Und daran krankt diese Combo leider auch ein wenig. Emotionalität und Ruhe hin oder her. Selbst im Gothic muss hin und wieder mal ein wenig Abwechslung her. Es hätte schon gereicht einige Beats im Stile von Dark Wave oder EBM Bands aus dem Keyboard zu zaubern und dieses mal auf eine andere Klangfarbe als Piano einzustellen. Leider waren die beiden auf den Brettern wohl anderer Ansicht und somit verpuffte ihr durchaus vorhandenes Talent in Langeweile, die gerade einmal 30 Nasen vor die Bühne zog.

Von ganz anderem Kaliber waren da schon Leichenwetter die zwar in etwas eingewillig anmutenden Hannibal Lecter Masken aus Plastik auf die Bühne stiegen, mit ihrem stark an Industrial angelehnten Gothic Rock allerdings durchaus überzeugen konnten. Das lag zum einen ganz klar am Material. Industrial Rock mit komplett deutschen Texten, die dann oftmals noch auf großer Lyrik fußen ist eben nicht unbedingt etwas alltägliches. Aber auch die Show konnte ihren Beitrag zum guten Eindruck leisten. Zwar sind die Outfits, mit denen sich die fünf Jungs auf die Bühne wagen, wohl eher Geschmackssache, aber Einsatz, Spielfreude und Intensität waren durchaus vorhanden, so dass man hier unwillkürlich an Rammstein ohne Pyroshow denken musste.

Als letzter Gast an diesem Abend waren schließlich noch The Flaw geladen. Die Gothic Rocker konnten ihrer Rolle als Anheizer zwar gerecht werden, verpassten jedoch die Möglichkeit mit wirklichem Können auf sich aufmerksam zu machen. Die Songs der Ruhrpöttler sind zwar schön eingängig und funktionieren live, bewegen sich jedoch stets auf ausgetretenen Pfaden, so dass nach einiger Zeit ein wenig der Aha-Effekt fehlt. Auch die Tatsache, dass mit Alexandra Leu eine Frau am Mikro steht kann nicht mehr wirklich beeindrucken. Mit ihrer Figur dürfte sie zwar den ein oder anderen männlichen Fan für die Band gewonnen haben, aber ihre Stimme wirkt insgesamt nicht druckvoll genug. Hier würden einige Kontrapunktierungen durch Growls schon großes bewegen. Leider blieben diese aber aus.

Und somit war der Weg frei für die Helden des Abends: Downscarred bewiesen mit ihrem Auftritt, dass sie sich in einer ganz anderen Liga bewegen als ihre Gastbands. Das Material bestand logischerweise hauptsächlich aus Songs des Debütalbums „The Flower And The Fall“ und war auch eindeutig das metallischste an diesem Abend. Gezündet haben die Songs auf jeden Fall sofort und für beste Stimmung in der knüppelvollen Werkstadt gesorgt. Dazu hat sicherlich auch das routinierte Auftreten der fünf Musiker beigetragen, denen man ihre sechsjährige Bühnenerfahrung anmerkt. Allen voran Basser Jan Müller entpuppte sich als wahre Rampensau, der unablässig seine Mähne schüttelte und seinen Bass mit heftigen Anschlägen malträtierte. Aber auch Sänger Marco Blum erscheint in diesem Zusammenhang erwähnenswert. Erwies er sich doch als charismatischer Fronter, der es verstand die Zuschauer anzusprechen und die Emotionen der Songs in seiner Stimme einzufangen.

Mit zwei Zugaben beendeten die Wittener schließlich ihr Heimspiel und am Ende ließen alle bei einem gemeinsamen Bierchen den Abend noch einmal Revue passieren: Man hatte durchaus Bands auf schwankendem Niveau gesehen. Mondgeflüster stecken noch in den Kinderschuhen, haben aber durchaus Potential bewiesen; Leichenwetter sollten ihre Bühnenpräsentation noch einmal überdenken; The Flaw zeigen zwar ebenfalls gute Ansätze sollten allerdings noch etwas kreativer werden. Über jeden Zweifel erhaben waren an dies mal nur die Gastgeber: Downscarred lieferten einen wirklich guten Gig und auch ihr Debütalbum fand seine Abnehmer.