Somit könnte das Motto der Scheibe “Hours Of Joy” auch durchaus ein Romantitel von Erich Maria Remarque sein: “Im Westen nichts Neues”. Und scheinbar haben Bands wie After Forever hier Pate gestanden. Fette Metal-Riffs, ein treibendes Schlagzeug, breite Keyboard-Teppiche, elegische Gitarren-Soli und kraftvoller Gesang. Das sind die bekannten Elemente, die den Sound des Sextetts bestimmen. Mal eher metallisch kraftvoll wie in „The Unreachable Mess“ oder „The Unknown Is Searching The Unfound“, mal eher episch und melodisch wie in „Kill The Silence“ oder „Inside“. Auf jeden Fall liegt die Betonung immer klar auf der Stimme von Saskia, die zugegebenermaßen trotz ihres zarten Alters von 21 Jahren eindeutig mit den Größen des Genres konkurrieren kann. Eine Tatsache die, was das handwerkliche betrifft, auch auf ihre Kollegen zutrifft. Von der Ausführung her kann man da nicht meckern.Leider gilt das nicht für das Material, das wir hier vorgesetzt bekommen. Das ist doch alles arg gleichförmig und bekannt. The Gathering und Epica blicken doch an allen Ecken und Enden ständig durch. Lediglich ein Track sticht aus dieser Masse hervor. „Captured By The Colour Of Faith“ überzeugt mit einer beklemmenden Atmosphäre und eingestreuten Growls, die ebenfalls von Saskia zu stammen scheinen, aber im Gegensatz zu ihrer typischen Singstimme eher an Angela Gossow erinnern. Zwar erreicht Saskia nicht ganz deren Aggressivität und Härte, aber ich habe sogar von Männern schon schlechtere Growls gehört!Der Rest des Materials ist hingegen bestenfalls Mittelmaß. Symptomatisch hierfür ist das Queen-Cover „The Show Must Go On“, das am Ende des Silberlings steht. Morning schaffen es zwar, das Original technisch gut umzusetzen, aber irgendwie fehlt hier was. Der Titel wirkt, als hätten die Niederländer sich aufs einfache Nachspielen verlegt. Lediglich der ein oder andere – aber dafür auch schon ziemlich oft gehörte – Riff bildet eine Neuheit. Das erreicht einfach niemals die Magie von Queen!Es gibt also lediglich zwei Dinge, die diese Scheibe vor einer schlechten Bewertung retten. Die durchweg gute Leistung der Sängerin und das erwähnte „Captured By The Colour Of Faith“. Diese Elemente sind es auch die mich veranlassen allen Anhängern der Genres ans Herz zu legen hier wenigstens einmal reinzuhören. Alle anderen sollten allerdings die Finger von der Scheibe lassen.