Die Opener Milo nahmen’s locker. Kondome mit dem Bandnamen als Packungsaufdruck wurden zwar von der Bühne in die Menge geworfen, das begeisterte Kreischen der Teenies quittierten die Musiker jedoch mit „Damit habt ihr doch noch ein paar Jahre Zeit!“

Musikalisch war diese Band unauffällig, aber gut. Die Hauptgruppe hatte hier ihre eigene Stilrichtung ausgewählt, so dass die sich nur in den ersten paar Reihen vor der Bühne tummelnden Zuschauer sich an gut gelaunter, aber nicht überdurchschnittlichem Punkrock ergötzen konnten.

Das Quartett aus Iserlohn sorgte damit für erste Bewegungen und gewann mit markigen Ansagen die ersten Sympathien der Zuschauer, sorgte also für einen gelungenen Einstieg.

Slimboy dagegen irritierten erst einmal: Sämtliche Beleuchtungen wurden ausgeschaltet und es erklang ein Intro, das in Verbindung mit den langsam sichtbar werdenden, dunkel geschminkten Gestalten zunächst nicht in das erwartete Genre zu passen schien.

Das legte sich jedoch fix, als das Schweizer Trio loslegte. 120 Konzerte, die sie in den letzten zwei Jahren gespielt haben, sorgten wohl für tüchtig Kondition. Musikalisch in einem etwas poppigeren Punk-Stil als Milo, profilierten Slimboy sich durch eine äußerst energiegeladene und aktionsreiche Bühnenpräsenz. Das häufige Springen, Hüpfen und „über die Bühne“-Rennen ließ die Band auch die Sympathien der älteren Gäste gewinnen und den Auftritt mit viel Witz zu Ende gehen.

Ihre Verbundenheit zu Itchy Poopzkid, die sie auch während ihres Auftrittes bereits öfter zum Ausdruck gebracht hatten, zelebrierten Slimboy, als die „kratzigen Scheißkinder“ ihren Part beginnen wollten. Die drei großen Geschenkpakete, die bei Panzer, Sibbi und Saikov auf die Bühne gelegt wurden, kommentierten die Jungs mit: „Ich wette, da sind die Jungs von Slimboy drin, und wir hätten große Lust, die Kartons erst nach dem Gig zu öffnen“. Doch noch während dieser Ankündigung wackelte der erste der Kartons und ein „Slimboy“ nach dem Anderen erschien. Während einer der Kartons zum Crowdsurfing verurteilt wurde und anschließend lädiert in einer Ecke liegen blieb, wurde in trauter Eintracht über die T-Shirts von Slimboy gelacht: „Die Vorband war besser“ stand dort.

Nach dieser Unterbrechung legten Itchy Poopzkid endlich los und bombardierten den vollen Saal, der mittlerweile mit einem auch altersmäßig ernstzunehmenden Publikum gefüllt war, mit einer furiosen Breitseite Punkrocksalven.

Willfährig ließ das Publikum sich auf die Band ein, die bereits Vorband von Die Happy und (+44) war, erst dieses Jahr den deutschen Toursupport für Sum 41 stellte und mit einer Singleauskopplung des aktuellen, zweiten Albums der Bandgeschichte „Time to ignite“ sogar die deutschen Charts ansteuerte.

Gerade diese Erfolgsgeschichte mag den hohen Groupiefaktor dieses Konzertes bedingt haben, wenn man sich vor Augen hält, dass die Auftritte von Itchy Poopzkid in den Jahren 2005 und 2006 jeweils nur vor knapp einer Hand voll Leuten stattfanden – ein Umstand, auf den die Band auch selbst hinwies.

Ungeachtet dessen und beflügelt von der Tatsache, dass sich die Lage dieses Mal anders darstellte, lieferten sie eine beeindruckende Show, einschließlich des obligatorischen Bass- und Gitarrentausch von Panzer und Sibbi und der fast legendären Pogo-Animation, für die das Publikum in zwei Hälften geteilt wird, die aufeinander loszulaufen haben.

Klappte dieses Mal alles wunderbar, und Itchy Poopzkid belegten, dass sie zu Recht eine beachtliche Entwicklung durchlaufen haben. Von daher kann man ein einfaches Fazit ziehen:

Sogar die Teenies seien der Band verziehen.