Bereits zum dritten Mal luden die Macher vom „Noctura Metal Fest“ nach Bielefeld in den Falkendom, der den ostwestfälischen Metallern vornehmlich durch die dort stattfindene „Enter Sandman“-Metalparty ein Begriff ist, um abseits von Klischees und Genregrenzen den Klängen von vier außergewöhnlichen Metalbands zu lauschen.


Bei strahlendem Sonnenschein pilgerten die Fans der düsteren Klänge zum Falkendom und schon auf dem Parkplatz konnte man die ersten Töne des Soundchecks erhaschen: Keyboards, klare Gitarren und schreiender Gesang versprachen einen höchst abwechslungsreichen Abend. Doch bevor es auf der Bühne richtig zur Sache gehen sollte, habe ich es mir nicht nehmen lassen, einen kleinen Plausch mit den Headlinern des Abends, den Progressive Death Metallern Steorrah, zu halten, die mir Rede und Antwort standen. Bei dem kurzen Gespräch erhielt ich einen kleinen Einblick in die Philosophie der Band und deren Einstellung zum Begriff „Progressive“, dem man heutzutage häufig, wenn nicht sogar schon ein wenig inflationär, begegnet. Auf die Frage, welche Künstler den größten Einfluss auf die äußert individuelle Spielart der Siegener hatten, antwortete Andreas März, seines Zeichens Gitarrist und Sänger, dass vor allem die Verbundenheit und Begeisterung zu Jazz und anderen nichtmetallischen Spielarten der Musik in Verbindung mit Metal den maßgeblichen Einfluss gegeben haben. Die vierköpfige Kombo, die sich nach ihrem Gig beim „Noctura“ erstmal auf die Arbeit an ihrem neuen Album konzentrieren will, hat sich dafür etwas Spezielleres einfallen lassen. Durch „Crowd Funding“ wollen die vier Musiker die finanzielle Basis schaffen, um Ende diesen Jahres bzw. Anfang des nächsten Jahres ihre zweite Langrille an den Start zu bekommen. Weitere Infos hierzu können sich potentielle Unterstützer auf der bandeigenen Homepage holen. Nach der Gründung 2010 wollen Steorrah auf diesem Wege nun auch international auf sich aufmerksam machen. Das Potential hierfür ist durch die spezielle Verbindung von diversen Genres durchaus vorhanden. Doch bevor die Jungs ihr Schaffen auf der Bühne präsentieren konnten, gab es noch einiges anderes auf die Ohren.

Den Anfang machten die heimischen Old-School Death-Metaller von Wilt, die mit ihrem altlastigen und donnernden Sound direkt auf die Nacken des Publikums abgezielt und voll ins Schwarze getroffen haben. Treibendes Drumming von Spellbreaker-Trommler Börgy, gekonntes Bassspiel von Ex-Taste Of Blood-Basser Matze und zum Bangen zwingende Riffs vom neuen Mann am Sechsaiter, Marko, untermalten das rotzige Gekeife vom ebenfalls neu hinzugestoßenen Fronter Susch. Ein starker Auftakt des Abends, auch wenn der kompromisslose Death Metal der Jungs schon fast zu „normal“ im Vergleich zum sonstigen Aufgebot des „Noctura“ war.

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es dann deutlich schwärzer auf der Bühne und die junge Black Metal-Kombo Sekoria gab sich die Ehre. Fans von epischem Black Metal im Stil der bekannten Immortal sollten voll auf ihre Kosten kommen. Besonders auffällig waren die überwiegend deutschen Texte, die von Sänger Felix Piroth und Basser Tobias Forneberg im Wechsel dem Publikum entgegen geschmettert wurden. Die vier Musiker überzeugten das Publikum und wurden für ihr gekonntes Songwriting mit rotierenden Haaren belohnt.

Als nächstes wurde es eher künstlerisch-avantgardistisch mit den Bielefeldern von Vyre. Das Publikum wurde in musikalische Sphären entführt, die kaum in irgendeine Schublade gesteckt werden können. Längere, instrumentale Passagen, Keyboardklänge und Frontmann KG Cypher, der vornehmlich Shouts, jedoch auch leisere, klare Töne anschlug, ergaben ein durchaus eindruchsvolles Bild ab. Alles in allem ein überaus abwechslungseicher Debüt-Gig, bei dem das Können der Musiker, unter denen auch Mitglieder der Bielefelder Thrash-Hausnummer Lost World Order agieren, völlig außer Frage stand.

Mit ein wenig Verspätung wurde es dann Zeit für den Headliner des Abends. Steorrah verblüfften den Großteil des Publikums mit ihrem bereits erwähnten Mix aus hartem Death Metal-Riffs, dem dazugehörigen Growling und ruhigen Passagen aus Jazz und Blues beeinflussten Klängen. Eine zwar eigenwillige Mischung, die aber gerade hierdurch im Gedächtnis hängen bleibt. Auch eine kurze, technische Ungereimtheit wurde ohne Weiteres „spielerisch“ gelöst und mit einer kurzen, lupenreinen Jazzeinlage überbrückt. Auch wenn der eine oder andere im Publikum diesem musikalischen Experiment skeptisch gegenüber stand, so war der Auftritt ein Sinnbild dafür, was die Veranstalter mit ihrer „Noctura“-Konzertreihe erreichen beziehungsweise dem Publikum bieten wollen: Metal, der über den häufig erwähnten Tellerrand hinweg geht und musikalische Grenzen ausweitet. Man darf also gespannt sein, was die Macher uns in Zukunft präsentieren werden.

Vielen Dank an Charlotte Holz für die großartigen Fotos!

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