Inked in BloodZurück von den Toten? Nun, nicht ganz. Dennoch hat es gleich fünf Jahre gedauert, bis der Nachfolger von „Darkest Day“ das Licht der Welt erblickte. Die Fans wurden gleich vorab in den Bearbeitungsprozess eingebunden, wurde die gesamte Platte doch über Crowdfunding finanziert. Und siehe da: Die gewünschte monetäre Voraussetzung wurde problemlos versechsfacht!

Das große Interesse untermauert deutlich, dass die Death-Metal-Legenden noch heute auf eine treue Fanschar blicken können – und das, obwohl die Qualität der Erstlingswerke „Slowly We Rot“ und „Cause Of Death“ seit mehr als zwei Jahrzehnten unerreicht bleibt. Um es vorweg zu nehmen: Auch „Inked In Blood“ ist kein Klassiker der Todesblei-Fraktion aus Florida, beweist aber gleichermaßen, dass kein Talent abhanden gekommen ist.

Die Erwartungshaltung an Obituary ist groß. Erfreulicherweise machen die alten Recken schon mit dem eröffnenden „Centuries Of Lies“ klar, dass sie auch im 21. Jahrhundert einen großen Haufen auf den Zeitgeist und moderne Belanglosigkeiten geben. Wie immer bekommt der geneigte Hörer exakt das, was er erwartet. Keine Schnörkel, keine progressiven Elemente, sondern Mid-Tempo-Groove, der bei Zeiten aufs Gaspedal drückt und hin und wieder dezente Thrash-Einflüsse in den Fokus rückt. Das gewohnt charmante Organ vom Röchelexperten John Tardy muss vermutlich gar nicht erst erwähnt werden! Ebenfalls positiv: Dass die Truppe nach „Darkest Day“ mit einigen Personaländerungen zu kämpfen hatte, fällt gar nicht erst auf.

Die größte Stärke des Albums ist in gewisser Weise auch die offensichtlichste Schwäche. Denn so angenehm „Inked In Blood“ durchs Gehör schießt, so wenig möchte nach den ersten Durchgängen hängen bleiben. Jedes einzelne Stück klingt wie bereits gehört – ein Gefühl, das dem Album keineswegs gerecht wird, aber doch aufzeigt, dass die großen Zeiten des schleppenden Todesbleis langsam aber sicher ein Ende finden. Keine Frage: Das neue Werk hat viele positive Momente, lässt allerdings den nötigen Eiergriff vermissen, den Obituary Anfang der 90er Jahre wie keine andere Band aus Florida zelebrierten. „Inked In Blood“ ist bei Weitem kein Überflieger, aber immerhin solide genug, um die Fans zufrieden zu stellen und mit dem Wunsch auf mehr auszustatten. Etwas mehr Seele hätte dem Output an der ein oder anderen Stelle gut getan.

Was bleibt unterm Strich? Nun, Obituary bleiben sich einmal mehr treu! Ob man das Album jedoch unbedingt in die heimische Sammlung aufnehmen muss, ist ganz an den eigenen Todesblei-Enthusiasmus gekoppelt. Die Amis sorgen für keine Überraschungen, dafür jedoch für einen gelungenen Wink mit dem Neunziger-Zaunpfahl. Gutes Ding! Aber eben auch nicht mehr als das.

Tracklist:
1. Centuries Of Lies
2. Violent By Nature
3. Pain Inside
4. Visions In My Head
5. Back On Top
6. Violence
7. Inked In Blood
8. Deny You
9. Within A Dying Breed
10. Minds Of The World
11. Out Of Blood
12. Paralyzed With Fear