Wertung: 10 von 10

Ein Review zu diesem Album? Eigentlich sollte sich jetzt jeder vernünftige Metalfan fragen: „Trägt der Typ jetzt Eulen nach Athen, oder was?“. Ja, dieses Album ist ein Meilenstein. Eine (wie der Titel schon sagt) musikalische Ikone der 90er-Jahre. Warum dann also dieses Review?


Weil ich den subjektiven Eindruck habe, dass die Bedeutung dieses Opus in den letzten Jahren nicht mehr genügend gewürdigt worden ist. Dies ist zum Großteil auch die Schuld der Band selbst, da sie mit immer beschisseneren Alben in den letzten 15 Jahren dafür gesorgt hat, dass ihr grandioses Frühwerk ein wenig in Vergessenheit zu geraten scheint. Alleine die Tatsache, dass in dem aktuellen Liveset der Briten kein einziger Song von “Icon” mehr vorkommt, ist ein verdammtes Sakrileg!

Der letzte musikalisch ernstzunehmende Output war das nur um Nuancen schwächere Nachfolgealbum “Draconian Times”. Mit “Host” haben sie dann begonnen, ihr eigenes Denkmal mit dem Hinzunehmen von elektronischen Elementen und dem Zurückfahren des “Metal-Anteils” in ihrer Musik zu zerstören.

Paradise Lost’s erste Scheiben waren noch stark Death Metal beeinflusst. Allerdings haben sie immer schon die langsamere Variante dieses Musikstils bevorzugt. Obwohl in Szenekreisen auch schon Alben wie “Gothic” einen hohen Stellenwert genießen, hat die Band meiner Meinung nach erst mit “Icon” zu ihrer wahren Stärke gefunden. Durch das Verwerfen der Death Metal-typischen Grunts und dem Wechsel zu der “klaren” Singstimme von Nick Holmes wurden Paradise Lost zu Verfechtern des “traditionellen” Metal in einer Zeit, in der die harte Musikszene von Waschlappen wie Kurt Cobain zu einem Teenage-Witz degradiert zu werden schien.

Was kann man also erwarten, wenn man “Icon” in seinen Player schiebt? Zuerst einmal geniale Gitarrenhooks, die sich schon beim ersten Hören in die Gehirnwindungen einbrennen, aber im Dauerkonsum trotzdem keine Abnutzungserscheinungen zeigen. Dann die wirklich geniale Stimme von Nick Holmes, die perfekt mit der getragenen, majestätischen Musik harmoniert. Generell im Midtempo angesiedelte Songs (Ausnahmen: “Rememberance” oder auch “Weeping Words”), die eine gewisse Traurigkeit ausstrahlen, ohne dabei in nerviger Jammerei zu ertrinken. Dann muss man natürlich hier auch noch die absolut exzellente Produktion von Simon Efemey lobend erwähnen.

Dieses Album gehört zweifellos in die Sammlung eines jeden Metalfans, der sich für erhabene Musik begeistern kann und außerdem noch einer gewissen Melancholie freundlich gegenüber steht.

Das Beben, welches dieses Werk Anfang der Neunziger in der Metalwelt ausgelöst hat, war mehr als berechtigt und sollte Grund genug sein, sich mal (wieder) mit einer Pulle Schnaps vor seine HiFi-Anlage zu setzen und sich dieses Kunstwerk am Stück zu Gemüte zu führen.

Songs, die man kennen muss: Ausnahmslos ALLE! Aber es gibt zwei Lieder, die nochmal besonders hervorstechen. Zum einen der Eröffnungs-Song “Embers Fire”: Hier gibt’s nach dem kurzen, atmosphärischen Intro sofort ein Jahrhundertriff um die Ohren gepfeffert. Das Lied steigert sich bis zum hymnischen Refrain und lässt einen, sobald man es einmal gehört hat, nie mehr los.

Zum anderen wäre da DER Signature-Song von Paradise Lost überhaupt: Mit “True Belief” hat man sich selbst übertroffen! Sprach ich eben von einem Jahrhundertriff bei “Embers Fire”, gehen mir hier, ehrlich gesagt, die Superlative zum Beschreiben des Riffs in “True Belief” aus. Wer diesen Song noch nie gehört hat, hat eine Bildungslücke, welche umgehend zu schließen ist! Müsst ihr kennen, werdet ihr lieben!

Trackliste:

  • 01. Embers Fire
  • 02. Remembrance
  • 03. Forging Sympathy
  • 04. Joys Of The Emptiness
  • 05. Dying Freedom
  • 06. Widow
  • 07. Colossal Rains
  • 08. Weeping Words
  • 09. Poison
  • 10. True Belief
  • 11. Shallow Seasons
  • 12. Christendom
  • 13. Deus Misereatur
Dieser Metaller.de Artikel wurde heute bereits 1x gelesen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen