Opeth – The Candlelight Years

Die Compilation „The Candlelight Years” von Opeth ist ein Japan-Import, der angeblich auf 2000 Stück limitiert ist (ich habe da immer so meine Zweifel, da im Internet immer erstaunlich viele Exemplare vertreten sind…) und die ersten drei Alben der Band enthält: „Orchid“, „Morningrise“, „My Arms Your Hearse“ sowie diverse Bonustracks, wobei ich nicht weiß, inwiefern diese Tracks nicht schon auf anderen Scheiben vertreten waren. Erschwerend kommt hinzu, dass das Booklet in Japanisch gehalten ist, die Schriftzeichen machen es einem also unmöglich, sich mit dem Inhalt näher zu beschäftigen.

Opeth - The Candlelight Years

Opeth – The Candlelight Years

Opeth zählen mittlerweile zu den kommerziell erfolgreicheren Bands der Szene, was mich im nach hinein aber doch etwas verwundert, da das Niveau der Band über jeden Zweifel erhaben und eigentlich gar nicht typisch für eine breite Fanschar ist.

Opeth spielen Melodic Death, eher vergleichbar mit Gates Of Ishtar oder Unanimated (viel Lead-Guitar a la Iron Maiden) und weniger orientiert am Stil von In Flames, dafür aber gepaart mit Progressive Rock aus den 70ern (!). Gerade diese ungewöhnliche Kombination funktioniert besser, als man zunächst glauben mag. Für mich stellt diese Compilation die erste intensivere Auseinandersetzung mit der Band dar, Andere werden vermutlich bereits wissen, wie die Alben klingen, daher soll nun nur ein kurzer Abriß der Scheiben erfolgen.

Orchid

Das Debüt aus dem Jahre 1995 beginnt mit dem 14 minütigen „In Mist She Was Standing“ zunächst recht flott, ein treibender Rhythmus und Maiden-mäßige Gitarren geben den Ton an. Im weiteren Verlauf wird sich das Stück häufig mal mit etwas flotteren, mal mit ruhigeren Passagen abwechseln, wobei, und das gilt für die gesamte Scheibe, der Schwerpunkt eigentlich eher auf der Progressive-Seite liegt, bis auf Akerfeldts Stimmorgan scheint die Death Metal Schlagseite eher gemäßigt durch.

Dafür rücken vor allem die ruhigen, manchmal folkigen Passagen in den Vordergrund, und diese haben es wirklich in sich! Zum Teil bekommt man den Eindruck, Iron Maiden und Camel (eine Progressive Rock Band aus den 70ern) haben ein Album eingespielt und einen Death-Kreischer als Fronter verpflichtet.

Gerade dieser Gesangsstil könnte sich dann für den Einen oder Anderen auch als Hürde erweisen, wenn man nicht auf Death steht oder zumindest bei den Lyrics nicht weiß, was einen erwarten könnte. Ich war zunächst auch etwas skeptisch. Als ich schöne Melodien hörte und dann plötzlich etwas von einem verrottenen Torso gekreischt wurde, dachte ich erst „was ist denn hier kaputt“. Genau diese bizarre Mischung bekommt aber, bei mehrmaligem Hören ihren Reiz.

Allerdings darf bei „Orchid“ auch nicht verschwiegen werden, dass es Probleme beim Songwriting gibt. So clever und schön manche Melodien auch sind, vieles wirkt noch etwas unausgegoren. So passt der langatmige Mittelteil von „Under The Weeping Moon“ nicht wirklich in das Stück und stellt für mich sogar einen echten Atmosphäre-Killer dar. „Silhouette“ wiederum ist ein schönes Instrumental, bei dem ich immer wieder überrascht bin, wie gut eigentlich ein Piano klingen kann. Zum Teil erinnert der Song ein wenig an A Psychotic Waltz der gleichnamigen Band vom Album „A Social Grace“. Mit „Into The Frost Of Winter“ gibt es dann noch einen Bonus Track, der von irgendwelchen Demo-Sessions stammen muss, leider ist die Soundqualität nicht wirklich berauschend.

„Orchid“ legt die Meßlatte für die Band bereits recht hoch, ist für ein Debüt aber erstaunlich experimentell ausgefallen und klingt an einigen Stellen, trotz des sehr starken Auftakts durch „In Mist She Was Standing“ noch etwas unausgegoren. Vor allem die hohe Progressive Rock-Schlagseite ist in diesem frühen Stadium eigentlich recht erstaunlich denn… (3,5 Punkte).

Morningrise

Auf dem Zweitling sollte diese etwas zu Gunsten des Death Metals zurück geschraubt werden. So klingt „Morningrise“, 1996 entstanden, für mich eigentlich eher wie ein mögliches Debüt, da beide Elemente gleichwertig zum Zuge kommen.

Zu erwarten war diese Entwicklung also nicht unbedingt. Die gängige Meinung im Internet besagt zwar, dass „Morningrise“ der Schwächere Output sei (nachzulesen auf www.metal-archives.com), ich sehe das aber anders, da das Songwriting meines Erachtens viel besser funktioniert. Der Opener „Advent“ präsentiert sich direkt etwas härter als „In Mist She Was Standing“ vom Vorgänger, die Passagen, in denen Akustik-Gitarren verwendet werden, wirken stimmiger eingebaut und erschließen sich vor allem nicht beim ersten Durchgang.

Ich werte diesen Umstand als echten Pluspunkt, erhalten die Songs gerade dadurch echten Tiefgang.

Nach einiger Zeit kommen einem dann Melodien in den Sinn, die man vorher nicht bemerkt hat und die den Kopf so schnell nicht mehr verlassen. Das Niveau hat sich auf dieser Scheibe definitiv gesteigert, Songs wie „ The Night And The Silent Water“ oder „Black Rose Immortal“ wirken einfach runder und lassen einen nicht mehr los. Als Bonus gibt es den Song „Eternal Soul Torture“, wie schon zuvor eher mäßige Soundqualität und vermutlich von irgendeinem früheren Demo stammend. (4,5 Punkte)

My Arms Your Hearse

Die 98er Scheibe geht, was die Härte angeht, noch einen Schritt weiter, lässt aber im Gegenzug an bestimmten Stellen wieder deutlicher den 70er Bezug durchschimmern. So gibt es bei „When“ beispielsweise eine kurze Passage, die auch von Greg Lake von Emerson, Lake & Palmer hätte stammen können. Akerfeldts cleaner Gesang hat sich seit dem 3 Jahre zurückliegenden Debüt ebenfalls verbessert und man merkt, dass sich hier jemand der Vielseitigkeit seiner Stimme bewusst ist. Auch lassen sich hin und wieder leichte Stoner-Elemente ausmachen, die gut in das Gesamtkonzept passen und den zum Teil hypnotischen Charakter der Scheibe unterstreichen.

Im direkten Vergleich zu „Morningrise“ empfinde ich „My Arms Your Hearse“ etwas glatter, was aber nicht bedeutet, dass die Melodien an Genialität eingebüßt haben. Als Bonus Tracks gibt es zum einen mit „Circle Of The Tyrants“ von Celtic Frost eine nette Cover Version, wobei mir das Original (natürlich) besser gefällt. Zum anderen wird Iron Maidens „Remember Tomorrow“ vom damaligen Debüt der eisernen Jungfrauen dargeboten. Beide Bonus Tracks sind definitiv besser produziert als die vorangegangen auf „Orchid“ und „Morningrise“ (4 Punkte).

Fazit

Nun haben wir mit „Orchid“ und „My Arms Your Hearse“ zwei Alben, die jeweils 3,5 und 4 Punkte einfahren, sowie mit „Morningrise“ 4,5 Zähler. Warum dieser Compilation nun 5 Punkte geben? Ganz einfach: Alle drei Alben sind überdurchschnittlich, wenn nicht sogar Super, und sie sind in sehr schicker Aufmachung, sofern nicht schon vergriffen, inklusive 4 Bonus Tracks für im Schnitt 22 Euro zu haben. Solange es diese Compilation noch gibt, unbedingt zugreifen!

Zum Abschluss noch eine Anmerkung von mir:

Vielen Leuten, die auf Opeth stehen, ist scheinbar gar nicht bewusst, woher die Band ihre Einflüsse bezieht. Meine Empfehlung lautet, einfach mal in Bands aus den 70ern wie Camel (z.B. „Mirage“ oder „Moonmadness“), Yes (z.B. „Yessongs“), Emerson, Lake & Palmer (z.B. „Tarkus“) oder Caravan (z.B. „In The Land Of Grey And Pink“) reinzuhören. Der Sound ist natürlich veraltet und auch der Synthesizer klingt heutzutage sehr ungewohnt, aber wer sich die Mühe macht, wird viele Melodien entdecken, die auch Opeth verwenden, und vielleicht sogar noch mehr. Nur Mut!

Topscore!

Autor: SevenChurches

Opeth – Heritage

Man kann es auch übertreiben: Lieber Mikael Åkerfeldt, das geht jetzt echt zu weit! Dieses Rumgedudel um des Rumgedudels willen; keine vernünftigen Songstrukturen; keine spannenden Melodiebögen… Was soll der Scheiß?

Opeth – Heritage

Opeth – Heritage

In der Vergangenheit waren Opeth eine Band, die für einige gute bis exzellente Songs in der Schnittmenge von Death Metal und Progressive Rock verantwortlich zeichnete. Die Stimme von Mikael wechselte zwischen Growls und Klargesang und genau zwischen diesen Extremen war auch das Songwriting angesiedelt. Es lebte von dem Kontrast zwischen brutal und einschmeichelnd und erzeugte so eine Spannung, die Opeth zu einer unverwechselbaren Band machte.

Nun also der Stilwechsel: Kein Wechselspiel mehr zwischen den verschiedenen Idealismen sondern nur noch Seventies-beeinflusster Prog-Rock. Keine schlechte Idee, dachte auch ich mir. Diese Art der Musik ist nicht der schlechteste Einfluss und so war ich auch schon gespannt auf das neue Werk der Schweden.

Nachdem ich allerdings immer mehr Informationen zum Album las und erste Vorabauszüge der Musik gehört hatte, schlug meine Vorfreude schnell in Skepsis um.

Åkerfeldt geriert sich in den Interviews wie ein oberschlauer Klassenstreber, der alle Klassiker des 70s-Prog wie eine Maschine runter predigt und uns damit seine ach so tolle Fachkenntnis präsentiet. Das Problem an der Sache ist nur, dass Åkerfeldt für diese Art von Musik (reiner Prog-Rock) absolut keine ausreichenden Songwriter-Fähigkeiten besitzt. So kommt bei ihm keine spannende Musik heraus, die nach neuen Wegen und Ausdrucksformen sucht (eigentlich ja die Bedeutung des Wortes „Progressiv“!), sondern nur ein uninspiriertes Rumgeklimper auf akustischer Gitarre und Piano, welches einem schon nach 30 Sekunden des Intros auf den Sack geht!

Meine Empfehlung an alle Prog-Rock-Fans: Finger weg von diesem zum langweiligen Selbstzweck verkommenen Album! Schaut lieber beim Plattenhändler eures Vertrauens nach alten Schätzen aus den 70ern (z.B.: „In The Court Of The Crimson King“, „Aqualung“ oder „Caress Of Steel“) anstatt die Kohle hierfür rauszuwerfen.

Tracklist:

01. Heritage
02. The Devil’s Orchard
03. I Feel The Dark
04. Slither
05. Nepenthe
06. Häxprocess
07. Famine
08. The Lines In My Hand
09. Folklore
10. Marrow Of The Earth

Autor: Jynz

Opeth – The Roundhouse Tapes

Am 9. November 2006 eroberten die fünf Stockholmer von Opeth das Londoner Roundhouse. Ein Jahr später erschien die Live CD „The Roundhouse Tapes“ und weil alle guten Dinge bekanntlich drei sind, erschien am 31-10-2008 die passende DVD.

Opeth - The Roundhouse Tapes

Opeth – The Roundhouse Tapes

Mit dem Roundhouse haben Opeth eine wirklich gute Wahl getroffen. Eine einzigartige Atmosphäre, die während des kompletten Konzertes allgegenwärtig gewesen ist.

Das historische Gebäude (1846) diente damals als Dampflokomotivenwerkstatt und bietet nicht nur einen riesigen, runden (!) Raum, sondern auch einige Details wie zum Beispiel große Säulen, eine effektive Bühne und einem facettenreichen Sound- und Lichtsystem.

Mit dieser DVD werden Opeth ein Teil der Roundhouse – Ära wie zum Beispiel schon The Rolling Stones, Jimi Hendrix, Motörhead u.v.m.

Opeth eröffneten ihr Konzert mit dem Stück „When“, von ihrem ersten Album „Orchid“. Die komplette Setlist war wirklich sehr ausgewogen und für Jeden war etwas dabei.

Insgesamt neun Stücke wurden an dem Abend zum Besten gegeben, hört sich im ersten Moment wenig an, aber man muss bedenken, dass die einzelnen Stücke sehr lang sind und 100 Minuten einfach zu schnell enden.

Das Roundhouse bot einen sehr kraftvollen Sound, der absolut klar und eindringlich war. Es gab keinen „Instrumentenmatsch“, jedes Instrument war akzentuiert und qualitativ hochwertig.

Die optimale Bildqualität entschädigt diejenigen, die nicht dabei sein konnten. Nahaufnahmen von einzelnen Soliparts versüßten mir den Anblick. Besonders gut gefallen haben mir die schwarz-weiß Spielereien bzw. Momente, in den melodischen und ruhigen Parts. Das verlieh der gesamten Atmosphäre einen pathetischen Nachdruck.

Die verschiedenen Kameraeinstellungen sorgten für Abwechslung und brachten die Stimmung, die dort herrschte, zu mir ins Wohnzimmer.

Natürlich war nicht nur das gesamte Drumherum in einem super Zustand, Opeth hatten sichtlich Spass an ihrem Konzert und freuten sich über die zahlreichen Fans.

Frontman Mikael Akerfeldt überzeugte wieder einmal mit seinen tiefen und düsteren Growls und seinem gefühlvollem Klargesang. Mit seiner charismatischen Art das Publikum in den Pausen zu belustigen und auch während des Konzertes zu animieren, gab es das „rund-um-wohlfühl-Paket“.

Auch die restliche Band lieferte ein authentisches Zusammenspiel ab und überzeugte die feiernde, moshende Meute.

DVD – Extras : Interview mit der Band und einigen Fans (ohne Untertitel), Soundcheck, Bildmaterial

Fazit: Ich finde diese DVD besser als die Erste. Das Ambiente, die Atmosphäre und die Setlist harmonieren absolut miteinander. Natürlich könnten es mehr Lieder sein, aber man kann nicht alles haben.

Autor: Susanna

Opeth – The roundhouse tapes [Live]

Ein Livealbum von Opeth; eigentlich bin ich ja kein Freund von Livealben, aber diesmal war ich schon gespannt und jeder, der das Vergnügen hatte die Schweden mal live zu bewundern, kann es sicher verstehen.

Opeth - The Roundhouse Tapes

Opeth – The Roundhouse Tapes

Kann diese Atmosphäre auf eine CD übertragen werden? Ich nehms vorweg: Ja. Der Sound der „Roundhouse Tapes“ ist brilliant und es kommt während der Songs kaum das Gefühl auf, man höre wirklich eine Live CD. Dieses Feeling stellt sich dann aber sehr schnell ein, wenn die unglaublich lustigen Ansagen von Bandkopf Michael Åkerfeld kommen. „This is the blow job scene bevor the anal scene“, das sagt eigentlich schon alles.

Dabei traut man es dem schüchtern wirkenden kleinen Michael gar nicht zu, doch in ihm steckt neben den vielen musikalischen Qualitäten auch ein erstklassiger Entertainer.OK, soviel zu der Atmosphäre und dem Drumherum. Weiterer Pluspunkt der CDs ist die klasse Songauswahl. Man spielt sowohl altes, als auch neues Material und dabei eine schöne Mischung aus Standards und wenig live dargebotenen Stücken. Es werden bis auf „Deliverance“ alle Alben bedient. Dazu variierd natürlich auch die Heftigkeit der Stück von z.B. „Windowpane“ bis zum Klassiker „Demon Of The Fall“, welches auch den Abschluss bildet.

Da ich es immer schwierig finde über Livealben zu schreiben, weil man ja eigentlich nur eine Compilation von Songs der Band garniert mit kleinen Gimmicks bekommt, überlasse ich es hiermit auch dem geneigten Leser wie er mit dieser Scheibe verfahren will. Für Opeth Fans sicher ein Muss, für Proggis eine wertvolle Aufbesserung der Sammlung, für alle Metaller eine Gute CD und für Neulinge sicher ein ziemlich cooler Einstieg in die Materie Opeth. Wer sich noch selbst ein Bild machen möchte, der sollte sich die zweite CD mal antun. OK, es sind 35 Minuten, aber diese braucht man für Opeth auch und es wird gewiss nicht langweilig.

Autor: Zwiebel

Weitere Infos: http://www.opeth.com


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