MetallerMontag 06.07.2020: Death Metal CD-Reviews aus dem Jahre 2015

Servus, Grüezi und Hallo zum sechsten MetallerMontag auf Metaller.de! Für die sechste Ausgabe habe ich ein paar Death Metal CD-Reviews aus dem Jahre 2015 aus dem Archiv gekramt.

Inhaltsverzeichnis

MetallerMontag 05.07.2020: Death Metal CD-Reviews aus dem Archiv

MetallerMontag 05.07.2020: Death Metal CD-Reviews aus dem Jahre 2015
MetallerMontag 05.07.2020: Death Metal CD-Reviews aus dem Jahre 2015

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen des Artikels …

Deserted Fear – Kingdom of Worms

Deserted Fear - Kingdom of Worms
Deserted Fear – Kingdom of Worms

Kingdom Of Worms ist das zweite Album der thüringischen Death-Metal-Combo Deserted Fear, die bereits mit ihrem Erstling My Empire in Szenekreisen für einige Aufmerksamkeit gesorgt hat. Dabei ist den drei jungen Musikern kaum anzumerken, dass es sich erst um ihr zweites Album handelt, haben sie doch ihren bereits auf der Vorgängerplatte eindrucksvoll präsentierten Sound konsequent weiterentwickelt. Wer bereits „My Empire“ mochte, wird auch mit dem Nachfolger mehr als glücklich sein.

Deserted Fear – konsequent, gradliniger Death Metal

Deserted Fear setzen auch bei ihrem zweiten Streich auf eine konsequent gradlinige Schiene, liefern klassischen Death-Metal fast ohne elektronische Schnörkel und andere Modeerscheinungen, ohne jedoch zu sehr an Komplexität einzubüßen. Es sind eher die Details im Spiel des Trios, die den ansonsten recht traditionalistischen Old-School-Death-Metal modern und singulär klingen lassen. Diese persönliche Note von Deserted Fear sorgt, auch wenn man oftmals nicht mit dem Finger auf die einzelnen Parts zeigen kann, für eine dichte, bedrohliche Atmosphäre, die sich – mit wenigen Ausnahmen – über die Spiellänge des Albums aufbaut und verstärkt.

Titeltrack „Kingdom Of Worms“ wärmstens zu empfehlen

Abgesehen vom sehr guten, stimmigen Gesamteindruck des Albums sind einige besondere Anspieltipps zu nennen. Freunde von walzendem Brachial-Death-Metal werden mit „With Might And Main“ ihre helle Freude haben, handelt es sich bei diesem Stück doch um eines der härteren des Albums. Der titelgebende Track des Albums ist ebenfalls wärmstens zu empfehlen. Die Band hat sich tatsächlich einen großen Gefallen getan, gerade „Kingdom Of Worms“ als Titeltrack zu wählen, da er alles enthält, was dieses Album so groß macht. Letztendlich gibt es nur ein Lied, dass merklich aus dem stimmigen Gesamtkonzept herausfällt, nämlich „Torn By Hatred“, das mit Akustiksound und deutlich herunter geschraubter Aggressivität eine Art Stilbruch darstellt. Ob dieser gerade eingefleischten Todesmetallern zusagen wird, bleibt abzuwarten, den Gesamteindruck des Albums schmälert er jedoch nicht.

Fazit Deserted Fear – Kingdom of Worms

Wie schon sein Vorgänger ist Kingdom Of Worms ein durchweg gelungenes Album und wird die Band wohl langfristig im vorderen Segment des Genres platzieren. Obwohl Deserted Fear nur wenig Innovationen bietet, brillieren sie mit einem klassischen Stilmix, der sich angenehm vom teilweise casualisiertem Mode-Black-Metal abhebt. Die Kehrseite ist jedoch, dass Kingdom Of Worms in weiten Teilen ein Genrealbum bleibt und außerhalb des harten Kerns der Death-Metal-Fans aufgrund seiner Härte wohl nur wenige Freunde finden wird. Wer jedoch ein Faible für die besonders morbiden und bösen Sounds hat, sollte Kingdom Of Worms nicht verpassen!

Tracklist von Kingdom of Worms

1. Intro
2. Forging Delusions
3. Kingdom Of Worms
4. Call Me Your God
5. Wrath On Your Wound
6. Torn By Hatred
7. The Agony
8. With Might And Main
9. Shattering The Soil
10. Mortal Reign
11. Last Of A Fading Kind

Line-Up Deserted Fear

Manuel Glatter – Vocals, Guitar
Fabian Hildebrandt – Guitar, Bass
Simon Mengs – Drums


Ered – Night of Eternal Doom

Ered - Night of Eternal Doom
Ered – Night of Eternal Doom

Würde man nicht wissen dass es sich bei Ered um eine Band aus Barcelona handelt, hätte ich die Burschen nach dem ersten Durchlauf ihres neuen Langeisens knapp 2800 Km weiter nördlich angesiedelt. Stockholm und Dissection, diese beiden Begriffe schwirren mir ständig durch den Kopf.

Ered – Blastbeatattacken und pechschwarze Vocals

Melodische Gitarren, jedoch fast immer mit hohem Tempo, treffen auf Blastbeatattacken und pechschwarze Vocals. Die Mischung aus Black und Death Metal zieht einen schon beim Opener in seinen Bann, und die Marschrichtung ist klar: Hier werden im Verlauf der nächsten 59 Minuten keine Gefangenen gemacht. Hochgeschwindigkeitssalven wie „Ancient Abominations“ oder „Blackwitch“ hätten auch perfekt auf Marduks „Panzer Division“ gepasst.

Wird das Gaspedal dann mal, zumindest zeitweise, nicht voll durchgedrückt entfalten sich die Twin-Leads besonders gut und es kommt eine Atmosphäre auf, wie sie Dissection nicht besser erzeugen konnte. Die Produktion des Albums weiß zu gefallen und gibt selbst in den chaotischeren Momenten jedem Instrument genug Raum um differenziert wahrgenommen zu werden.

Fazit Ered – Night of Eternal Doom

Ich kann „Night of Eternal Doom“ nur jedem Fan von Bands wie Dissection, Watain, Unanimated oder alten Marduk empfehlen. Ein starker Nackenbrecher der sich z.B. toll im Lineup des Party.San machen würde.

Auch wenn manches Riff vielleicht etwas gleichförmig klingt: ein ganz feines Stück schwarzen Stahls haben die „schwedischen“ Katalanen hier geschmiedet!

Tracklist Night of Eternal Doom

1. Ancient Abominations
2. Ripped >From The Abyss
3. Storms
4. Nocturnal Revelations
5. Night Of Eternal Doom
6. Pestilent Black Fog
7. Blackwitch
8. Dark Temple Congregation
9. Black Coffins And Funeral Curses
10. Eternal Wisdom
11. A Black Mass For Satanas (Mortal Mutilation Cover)

Line-Up Ered

SBE – Guitar
Abyssal – Bass & Vocals
Shogoth – Guitar
Jordi Farré – Drums


Gruesome – Savage Land

Gruesome - Savage Land
Gruesome – Savage Land

Gruesome haben mit ihrem Debüt-Album „Savage Land“ eine Death-Metal-CD geschaffen, die an das Ende der 1980er Jahre erinnert. Auch wenn Gruesome mit „Savage Land“ ihr Debüt feierten, haben alle Bandmitglieder bereits Erfahrung im Business gesammelt. Matt Harvey, ehemaliger Gitarrist und Sänger von „Exhumed“, ist der Kopf der neu gegründeten Band. Des Weiteren setzt sich Gruesome aus ehemaligen Mitgliedern von Malevolent Creation, Possessed sowie Derketa zusammen. Das hört man auch bereits bei der ersten Nummer. Mit „Savage Land“ eröffnet die Combo eine 42 Minuten lange Hommage an den Death Metal der 1980er Jahre.

Eine Mischung aus Metallica und Slayer?

Mit „Trapped in Hell“ geht es auf „Savage Land“ weiter. Und plötzlich glaubt man, dass man die „Reign in Blood“-Meisterscheibe von Slayer in der Anlage hat. „Trapped in Hell“ könnte sehr wohl aus der Feder von Kerry King und Tom Araya stammen. Nach den ersten beiden Nummern sind gerade einmal 9 Minuten vergangen. Man verspürt plötzlich Lust auf noch mehr von Gruesome. „Demonized“ reiht sich gnadenlos an die beiden Vorgänger an. Schnelle Drums, der Kopf nickt automatisch mit; in der Mitte ein wunderbares Gitarren-Soli. Gruesome entführt seinen Zuhörer in eine andere Welt. In eine Welt, in der Slayer noch gute Musik macht, Bon Jovi noch nicht mit „New Jersey“ die Musikwelt verseucht hat und Metallica schwor, niemals sanftere Musik als „Kill em all“ zu produzieren.

Gruesome: Balladen? Fehlanzeige!

Wer ruhige Nummern sucht, ist bei Gruesome falsch. Es folgen „Hideous“ und „Gangrene“. „Closed Casket“ mag aus der Reihe fallen; die Nummer ist wahrlich melodischer als alle anderen, die Gruesome bis jetzt präsentiert hat. Dennoch: Balladen klingen anders. Gruesome vermittelt den Eindruck, gar nicht langsam spielen zu können. Den Fan wird es freuen. Und wer Death Metal mag, wird Gruesome wohl für ihre Hommage an das letzte Jahrhundert lieben. „Psychic Twin“ knallt genauso wie „Gruesome“. Der einzige Nachteil: Wer bereits bei „Gruesome“ gelandet ist, befindet sich schon im Finale.

Schlechte Nummern? Fehlanzeige!

Mit „Land of no Return“ und „Black Magic“ geht „Savage Land“ in das absolute Finale. Jetzt heißt es stark bleiben; nach nur 42 Minuten ist das Album bereits zu Ende. Am Ende sind Gruesome aber noch lange nicht. Die zehn Songs machen deutlich Lust auf mehr der Death Metal-Combo. Und wer Gruesome hört, der merkt sofort, dass es sich dabei um keine Amateur-Musiker handelt, die sich über ihr erstes Werk freuen. Es sind erfahrene Musiker, die den Nerv ihrer Death Metal-Fans treffen.

Fazit Gruesome – Savage Land

Hier gibt es keine Balladen, hier gibt es keine Zeit für Verschnaufpausen. Gruesome brillieren mit ihrem Debüt-Album auf der ganzen Linie. Es gibt wohl kein Death Metal-Album, das in den letzten Jahren derart auf den Spirit der 1980er Jahre hinwies, wie das „Savage Land“ 42 Minuten lang getan hat. Das gibt 10 Death Metal-Punkte der Sonderklasse!

Tracklist Savage Land

1. Savage Land
2. Trapped in Hell
3. Demonized
4. Hideous
5. Gangreene
6. Closed Casket
7. Psychic Twin
8. Gruesome

„Deluxe Version“ zusätzlich mit:
9. Land Of No Return (Bonustrack)
10. Black Magic (Bonustrack)

Line-Up Gruesome

Daniel Gonzalez: Guitar
Matt Harvey: Guitar, Vocals
Robin Mazen: Bass
Gus Rios: Drums


Nuclear Storm – Ten years after

Nuclear Storm – Ten years after
Nuclear Storm – Ten years after

“Ten years after”, der Name ist Programm – genau so lange hat es nämlich gedauert, bis es wieder neues Ohrenfutter vom 2-Mann-Projekt gab. Das metal-technisch derzeit eher brach liegende Nordoberfranken zeigt nun endlich wieder Regungen was Bands angeht und erinnert die langhaarigen Bewohner an die lauten späten 90er und frühen 00’er Jahre, als die Szene mit lokalen Gruppen (Cryptic Wintermoon, Violation) lebte und bebte.

Nuclear Storm vorerst in den heimischen „Storm Studios“

Was 2005 auf „Testbomb“ ausprobiert wurde, ist nun eine Dekade später vollendet, nein, annähernd perfektioniert. NUCLEAR STORM, bestehend aus Denis (Gitarre, Bass, Drums, Produktion) und Barney („Gesang“), bereits in genannter Hochphase aktiv, hoben das Projekt damals zu zweit aus der Taufe, nach der ersten Veröffentlichung lag es dann jedoch zunächst auf Eis. Doch zusammen mit drei befreundeten Musikern ersinnte Denis im Laufe der Jahre bei regelmäßigen Proben neue Songideen, welche nicht im Dunst des Proberaums verloren gehen sollten. Die regelmäßigen Zusammenkünfte verliefen aber nach gewisser Zeit im Sande und so führte Denis NUCLEAR STORM vorerst allein in den heimischen „Storm Studios“ fort.

Das komplett in Eigenregie vollendete Endprodukt muss sich in keinster Weise vor Produktionen großer Studios verstecken, ganz im Gegenteil: die Gitarren dröhnen modern und druckvoll durch die Boxen und der Hörer bekommt bereits beim ersten Durchmarsch den Eindruck hier tatsächlich verschollene Spuren der letzten Destruction-Alben zu hören („Religion“, „Polaris“, Purest evil“). „The storm will rise again“, mit passendem Sturm-Intro beginnend und mit fetten Chören garniert, wäre als Bandhymne geradezu prädestiniert und leitet das abwechslungsreiche Album ein. Es folgen weitere flotte Thrasher („Run for your lies“, „The one“), zum Bangen motivierende Midtempo-Stampfer (“Hell is rising”, “A time for war”) oder die Groovemonster “Eternal freezing winter“ und „Silent Hell“. Variable Soli zwischen Melodie und old-school Heavy Metal garnieren das Gitarrenspiel.

Große Bandbreite von Sänger Barney

Auch Barney „singt“ sich vielseitig durch „Ten years after“ – von wilden Growls („Run for your lies“) bis zum Kreischen bei „From outer space“ zeigt er seine gesamte gesangliche Erfahrung und Bandbreite zwischen Schmier und Chris Barnes. Die Drums klingen fett und variabel, gleichzeitig aber auch nicht überproduziert.

Optisch abgerundet wird die Scheibe auch durch das apokalyptische Endzeit-Cover, welches vom befreundeten Bandhautveredler Torsten Machatschek (Duhd & Deifl Tattoo) gestaltet wurde.

Fazit Nuclear Storm – Ten years after

Zu guter Letzt sei darauf hingewiesen, dass „Ten years after“ auf 100 Einheiten limitiert ist und nur bei der Band direkt geordert werden kann. Und was Liveauftritte angeht: selbst ein Oliver Weinsheimer wird es nicht schaffen NUCLEAR STROM auf eine Bühne zu bringen…

Tracklist Nuclear Storm – Ten years after

1. The storm will rise again
2. Run for your lies
3. Religion
4. Polaris
5. Hell is rising
6. A time of war
7. From outer space
8. Eternal freazing winter
9. The one
10. Silent hell
11. Purest evil
12. Burning flesh

Line-Up Nuclear Storm

Barney
Denis


Obituary – Inked in Blood

Obituary - Inked in Blood
Obituary – Inked in Blood

Zurück von den Toten? Nun, nicht ganz. Dennoch hat es gleich fünf Jahre gedauert, bis der Nachfolger von „Darkest Day“ das Licht der Welt erblickte. Die Fans wurden gleich vorab in den Bearbeitungsprozess eingebunden, wurde die gesamte Platte doch über Crowdfunding finanziert. Und siehe da: Die gewünschte monetäre Voraussetzung wurde problemlos versechsfacht!

Das große Interesse untermauert deutlich, dass die Death-Metal-Legenden noch heute auf eine treue Fanschar blicken können – und das, obwohl die Qualität der Erstlingswerke „Slowly We Rot“ und „Cause Of Death“ seit mehr als zwei Jahrzehnten unerreicht bleibt. Um es vorweg zu nehmen: Auch „Inked In Blood“ ist kein Klassiker der Todesblei-Fraktion aus Florida, beweist aber gleichermaßen, dass kein Talent abhanden gekommen ist.

Große Erwartungshaltung an Obituary

Die Erwartungshaltung an Obituary ist groß. Erfreulicherweise machen die alten Recken schon mit dem eröffnenden „Centuries Of Lies“ klar, dass sie auch im 21. Jahrhundert einen großen Haufen auf den Zeitgeist und moderne Belanglosigkeiten geben. Wie immer bekommt der geneigte Hörer exakt das, was er erwartet. Keine Schnörkel, keine progressiven Elemente, sondern Mid-Tempo-Groove, der bei Zeiten aufs Gaspedal drückt und hin und wieder dezente Thrash-Einflüsse in den Fokus rückt. Das gewohnt charmante Organ vom Röchelexperten John Tardy muss vermutlich gar nicht erst erwähnt werden! Ebenfalls positiv: Dass die Truppe nach „Darkest Day“ mit einigen Personaländerungen zu kämpfen hatte, fällt gar nicht erst auf.

Die größte Stärke des Albums ist in gewisser Weise auch die offensichtlichste Schwäche. Denn so angenehm „Inked In Blood“ durchs Gehör schießt, so wenig möchte nach den ersten Durchgängen hängen bleiben. Jedes einzelne Stück klingt wie bereits gehört – ein Gefühl, das dem Album keineswegs gerecht wird, aber doch aufzeigt, dass die großen Zeiten des schleppenden Todesbleis langsam aber sicher ein Ende finden. Keine Frage: Das neue Werk hat viele positive Momente, lässt allerdings den nötigen Eiergriff vermissen, den Obituary Anfang der 90er Jahre wie keine andere Band aus Florida zelebrierten. „Inked In Blood“ ist bei Weitem kein Überflieger, aber immerhin solide genug, um die Fans zufrieden zu stellen und mit dem Wunsch auf mehr auszustatten. Etwas mehr Seele hätte dem Output an der ein oder anderen Stelle gut getan.

Fazit Obituary – Inked in Blood

Was bleibt unterm Strich? Nun, Obituary bleiben sich einmal mehr treu! Ob man das Album jedoch unbedingt in die heimische Sammlung aufnehmen muss, ist ganz an den eigenen Todesblei-Enthusiasmus gekoppelt. Die Amis sorgen für keine Überraschungen, dafür jedoch für einen gelungenen Wink mit dem Neunziger-Zaunpfahl. Gutes Ding! Aber eben auch nicht mehr als das.

Tracklist Inked in Blood

1. Centuries Of Lies
2. Violent By Nature
3. Pain Inside
4. Visions In My Head
5. Back On Top
6. Violence
7. Inked In Blood
8. Deny You
9. Within A Dying Breed
10. Minds Of The World
11. Out Of Blood
12. Paralyzed With Fear

Line-Up Obituary

John Tardy – Vocals
Trevor Peres – Guitar
Donald Tardy – Drums
Terry Butler – Bass
Kenny Andrews – Guitar


Sulphur Aeon – Gateway to the Antisphere

Sulphur Aeon - Gateway to the Antisphere
Sulphur Aeon – Gateway to the Antisphere

Dass eine Band aus Nordrhein-Westfalen mit einem astreinem „Death Metal“-Album Eindruck machen kann, ist angesichts der erstarkenden nationalen Heavy-Fraktion nicht ungewöhnlich. „Gateway to the Antisphere“ ist das zweite Album der Band Sulphur Aeon. Wer sich einige der Albumtitel – beispielsweise „Diluvial Ascension“ – in voller Länge anhören möchte, findet diesen auf YouTube. Dort entdeckt man auch die Titel „Devotion to the Cosmic Chaos“ und „To drown this world“. Außerdem gibt es ein „Making of“-Video über das Einspielen der Drumtracks zu „Diluvial Ascension“. So mit musikalischen Eindrücken bewaffnet, hat man bereits einen guten Eindruck vom Stil des Trios.

„Gateway to the Antisphere“ ist ein veritables Death Metal-Album

Es geht wieder düster und martialisch zu bei dieser jungen Death Metal-Band, die den musikalischen Vergleich mit internationalen Kollegen keineswegs scheuen muss. Das düstere Ctulhu-Cover-Artwork wird den meisten Fans gefallen. Seit der Bandgründung anno 2010 hat sich die Band konsequent positioniert. Die elf Songs dieses Albums sind hart, lassen aber einen Hang zur Melodiosität erkennen. Die Titel sind erkennbar nicht in Richtung Soundbrei und Tongewitter abgemischt. Die Instrumente und die Kompositionsweise lassen Spielraum für Akzente. „Gateway to the Antisphere“ entpuppt sich nach mehrmaligem Hinhören als veritables Death Metal-Album. H.P. Lovecraft lässt grüßen. Bei weiterer Präzision des Spielstils und bei etwas abwechslungsreicheren Kompositionen wird man von dieser Band noch viel hören. Die Playlist ist wie folgt:

Tracklist Gateway to the Antisphere

1. To Drown This World
2. Devotion To The Cosmic Chaos
3. Titans
4. Calls From Below
5. Abysshex
6. Diluvial Ascension – Gateway To The Antisphere
7. He Is The Gate
8. Seventy Steps
9. Onwards… Towards Kadath
10. Into The Courts Of Azathoth
11. Conclusion

Die deutschen Hoffnungsträger der „Death Metal“-Szene präsentieren nach ihrem erfolgreichen Erstling nun einen Album-Zweitling, der sich hören lassen kann. Jede Menge Darkness und Ctulhu-Mythos schweben durch die Boxen. Satte Sounds und fette Rhythmen ziehen einen auf den Meeresgrund, ohne dass man sich in den Untiefen dieses Genres verliert. Selbst wer (noch) nicht auf „Death Metal“ abfährt, könnte mit „Sulphur Aeons“ Zweitling einen Einstieg finden. Während einige Konkurrenten im Feld Geschwindigkeitsrekorde brechen und ihre Songs im Rekordtempo herunterknüppeln, findet man bei „Sulphur Aeon“ detailreichere Strukturen, die sich mit jedem Hören besser erschließen. Songs wie „Conclusion“ oder „Titans“ lassen ahnen, dass sich hier zukünftig noch mehr Potenzial entfalten möchte.

Fazit Sulphur Aeon – Gateway to the Antisphere

Die Kritiker werden auch diesem Album Lobeshymnen widmen, von den Fans ganz zu schweigen. Letztere haben den Zweitling von „Sulphur Aeon“ bereits sehnlich erwartet. Auch „Gateway To The Antisphere“ überzeugt über weite Strecken und ebnet den Weg zu internationalem Ruhm. Die erfahrenen Bandmitglieder, die auch bei anderen Metal-Projekten mitmischen, verstecken sich hinter einzelnen Buchstaben. Hier geht es um die Idee hinter der Musik, nicht um das Stargehabe einzelner.

Line-Up Sulphur Aeon

M. – incantations
T. – ritualizations
D. – tentacles
S. – abyssopelagial pulse
A. – yuggothian chords


Revel in Flesh – Death Cult Legions

Revel in Flesh - Death Cult Legions
Revel in Flesh – Death Cult Legions

Die fünf Mannen von Revel in Flesh widmen sich auf „Death Cult Legions“ (manchmal auch „Death Kult Legions“ geschrieben) dem „Death Metal“ alter Schule. Die schwäbische Band wurde 2011 von zwei Mitgliedern anderer Bands gegründet, die sich gerade aufgelöst hatten. Das aktuelle Line-up von „Revel in Flesh“ ist

Line-Up Revel in Flesh

Haubersson – Vocals
Götzberg – Bass
Maggesson – Guitars
Herrmannsgard – Guitars
Vögtsson – Drums

Das Debut-Album der damals noch rudimentären Band aus Haubersson und Maggesson hieß „Deathevokation“. Es wurde in der Szene begeistert aufgenommen. Von da an war der Erfolgsweg für „Revel in Flesh“ vorgezeichnet. Album-Cover und Merchandise-Artikel werden von Juanjo Castellano entworfen. Die Band komplettierte sich 2012 um drei weitere Männer, die bereits reichlich Erfahrung im Metal-Bereich mitbrachten.

Dritter Longplayer „Death Cult Legions“ wieder ein Soundinferno

Mit „Death Cult Legions“ legen „Revel in Flesh“ ihren dritten Longplayer nach „Deathevokation“, „Manifested Darkness“ und fünf EP-Veröffentlichungen vor. Die Band hat spürbar an ihrem kompositorischen und instrumentellen Können gefeilt. Zudem dürften die Erfahrung aus diversen Live-Konzerten und ein neues Label Impulse gegeben haben. Zwei Jahre Songwriting sind in das neue Album eingeflossen. Der eigenständige Charakter der Band wurde präzisiert. Ansonsten bedienen „Revel in Flesh“ alle Wünsche ihrer Fans. Sie klingen dunkler, atmosphärischer und brachialer als je zuvor, aber auch variabler. Das Sound-Inferno von „Revel in Flesh“ verbindet Elemente des „Death Metals“ aus den Neunzigern mit musikalischen Einflüssen schwedischer Metal-Vorbilder. Vor allem die „HM2 Pedal Distortion“ prägt den Sound der Band. Alle Bandmitglieder sind mit „Death Metal“-Sounds groß geworden. Sie sehen dieses Genre als eine ehrliche Reinform musikalischer Energie.

Fazit Revel in Flesh – Death Cult Legions

Die dunkle Seite der menschlichen Existenz wird auf „Death Cult Legions“ kultiviert. Als problematisch sieht Bandgründer Haubersson die Überfrachtung des „Death Metal“-Sektors mit zu vielen Veröffentlichungen und zu ähnlich klingenden Bands. Daher ist es ein wichtiges Ansinnen von „Revel in Flesh“, sich abzuheben. Die Stücke des Albums „Death Cult Legions“ sind

Tracklist Death Cult Legions

1. In the Name of the Flesh
2. When Glory Turns To Ruin
3. Black Oath Impurity
4. Graveyard Procession
5. Death Kult Legions
6. Frozen Majesty
7. Hurt Locker
8. Cryptcrawler
9. As Souls Descend
10. Leviathan
11. und Necropolis (ein „Manilla Road„-Cover)

„Revel in Flesh“ liefern mit ihrem dritten Album „Death Kult Legions“ erneut Old-School-Death-Metal ab. Drei Stücke der Scheibe repräsentieren beispielhaft deren Vielseitigkeit: Der Opener „In The Name Of The Flesh“ kommt mit morbider Atmosphäre und mächtigem Refrain an die Ohren. Begleitet wird das Soundgewitter von Blast Beats und dem charakteristischen Riffing. Groovendes und ungeschliffenes Midtempo-„Death Metal“ zeigt sich in „Graveyard Procession“. Das Gitarrensolo von Dan Swanö ist hörenswert. Schleppendes Tempo und atmosphärische Düsternis dominiert auch „Cryptcrawler“. Ergänzend sollte man in das „Manilla Road“-Cover „Necropolis“ hineinlauschen. Hier zeigt sich erneut die Vielseitigkeit von „Revel in Flesh“.


Unleashed – Dawn of the Nine

Unleashed - Dawn of the Nine
Unleashed – Dawn of the Nine

Ohne Unleashed wäre die Death-Metal-Gesellschaft seit jeher ein trauriger Ort! Auf die Schweden ist Verlass wie nie zuvor – kein Wunder also, dass auch „Dawn Of The Nine“ einmal mehr ein kompromissloser Abgesang auf heutige Religionen und modernen Firlefanz ist. Auch 2015 beweisen die Veteranen, dass (hallo, deutsche Pagan-Szene!) heidnisch geprägte Musiker nicht zwangsläufig von dünnärmigen Milchgesichtern repräsentiert werden, die im jugendlichen Wahnsinn zu Wotan und Thor abschunkeln, ohne auch nur ein Fünkchen Verständnis für den alten Götterglauben zu besitzen. Ganz davon zu schweigen, dass die Hälfte von ihnen noch nicht einmal in die Windeln gemacht hat, als Unleashed bereits die Bühnen dieser Welt unsicher gemacht haben!

„Dawn Of The Nine“ gewohnt musikgewordene Brutalität

Auch wenn Unleashed wie immer mächtig loslegen und ihre gewohnte Qualität darbieten, beweist das schwedische Trüppchen einmal mehr, dass sie selbst im Jahr 2015 noch überraschen können. „Dawn Of The Nine“ ist nicht so prügellastig wie „Odalheim“, setzt sich an den richtigen Stellen etwas ruhiger in Szene und untermauert, dass musikgewordene Brutalität keineswegs ausschließlich durch Geschwindigkeit und Blastbeats generiert werden werden muss. Das Organ von Hedlund ist in Bestform, während die Gitarren-Front Olsson und Folkare rein gar nichts vermissen lässt. Dass über Anders Schultz‘ Fähigkeiten an der Schießbude schon längst keine Worte mehr verloren werden müssen, versteht sich ganz von selbst!

Im Gegensatz zu einem ganzen Arsenal langjähriger Rock- und Metalkapellen, die jahrein, jahraus das identische Album präsentieren, gelingt Unleashed der seltene Spagat, sowohl neue als auch alte Hörer bestens zu unterhalten. Die Schweden ruhen sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern schaffen es erneut, den Hörer eine Stunde lang in eine Bestie zu verwandeln, die gedanklich in ferne Zeiten reist und jedem dahergelaufenen Christen die Rübe abschlägt. Und mal ehrlich: Was will der geneigte Todesblei-Fan mehr? Trotz der vielen Stockholmer Bands, die früher oder später auf den „melodischen Trend“ umgestiegen sind, bleiben Unleashed weiterhin die einnehmenden und blutrünstigen Nordmänner, auf die sich ein jeder Metaller seit mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten verlassen kann.

Fazit Unleashed – Dawn of the Nine

Keine Frage, „Dawn Of The Nine“ ist nicht das beste Werk der Schweden, aber im Rahmen der Möglichkeiten derart eigenständig, dass Vergleiche überhaupt nicht nötig sind. Spitzt eure Lauscher, wenn ihr Bock auf ein weiteres schwedisches Todesblei-Manifest habt! Und, na ja … haut euch das Ding auch unbedingt um die Ohren, wenn gerade keine Lust besteht! Unleashed werden nicht älter, sie werden besser.

Tracklist Dawn of the Nine

1. A New Day Will Rise
2. They Came To Die
3. Defenders Of Midgard
4. Where Is Your God Now?
5. The Bolt Thrower
6. Let The Hammer Fly
7. Where Churches Once Burned
8. Land Of The Thousand Lakes
9. Dawn Of The Nine
10. Welcome The Son Of Thor!

Line-Up Unleashed

JOHNNY: Bass, Vocals
TOMAS: Guitar
FREDRIK: Guitar
ANDERS: Drums


Deserted Fear – My Empire

Deserted Fear - My Empire
Deserted Fear – My Empire

„My Empire“ von Deserted Fear – Ein beachtliches Debut!

Dass aus Europa allerfeinster Death Metal kommt, ist kein großes Geheimnis. Es ist aber auch keine Garantie dafür, dass jede Band, die sich in diesem Genre bewegt, automatisch überzeugen muss. Im Fall der Thüringer Band Deserted Fear muss man sich, was dies betrifft, jedoch keine Sorgen machen. Ganz im Gegenteil: Die Band aus Thüringen liefert mit „My Empire“ ein Sahnestück allerfeinster Machart ab. Dabei ist es äußerst erfreulich, dass die Combo nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Solche Versuche können gelingen, gehen aber auch oft genug in die Hose. Dies bedeutet freilich nicht, dass man hier „auf Nummer sicher geht“ und dadurch langweilig wird.

Deserted Fear mit klassischem Death Metal

Im Gegenteil: Deserted Fear liefern klassischen Death Metal in allerhöchster Vollendung und klingt dabei dennoch eigenständig. Das Album beginnt in klassischer Manier mit einem Intro, das den Hörer schon mal richtig in die Scheibe hineinzieht, bevor es mit „Battalion of Insanities“ dann gleich richtig zur Sache geht. Schnell, laut und beachtlich präzise auf den Punkt gespielt. So muss es sein. Mit den folgenden Songs wird dann all das geliefert, was Headbanger lieben: Speed, Doom und „gib ihm“. Großartig! Zarter besaitete Gemüter könnten hier einwerfen, dass etwas Abwechslung nicht schaden könnte. Umgekehrt: Muss jemand, der es so beeindruckend versteht, wie ein Kampfpanzer durch die Songs zu fahren, wirklich mit jedem Song überraschen? Das hier ist erstklassiges Futter für den Fan: Laut, dreckig, schnell und aus dem tiefsten Kellergeschoss der Hölle entflohen. Wer derart nach Schwefel riecht, hat natürlich auch hymnenartige Passagen auf Lager und im Fall dieser Band dürften da einige Münder überrascht und fasziniert zugleich nach unten klappen. So tauchen hier immer wieder tolle Harmonien auf, die geschickt dafür sorgen, das Album aus dem „Einheitsbrei“ mancher Metal-Veröffentlichungen hervorzuheben. Großes Kino!

Sound aus der Küche von Dan Swanö

Neben den musikalischen Aspekten überzeugt „My Empire“ auch in puncto Sound. Hierfür zeichnet sich der Schwede Dan Swanö verantwortlich, der für die Mischung und das Mastering zuständig war. Wer jetzt vorschnell „Das muss ja schwedisch klingen!“ ruft, wird allerdings eines Besseren belehrt. „My Empire“ klingt aber auch nicht typisch deutsch. Stattdessen findet man hier das Beste aus dem Giftschrank der Metal-Küche in einem Album vereint. Das ärgert vielleicht ein paar Leute, die ständig auf der Suche nach dem „neuesten Sound“ sind, lässt aber das Herz eines jeden Deathmetallers höher schlagen. Und gegroovt wird ohnehin wie die Hölle.

Fazit Deserted Fear – My Empire

Mit „My Empire“ liefern Deserted Fear äußerst solide und beeindruckende Kost ab, die zum Herdbangen einlädt, bis der Arzt kommt. Ein im wahrsten Sinne des Wortes „klassisches“ Machwerk, das nicht versucht, irgendetwas anderes als einfach eine großartig gestrickte Death Metal-Scheibe zu sein. Das freut den Fan und versetzt die Omas und Nachbarn in Angst und Schrecken. So muss es sein. Danke!

Tracklist von My Empire

1. Intro
2. Battalion of Insanities
3. Pestilential
4. Nocturnal Frags
5. Morbid Infection
6. The Black Incantation
7. Scene of Crime
8. Field of Death
9. My Empire
10. Bury Your Dead

Line-Up Deserted Fear

Manuel Glatter – Vocals, Guitar
Fabian Hildebrandt – Guitar, Bass
Simon Mengs – Drums

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Autor: ArchiVader

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