Und auch das weitere Set ist mehr als beachtungswürdig. Wer den Podcast von Harry Metal verfolgte, konnte sich bereits im Vorfeld des Festivals ein Bild davon machen, dass in diesem Jahr alles ein wenig größer ausfällt. Nicht nur die Mainstages nahmen nochmal an Größe zu, sondern auch an einigen anderen Ecken wurde nachgebessert und vergrößert. So fallen zum Beispiel einige Anpassungen im Bereich der Festivalsicherheit und der neue Schädel auf. Dieser prangt, wie auch der alte Schädel zuvor, hoch oben zwischen den Mainstages. Jeden Abend nach Sonnenuntergang wird der Schädel angefeuert. Dieses Jahr um einiges eindrucksvoller als in den letzten Jahren. Der alte Schädel hat übrigens einen neuen Platz bei den Wackingern bekommen.

Freitag 02.08.2013

Die Sonne knallt unbarmherzig auf uns hernieder, als wir uns am frühen Vormittag aus den Zelten pellen. Der vorige Abend hat seine Spuren hinterlassen. Nichtsdestotrotz muss es heute weitergehen. Denn nachdem die Herren Journalisten am Donnerstagabend ausgiebig zu Rammstein und Deep Purple gefeiert haben, geht es am Freitagmittag in sengender Hitze gen Eisbrecher vor die Partystage. Trotz gefühlter Millionen und ’n Dutzend Grad hält die Partystage, was ihr Name verspricht. Kollege Wesselsky scheint bester Stimmung zu sein, und bietet eine deutlich bessere Leistung als auf dem Rockharz Festival. Die Setlist ist nahezu identisch, somit kommen Fans und Feierwütige in den puren NDH-Genuss und bekommen einen guten Querschnitt der letzten Schöpfungen des Checkers. Beim beliebten Megaherz-Klassiker „Miststück“ rastet die Menge noch einmal komplett aus und gönnt sich im Anschluss erstmal ein Wasser. Was(ser)?! Oh ja. Das Thermometer klettert immer weiter hinauf, und schon stehen wir, im eigenen Saft garend, vor der True Metal Stage. Es wird spirituell: Powerwolf betreten die Bühne. Zwischen Songs ihres aktuellen Meisterwerks „Preachers of the Night“ schmettern die Jungs aus Saarbrücken (und Rumänien) Hits ihrer letzten Alben „Blood of the Saints“ und „Bible of the Beast“ herunter. Mit „vielen Dankeschön“ bedankt sich Goldkehle Attila Dorn beim textsicheren Publikum. Starker Auftritt, der bis in die „Coleus Sanctus“ zieht.

Aufgrund der Wärme machen wir einen kurzen Break und kehren zu einem meiner persönlichen Favoriten des diesjährigen W:O:A zurück: Sabaton. Mit absolut großartiger Leistung bieten die Mannen aus der schwedischen Rockstadt Falun mal wieder ein Konzert erster Güter. Man könnte fast behaupten, es wäre ein solider Auftritt, da außer einem Tausch der eigenen Weste des Sängers Joakim Brodén mit einem Fan nichts Außergewöhnliches passiert ist. Doch wer Sabaton schon einmal live erlebt hat weiß, wie sehr der charismatische Brodén sein Publikum im Griff hat. Immer einen lässigen Spruch parat, immer „noch ein Bier“ mehr in glühender Sonne. Und immer eine stimmliche Topleistung. Der Band geht es nicht anders. Beste Spiellaune und geehrt auf den großen Festivalbrettern unseres Nordens zu spielen. Das Publikum ist begeistert und feiert die „Swedish Pagans“. Geiles Ding!

Die Hitze macht sich spürbar in Gesichtern und Launen der Besucher bemerkbar. Die Sani-Zelte haben heute Hochkonjunktur. Bier und Sonne… naja, solange Mama davon nichts erfährt, ist ja alles gut. Das Infield füllt sich im Anschluss an Sabaton bedenklich schnell. Kein Wunder, denn Rocklegende Lemmy und seine Jungs von Motörhead stehen in den Startlöchern. Nach zahlreichen abgesagten Festivalgigs aufgrund gesundheitlicher Schwierigkeiten seitens Mr. Kilmisters, steht heute der erste Auftritt an. Neben Doro haben auch Motörhead meines Erachtens nach eine Dauerkarte für das W:O:A, dennoch sind sie ein Garant für ein starkes Konzert, nach dem man sich erst einmal zwei Stunden lang nur noch anbrüllen kann. „We are Motörhead and we play rock ‚n roll!“ oder doch nicht? Nach einer knappen halben Stunde verschwindet Lemmy hinter der Bühne und kehrt nicht zurück! Spekulationen im Publikum, es wird unruhig in der Menge. Nach kurzer Ansage des Veranstalters ist klar: an dieser Stelle ist mit Motörhead für heute Sense. Lemmys noch angeschlagener Gesundheitszustand (und vermutlich die ein oder andere Flasche Jacky) müssen der Hitze Tribut zollen und so wird der Auftritt gecanceled. So viel zum Thema Bier und Sonne… Schade, aber wir wünschen an dieser Stelle natürlich weiterhin gute Besserung und auf ein nächstes Jahr mit einem gesunden Lemmy am Mikro.

Langsam beginnt es dunkel über den Maisfeldern zu werden. Passende Stimmung für meinen zweiten Favoriten: ASP. Die Jungs aus Frankfurt a. M. haben gerade ihre neueste Schöpfung „Maskenhaft“ in die Läden gebracht, und der geneigte Fan erwartet sehnsüchtig ein paar Hörproben von Großmeister Alexander Spreng. Das Publikum wirkt ausgedünnt. Ob der Hitze des Tages oder der doch recht eigenen musikalischen Kreationen der Band verschuldet, bleibt ungewiss. Ich persönlich freue mich auf den Auftritt zu so passender Uhrzeit und Dunkelheit. Nach dem bereits bekannten Intro „A prayer for sanctuary“ des Vorgängeralbums „fremd“ folgen mit „Wechselbalg“, „Kokon“ und „Krabat“ bekannte Hits, bei denen sich das Publikum stimmlich auslassen kann. Mit „Löcher in der Menge“ gibt ASP erstmalig einen Neuankömmling zum Besten. Das Publikum lauscht gespannt und interessiert. Nach dem namensgebenden Song zur letzten EP „GeistErfahrer“, wartet die Band mit einem der allseits beliebten Coversongs auf, die es bisher nur als Livegenuss zu erleben gilt. In memoriam an Pete Steele melancholiert der wahre Satan „I don’t wanna be me“ von Type O’ Negative daher. Wahnsinn. Es folgen weitere Liveklassiker, wie „Werben“ und „Schwarzes Blut“ bis das Konzert schließlich mit dem Publikumsliebling „Ich will brennen“ in einem Flammenmeer zu Ende geht. Ich bin, mal wieder, echt begeistert, freue mich wie Bolle auf die im Herbst anstehende Tour und brauche erst einmal ein kühles Blondes, um die Gänsehaut loszuwerden.

Doch es bleibt kaum Zeit. Der werte Kollege hat vom Tag wohl noch nicht genug, und so freuen wir uns mit schmerzverzerrtem Gesicht, ob der offenen Füße, auf eine wunderbare True-Metal-Band und den letzten Auftritt des heutigen Abends. Grave Digger entern zum Intro ihres aktuellen Machtwerks „Clash of the gods“ zur Stimme von In Extremo Frontmann Das Letzte Einhorn/Michael Rhein die Bühne, und mit ihnen als Background-Sänger niemand Geringeres als die Herren und wunderschöne Frau von Van Canto! Welch Überraschung! Nach zahlreichen Klassikern und Hits ihrer Schaffenswelt wie „Hammer of the Scots“, „Excalibur“, „Knights of the Cross“, „Ballad of a Hangman“ und „Wedding Day“, bei denen das sichtlich gealterte Publikum tapfer mit letzten Kräften Stimme und Fäuste erheben, folgt die nächste Überraschung: Chris Boltendahl bittet Joakim Brodén, Frontsau von Sabaton, auf die Bühne und singt zusammen mit ihm und den Van Cantos den Überhit „Rebellion“. Nach dem üblichen „Heavy Metal Breakdown“ ist auch für uns an dieser Stelle Feierabend und „The clans are marching“ in Richtung Campground.

Samstag 03.08.2013

Der Samstag beginnt mit wesentlich angenehmeren Temperaturen als noch der Freitag. Der Himmel ist heute leicht bewölkt und so lässt es sich gut vor der Bühne aushalten, als Alestorm die Party Stage entern. Mit ihren Liedern von Seeräubern, ausgelassenen Feiern und schönen Frauen sind die Schotten eigentlich genau die richtige Band, um angemessen in den Wacken-Samstag zu starten. Aber irgendwie zünden die Songs heute noch nicht so richtig. Der Sound ist überwiegend matschig. Ganz besonders im hinteren Bereich ist es fast unerträglich. Zwischenzeitlich ist kein Gesang zu hören, was den Auftritt eher semi-gut macht. Auch die Band selbst wirkt noch etwas müde und kann das Publikum nicht wirklich nicht mitreissen. Nicht einmal das teilweise auf Deutsch gesungene “Wenches and Mead” kann da helfen. Das habe ich schon besser gesehen.

Im Anschluss liefern Die Apokalyptischen Reiter einen gewohnt guten Auftritt und kommen deutlich agiler rüber als die Scottish Pirates zuvor. Sicherlich kommt ihnen auch der gut ausgesteuerte und volle Sound der True Metal Stage entgegen. Aber auch in Sachen Performance geben die Reiter mal wieder Vollgas. Fuchs tobt von rechts nach links über die Bühne, Dr. Pest schaukelt fröhlich vor seinem Keyboard und schwingt die Peitsche und auch dem Rest der Band scheint es heute richtig Spaß zu machen. Songtechnisch ist leider nicht viel Neues dabei, aber wir dürfen uns auf ein neues Doppelalbum im Herbst freuen. Ansonsten ist aber eigentlich für jeden etwas dabei. Bis auf „Allegro Barbaro“ ist jedes Album mit wenigstens einem Song vertreten. Bereits bei den ersten zwei Songs „Komm“ und „Kleiner Wicht“ geht im Publikum richtig die Post ab. Aber auch der Rest des Programms wird ordentlich abgefeiert. „Moral und Wahnsinn“ bietet dann auch noch etwas fürs Auge, als Volkman und Ady plötzlich mit Gasmasken auf der Bühne stehen. Ganz besonders gut kommt bei den Leuten aber des Gastauftritt von Lord Abbadon bei „Metal will never die“ an. Die angekündigten T-Shirt-Kanonen dürfen nicht eingesetzt werden und so bleibt lediglich den ersten Einhundert Besuchern der Autogrammstunde die Möglichkeit, eines der begehrten Sondereditionen zu ergattern. Schade. Den Abschluss bildet dann der Coversong „Ghostriders in the Sky“. Alles in allem ein guter Auftritt.

Passend zur Enttäuschung ob der Reiter-Shirts beginnt es dann auch noch zu regnen. Der Kollege bezeichnete es als kleinen Monsun. Recht hat er. Getreu dem Motto „Rain or shine“ verwandelt sich der Boden unter unseren Stühlen in einen Bach, der spontan die leeren Petflaschen über den Campground mit sich trägt. Innerhalb kürzester Zeit ist aus dem staubtrockenen Acker eine Seen- und Sumpflandschaft geworden, auf der man nur noch mit gutem Schuhwerk voran kommt. Erinnerungen an das vergangene Jahr werden wach, und die Schlammschlacht ist vorprogrammiert. Endlich dürfen wir uns nicht nur benehmen wie die Schweine, sondern auch so aussehen. Schlamm soll ja bekanntlich kühlen, und wer den mehr als geruchsarmen Wackenschlamm kennt, weiß, dass die meisten Besucher spätestens jetzt auch noch duften wie selbige.

Glenn Danzig kümmert das alles nicht. Er zieht auf der Black Stage souverän seine Show durch und begeistert die Leute. Irgendjemand muss auch am Lautstärkeregler gespielt haben, ist es doch um einiges lauter als noch am Vormittag. Im hinteren Bereich des Geländes hat man allerdings neben den teichartigen Pfützen auch mit dem Wind zu kämpfen, der den Sound teilweise mit Leichtigkeit weg trägt. Ansonsten bietet die Show wenig Aufregendes. Erst als der Düsterrocker den Misfits-Klassiker „Last caress“ einleitet, tut sich was im Publikum, und die Leute grölen ordentlich mit. Zum Abschluss folgt dann noch das obligatorische „Mother“, was den Gig insgesamt solide rüberkommen lässt.

Im neuen Zelt der Headbangers Stage, die mit der Wet Stage in das Wackinger Dorf verlegt wurde, erwarten mich am frühen Abend die Jungs von Serum 114. Schön, dass Deutschrock auch seinen Platz auf Wacken erhält. Sänger Esche hat mal wieder nur Blödsinn in der Rübe und lässt sich samt Gitarre über das Publikum zum Bierstand tragen, auf den er, in bester Campino Manier, hochklettert und oben weiterzockt. Geiles Schauspiel. Die Menge pogt, circlet, schwitzt und ist begeistert. Die Band scheint auch eine Menge Spaß zu haben. Wen an dieser Stelle die interne Sichtweise der Jungs interessiert, kann gern deren Bericht zum Auftritt auf ihrer Facebookseite nachlesen. Der Sound ist leider etwas verschwommen, was der Akustik des Zeltes zu verschulden ist.

Richtig voll wird es dann bei Alice Cooper. Ich würde fast sagen, dass der Shock-Rocker mehr Leute auf das Infield lockt, als Rammstein. Jedenfalls ist vor der Bühne deutlich mehr Gedränge. Das Set beginnt mit einem Funkenregen, aus dem Cooper dann irgendwann auftaucht. Dabei wirkt er bestens aufgelegt und in Party-Stimmung. Mit viel Action auf der Bühne und häufigen Kostümwechseln wird der Auftritt somit zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Songs wie „Hey Stupid“ oder „No more Mr. Nice Guy“ kommen beim Publikum super an. Auch showtechnisch lässt die gesamte Band keine Wünsche übrig. Mit Guillotine, verrückten Krankenschwestern und allerlei weiteren Horror-Accessoires wirkt das Bild bizarr, bekloppt und einzigartig. Höhepunkte sind neben der Köpf-Szene natürlich der Megahit „Poison“ und das abschließende „Schools Out“, bei dem sowohl Band, wie auch Publikum noch einmal alles geben. Das hat richtig Spaß gemacht.

Nightwish sind für mich die Überraschung des Festivals und zugleich ein würdiger Headliner. Mit ihrer bombastischen Show überzeugen sie mich heute vollends. Floor Jansen macht am Gesang einen super Job. Die älteren Stücke aus der Tarja-Ära wie zum Beispiel „She`s my sin“ oder „Bless the Child“ meistert sie problemlos und gibt den Songs einen besonderen Touch. Und die neuen, mit Anette Olzon eingesungenen Lieder, bringt Floor noch mal einen Schlag kraftvoller und intensiver rüber. Ganz besonders deutlich wird das beim extrem geilen, mit Uilleann Pipe begleiteten „I want my tears back“ deutlich. Im Wechselgesang mit Marco Hietala versprüht sie eine unheimliche und zugleich magische Stimmung. Dazu kommt die wunderbar auf das Set abgestimmte Licht- und Pyro-Show. Auch das Publikum ist heute richtig gut drauf und feiert die Finnen (und Niederländerin /Anm. d. Red.) nach aller Kunst fett ab. Ob das nun daran liegt, dass die heutige Show auf DVD aufgenommen wird, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall liefern Nightwish heute einen super Auftritt ab, der mit einem dezent, aber gekonnt platzierten Feuerwerk abschließt. Erinnert irgendwie ein wenig an den geilen Auftritt auf dem W:O:A 2005.

Parallel dazu gibt es ein paar Meter weiter deutsche Rockmusik zum Mitgrölen: Kärbholz geben sich die Ehre. Die NRWler mit ihrem selbstbenannten Country Core heizen der Menge, die nicht bei Nightwish vor der True Metal Stage steht, ordentlich ein. Auch hier wird getanzt, gefeiert, gesungen. Die Festivalbesucher scheinen sichtlich erschöpft. Kein Wunder, wenn man bereits am Montag oder Dienstag angereist ist. Das Zelt ist voll, die Stimmung ist klasse, die Songs ihres aktuellen Albums „Rastlos“ und einige Evergreens kommen gut beim Publikum an. Die Band selbst wirkt überrascht, nicht nur auf Festivals wie der G.O.N.D oder dem Ehrlich & Laut ordentlich gefeiert zu werden, bedankt sich sehr herzlich und verlässt nach guten 45 Minuten das Set.

Und bevor das Festival endgültig zu Ende geht, wartet mit Lingua Mortis Feat. Rage noch ein besonderer Leckerbissen auf mich. Bereits 1997 konnte man das Lingua Mortis Orchestra auf dem W:O:A bewundern. Seither hat sich viel getan. Das Besetzungs-Karussell bei Rage hat sich kräftig gedreht und auch das heute auf der Bühne sitzende Orchester ist mittlerweile anders zusammengestellt. Am wichtigsten ist allerdings das erst am Vortag erschienene neue Album „LMO“. Hierauf vereinen Rage tiefgreifende und bombastische Klassik-Elemente mit aggressiven Metal-Riffs. Bereits beim ersten Song „Cleansed by fire“ hört man auch heraus, wer hier für die Orchester-Arrangements zuständig war. Gitarren-Virtuose Viktor Smolski selbst hat die größten Teile verfasst. Daher fällt die Ausrichtung der Stücke auch wohl deutlich progressiver aus als auf den früheren Lingua Mortis Werken. Insgesamt liefern die Künstler auf der Bühne eine solide Show ab, die sich bis auf wenige Ausnahmen wie „Empty Hollows“ oder „Straight to Hell“ auf das neue Songmaterial beschränkt. Dafür gibt es von den Zuschauern zustimmendes Klatschen, die großen Stimmungsausbrüche bleiben aber erwartungsgemäß aus. Die Songs sind doch wohl eher etwas für einen gemütlichen Abend auf der Couch als für den Wacken-Acker.

Fazit:

Persönlich hat uns das W:O:A mal wieder gut gefallen. Die Shows der Bands waren bis auf ganz wenige Ausnahmen wieder einmal atemberaubend. Gerade in Anbetracht des super Billings, das Deutschlandweit seinesgleichen sucht, war das Wacken Open Air eine Reise wert. Außerdem war auch die Organisation einmal mehr von allererster Güte. Auch im Sanitärbereich gab es dieses Jahr unserer Ansicht nach nichts zu meckern. Da kann sich so mancher Veranstalter eine Scheibe abschneiden.

Minuspunkte gibt es allerdings beim Preis-Leistungsverhältnis bei Getränken und Speisen. Vier Euro für eine Pommes mit Mayo finde ich schon fast unverschämt. Drei Euro für ein 0,3l Bier ist auch schon heftig, aber wenn für einen Liter Mineralwasser zehn Euro verlangt wird, dann grenzt das schon an Abzocke. Aber das wird sicher so lange weitergehen, wie es noch genügend Festival-Lämmer gibt, die bereit sind sich zur Schlachtbank führen zu lassen.

Darüber hinaus ist es sehr schade zu beobachten, wie das W:O:A immer mehr zu einer Massenattraktion als zu einem tollen Metalfestival wird. Wenn man von Festivalbesuchern hört, dass sie zwar bereits am Montag angereist sind und auch schon zehn Fässer Bier am Zeltplatz geleert haben, aber bis zum Samstagabend außer den Firefighters noch nicht eine einzige Band gesehen haben, dann fragen wir uns schon, was das noch mit Heavy Metal zu tun hat. Dem Push durch die Medien und dem Herauswachsen der Metalszene aus ihren Undergroundschuhen geschuldet, wollen wohl viele Metal-Fans (und einstige Wacken-Fans) nicht mehr nach Wacken fahren. Journalistisch ist das Festival eine tolle Erfahrung und bietet die Möglichkeit sich über vieles auszutauschen. Mit dem Wacken von vor zehn, 15 oder 20 Jahren, das wir als Metalheads lieben gelernt haben, hat das aber nichts mehr gemeinsam.