Eine sehr interessante und ansprechende Interpretation des alten Volksliedes. Und genau da setzten Oysterband ihren Hebel an. Bereits ca. 1976 in Canterbury gegründet aus zwei sich auflösenden Bands, fimierten sie erst unter The Oyster Band und brachten respektable zehn Alben bis ca. 1990 unter eigenem Label auf den Markt. Danach erfolgte die Umbenennung einfach in Oysterband und zwei weitere Alben mischten den Musikmarkt stark auf, sodass sich die Band sehr bald weit oben in der Folk-Rock-Szene sah, vergleichbar mit Bands wieThe Levellers.

Das musikalische Konzept wurde leicht verändert, und die Band nahm nun stärker Bezug auf politische Themen, was in ihrem bis dato härtesten Album gipfelte. Danach besann’ sich die Band wieder zu etwas gemäßigteren Lauten und brachte weitere acht Alben auf den Markt (unter anderem Live-Aufnahmen, Zusammenfassungen der frühen Jahre und eine EP).Die Mitglieder der Band unterlagen lange Jahre einer starken Fluktuation und so haben sich schlussendlich bis heute nur John Jones (v, acc), Ray Cooper („Chopper“) (b, cel, v), Alan Prosser (g, v), Lee Partis (d, v) und IanTelfer (vio) gehalten.Durch die wunderbare Einstimmung des ersten Tracks in die Welt des britischen Folk Rock geht der zweite Track „Here comes The Flood“ direkt ins Ohr und lässt einen mitgehen. Wenn auch auf völlig andere Art und Weise als es z.B. die schnellen Speed Metal-Alben tun. Rein durch melodiöse Gitarren, gepaart mit Violinen und teilweise zum Kanon ausufernde Vocals. Nicht immer von Friede und Freude berichtend, erschließen sich die Texte hervorragend im Zusammenspiel mit den Melodien, und doch reicht es auch bei „Where The World Divides“ zum locker-flockigen Mitschunkeln. Nachdem die ersten vier Tracks der Scheibe bereits beim ersten Reinhören einen fast magnetisch aufstehen lassen, um sich zur Musik mitzubwegen, bekommt man dankenswerterweise mit „Bury Me Standing“ einen etwas ruhigeren Track geliefert, den man bei einem Ausgleichsbier an der Theke genießen kann. Und so lernt man auch die zweite Seite der Band kennen, die ebenso schwermütigere und ruhigere Tracks zu Werke bringt, und zeigt, dass sie keinerlei Schwierigkeiten damit hat.Mit „Everything Must Go“ wird wieder ein wenig mehr Gas gegeben, wenn auch zaghaft, aber spätestens mit „Control“ geht dieses Zaghafte auf der Tanzfläche wieder verloren und man schwebt in der Musik.Mit „The Boy’s Still Running“ geht es wieder etwas ruhiger zu, und man hat Zeit wieder etwas Luft zu schnappen. Wenn auch sicherlich nicht draußen, da der Track einen genialen Inhalt hat – meiner Meinung nach. Direkt danach bitten Oysterband wieder auf die Tanzfläche, und schieben einem direkt nochmal zwei Tracks in die Beine. Den krönenden Abschluss der Scheibe bietet „Dancing As Fast As I Can“, das wieder balladentypisch ruhiger daher kommt, und einen nach der Reise zurück auf das Sofa entlässt. Ein gekonntes Arrangement.Fazit: Überlange Tracks sucht man vergebens auf dem Silberlink, eher im Kurzen und Knackigen liegen die Stärken von Oysterband und dies ist sicher nicht als Nachteil zu sehen. Sie beweisen damit, dass keine Monsterlieder von weit über acht Minuten nötig sind, um einen in die Welt zu locken, die die Band einem auftut. Dass trotz des sarkastischen oder gar politischen Inhalts schnelle und tanzbare Lieder machbar sind, war bis jetzt für mich fast ein Paradoxon, Oysterband haben mich da eines Besseren belehrt. Da mir die Vergleiche zu den Vorgängeralben fehlen kann ich diese CD schwerlich einsortieren in die Leistung der Band, aber es handelt sich unter Garantie um ein Meisterwerk, keine Frage. Ein Kauf lohnt sich wohl für jeden Folk-Rock-Fan.

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