Erstaunlich wie die Songtexte einiger Lagerfeuerwürger durch Youngs emotionale Akzente an Bedeutung gewinnen können. „Oh Susannah“ als Vorab-Hörprobe versprach bereits Gutes. Noch größer die traurig-schöne Interpretation von „Clementine“ und vor allem ein „Jesus‘ Chariot“, dröhnend prasselnd wie man es sich eben von Neil Young & Crazy Horse wünscht. Anderes ist arg in die Länge gezogen („Tom Dula“). Schlimm gar „This Land Is Your Land“. So mögen Demoaufnahmen von Billy Ray Cyrus in seinen besten Alkoholzeiten geklungen haben. „Get A Job“ ist immerhin irgendwie lustig, aber würdelos. Zu gern hätte ich auf das abschließende, deplatzierte „God Save The Queen“ verzichtet. Kanadier halt. Die restlichen Songs sind keineswegs schlecht. Auf dem ersten Album mit Crazy Horse seit neun Jahren, poltern die Betagten blechern in der ungeheizten, hölzernen Berghütte. Im Tal hingegen kümmert das die Wenigsten.

„Americana“ wird sich wohl nur zulegen, wer bei Neil Young obligatorisch zugreift. Im Grunde liefert er gewohnt ab. Es gab Besseres („Living With War“, „Mirrorball“) und Schlechteres in „jüngster“ Vergangenheit. Ein Meisterwerk hat nach zwanzigjähriger Prunkstückpause auch wirklich niemand erwartet.

„With new melodies and arrangements, we could use the folk process to invoke the original meanings for this generation.” Das Vorhaben hat größtenteils gefruchtet. Nur um welche Generation es sich da handeln soll, bleibt rätselhaft. Denn verübeln kann man es niemandem gänzlich, „Americana“ als Alte-Leute-Musik abzutun.

Gäbe es nun aber Menschen, deren Plattenschränke von Neil Young befreit aufwüchsen, hätten sie obendrein keine Tassen in anderen. Geläutert greifen sie einstiegsweise zum essentiellen Live-Dokument „Weld“.

Tracklist:

  • 01. Oh Susannah
  • 02. Clementine
  • 03. Tom Dula
  • 04. Gallows Pole
  • 05. Get A Job
  • 06. Travel On
  • 07. High Flyin‘ Bird
  • 08. Jesus‘ Chariot
  • 09. This Land Is Your Land
  • 10. Wayfarin‘ Stranger
  • 11. God Save The Queen