Für Osnabrück wären das schier unvorstellbare Zahlen für ein Power Metal Konzert. Der Zufluss an Zuschauern wurde zudem noch durch die Tatsache begünstigt, dass mit dem 1. Mai am nächsten Morgen ein Feiertag anstand und so viele die Gelegenheit nutzten um auch mal an einem Mittwoch ordentlich Party zu machen.

Allerdings wurden die Fans von The Claymore durch eine fehlerhafte Kommunikationspolitik der Matrix enttäuscht. Auf deren Homepage war von einem Konzertbeginn um 20 Uhr zu lesen. In Wahrheit aber betrat ich den Ort der Veranstaltung bereits um viertel vor acht und bekam gerade noch drei Lieder der Lokalmatadoren mit.

Viele der später kommenden haben, so habe ich zumindest diesen kurzen Eindruck gedeutet, eine Show mit energiegeladenem Power Metal verpasst, der von den bereits Anwesenden lautstark gefeiert wurde. Solche Reaktionen sind in unserer Heimatstadt sonst maximal Headlinern vorbehalten, wenn es sie denn überhaupt gibt.

Die folgende Umbaupause wehrte nur wenige Minuten und dann stand schon die erste wirkliche Überband des Abends auf der Bühne: Mystic Prophecy zeigten sich an diesem Abend in bester Spiellaune. In der Tat zeigte sich an diesem Abend, was eigentlich niemand vermutet hätte: Gus G., die riesige Übergestalt in deren Schatten diese Band immer stand, fehlte nicht die Bohne. Dafür waren mit beiden etatmäßigen Gitarristen erstmals auf einer Tour der Multikultitruppe mehrere Saitenhelden auf den Brettern, die für fetten und druckvollen Sound sorgten und das Fehlen des alten Meisters mehr als wett machten.

Auch der neue Schlagzeuger Matthias Straub fügte sich bestens in dieses Konzept ein. Und am Ende des Gigs war klar: Mystic Prophecy kranken nicht etwa unter dem Weggang von Gus oder leiden unter den Besetzungswechseln. Im Gegenteil: Die Band präsentierte sich kompakter und eindrucksvoller als je zuvor, was auch vom Publikum mit entsprechendem Applaus, Mattengeschwinge und allen nur erdenklichen Arten der Zuspruchsbekundungen honoriert wurde.

Diese erreichten ungeahnte neue Höhen als Primal Fear begannen ihr knapp zwei Stunden langes Programm aus Power Metal Granaten in die Menge zu feuern. Dabei hatten auch die Urgesteine der deutschen Szene in letzter Zeit mit Besetzungswechseln zu kämpfen:

Nachdem Henny schon zu den Aufnahmen des letzten Studioalbums zu den Adlern zurück gefunden hatte, entschied sich mit Stefan der zweite Gitarrist kurz vor Beginn der Tour zum zehnjährigen Bühnenjubiläum eine Auszeit von der Musik zu nehmen. Als Ersatz wurde kurzfristig der Schwede Magnus Karlssohn verpflichtet.

Für die Zuschauer hatte dies allerdings nur eines zur Folge: Statt eines weiteren Songs spielten die Jungs in ihrer letzten Zugabe einen Coversong, was der Tatsache Tribut zollte, dass man nur wenig Zeit hatte im aktuellen Line-Up zu proben. Ansonsten fügte sich auch Magnus nahtlos in die Band ein und zockte seine Gitarrenparts immer routiniert und zielsicher runter. Ein Highlight war dabei sicherlich das Soloduell, das er sich mit Henny lieferte.

Musikalisch gab es an diesem Abend einen Querschnitt durch die Primal Fear Geschichte. Jedes Album war mit mindestens einem Song vertreten und alle wurden sie gefeiert: Von „Battalions Of Hate“ über „Nuclear Fire“ bis zu „Seven Seals“. Ein Höhepunkt der Setlist war auch der perfekt dargebotene Dreiteiler „Fighting The Darkness“, der für absolute Gänsehautstimmung sorgte.

Ähnliches kann man wohl auch über die Reaktionen des Publikums sagen, die ihre Lieblinge feierten, wie ich es selten erlebt habe. Selbst alte Hasen wie Mat Sinner oder Ralf Scheepers waren sprachlos angesichts der Jubelbekundungen, die ihnen da zuflogen.

Und dieser Eindruck vom Publikum ist wohl das, was jedem Besucher dieser Show, der nicht aus dem Ruhrgebiet stammt, im Gedächtnis bleiben wird. Es ist einfach schön zu sehen, dass es Orte in Deutschland gibt an denen Bands, die so viel für den klassischen Power Metal getan haben, ordentlich abgefeiert werden.

Auch wenn ich es mit diesem Bericht versucht habe: Die positive Stimmung und Feierlaune im Pott ist eigentlich kaum einzufangen. Ich kann nur jedem raten einmal selber dorthin zu fahren und sich selber zu überzeugen.