Die Paganfest Tour erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit und so gehört ein Besuch selbiger Veranstaltung durch das OsnaMetal.de Team natürlich zum Pflichtprogramm. Zumal die Veranstalter in diesem Jahr mit einem äußerst abwechslungsreichen Billing am Start sind. Für den depressiven Doomer ist ebenso etwas dabei, wie für den partywütigen Wochenend-Wikinger. Auf also zur Extended Show nach Oberhausen, wo man neben den regulär bestätigten Bands auch noch einige Special Guests bewundern kann.


Direkt beim Einlass fallen uns einige Dinge auf. Die Theken und die Garderobe sind neu organisiert, was zur Folge hat, dass einige Sitzplätze im Bereich der Konzerthalle weggefallen sind. Das ist natürlich bei einem Neun-Stunden-Event nicht ganz so schön. Positiv fällt allerdings auf, dass die Veranstalter in Sachen Verpflegung aufgerüstet haben. Gab es beim Heidenfest lediglich Bockwürstchen mit Toast, kann man heute zwischen Bockwurst, Currywurst, Kartoffelsalat und vegetarischen Frikadellen wählen. Und ein Preis von unter vier Euro für Currywurst und Kartoffelsalat ist auch durchaus fair. Nun aber erst einmal zu den Bands.

Den Anfang machen heute die Jungs von Obscurity, die mit Spielfreude und Bühnenpräsenz überzeugen können. Trotz der wirklich sehr frühen Anfangszeit für einen Wochentag und der kurzfristigen Bekanntgabe des Slots sind bereits um die 100 Leute in der Halle, als der solide Opener mit leider nur 30min Spielzeit beginnt. Obwohl Obscurity zuerst ran müssen, ist der Sound bereits gut eingestellt. Vom kommenden Album wird das neue Stück „Weltenbrand“ vorgestellt. Ansonsten ist in der kurzen Zeit nur Platz für die altbewährten Songs wie „Nach Asgard wir reiten“ und „Bergischer Hammer“. Sehr gelungener Auftritt, man darf sich auf das neue Album und die damit verbundene Tour Ende des Jahres freuen, gerade weil die Spieldauer dann auch länger sein wird. Schön auch, dass die Band nach dem Auftritt eine ganze Zeit am eigenen Merchstand anzutreffen ist und man so die Gelegenheit zu einem kleinen Schwätzchen und Autogrammen hat.

Nach kurzer Umbauphase folgt das ultralange Intro der Isländer Sólstafir. Fast fünf Minuten stehen die Jungs im Halbdunkel auf der Bühne bevor sie mit ihrer Mischung aus Folk, Metal und Psychedelic Rock beginnen. Die Musik versprüht eine sehr düstere, doomige Atmosphäre, was sich auch auf die Zuschauer niederschlägt. Von der Feierstimmung, die gegen Ende des Obscurity Gigs aufkam ist nun nicht mehr viel zu spüren. Und so verwundert es auch nicht, dass ein nicht unerheblicher Teil der Zuschauer in die Vorhalle abwandert. Musikalisch kann man Sólstafir jedoch einen soliden Gig zugestehen, ist aber halt nicht jedermanns Sache.

Bei Heidevolk ist es dann vor der Bühne schon richtig gut voll, und nicht nur bei der Wall of Death wird ordentlich gerockt. Die Holländer haben die Menge wirklich gut im Griff und das Sängerduo Mark Splintervuyscht und Joris Boghtdrinker sucht immer wieder den Kontakt zu den Fans. Diese dankten es ihnen immer wieder mit Schlachtrufen in den Pausen. Zum ersten Mal am heutigen Abend kann man wirklich von Partystimmung sprechen. Es wird getanzt, gesungen und gesprungen und bei den schnelleren Stellen in den Songs, flogen auch schon mal die ersten Bierbecher in die Höhe. Höhepunkte der Show sind natürlich „Saksenland“ und das Abschlusslied „Het wilde her“. Schade, dass der Auftritt so schnell vorbei ist.

Zu den Klängen des Intros von Negură Bunget leert sich die Halle nach den ersten Tönen bereits wieder, denn auch die Rumänen gelten nicht gerade als Partyband. Genau genommen kann man sie auch nicht wirklich dem Pagan Metal zuordnen, da sie sich kaum mit heidnischen Themen beschäftigt, sondern schwerpunktmäßig auf Naturmystik fokussiert ist. Auf jeden Fall kann diese komplexe Mischung aus Black, Folk und Progressive Metal heute Abend nicht so recht punkten. Hinzu kommt, dass der Sound leicht übersteuert ist und gerade im hinteren Bereich der Halle ziemlich matschig rüberkommt. Auch kommt meiner Ansicht nach die Interaktion mit dem Publikum ein wenig zu kurz. Irgendwie scheint sich am heutigen Tage ein stetes Auf und Ab zwischen Partystimmung und Düster-Romantik im Billing abzuzeichnen.

Direkt im Anschluss an die Düsterrocker aus Transsylvanien steht nämlich der bayrische Partygarant Equilibrium auf den Brettern. Obwohl der Sound beim ersten Stück total schlecht und übersteuert ist, bekommen die Tontechniker das dann doch relativ schnell in den Griff. Ab dem zweiten Song ist der Sound deutlich besser. Überaschend ist, dass der Schwerpunkt der Show auf den alten Klassikern der Band liegt. Es werden fünf! Songs (incl. „Mana“) von der „Turis Fratyr“ gespielt, von der neuen Scheibe jedoch nur der „Ewige Sieg“. Ein neues Album wird ebenfalls angekündigt, man darf also gespannt sein. Die Synthesizer sind dieses Mal präziser eingestellt als man es zuletzt gewohnt war und passen von der Laustärke besser in die Show. Dort hat man sich gegenüber den letzten Auftritten wirklich verbessert. Die Wall of Death hat hierbei allerdings nicht so gut geklappt, da mehrere Metalheads zu früh losgelaufen sind und der Rest dann darüber gestolpert ist. Hat doch einige Zeit gedauert bis alle wieder standen. Ansonsten aber ein sehr schöner Auftritt mit guten Songs. Sowas hat man die letzten Jahre seit dem Sängerwechsel nicht mehr gehabt.

Primordial sind so ein bisschen die Paradiesvögel des Abends (Sofern man das bei einem Paganfest überhaupt sagen kann), so tragen die Jungs doch als einzige ein ausgeprägtes Corpsepaint. Ganz besonders heraus sticht Sänger Alan „Nemtheanga“ Averill, der sich mal kniend, mal mit gefalteten Händen dem Publikum präsentiert und dabei einen sehr charismatischen Eindruck macht. Auch musikalisch kann man von bunter Vielfalt sprechen. Die ausladenden Stücke strahlen live noch einmal mehr Atmosphäre aus als auf der Platte. Es ist schon beeindruckend, wie gut die Band die sehr komplexen Stücke rüberbringt und das Publikum damit in seinen Bann zieht. Klar, dass hier nicht die Feierstimmung aufkommt wie zuvor bei Equilibrium, das passt aber auch nicht zum düster-doomigen Ansatz der Band. Die Fans scheinen auf jeden Fall begeistert zu sein und strecken zwischen den Stücken immer wieder die Pommesgabel in die Luft.

Den durstigen Finnen von Korpiklaani merkt man den Spaß am Spielen direkt an, für den ersten Gig dieser Tour haben sie sich schon richtig ins Zeug gelegt und auch mit so manchen Trinkliedern nicht gespart. Nachdem bei Equilibrium der Met bereits literweise geflossen ist, wird nun mit „Vodka“, „Tequila“ und „Beer“ ordentlich nachgelegt. Wer dann noch stehen kann, wird Zeuge einer sehr speziellen Version von Motörheads „Iron Fist“. Diese Jungs sind wirklich schräg, und dass das auf die Fans abfärbt, kann man spätestens beim Circle Pit zum einminütigen Geigensolo bewundern. Richtig guter Auftritt, diese Band lebt sowohl ihre Musik als auch ihre besungenen Themen. Einziger Minuspunkt ist wohl, dass Korpiklaani aufgrund ihres ewig langen Soundchecks ihren Set ein wenig einkürzen müssen und am Ende keine Zeit mehr für den „Happy little Boozer“ übrig ist. Schade.

Noch vor wenigen Jahren galten Eluveitie allenfalls als Geheimtipp. Heute dürfen sie als Headliner zur besten Spielzeit auf die Bühne. Das zeigt schon sehr deutlich, wie sich diese Band in der Gunst der Fans nach vorne gespielt hat. Und auch heute werden die Schweizer frenetisch begrüßt, als sie zum Proloque des neuen Albums auf die Bretter steigen. Los geht’s dann mit „Helvetios“ und „Luxtos“ und sofort bildet sich ein ordentlicher Moshpit. Die Stimmung ist super, und auch die Band ist sehr gut aufgelegt. Der sehr gut abgemischte Sound macht das Zuhören zu einem echten Vergnügen. Die Growls und Screams kommen ebenso gut rüber wie die cleanen Parts, und die Gitarren klingen einfach bretthart. Spielerisch überzeugen Eluveitie auf ganzer Linie. Das liegt zum einen am gekonnten Einsatz der verschiedenen Instrumente und zum anderen an der klasse Interaktion zwischen Band und Publikum. Die Stücke vom neuen Album, auf dessen Schwerpunkt der Auftritt liegt, kommen gut an, richtig abgefeiert werden aber natürlich auch die Klassiker wie „Inis Mona“ oder „Thousandfold“. Alles in allem also ein Super Gig. Mit „Havoc“ beschließen Eluveitie dann gegen kurz vor zwölf ihre Show und damit das Paganfest. Wer jetzt noch nicht genug hat, kann den Abend noch bei einem Bier im Helvete ausklingen lassen.

Was bleibt, ist ein überwiegend positiver Eindruck. Die Turbinenhalle hat sich als Location mehr als bewährt. Das Security- und Thekenpersonal hatte die Lage immer unter Kontrolle und hat sich freundlich um die Belange der Gäste gekümmert. Das abwechslungsreiche Billing sorgte zusätzlich für einen hohen Spaßfaktor. Allerdings erschwert die, für einen Werktag recht frühe, Anfangszeit schon massiv den Besuch der Veranstaltung. Gerade für Berufstätige oder Auswärtige. Hier sollte man überlegen, die Extended Shows entweder nur am Wochenende zu veranstalten oder mit zwei-drei Bands weniger zu starten.

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