Dreißig Jahre Rage, wenn das mal kein Grund zum Feiern ist. Das haben sich wohl auch Peavy, Victor und Andre gedacht, und gehen dieser Tage daher auf Geburtstagstour. Dabei machen sie am heutigen Dienstag im Bremer Aladin halt. Gemeinsam mit Rage feiern die Bouzouki Rocker Tri State Corner und die Band Lion Twin, die ihre Musik selbst als „Metal Pop“ bezeichnet.


Metal Pop? Was zum Geier ist das schon wieder? Nun ja, in diesem Fall ist es ziemlich geradliniger Achtziger Jahre Metal mit Hardrock Einschlag. Die Besonderheit Bei Lion Twin ist aber, dass hier kein langhaariger Typ in Spandex Hosen am Mikro steht, sondern eine Frau mit kraftvoller, leicht rotziger Stimme. Im Vordergrund stehen hier rockige Riffs, Partystimmung und viel Spaß. Und das kommt beim Publikum erstaunlich gut an. Schade ist lediglich, dass heute geschätzt nur etwa 70-80 Metalheads den Weg ins Aladin gefunden haben. Nichtsdestotrotz heizt Sängerin Liane den paar Nasen vor der Bühne so richtig ein und sorgt damit für einen gelungenen Start in den Abend. Bei ausgewogenem Sound und angenehmer Lautstärke beenden die Wuppertaler ihren Gig dann nach einer guten halben Stunde, unter dem Beifall der anwesenden Gäste mit dem coolen und sehr straighten „Day auf Anger“. Sehr cooler Gig. Weiter so!

In eine musikalisch gänzlich andere Richtung gehen die dann folgenden Tri State Corner. Statt gute Laune Party Rock gibt es hier eine eigenwillige, aber interessante Mischung aus Härte, Emotionen und Folklore. Kernelement der Musik von Tri State Corner ist die Bouzouki, die griechische Laute, welche von Ioannis „Janni“ Maniatopoulos mit sehr viel Leidenschaft gespielt wird. Hinzu kommen der emotionale Gesang von „Janni’s“ Bruder „Lucky“, harte Gitarrenriffs, sowie eine ausgefeilte Rhythmusfraktion. Und auch wenn bei „Lucky“ nicht immer jeder Ton zu 100% sitzt, macht es doch Spaß seinem Gesang zu lauschen. Hat man zu Anfang noch ein wenig mit dem Sound zu kämpfen, so bekommt die Crew das schnell in den Griff, und die Show entwickelt sich zu einem echten Heimspiel für das Quintett aus Burscheid. Besonders für die griechische Ballade „Kapia Stigmi“ erntet die Band ordentlich Applaus. Dabei weist Sänger „Lucky“ vorher noch einmal darauf hin, dass man auch als Vorband ruhig mal eine Ballade spielen dürfe und nicht immer nur härter, schneller und lauter sein müsse. Wobei die Jungs auch durchaus mal aufs Gaspedal drücken und für Stimmung im Publikum sorgen können. Das zeigt sich gut bei dem etwas härteren „Nothing at all“ oder der Halbballade „Sooner or Later“. Als I-Tüpfelchen strahlt die Band auch noch eine enorme Natürlichkeit und Sympathie aus. Und so verwundert es auch nicht, dass die Truppe mit viel Applaus belohnt wird, als sie die Bühne nach etwa 45 Minuten wieder verlässt.

Rage beginnen ihren heutigen Auftritt mit einem Akustik Set, bei welchem sie von Tri State Corner Sänger Lucky am Percussion unterstützt werden. Ausgewählt hat man hierfür die vier Stücke „Into the light“, „Feel my pain“, „Turn the page“ und „Empty Hollows“. Ganz besonders die ersten zwei Songs kommen in dieser Version bestens an. Man fühlt sich ein wenig ins Jahr 2011 zurückversetzt, als es schon einmal einige Akustik Konzerte der Band gab. Allerdings wirkt Peavys Stimme heute etwas kratzig und quietschig. Insgesamt aber eine schöne Idee, die auch beim Publikum auf viel Gegenliebe stößt.

Nach einer kurzen Pause sind dann die Stühle und das zusätzliche Percussion weggeräumt und der metallische Teil der Show kann mit „Carved in Stone“ beginnen. Sofort fällt auf, dass die Lautstärke nun deutlich hochgeschraubt wurde und der Sound im Ganzen deutlich fetter ist. Nur die nervigen Rückkopplungen innerhalb der ersten zwei Songs stören etwas. Und so langsam beginnt sich auch das vorher etwas träge Publikum zu bewegen und man kann die ersten Kopf-Nicker beobachten. In seiner ersten Ansage verkündet Peavy dann, dass es heute vornehmlich die Lieblingssongs der Bandmitglieder geben werde. Und dazu gehören neben neueren Stücken wie „Great old ones“ halt auch ältere Kameraden wie „Enough is Enough“ oder „Invisible Horizons“. Songtechnisch geht es also mehr oder weniger quer durch die komplette Rage Historie. Passend dazu werden, auf der hinter der Bühne angebrachten Leinwand, immer wieder Einspielungen von alten Rage Konzerten gezeigt. Da kann man fast melancholisch werden, wenn man Peavy mit langen Haaren sieht. Aber auch ohne lange Haare rockt das Heavy Metal Urgestein heute mächtig und scheint dabei auch richtig Spaß zu haben. Immer wieder witzelt und feixt er mit Victor, Andre oder dem Publikum rum, was natürlich bestens ankommt.

Etwa in der Mitte des Sets zeigt Victor Smolski beim obligatorischen Gitarrensolo dann einmal mehr seine Klasse. Flitzeflink fegt er über die Saiten und löst damit Szenenapplaus aus. Auch, dass die restliche Band dann plötzlich mit einsteigt und es nahtlos in das instrumentale „Unity“ übergeht, sorgt für Stimmung vor der Bühne. Die opulente Lichtshow leistet dann das Übrige. Sehr geil gemacht. Und dann hat man noch eine Überraschung parat, denn mit „The Missing Link“ vom gleichnamigen 1993er Album gibt es auf dieser Tour sogar noch die Live-Premiere eines Songs. Richtig ab geht es dann aber beim düster und fett daherkommenden „Forever Dead“, bei dem man endlich auch mal fliegende Matten sehen kann. Leider dröhnt die Double-Bass hier teilweise so heftig, dass Peavys Gesang mitunter gar nicht zu verstehen ist. Ähnlich sieht das auch bei „Straight to Hell“ und „Don’t fear the winter“ aus. Aber über sowas sehen die Anwesenden mittlerweile wohl hinweg, denn es wird geklatscht, gesprungen und mitgesungen. Rage hat das Publikum voll im Griff.

Und dann dürfen natürlich auch die lustigen Mitsing Spielchen bei „Higher than the Sky“ nicht fehlen. Wobei die Fans heute eine zusätzliche Schwierigkeit zu bewältigen haben. Denn während sie fein den Chorus singen, jamt Victor lustig vor sich hin und spielt dabei Klassiker wie „Another brick in the wall“ oder „Eye of the Tiger“ an. Aber das Bremer Publikum ist textsicher und meistert diese Aufgabe problemlos. Im Zugabenblock werden dann noch einmal „Set this world on fire“ und „Soundchaser“ dargeboten, bevor sich die Band nach fast zwei Stunden Spielzeit von der Bühne verabschiedet.

Das war ein wirklich toller Konzertabend, bei dem Rage auch mal Stücke spielte, die man nicht unbedingt erwartet hat. Ein großes Lob geht auch an die Vorbands, die mit Qualität und Spielfreude zu überzeugen wussten. Einziges Manko ist sicherlich die Besucherzahl, die doch sehr zu wünschen übrig ließ. Auch wenn das Konzert mitten in der Woche stattfand, hätte ich doch gedacht, dass es in Bremen mehr Rage Fans gibt.

Setlist Rage:

Accoustic Set (mit Lucky von Tri State Corner am Percussion)

  • 1. Into the Light
  • 2. Feel My Pain
  • 3. Turn the Page
  • 4. Empty Hollow

Metal Set

  • 5. Carved in Stone
  • 6. Sent by the Devil
  • 7. War of Worlds
  • 8. Great Old Ones
  • 9. Enough Is Enough
  • 10. Invisible Horizons
  • 11. Down
  • 12. Guitar Solo
  • 13. Unity
  • 14. The Missing Link
  • 15. Forever Dead
  • 16. Straight to Hell
  • 17. Don’t Fear the Winter
  • 18. Higher Than the Sky

Zugabe

  • 19. Set This World on Fire
  • 20. Soundchaser
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