Songs. Aber davon lässt sich das Trio nicht beeindrucken und zieht souverän und eindrucksvoll ihr Programm durch. Und so wundert es nicht, dass ihnen bald einige hundert Pommesgabeln entgegen gestreckt werden. Sicherlich kommt die Stimmung einer Grand Magus-Show in den Abendstunden noch einmal ganz anders zu Geltung, aber auch im prallen Sonnenschein macht die Band ihre Sache gut, und lässt den Zuhörer tief in ihre musikalische Welt fallen. Höhepunkt ist natürlich der letzte Song „Hammer of the North“ aus dem gleichnamigen Album von 2010. Starker Auftritt, der mehr Zuschauer verdient hätte.

Ein Death Metal-Brett allererster Güte liefern dann Kataklysm ab. Die Kanadier sind definitiv die härteste Band auf der Hauptbühne. Die Fans finden es jedenfalls klasse, und lassen sofort nach dem Intro die Matten fliegen. Eine Blast Beat-Attacke jagt die nächste, und Nackenbrecher wie „As I slither“ oder „Cripled and broken“ werden gnadenlos abgefeiert. Durch die etwas übersteuerten Drums wirkt der Auftritt sogar noch wuchtiger, und die Hartwurstfraktion ist bestens bedient. Davon könnte es ruhig noch etwas mehr geben. Ein Garant für gute Stimmung sind Ensiferum. Das merkt man auch heute wieder. Die Finnen starten mit „In my sword I trust“ in ihren Gig und haben das Publikum sofort in der Hand. Die kurzen und knackigen Ansagen fügen sich gut ein, und so wird es zu keinem Zeitpunkt des Sets langweilig. Einen ersten Höhepunkt erreicht der Auftritt dann mit „Lai Lai Hei“, was enthusiastisch mitgesungen wird. Außerdem fällt auf, dass Chef-Fell-Drescher Janna Parvainen heute anscheinend sehr gut gefrühstückt hat. Auf jeden Fall knüppelt er wie ein Irrer auf seine Drums rum. Abwechslung bringt dann das Iron Maiden-Cover „Wratchild“, welches die Band mal von einer etwas anderen Seite zeigt. Auch die obligatorische Ballade „Burning Leaves“ darf natürlich nicht fehlen, bevor der Auftritt mit „Iron“ beendet wird und somit auch noch was für Fans der älteren Scheiben bietet. Insgesamt ein super Auftritt mit ausgewogener Playlist und hohem Mitmach-Faktor. Die neuen Partylöwen der Metalszene scheinen Steel Panther zu heißen. Man fühlt sich irgendwie tief in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückversetzt, als die Band um Sänger Michael Starr in ihrem Glam/Hair Metal-Outfit auf die Bühne kommt. Auch musikalisch ist das jetzt nichts Neues. Und dennoch kann man nicht anders als mit dem Kopf zu nicken, als der erste Song „Pussywhipped“ aus den Boxen knallt. Dem restlichen Publikum scheint es genauso zu gehen, denn überall sieht man Pommesgabeln und schwingende Matten. Ganz besonders die Damenwelt, die in der ersten Reihe stolz und leicht bekleidet ihre Rundungen zeigt, ist von den Amis total begeistert. Später dürfen die Damen dann sogar noch auf die Bühne und mit ihren Helden zusammen tanzen und singen. Auch im weiteren Verlauf des Auftritts versprühen Steel Panther Partystimmung pur. Mit Song-Titeln wie „Gloryhole“ oder „Asian Hooker“ sorgen die Jungs für so manches Schmunzeln im Publikum, und bewegen sich hart an der Grenze der Geschmacklosigkeit. Aber daran stört sich hier nun wirklich niemand, und so werden die Songs aus vollem Halse mitgesungen und eine Riesenparty gefeiert. Auch wenn es vielleicht nicht jedermanns Sache ist, so liefern Steel Panther heute doch eine gute Show ab.

So, und dann müssen wir uns auch schon beeilen, damit wir noch pünktlich zum Anpfiff vor die Leinwand kommen. Denn Jogis Jungs müssen gegen Ghana ran. Schade natürlich für die Black Label Society, die parallel zum Spiel auf der Hauptbühne spielt. Nach dem Spiel wird uns aber berichtet, dass Blacky und Co. eine ganz ordentliche Show abgeliefert haben. Last but not least gibt es dann noch einmal Original Ruhrpott Thrash. Die bereits am Nachmittag aufgebauten Pyro-Effekte lassen schon so einiges erahnen, als wir einen ersten Blick auf die in blau-rotes Licht gehüllte Bühne werfen. Im Hintergrund erhebt sich das „Phantom Antichrist“-Backdrop, und davor ist ein gigantischer Drum-Riser aufgebaut. Außerdem insgesamt vier Mikros. Und das bei nur einem Sänger. Und dann geht es endlich los. Mille und seine Mannen von Kreator betreten die Bühne und holzen mit „Phantom Antichrist“ direkt einen Knaller raus. Dazu wird schon kräftig Feuerwerk und Rauch versprüht. Der Sound kommt astrein und klar aus den Boxen, und Kreator scheinen heute gut drauf zu sein. So nach und nach füllt sich die Arena auch wieder mit den Leuten, die von der Leinwand herüberströmen. Ein paar hundert Fans haben die lustige Idee, grüne Knicklichter auf die Bühne zu werfen. Witziges Bild. Die Band nimmt es gelassen und pfeffert das ein oder andere Knicklicht kurzum wieder ins Publikum zurück. Im Programm geht es dann mit einer guten Mischung aus alten und neuen Songs weiter, was dem Publikum insgesamt gut gefällt. Und spätestens als Mille aus vollem Halse kreischt: „Are you ready to raise the flag of hate?“ sind sowieso alle rundum glücklich. Und nach „Tormentor“ ist dann auch schon Schluss.

Fazit:

Insgesamt war das Metalfest mal wieder eine Reise wert. Die Location ist einfach der Hammer und mit einer der wichtigsten Gründe wieder zu kommen. Das Line-Up hätte etwas vielfältiger sein könnte. Gerade die Black Metal-Fraktion kam, zumindest auf der Hauptbühne, in diesem Jahr gar nicht zum Zuge. Außerdem fehlte es ein wenig an bierseligen Bands wie zum Beispiel Tankard. Im Ganzen war das Billing sehr powermetallastig. Essen und Trinken gab es zu den festivalüblichen Preisen und in reichhaltiger Auswahl. Nicht wirklich günstig, aber auch nicht überteuert. Dass man die Preisstruktur hier nicht mit einem 1000-Zuschauer-Festival vergleichen kann, dürfte wohl jedem klar sein. Auch sonst war alles gut organisiert. Einlass- und Bühnenzeiten wurden weitestgehend eingehalten, und die Security war professionell, aber auch bestimmt, wenn es darauf ankam. Probleme gab es aber wohl beim Müllpfand und dem Parken. So wurden bei Anreise schon mal fünfzehn Euro für das Parken verlangt. Dies wurde im Vorfeld so leider nicht kommuniziert und führte daher zu Missverständnissen. Außerdem musste ein Müllpfand in Höhe von zehn Euro entrichtet werden, den es nur zurück gab, wenn der Sack mindestens zu drei Vierteln gefüllt ist. Das ist blöde für jeden umweltbewussten Metal-Fan, der versucht, Müll zu vermeiden. Hier muss definitiv nachgebessert werden.

Aber auf jeden Fall steht das Metalfest für uns schon jetzt wieder auf der Liste für 2015.

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