Portugalurlauber mit Interesse für die dortige Musikszene könnten davon gehört haben, dort erschien „Cold Comfort“ bereits vergangenes Jahr im Mai. Jenes Debut kann nun, auch ohne Überweisung in den Süden Europas, erworben werden, meiner Informiertheit nach allerdings nur digital. Komplett abraten möchte ich davon nicht, eine Empfehlung kann aber nur sehr eingeschränkt ausgesprochen werden.

Besser als beim neunminütigen „Via Dolorosa“ wird’s leider nicht, aber großartig anders auch nicht. Die Songs sind nach dem gleichen Schema aufgebaut. Nicht weiter tragisch, wenn man es dem Hörer zu verschleiern wüsste. Hier liegt die Sache doch penetrant in der Muschel. Ein meist guter, mitreißender Beginn wird von einer ruhigen, gesprochenen oder verhalten gesungenen Strophe abgelöst, mündet im seicht gekreischgrunzten Refrain. Dabei bietet man Stoff zwischen Allerweltsriffing und Halb-Doom-Brechern mit Leads zur Melancholiebefindlichkeit. Painted Black umarmen dabei sanft und lassen dabei doch ein wenig frösteln. „Winter (Storm)“ hätte die schmissige Rock-Single des Albums werden können, beschwört wiederum der Anfang, nur um erneut ins bewährte Schema zurückzufallen und damit die Songwritingkompetenzlücken aufzuzeigen.

Sie orientieren sich eindeutig an Neunziger-Schwermütern wie Paradise Lost, My Dying Bride oder den Heimatkollegen Moonspell. Verehrer dieser Bands können das Ding vielleicht antesten, oder bleiben halt beim besseren Original. Vor allem der Gesang erinnert streckenweise sehr stark an My Dying Brides Aaron Stainthorpe.

„Cold Comfort“ braucht Zeit zur Entfaltung, wahrscheinlich wie ein Portugieser Weissherbst. Was für die wenigen Phasen abseits des prägnant ähnlichen Aufbaus gilt. Den Rest kann man bis auf 200ml wegschütten.

Tracklist:

  • 01. Via Dolorosa
  • 02. Shadowbound
  • 03. The End Of Tides
  • 04. Absent Heart
  • 05. Cold Comfort
  • 06. Winter
  • 07. The Rain In June
  • 08. Inevitability