Wertung: 7 von 10

Kann man seiner Leidenschaft müde werden? Ein eindeutiges „Nein“ ist Antwort auf diese Frage. Den Beweis dafür liefert der Detmolder Genözider mit der ersten Langrille seines Soloprojekts Quintessenz. Black Metal der ersten Generation, dessen Sound einen in die Zeit versetzt, als Venom in einer Liga mit Satan standen.


Genözider a.k.a. Genozide Richard ist vielen Anhängern altlastiger Untergrundtöne durchaus ein Begriff. Mit seinen anderen Projekten wie etwa Beer Pressure, Bulldozing Bastard oder aber den vielbeachteten Obsessör hat der Multiinstrumentalist bereits auf sich aufmerksam machen können. Doch wie eingangs angedeutet reicht ihm das wohl noch nicht. Das Ergebnis ist das Projekt Quintessenz, welches, 2010 gegründet, mit dem 2011 erschienenen Demo „Über Metal“ seinen Anfang nahm und sich nach einer EP mit dem Namen „Okkult Metal Spell“ im Jahr 2012 nun zur Veröffentlichung eines kompletten Albums entwickelt hat. „Back To The Kult Of The Tyrants“ heißt die Scheibe und hat genau das zu bieten, was sich der geneigte schwarzmetallische Kuttenträger und Kenner der oben genannten Kapellen vorstellt: Black Metal in seiner ursprünglichen Form. Und ich rede jetzt nicht von der norwegischen Spielart der frühen 1990er. Gemeint ist ein Sound, den legendäre Bands wie Hellhammer, die frühen Celtic Frost, die mächtigen Bathory und Venom und zu einem gewissen Teil auch die damals blutjungen Sodom bereits Anfang der 80er verfolgt haben. Was macht nun den Sound dieser Pioniere und auch der heutigen Bands, die ihn fortbestehen lassen, aus? Nun, die Antwort ist eindeutig und könnte nicht besser passen: Die Quintessenz dieses Sounds. Die „Fickt-euch-wir-machen-was-wir-wollen“-Attitüde, die auf pompöse, klinische und auf pure Vermarktung ausgerichtete Produktion verzichtet und alles so wiedergibt, wie es sich im Proberaum oder auf der Bühne, mit einer Prise Misanthropie und Aggression dahinter, anhört. Genözider schafft es auf seinem Album exakt dieses Gefühl wiederzugeben und sorgt so für ein leuchtendes Pentagramm in den Augen derer, die seine Ansicht teilen. Sägende Gitarren und treibende Drums, die so klingen wie man sich das von einem Underground-Release erwünscht und erhofft, ohne in irgendwelches Gerumpel und pseudo-elitäres Kassettenrekorder-Geschrabbel zu verfallen. Hier kommt die Authentizität vom Gesamtbild mit einer ordentlichen Portion Talent und Hingabe. Angefangen vom großartigen, schwarz-weiß-roten Cover-Artwork und Layout der Platte bishin zu jeder einzelnen Note. Allein das Intro „Reinflame The Stake“ und der Titeltrack als eigentlicher Opener machen dem Hörer klar, womit man es die nächsten knapp 40 Minuten zu tun hat. Blasphemische Texte, eine Spur Provokation und ordentliches Metal-Gewemmse. Kritiker werden von mangelnder Originalität sprechen und dem Album zu wenig Abwechslung attestieren, aber ich denke, dass man es hier genauso wie bei Veröffentlichungen von Obsessör handhabt: Die Zielgruppe ist klar definiert und diese wird bis aufs Letzte zufrieden sein. Songs wie „Black Metal Holocaust“ und „Wings Of Blasphemy“ sprechen da für sich und sind besondere Anspieltipps für Fans von Schwarzmetall. Auch der geneigte Old School Thrasher wird seine wahre Freude an den Songs aus dem Hinterstübchen von Mastermind Genözider haben.

Fazit nach mehrmaligen Durchläufen ist, dass es sich bei der ersten Langspiel-Scheibe unter dem Banner Quintessenz um ein überaus gelungenes Genre-Album handelt und daher die Wertung 7 von 10 Punkten mehr als verdient hat. Allerdings sollte man den Kontext und das Genre nicht außer Acht lassen: Würden wir uns hier auschließlich mit Erster-Welle-Black-Metal und angeschwärztem Thrash beschäftigen, so dürfte man unheiligen Gewissens gerne auch die volle Punktzahl zücken. Hier passt einfach alles, und ich bin gespannt, was man in Zukunft von Genözider noch alles geliefert bekommen wird. Sei es als Soloprojekt oder im Rahmen von Obsessör oder auch Bulldozing Bastard.

Tracklist

  • 01. Reinflame the Stake
  • 02. Back to the Kult of the Tyrants
  • 03. Nekrowhore
  • 04. Sepulchral Desecration
  • 05. Black Metal Holocaust
  • 06. Ancient Rites
  • 07. D-Beat Hammer
  • 08. Wings of Blasphemy
  • 09. Hail the Hordes of Eternal Death
  • 10. Iron Hammer Sacrifice

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