Letztes Jahr lief das Festival noch unter dem Namen Legacy Fest, für 2010 hat Rock The Nations die Veranstaltung unter ihre Fittiche genommen und hält gleichzeitig in Österreich und der Schweiz drei Festivals mit nahezu identischem Bandaufgebot zu einem unschlagbaren Preis ab. Das waren mehr als genug Gründe für OsnaMetal.de mal auf der deutschen Ausgabe des Festivals in Dessau vorbei zu schauen.

Mittwoch, 12. Mai

Als wir am Mittwoch eintrafen ließ die Öffnung der Tore des Zeltplatzes noch gut 40 Minuten auf sich warten, Zeit um das erste Bier zu öffnen. An der Einfahrt wurde jedes Auto genauestens durchsucht, nicht wenige wurden komplett ausgeräumt. Teilweise soll die Security, neben den ohnehin verbotenen Glasflaschen, auch Aspirin und ärztlich verordnete Mittel konfisziert haben. Die Maßnahme ist nun wirklich übertrieben.

Nachdem man es irgendwie geschafft hatte, bei starkem Wind sein Zelt aufzubauen, wurde es Zeit für mehr Bier und das Genießen der wenigen Sonnenstrahlen, es sollten die letzten des Festivals sein.

Als erste Band des Warm-Up Abends standen Moshquito im Hangar auf der Bühne, die von mir aber verpasst wurden. Die austro-bavarischen Wurschtcoreler Ultrawurscht standen als zweite auf dem Programm. Leider war der Sound im Hangar, auch an den folgenden Tagen, so schlecht, dass man nichtmal die Ansagen des Drummers (!) verstehen konnte. Die Band zog dennoch ihre Show souverän durch und machte danach Platz für die Grailknights.

Die Hannoveraner Superhelden präsentierten eine aus Zeitgründen deutlich abgespeckte Version ihrer Show, inklusiver neuer Kostüme und Frisuren, denn, von Lord Lightbringer mal abgesehen, trägt nun die ganze Band einen modischen Kurzhaarschnitt. Dennoch kochte die Stimmung, die Menge beteiligte sich ausgiebig an jeder Form von Mitsingspielchen, der Sound wurde besser und am Ende waren alle zufrieden.

Leider schaffen es Milking The Goatmachine mit ihrem Goateburger Goatgrind nicht mehr so ganz das Niveau zu halten, und auch der Sound ist wieder alles andere als gut. Da noch drei harte Festivaltage anstanden, begaben ich und viele andere Anwesende sich lieber zu Bett. Aber Respekt an den singenden Drummer, gleichzeitig blasten und growlen schaffen nur wenige!

Donnerstag, 13. Mai

Nach einer saukalten Nacht zeigt sich das Wetter am Donnerstag auch eher von seiner grauen Seite, zudem ist es mit knapp 12°C und starkem Wind auch alles andere als angenehm draußen. Aus diesem Grund zieht es mich auch zuerst in den Hangar, in dem die Blomberger old-school-Thrasher Mania ihr Set 15 Minuten zu früh begannen, dafür aber ihr bestes gaben, die Halle dem Erdboden gleich zu machen.

Parallel spielten jedoch die Schweden Enforcer, deswegen ging es nach dem vorletzten Song von Mania zum ersten Mal zur Hauptbühne, nur um fest zu stellen, dass man die Band schonmal besser gesehen hat. Auf der großen Bühne wirkten die Jungspunde reichlich verloren und Fronter Olofs Stimme war ein wenig angeschlagen. Musikalisch war dennoch alles top, und auch der Sound war annehmbar.

Während einer Shoppingtour durch die Merchstände machten Saltatio Mortis auf der Hauptbühne eine gute Figur und wurden ordentlich abgefeiert, litten jedoch unter schlechtem Sound.

Die gleichzeitig spielenden Thulcandra entsprachen da schon eher meinem Geschmack, aber auch hier war der Sound so schlecht, dass die Drums alle anderen Instrumente soweit übertönten, dass ich mich doch lieber auf den Campingplatz zum Bier zurückzog.

Aber dann kamen Nevermore. Leider Gottes gab es für die vier gutgelaunten Clowns aus Seattle nur um die 30 Minuten Spielzeit, was eine Schande ist. Und zudem, ich muss es eigentlich auch nicht mehr erwähnen, wieder einmal Soundprobleme, bei denen das Mikro mehr als einmal ein kleines Päuschen zwischendurch machte. Davon abgesehen bot die Band aber eine gute Show inklusive einiger neuer Stücke vom aktuellem Album “The Obsidian Conspiracy”.

Bei Korpiklaani war die Stimmung dann wieder gepflegt ausgelassen, und die Saufhymnen der Finnen wurden frenetisch mitgesungen, während in den ersten Reihen richtig Party gemacht wurde und die ersten Crowd Surfer die Security im Fotograben auf Trab hielten.

Legion Of The Damned hat vermutlich jeder schonmal gesehen, der in den letzten fünf Jahren auf einem Festival war. Bei der Masse an Konzerten, die die Band in den letzten Jahren runtergerissen hat, ist es auch kein Wunder, dass die vier Holländer ihr Set eher gelangweilt herunterprügelten. Lediglich die Setlist mit dem Schwerpunkt auf dem “Malevolent Rapture”-Album von 2006 und eine feine Pyro-Show boten einige Überraschungen. Anständiger aber nicht wirklich guter Auftritt, vielleicht sollten die Herren sich mal eine Gigpause gönnen, dann klappts auch wieder mit der Spielfreude…

Garantiert keine Pause brauchen hingegen Bolt Thrower. Mit dem besten Sound des Tages feuerte die perfekt eingespielte Band eine Death Metal-Granate nach der anderen ins Publikum. Vor der Bühne wurde gebangt was das Zeug hielt, da spürte auch keiner mehr die Kälte.

Auf Steelwing, die angeblich neuen “Iron Priest” und Gewinner des letztjährigen Newcomer-Contests von Rock The Nations, war ich zu später Stunde noch sehr gespannt, doch auch hier machte der extrem miese Sound vieles zunichte, und dann fiel direkt beim ersten Song noch die Gitarre von Alex Vega aus. Als sein Kollege Robby dann sein Solo mehr schlecht als recht zuende brachte, entschied ich mich doch fürs Schlafen Gehen. Bei 3°C im Zelt schlafen, ist eine ganz besondere Erfahrung…

Freitag, 14. Mai

Der nächste Tag sollte für mich mit den polnischen Death Metal-Veteranen Vader beginnen. Das dachten sich offenbar jede Menge Leute, und schon war der Eingang zum Festivalgelände verstopft, sodass ich nur noch die letzten vier (eher dreieinhalb) Songs des mit 40 Minuten ohnehin schon zu kurzen Auftrittes zu hören bekam. Diese vier hatten es jedoch derbe in sich. Der Sound war gut und die Band noch besser drauf.

Da mittlerweile auch Regen eingesetzt hatte, der die nächsten 24 Stunden nicht aufhören sollte, begab ich mich in den Hangar, wo gerade die Black Metaller von High Rise Fall, eine der 35 (!) Newcomer-Bands spielte. Zwar machte der Sound einiges zunichte, aber die Band ging ab wie Nachbars Lumpi. Wenn man zwischendruch etwas hören konnte, dann klang das äußerst eigenständig, diese Band sollte man im Auge behalten!!

Weiter gings dann ein paar Stunden und noch mehr Bier später mit Hellish Crossfire. Mehr old-school-Thrash geht nicht mehr! Großartiger Auftritt einer Band von der man hoffentlich noch viel hören wird! Und ja, auch hier war der Sound eher schlecht…

Deicide wirkten jedoch noch gelangweilter als Legion Of The Damned am Tag zuvor, und Glen Bentons Ansagen wie “Fuck Christmas” wirkten so lahm, dass sie nichtmal mehr lustig waren. Also schnell zurück in den Hangar, um noch den letzten Song von Hellish Crossfire mit zu bekommen.

Und weil der Mensch bekanntermaßen nicht zuviel Thrash Metal haben kann, gabs am Abend noch die Bay Area-Legenden Testament obendrauf. Die Truppe hatte den besten Sound des gesamten Festivals und spielte sich durch eine Best Of-Setlist, die mit einigen Überraschungen aufwarten konnte, so fanden Perlen wie “Riding The Snake”, “True Believers” und “D.N.R. (Do Not Resuicate)” ihren Weg in die Ohren der Fans, die es der Band wiederum mit heftigem Headbangen und diversen Moshpits dankte. Ganz großer Sport!

Samstag, 15. Mai

Der Samstag begann für mich mit der ersten Deutschland-Auftritt der polnischen Technical Death Metal-Band Decapitated nach dem schweren Busunfall der Band im Jahr 2007. Drummer Vitek verstarb an den Folgen des Unfalls, und Sänger Covan leidet bis heute an seinen schweren Verletzungen. Kein Wunder, dass, abgesehen von Gitarrist Vogg, keiner der Vor-Unfall-Besetzung mehr dabei war. Vielleicht wäre hier auch der Wechsel des Bandnamens sinnig gewesen… Nichtsdestotrotz bot die Band, die unter dem Motto “From pain to strength” auftrat eine gute Show, bei der die Anwesenden zwar klatschnass wurden, letztendlich aber alle zufrieden waren.

Pünktlich zu Death Angel hörte dann auch der Regen auf. So machen Aktivitäten wie Circle Pits doch gleich viel mehr Spaß. Auch die Band zeigte sich von ihrer besten Seite, und die neuen Mitglieder Damien Sisson (Bass) und Will Carroll (Schlagzeug), die die im vergangenen Jahr gegangenen Gründungsmitglieder Andy Galeon und Dennis Pepa ersetzten, fügten sich gut ins Bandgeschehen ein. Zum Schluss bot die Band noch einen kurzen Einblick ins neue, vorraussichtlich im September erscheinende, Studioalbum, der sehr schnell ausfiel und an Frühwerke der Marke “The Ultra-Violence” erinnerte. Man darf gespannt sein!

Auf die nun folgenden Alestorm wurde aufgrund persönlicher Abneigung und dem dringendem Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme verzichtet. Die brasilianischen Thrash-Legenden Sepultura hatten dann ihr Set auch schon zu einem Drittel durch. Die Band spielte eine gute Mischung aus alten und neuen Songs, wobei zu bemerken war, dass die Songs, die nach Max Cavaleras Ausstieg entstanden, die Stimmung eher sinken ließen, obwohl sie kaum schlechter sind. Insgesamt ein guter Auftritt, beim besten Sound, den eine Band auf der Hauptbühne hatte. Nur Gitarrist Andreas Kisser sollte mal seinen Bühnenoutfit überdenken…

Nach Rafael Piotrowski (Decapitated), Mark Osegueda (Death Angel) und Derrick Green (Sepultura) enterte nun der vierte mit Dreadlocks bestückte Sänger die Bühne – Chris Barnes und Six Feet Under spielten ihr Set noch gelangweilter als Deicide und Legion Of The Damned zusammen und hatten weniger Überraschungen in der Setlist als AC/DC. Dazu kamen noch ein viel zu leiser Sound und ein offenbar defektes Gesangsmikro, das hin und wieder für 20 Sekunden ausfiel. Von einer solchen Band hätte man mehr erwarten können.

Behemoth waren da schon ein ganz anderes Kaliber. Letztes Jahr musste die Band aufgrund eines Sturms, der die Hauptbühne zerlegt hatte noch im Hangar spielen, dieses Jahr bekamen sie dann den Co-Headlinerplatz auf der Mainstage. Würde die Band sich nicht hinter lächerlichen Mikrofonständern voller Hexagramme und anderer furchtbar böser satanischer Symbole verstecken, Fronter Nergal nicht alle zwei Minuten “Bang your head!” brüllen und wäre der Sound gut gewesen, dann wäre dies ein durchaus guter Auftritt geworden. Die Band war gut drauf, die Lichtshow stimmte und die Stimmung war trotz der niedrigen Temparaturen am kochen.

Während die Polen auf der Bühne weiter Satan huldigten, taten dies auch die deutsch-rumänischen Power Metaller Powerwolf. Es handelte sich nicht nur um die Band mit dem besten Sound des ganzen Festivals (im Hangar), sondern auch um eine der unterhaltsamsten. Songs wie “Raise Your Fist, Evangelist” wurden frenetisch abgefeiert und mitgesungen, und die Band zeigte sich überrascht, dass überhaupt jemand gekommen war, um sie zu sehen. Durch kollektives Headbangen erarbeitete sich das Publikum jede Menge “Vielen Dankeschon”s von Sänger Attila Dorn.

Spätestens als die Bathory-Tribute-Band Twilight Of The Gods ihr Set begann wurde klar, dass Behemoth für viele der eigentliche Headliner waren. Und nach dem ersten Song war auch klar wieso: Primordial-Sänger Alan Nemtheanga sprang wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, und fiel dabei mehr als einmal beinahe herunter, nervte mit andauernden “Raise Your Fist”-Sprüchen und bemühte sich redlich, beim Klargesang keinen Ton zu treffen. Wenigstens die Begleitband spielte fehlerfrei, wies dafür aber den Bewegungsradius eines Bierdeckels auf. Kein Wunder, dass sich der Platz vor der Bühne stetig leerte. Die Band beschränkte sich übrigens auf die Spätwerke von Bathory.

Insgesamt ein gutes Festival mit wenigen Macken. Zum einen gab es auf dem Zeltplatz zu wenig Dixis. Die kostenpflichtigen Wassertoiletten waren entgegen der Ankündigung nicht 24 Stunden geöffnet, am Samstag sogar nur vier Stunden lang. Weiterhin wirkten manche Entscheidungen der Security sehr willkürlich, wieso wird einem am Eingang Aspirin weggenommen? Oder ärztlich verordnete Arzneimittel? Wieso darf jemand mit einem “Gegen Nazis”-Patch auf der Kutte das Gelände nicht betreten? Oder jemand mit einem Kiss-Patch? Wieso muss jemand am letzten Festivaltag, nachdem er schon mehrmals die Schleuse zum Festivalgelände passiert hatte auf einmal seinen Mjölnir (Thorshammer) abnehmen, weil es sich um ein Nazi-Symbol handele? Und wenn “Gegen Nazis”, Thorshämmer und Kiss nicht erlaubt sind, wieso durften diese Dinge überall auf den Gelände verkauft werden? Und wieso waren Burzum-Shirts dann nicht verboten? Und wenn man schon so genau kontrolliert, hätte man sich auch mal darum kümmern können, dass nicht andauernd gekifft wird. Merkwürdigkeiten und Frage über Frage, aber ansonsten leistete die Security einen guten Job, trotz absoluten Dreckswetter wurde man freundlich behandelt und man versuchte die Besucherströme an der Besucherschleuse schnell abzuarbeiten. Aber fürs nächste Jahr würde sich eine Verbreiterung des Besuchereinganges empfehlen, damit niemand eine Band verpassen muss, nur weil er etwas zu spät losgegangen ist. Außerdem sollte dringenst am Sound auf den Bühnen gearbeitet werden, vor allem an der Hangar Stage. Auch die Spielzeiten einiger Bands hätten länger sein können, 40 Minuten sind für eine Band wie Vader oder Death Angel einfach zu wenig, und eine Headlinershow sollte mindestens 90 Minuten gehen. Dafür könnte man ja auf ein paar der 35 Newcomerbands verzichten, auch wenn diese eine gute Einnahmequelle für die Veranstalter darstellen, schließlich musste jede Band eine gewisse Menge an Tickets verkaufen, um auf dem Festival spielen zu dürfen. Die Preise für Nahrung und Getränke lagen auf typischem Festivalniveau, mal abgesehen vom McCain-Stand auf dem Capingplatz, 5 € für einen Burger zu verlangen, ist einfach unverschämt. Aber wenigstens wird man nächstes Jahr besseres Wetter haben, die Veranstalter haben schon eine Verschiebung des Termins auf Ende Mai angekündigt.

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