Gründe für ein Best-Of Album gab es also viele. Zwar hat es seit 1975 bereits acht Best-Of und Live-Alben der Band aus Dunfermline gegeben, aber dieses hier ist das einzige auf dem aktuellen Stand, das alle 21 Studioalben berücksichtigt. Angefangen vom Debüt „Nazareth“ bis hin zum 2008 erschienenen „The Newz“, das von zahlreichen Promotion Auftritten – beispielsweise auch in der „Ultimativen Chartshow“ – begleitet wurde.

Bei diesen Auftritten lagen die Akzente naturgemäß auf den größten und erfolgreichsten Hits der Combo: Den Balladen „Love Hurts“ und „Dream On“. Nazareth haben allerdings wesentlich mehr geschaffen als nur Balladen. In erster Linie steht die Band für den kompromisslosen Rock der 70er Jahre. Wie im Rausch flirrende Gitarrensoli, für die Zeit mächtig treibende Rythmen und eine atemberaubende Melodieführung der Gesangsstimme haben nicht nur Bands wie Deep Purple oder Led Zepplin berühmt gemacht, sondern eben auch Nazareth.

Dabei waren die Schotten allerdings weit weniger vom Erfolg verwöhnt als andere Bands des Genres und musste vor allem oft mit ihrem Management oder ihrer Plattenfirma kämpfen. Beide wollten natürlich kommerziellen Erfolg und versuchtem demzufolge die Band – je nach Zeitgeist – in Richtung Glam Rock der ausgehenden 60er oder Poprock der 80er und 90er zu drängen. Die Musiker ließen sich jedoch nur selten beirren und besannen sich immer wieder auf ihre Stärken: Mit reichlich Blues angereichertem Hard Rock, der einen an Herz und Seele packt.

Braucht die Band also wirklich noch ein neuntes Album mit allen Hits von Nazareth? Die Antwort lautet eindeutig: Nein! Wer die Band kennt und liebt der kann auf diese Compilation aus zwei CDs getrost verzichten. Bietet sie doch nichts Neues an. Wer allerdings gerne mal über den Tellerrand des Metal schauen und erleben möchte wo diese Musik ihre Wurzeln hat, der ist mit einem Kauf genauso gut beraten wie jemand, der sich noch nicht so weitschweifig mit der Band auseinander gesetzt hat und gerne einen Überblick über ihr Schaffen erhalten möchte.