Allen, die mit der Musik von Nachtblut vertraut sind, sei an dieser Stelle gesagt, dass die Band etwas experimenteller geworden ist und neue Einflüsse in ihre Songs einbaut. So hat beispielsweise „Wien 1683“, in welchem es offensichtlich um die zweite Türkenbelagerung geht, einen derben Varg-Einschlag. Und Rhythmus sowie Gitarrenriffs bei „Kalt wie ein Grab“ erinnern ganz verdächtig an das „Mutter“ Album von Rammstein. Dazu gesellt sich die schon fast poppige Nummer „Wie Gott sein“, zu welcher auch schon ein entsprechendes Video veröffentlicht wurde. Lediglich beim Opener „Gotteskrieger“ treten Nachtblut richtig aufs Gas und könnten damit vielleicht sogar dem ein oder anderen beinharten Black Metal Fan ein Kopfnicken abringen. Somit bedient die erste Hälfte des Albums mit dem üblichen Kitsch, ein paar headbangerkompatiblen Passagen und ordentlich Mitsingpotential wohl eher das „Partypublikum“. Sofern es das unter Nachtblut Fans überhaupt gibt. Allerdings wirken die Stücke, was die Arrangements angeht, für meinen Geschmack etwas zu dünn und zu bieder. Da fehlen mir die Überraschungsmomente. Darüber hinaus ist keine musikalische Linie zu erkennen. Es scheint fast so, als hätte man ein bisschen zu viel von fremden Tellern genascht und dabei den Überblick über die eigene Komposition verloren.

Der zweite Teil des Albums läuft dagegen deutlich flüssiger durch. Das liegt wohl vor allem daran, dass sich die Band hier hauptsächlich auf alte Trademarks, wie man sie von „Antik“ (2009) und „Dogma“ (2012) gewohnt ist, verlassen hat. So entwickelt sich zum Beispiel aus einem düsteren und ruhigen Anfang bei „Dort, wo die Krähen im Kreise fliegen“ eine flotte Nummer, die einen unweigerlich mitreißt. Und auch das dann folgende „Märchen“ ist eine abwechslungsreiche und intelligent komponierte Nummer, die zwar etwas in die Rockrichtung abdriftet, dadurch aber keinen Deut schwächer wird. Zum Abschluss des Albums hat man mit „Töte mich“ und „Chimonas“ noch einmal zwei knallharte Songs am Start, welche durch Askeroth`s schrillen Gesang, düster bombastische Synthies und dezent eingestreute Blastbeat Einlagen gekennzeichnet sind.

Somit hat „Chimonas“ für mich also zwei Gesichter. Während der erste Teil des Albums geprägt ist von simplen Kompositionen, plumpen Arrangements und einer gewissen musikalischen Desorientierung, präsentiert sich Nachtblut im zweiten Teil des Albums deutlich kreativer und zielstrebiger. Und auch wenn dem Quartett mit diesem Album nicht der große Quantensprung gelungen ist, können Fans des Genres durchaus mal ein Ohr riskieren.

Tracklist:

  • 01. Gotteskrieger
  • 02. Wien 1683
  • 03. Wie Gott sein
  • 04. Kalt wie ein Grab
  • 05. Und immer wenn die Nacht anbricht
  • 06. Schwarz
  • 07. Dort wo die Krähen im Kreise fliegen
  • 08. Märchen
  • 09. Töte mich
  • 10. Chimonas

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