Wertung: 4 von 10

Was hat Ragnaröek mit Metallica gemeinsam? Richtig. Mindestens ein Album mit unterirdischem Schlagzeug-Sound. Nur mit dem Unterschied, dass Metallica bis zum unsäglichen „St. Anger“ (2003) bereits einige recht starke Alben produziert hatten, was man von Ragnaröek nicht wirklich behaupten kann. Nach dem Debut Album „Rache“ (2009) ist „Eiskalt“ (2011) erst das zweite Album der norddeutschen Spielleute und lässt nicht nur beim Drumming zu wünschen übrig.


Das Album beginnt zwar zunächst sehr vielversprechend mit dem an neuere In Extremo erinnernde „Eiskalt“. Der Rhythmus geht stark nach vorne, Gesang, Gitarren und Schlagzeug sind gut aufeinander abgestimmt und der Dudelsack wird dezent zur Untermalung der Gesamtstimmung eingesetzt. In eine ähnliche Kerbe schlägt das groovige „Lanze“. Hier wurden die guten Ansätze des Erstlings sinnvoll und ansprechend verfeinert. Aber bereits mit dem zweiten Stück „Wahrheitsfinder“ nimmt das Elend seinen Lauf. Der Gesang wird zunehmend undeutlicher und die Gitarrenläufe wirken unausgereift. Außerdem klingen die Drums, vor allem die Snare in den meisten Stücken eher wie Mülltonnen als wie ein Schlagzeug. Ganz besonders wird das in „Schlachtgebet“ deutlich.

Die schon auf dem Vorgänger-Album vorherrschende rockige Gesamtstimmung wurde hier nochmals verstärkt. Die Gitarren stehen ganz klar im Vordergrund sorgen dafür, dass „Eiskalt“ äußerst hart und düster daherkommt. In Kombination mit dem gewöhnungsbedürftigen Gesang klingt das schon eher nach Industrial und Düsterrock als nach Mittelalter. Den Dudelsack hört man im zweiten Teil des Albums fast gar nicht mehr. Wer also auf Songs mit Burgenromantik und liebliche Melodien steht, der ist hier falsch beraten.

Leider geht mit dieser Entwicklung auch eine gewisse Eintönigkeit und Austauschbarkeit einher. Sänger Charon und seine Mannen verlieren sich mitunter in Belanglosigkeiten und lassen die nötige Präzision beim Spielen vermissen. So klingen zum Beispiel die Gitarren oft roh und ungenau und auch die Texte können nicht gerade als lyrische Perlen bezeichnet werden. Was uns Ragnaröek dann mit dem Blutengel-mäßigen „Electrowahn“ sagen wollen verschließt sich mir vollends.

Alles in allem kann mich „Eiskalt“ nicht überzeugen. Das Vernachlässigen der mittelalterlichen Komponenten wirkt sich negativ auf die Gesamterscheinung des Albums aus und spielerisch hat sich Ragnaröek gegenüber ihrem ersten Album auch nicht entscheidend verbessert. Hier und da findet man einige interessante Ansätze, die aber sofort wieder durch überhastete und uninspirierte Arrangements platt gebügelt werden. Für Fans der Band mag es sich lohnen einmal reinzuhören. Auch wer sonst auf eher düstere Musik der Marke Megaherz oder Eisbrecher steht, kann mal ein Ohr riskieren. Für alle anderen heißt es wohl eher Finger weg!

Tracklist:

  • 1.Eiskalt
  • 2.Wahrheitsfinder
  • 3.Schlachtgebet
  • 4.Mondenkind
  • 5.Jagen
  • 6.Wahnsinn
  • 7.Lanze
  • 8.Piratenbraut
  • 9.Neid
  • 10.Furchtlos
  • 11.Meer
  • 12.Electrowahn

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