Zu mittelalterlichen Klängen lud OsnaMetal.de im Rahmen der ersten Mittelalterveranstaltung ein. Die Prima Nocte versprach Freunden von Dudelsack und Minnesang einen unterhaltsamen Abend.


Die Tullamore Crew war ursprünglich vor ca. drei Jahren anlässlich eines Abischerz‘ gegründet worden, beschloss aber angesichts der guten Resonanz, noch nach dem Abitur weiter zu musizieren. Als erste Band der Prima Nocte begann sie schon um kurz nach 17.00 Uhr ihren Auftritt vor einem anfangs sehr spärlichen Publikum, das aber im Laufe der Zeit anwuchs.

Woher die Tullamore Crew ihren Namen hat, sollte kein Geheimnis bleiben, hatte die Band doch eine Flasche irischen Tullamore Dew Whiskey’s auf der Bühne stehen. Überhaupt war die Band sehr irlandlastig, spielte fröhliche Titel gegen die Briten („If you hate the british army clap your hands!“) und langsamere Stücke über irische Kleinstädtchen („Dirty Old Town“).

Um die Stimmung weiter einzuheizen schickte sich Sänger Frederik Kirch an, Whiskey im Publikum zu verteilen. Die mehr oder wenig freiwillig Beglückten verzogen verwundert ihre Mienen – und tatsächlich erwies sich dieser „Whiskey“ im Nachhinein als Eistee. Aber was zählt ist ja bekanntlich die Geste.

Das Highlight der Band kam zum Schluss mit einer Eigeninterpretation von Equilibrium’s „Met“, die zunächst in originalgetreuer Version zum Besten gegeben wurde. Aufgrund der kläglich ausfallenden Publikumsresonanz beschloss die Crew kurzerhand, sich dieser Stimmung anzupassen und stimmte „Met“ in einer Bluesversion an. Es folgte das Stück als Reggae-, Rap-, Volksmusik- und zum Schluss noch als Opernversion. Damit begeisterte die Band auch die letzen Zweifler von ihren denkwürdigen Entertainerqualitäten, musste aber dennoch direkt im Anschluss planmäßig die Bühne räumen.

In der Umbaupause sahen sich Besucher mit gutem Gehör unversehends in Richtung des naheliegenden Supermarktparkplatzes gezogen. Denn dort waren Dudelsäcke zu hören – viele Dudelsäcke. Die Sackratten, ein lose zusammengewürfelter Haufen aus Spielleuten der Gruppen Sonor Teutonicus, Forum Porcina und Obscuratis, spielte sich vor einigen Schaulustigen ein. Angesichts der rund 20 Musiker und der doch recht übersichtlichen Bühne des gastgebenden Westwerks stellte sich die Frage, wie der spätere Auftritt wohl ablaufen würde.

Es blieb jedoch nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, denn drinnen ging die Prima Nocte mit der Band Narrenfrey weiter.

Laut Frontfrau Fee ein für sie besonderer Auftritt, da die Gruppe wegen Veränderungen in der Bandbesetzung seit gut einem Jahr auf keiner Bühne mehr gestanden hatte. Nun hatte sie brandneue Songs im Gepäck, von denen die meisten eher ruhige Balladen waren. Ob es an der Konzertpause oder an der Wahl der Stücke lag, lässt sich nicht genau sagen, aber der Funke wollte nicht so wirklich überspringen. Mehr Begeisterung konnte die Band mit ihren schnelleren Stücken hervorrufen, trotzdem blieb es ein eher ausbaufähiger Auftritt.

Das bereits angesprochene Platzproblem lösten Die Sackratten souverän, indem sich elf Säcke und zwei Flöten in einem Halbkreis vor der Bühne ausbreiteten und nur die sechs Trommler auf der Bühne standen. Die Gruppe versprühte alleine schon durch die mittelalterliche Kleidung und die Felle auf den Trommeln den Hauch von Mittelalter, den viele der Anwesenden auf der Prima Nocte ansonsten schmerzlich vermissten. Hinzu kamen noch einige humorvolle Ansagen in Richtung Publikum („Vorsicht was ihr sagt, wir sind mehr als ihr“) und die Stimmung war perfekt. Vor allem der Evergreen „Was sollen wir trinken“ wurde durch die Masse an Musikern sehr überzeugend dargeboten. Aber auch zahlreiche weitere, zeitlich eher ins Mittelalter (und großzügig darum herum) einzuordnende Stücke sorgten dafür, dass 40 Minuten Spielzeit auch bei dieser Gruppe viel zu schnell verflogen.

Nach kurzer Umbauphase wurde es Zeit für einen der Höhepunkte des Abends. Ragnaröek aus Mecklenburg-Vorpommern betraten, von Nebel, Feuerspuckern und einem wuchtigen Intro begleitet, die Bühne. Effekttechnisch geschickt war hierbei der Amboss samt brennendem Schwert (das allerdings immer wieder vom „Schmied“ neu angezündet werden musste). Die Halle war erstmals fast voll und schon beim ersten Song „Spielmann“ flogen die ersten Haare.

Auch Ragnaröek sorgten mit Kleidung, Kriegsbemalung und Fellen für Mittelalterflair, und als der Schmied von einer adrett angekleideten jungen Dame an einer Kette auf allen Vieren in die Halle geführt wurde, um den Gästen Feuer ins Gesicht zu spucken, hatte die Band schon gewonnen. So durchfeierte sie ein erfreuliches Set und setzte zum Abschluss noch einen drauf, indem sie den Schmied am brennenden Amboss den Takt schlagen ließ.

Zurück blieben nach einer knappen Stunde Spielzeit nur einige versengte Haare und ein entsprechender Geruch.

Weiter ging es kurz darauf mit Ingrimm aus Regensburg. Sänger Fenris nahm die eher spärlich gefüllte Halle mit Humor und kündigte an, dass sie die Halle zwar nicht voll bekommen hätten, aber alle Weggebliebenen es bereuen sollten.

Ingrimm überzeugte sowohl optisch mit brachialem Kettenhemden-Outfit als auch musikalisch mit klassischem Mittelalterklang. Die Stimmung war, trotz einiger Soundfehler, super, alle anwesenden Gäste drängten sich mehr als freudig vor der Bühne. Ob nordische Trinklieder („Skål!“) oder Lieder für „alle Wichser dieser Welt“ („Der Stern“), für Abwechslung war gesorgt und auch einige neue Titel wurden zum Besten gegeben. So konnte Fenris schlussendlich nur vergnügt feststellen, dass sie es allen Nichtanwesenden so was von gezeigt hätten. Vollkommen zu Recht, denn Ingrimm haben auf ganzer Linie überzeugt.

Anschließend wurde es endlich Zeit für die Headliner Rabenschrey, die für die ursprünglich vorgesehenen Adorned Brood eingesprungen waren. Begrüßt wurden sie von einem recht vollen Raum mit wartenden Mittelalterfans.

Leider gab es im Laufe der Show immer wieder soundtechnische Schwierigkeiten und Monitorprobleme, die von der Band wenig wohlwollend aufgenommen wurden. Darauf zurückzuführen ist wohl die Energielosigkeit, die zum Teil die Stimmung im Publikum drückte und einige zu einem verfrühten Aufbrechen verleitete.

Insgesamt war es jedoch ein gekonnter Auftritt mit einem angemessenen Wechsel an ruhigen und mitreißenden Stücken. Topstimmung erreichte Rabenschrey schließlich mit dem Song „Hey, wir sind Heiden“ zur Melodie von Pippi Langstrumpf und dem Stück „Wir waren die Ersten“.

Insgesamt ein gelungener Abschluss einer super Veranstaltung, dessen einziges Manko, wie so oft, die fehlenden Publikumsmassen war.

Setlist Tullamore Crew:

  • 01 Morningstar
  • 02 Whiskey In The Jar (Irish Trad.)
  • 03 Blacksmith (British Trad.)
  • 04 Dirty Old Town (Irish Trad.)
  • 05 Black ‚N‘ Tans (Irish Trad.)
  • 06 Haughs Of Cromdale (Scottish Trad.)
  • 07 Met

Setlist Narrenfrey:

  • 01 Schattennacht
  • 02 Janus
  • 03 Minne
  • 04 Melancholie
  • 05 Laienspiel
  • 06 Labyrinth

Setlist Die Sackratten:

  • 01 A Vis Lo Loop
  • 02 Madre Deus
  • 03 Totus Floreo
  • 04 Totentanz
  • 05 Skudrinka
  • 06 Was Wollen Wir Trinken
  • 07 Schottischer Tanz
  • 08 Lady In Black
  • 09 Palästinalied
  • 10 Platerspiel

Setlist Ragnaröek:

  • 01 Spielmann
  • 02 Wahnsinn
  • 03 Meister Röckle
  • 04 Rache
  • 05 Fleisch
  • 06 Knochenschiff
  • 07 Lanze
  • 08 Küssen
  • 09 Totentanz
  • 10 Ragnaröek
  • 11 Tanz Mit Mir

Setlist Ingrimm:

  • 01 Todgeweiht
  • 02 Sündig Fleisch
  • 03 Lumpenpack
  • 04 Teufelsweib
  • 05 Spielmann
  • 06 Diabolie
  • 07 Skudrinka
  • 08 Ingrimm
  • 09 Der Letzte Tanz
  • 10 Sag Mir Nicht
  • 11 Der Stern
  • 12 Vogelfrei

Setlist Rabenschrey:

  • 01 Mädelein
  • 02 Auf Den Fersen
  • 03 Hurenlied
  • 04 Walhalla
  • 05 Dreckstück
  • 06 Tanze Dir
  • 07 Hey, Wir Sind Heiden
  • 08 Saufen
  • 09 Komm Mit Mir
  • 10 Weg Nach Walhall
  • 11 Eisenfaust
  • 12 Das Järv
  • 13 Wir Waren Die Ersten
  • 14 Röselein
  • 15 Templerschaf
  • 16 Hübschnerin
  • 17 Dickes Mädchen

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